In der heutigen Zeit, in der die Lebenserwartung steigt, rückt die Prävention von Demenz, insbesondere der Alzheimer-Krankheit, immer stärker in den Fokus. Obwohl es keine einzelne „Wunderdiät“ gibt, die das Alzheimer-Risiko vollständig eliminieren kann, deuten zahlreiche Studien darauf hin, dass eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil eine entscheidende Rolle bei der Verzögerung des Beginns und der Verlangsamung des Fortschreitens von Demenzerkrankungen spielen können.
Die Rolle der Ernährung bei der Demenzprävention
Die Frage, ob die richtige Ernährung den Beginn von Alzheimer und anderen Demenzformen verzögern oder sogar verhindern kann, ist Gegenstand intensiver Forschung. Obwohl es keine absolute Gewissheit gibt, liefern Beobachtungsstudien wertvolle Erkenntnisse. Diese Studien analysieren Zusammenhänge zwischen berichteten Essgewohnheiten und dem späteren Auftreten von Erkrankungen oder Gedächtnisverlust. Es ist wichtig, einzelnen Studien kritisch zu begegnen, aber aus der Gesamtheit der Beobachtungsstudien lassen sich Schlussfolgerungen ziehen.
Allgemeine Ernährungsempfehlungen zur Senkung des Demenzrisikos
Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten ist, mit einem moderaten Konsum von Fisch und wenig Fleisch sowie geringem Alkoholkonsum, scheint mit einer besseren mentalen Leistungsfähigkeit und einem geringeren Demenzrisiko verbunden zu sein. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Rolle einzelner Nährstoffe umstritten ist, da sie im Zusammenspiel mit anderen Nährstoffen wirken. Von einseitigen Diäten, Nahrungsergänzungsmitteln oder konzentrierter Vitaminzufuhr ohne medizinische Indikation wird abgeraten.
Bei einem nachgewiesenen Vitamin-D-Mangel, der besonders bei älteren Menschen und in den Wintermonaten häufig vorkommt, sollte dieser durch geeignete Präparate ausgeglichen werden. Für andere Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel ist die Wirksamkeit derzeit nicht überzeugend und erfordert weitere Forschung.
Ernährungsmuster, die das Demenzrisiko erhöhen
Hoch verarbeitete und kalorienreiche Lebensmittel sind mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden. Dazu gehören Fertiggerichte ("Fast Food"), Wurstwaren, Chips und zuckerhaltige Getränke wie Limonaden. Aktuelle Studien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zeigen, dass der Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln das Risiko, an Demenz zu erkranken, deutlich erhöht.
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Lebensstilfaktoren zur Prävention und Verlangsamung von Demenzerkrankungen
Neben der Ernährung spielen auch andere Lebensstilfaktoren eine wichtige Rolle bei der Prävention und Verlangsamung des Fortschreitens von Demenzerkrankungen. Körperliche Aktivität, geistige Aktivitäten und soziale Kontakte sind von entscheidender Bedeutung. Eine Hörhilfe kann die Teilnahme am sozialen Leben erleichtern und sollte frühzeitig in Anspruch genommen werden. Auch guter Schlaf ist wichtig, da er dazu beiträgt, Schadstoffe aus dem Gehirn zu entfernen.
Ernährungsempfehlungen für Menschen mit fortgeschrittener Demenz
In fortgeschrittenen Stadien der Demenz ist eine ausreichende Kalorien- und Flüssigkeitsaufnahme von grösster Bedeutung. Die Lebensqualität sollte im Vordergrund stehen, und der Genuss vertrauter Gerichte kann dazu beitragen. Obwohl Übergewicht ein Risikofaktor für viele Krankheiten ist, sind Demenzpatienten oft untergewichtig.
