Influenza-Impfung: Risiken, Hirnhautentzündung und Studienergebnisse

Die Influenza-Impfung ist ein wichtiges Thema, insbesondere angesichts der jährlichen Grippewellen und der potenziellen Komplikationen, die mit einer Influenza-Erkrankung einhergehen können. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken einer Influenza-Impfung, insbesondere im Hinblick auf Hirnhautentzündung, und fasst relevante Studienergebnisse zusammen. Zudem werden weitere Aspekte der Influenza-Impfung, wie die Impfquoten und die Effektivität bei verschiedenen Altersgruppen, betrachtet.

Einführung

Die Influenza, oder Grippe, ist eine Virusinfektion, die durch Husten oder Niesen übertragen wird. Während viele Menschen nur Erkältungssymptome entwickeln, kann eine echte Grippe schwer verlaufen und Komplikationen wie Lungenentzündungen hervorrufen, die sogar zum Tod führen können. Insbesondere ältere Menschen und Personen mit Grunderkrankungen sind gefährdet. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher eine jährliche Influenza-Impfung für bestimmte Bevölkerungsgruppen, um das Risiko einer Erkrankung und schwerwiegender Verläufe zu reduzieren.

Influenza-Impfung: Empfehlungen und Impfquoten

Die STIKO empfiehlt die Grippe-Impfung allen Menschen ab 60 Jahren. Durch die Impfung könnten sie das „Risiko, an einer Grippe zu erkranken, in etwa halbieren.“ Und selbst, wenn es trotzdem zu einer Erkrankung kommt, verläuft sie dann zumeist milder und mit weniger Komplikationen.

Die Realität sieht jedoch anders aus: Die Influenza-Impfquote in Deutschland hat laut Robert Koch-Institut (RKI) zuletzt „den niedrigsten Stand seit 17 Jahren“ erreicht. Bei den Menschen ab 60 sank sie „im Vergleich zur Vorsaison um 4 Prozentpunkte auf nur noch 34 Prozent“. Auch von den Menschen ab 18 Jahren, denen aufgrund einer Grunderkrankung eine Grippe-Impfung empfohlen wird, waren zuletzt nur 28 Prozent per Vakzine geschützt.

Risiken der Influenza-Impfung: Hirnhautentzündung

Einige Studien deuten darauf hin, dass die Influenza-Impfung einen COVID-19-Verlauf positiv beeinflussen und sogar die Anfälligkeit für die Corona-Infektion selbst vermindern könnte.

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Eine aktuelle amerikanische Untersuchung deutet darauf hin, dass eine Influenza-Erkrankung das Risiko für eine invasive Meningokokken-Erkrankung erhöhen könnte. Meningokokken können Blutvergiftung (Sepsis) und Hirnhautentzündung (Meningitis) hervorrufen. Es gibt 12 Untergruppen bei diesen Bakterien, wobei in Deutschland vor allem die Serogruppen B und C auftreten. Betroffen sind vor allem Säuglinge, kleine Kinder und Jugendliche.

Die Forscher schlossen aus ihren Ergebnissen, dass nach wie vor der beste Schutz gegenüber einer Meningokokken-Erkrankung die Meningokokken-Impfung ist. Aufgrund der vorliegenden Daten könnte aber auch eine Grippeimpfung indirekt etwas zur Verringerung dieser gefährlichen Erkrankung beitragen.

Effektivität der Influenza-Impfung

Die Effektivität der Influenza-Impfung kann je nach Alter und Gesundheitszustand variieren. Bei älteren Menschen ist die Immunantwort oft reduziert, was zu einer geringeren Schutzwirkung führt. Im Vergleich zu jungen Menschen ist die Influenzaimpfung bei den über 65-Jährigen um 30-50 % weniger wirksam. Bei jungen Menschen wird ihre Effektivität auf 65-80 % geschätzt.