Herausforderungen bei der Umsetzung einer gesunden Ernährung für Demenzpatienten
Bei manifester Demenz ist eine gesunde Ernährung zwar wünschenswert, aber in der Praxis ist es oft wichtiger, dass die Betroffenen überhaupt ausreichend Nahrung und Flüssigkeit zu sich nehmen, da Hunger- und Durstgefühl abnehmen. Bei der seltenen frontotemporalen Demenz kann es zu übermäßigem Essen oder dem Versuch, nicht essbare Lebensmittel zu essen, kommen. In den meisten Fällen reicht es auch im frühen Demenzstadium nicht mehr aus, an die Nahrungsaufnahme zu erinnern, sondern das Essen muss zubereitet und zur Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme angehalten werden. In späteren Stadien ist Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme erforderlich. Grundsätzlich gilt: In Gesellschaft schmeckt es besser!
Die mediterrane Ernährung: Ein bewährtes Vorbild
Viele wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine ausgewogene und bewusste Ernährung das Risiko für Demenzerkrankungen wie Alzheimer senken kann. Ein bewährtes Vorbild ist die traditionelle Mittelmeerküche mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, fettem Seefisch und Olivenöl. Studien zeigen, dass sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes senken kann - und zugleich die Hirngesundheit verbessert.
Polyphenole (natürliche Stoffe, die Pflanzen ihre Farbe geben) sind in Obst, Gemüse und kaltgepresstem Olivenöl enthalten. Omega-3-Fettsäuren aus fettem Seefisch wie Thunfisch, Dorade oder Sardelle unterstützen die Zellgesundheit. Sie sind auch in Walnüssen, Chiasamen, Leinsamen und Avocados enthalten. Nüsse sind auch deshalb wertvoll, weil sie wichtige pflanzliche Proteine, viele Mineralstoffe und Vitamine liefern.
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Die MIND-Diät: Ein spezieller Ernährungsansatz für die Hirngesundheit
Die MIND-Diät (Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay) ist ein weiterer vielversprechender Ernährungsansatz zur Förderung der Hirngesundheit. Sie kombiniert Elemente der mediterranen Ernährung und der DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) und legt den Fokus auf bestimmte Lebensmittel, die besonders vorteilhaft für das Gehirn sind. Dazu gehören:
- Grünes Blattgemüse (Spinat, Grünkohl, Mangold)
- Beeren
- Nüsse
- Olivenöl
- Vollkornprodukte
- Fisch
- Geflügel
- Bohnen
Gleichzeitig werden stark verarbeitete Lebensmittel, rotes Fleisch, Süßigkeiten und frittierte Speisen reduziert.
Stark verarbeitete Lebensmittel und ihre Auswirkungen auf die Hirngesundheit
Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass stark verarbeitete Lebensmittel die Hirngesundheit schädigen können. Der Konsum von Fast Food, Fertigpizza, Dosenravioli, Instantsuppen oder Mikrowellengerichten ist mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden.
Forschende vermuten, dass stark verarbeitetes Essen auf verschiedene Arten ungesund für das Gehirn sein kann:
- Übergewicht: Der häufige Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln kann zu Übergewicht führen, was Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes begünstigt.
- Gestörte Darmflora: Stark verarbeitete Lebensmittel können die mikrobielle Vielfalt im Darm verändern und krankmachende Veränderungen im Gehirn nach sich ziehen.
- Geschädigte Nervenzellen: Künstliche Aromen oder andere Zusatzstoffe können Nervenzellen schädigen.
Weitere wichtige Nährstoffe für die Gehirngesundheit
Neben den bereits genannten Nährstoffen gibt es weitere, die für die Gehirngesundheit wichtig sind:
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- B-Vitamine (B6, B12, Folsäure): Schützen Nervenzellen, senken Homocystein und beugen Hirnatrophie vor.
- Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA): Entzündungshemmende Fette, essentiell für Hirnmembranen und Synapsen.
- Vitamin D: Wichtig für Immunfunktion und Schutzmechanismen im Gehirn.
- Antioxidantien (Vitamin C, E, Selen): Neutralisieren freie Radikale im energiehungrigen Gehirn.