Um die Wirksamkeit von Impfstoffen gegen saisonale Influenza für ältere Menschen zu verbessern, gibt es zwei Strategien: Die Zugabe des Adjuvans MF59 und Impfstoffe mit erhöhtem (4-fachem) Antigengehalt. Ein Impfstoff mit dem Adjuvans MF59 (Fluad®) ist seit 1997 in vielen europäischen Ländern zugelassen. Der hochdosierte Impfstoff Fluzone High Dose® führte in einer Doppelblindstudie im Vergleich zum Standardimpfstoff bei über 65-Jährigen zu einer bis zu 80 % höheren Antikörperbildung.

Weitere Impfempfehlungen für Erwachsene

Neben der Influenza-Impfung gibt es weitere wichtige Impfungen für Erwachsene. Die Pneumokokken-Impfung schützt vor Bakterien, die lebensbedrohliche Infektionen wie Lungenentzündung, Blutvergiftung und Hirnhautentzündung verursachen können. Die STIKO empfiehlt die sequenzielle Impfung mit der 13-valenten Konjugatvakzine PSV, gefolgt von einer Impfung mit der 23-valenten Polysacharidvakzine PPV im Abstand von 6-12 Monaten für Personen mit Immundefizienz beziehungsweise -suppression sowie für Personen mit anatomischen und fremdkörperassoziierten Risikofaktoren. Für Personen > 60 Jahre, die keiner der genannten Risikogruppen angehören, empfiehlt die STIKO dagegen lediglich die Impfung mit PPV23 (Pneumovax®).

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Auch die Herpes-zoster-Impfung (Gürtelrose) ist für ältere Menschen wichtig, da mit fortschreitendem Alter das Risiko für diese schmerzhafte Erkrankung steigt. Seit Mai 2018 ist ein Totimpfstoff (Shingrix®) auf Basis eines Subunit-Antigens verfügbar, mit dem in klinischen Studien bei Menschen im Alter von 50 bis über 80 Jahren zu 90 % eine Zostererkrankung verhindert werden konnte. Die STIKO hat eine Empfehlung für die Impfung mit diesem Herpes-zoster-Subunit-Totimpfstoff (HZ-Totimpfstoff) als Standardimpfung für alle Personen ab 60 Jahren ausgesprochen und die Impfung als Indikationsimpfung für Personen mit schwerer Grundkrankheit ab 50 Jahren empfohlen.

Einfluss des Immunsystems auf die Impfantwort

Mit zunehmendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems ab. Dieses Phänomen wird als Immunoseneszenz bezeichnet. Ältere Menschen benötigen deshalb einen besonders guten Impfschutz. Die „Alterung“ des Immunsystems wird „Immunoseneszenz“ genannt. Ältere Menschen benötigen deshalb einen besonders guten Impfschutz.

Die Effektivität von Impfstoffen kann grundsätzlich durch Adjuvanzien oder einen erhöhten Antigengehalt gesteigert werden. Lange Zeit wurde die Wirksamkeit von Vakzinen nach der Höhe von Antikörpertitern beurteilt. Mittlerweile weiß man allerdings, dass bei vielen Erregern die zellvermittelte Immunität für einen lang anhaltenden Schutz entscheidend ist.

Neben dem Lebensalter gibt es noch viele weitere Faktoren, die die Immunantwort beeinflussen. Hierzu gehören unter anderem:

  • Begleiterkrankungen
  • Medikamente mit immunsuppressiver Wirkung
  • Durchgemachte Infektionserkrankungen
  • Umweltfaktoren

Unabhängig vom Lebensalter haben diese Faktoren einen erheblichen kumulativen Einfluss auf die Immunität.

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Grippe und COVID-19

Einige Studien deuten darauf hin, dass die Influenza-Impfung einen COVID-19-Verlauf positiv beeinflussen und sogar die Anfälligkeit für die Corona-Infektion selbst vermindern könnte.

So haben Wissenschaftler der University of Miami Miller School of Medicine herausgefunden, dass zuvor gegen Influenza geimpfte COVID-19-Erkrankte signifikant weniger häufig in der Notaufnahme vorstellig wurden (bis zu 58% weniger). Auch benötigten sie seltener eine Behandlung auf der Intensivstation. Zudem scheint das Risiko für Schlaganfall, Sepsis („Blutvergiftung“) und tiefer Venenthrombose bei gegen Influenza geimpften Menschen sehr deutlich reduziert zu sein.

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