- Magnesium: Wichtig für die Signalübertragung zwischen Gehirnzellen und Gedächtnisbildung.
- Zink & Selen: Spurenelemente, essentiell für Wachstum und Reparatur von Nervenzellen.
- Coenzym Q10 & L-Carnitin: Unterstützen die Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle).
- Lithium (Spurenelement): In sehr kleinen Mengen essentiell fürs Gehirn.
Orthomolekulare Medizin zur Demenz-Prävention
Die orthomolekulare Medizin setzt auf die Versorgung des Körpers mit optimalen Konzentrationen natürlicher Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralien, Aminosäuren, Fettsäuren etc.), um Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Studien zeigen, dass bestimmte Nährstoffe und Lebensstilfaktoren nicht nur das Fortschreiten einer beginnenden Demenz verlangsamen, sondern auch präventiv wirken können.
Ernährungsempfehlungen für Menschen mit Demenz
Menschen mit Demenz haben oft einen verminderten Geschmacks- und Geruchssinn sowie ein reduziertes Hunger- und Durstgefühl. Um körperliche Schwäche und eine ernährungsbedingte Verschlechterung der Demenz zu vermeiden, sollten sie sich ausgewogen ernähren und ausreichend trinken. Feste Essenszeiten können dabei helfen.
Zum Essen verlockende Zubereitungsweisen
Da vielen Menschen mit Demenz nichts mehr schmeckt, ist es wichtig, die Speisen ansprechend zuzubereiten. Beteiligen Sie die Betroffenen an der Nahrungszubereitung, würzen Sie die Speisen intensiver und bieten Sie ihnen deftige Hausmannskost an. Berücksichtigen Sie auch ihre Vorliebe für Süßes.
Appetit anregende Darreichungsformen
Auch das Auge isst mit: Richten Sie die Speisen ansprechend an und bieten Sie kleine, hübsch angerichtete Portionen an.
Die Bedeutung der Geselligkeit
Ob Menschen mit Demenz in größerer Runde oder alleine besser essen, hängt von ihrer Persönlichkeit ab. Geselligen Personen schmeckt es meist besser, wenn sie gemeinsam mit anderen essen. Introvertierte Personen können von Umgebungsgeräuschen schnell gestresst sein und sollten ihre Mahlzeiten in ruhiger Umgebung einnehmen.
Appetitanreger und feste Essenszeiten
Verteilen Sie kleine Schälchen mit Obst-, Gemüse- oder Schokoladenstückchen in der Wohnung, um den Appetit anzuregen. Um zu verhindern, dass Menschen mit Demenz das Essen vergessen, sollten Sie feste Essenszeiten einhalten.
Ausreichend trinken
Achten Sie darauf, dass Menschen mit Demenz täglich mindestens 1,5 Liter trinken, um Austrocknung und Verwirrungszustände zu vermeiden. Stellen Sie an verschiedenen Stellen in der Wohnung Flaschen auf, aus denen sie sich bedienen können.
Umgang mit Nahrungsverweigerung und Schluckstörungen
Im Laufe einer Demenz kann es aus unterschiedlichen Gründen zur Nahrungsverweigerung kommen. Zahnschmerzen, Entzündungen im Mund-Rachen-Raum oder Schluckstörungen können die Ursache sein. Bei Schluckbeschwerden sollte eine logopädische Behandlung verordnet werden. Zwingen Sie Menschen mit Demenz niemals zum Essen!
Einführung einer individuellen Tischkultur
In der fortgeschrittenen Phase der Demenz können manche Betroffene nicht mehr mit Messer und Gabel umgehen und führen die Nahrung mit den Händen zum Mund. Das eigenständige Essen hat Vorrang vor Sauberkeit und allgemeinen Verhaltensregeln am Tisch. Bieten Sie möglichst viele Mahlzeiten in Form von „Fingerfood“ an.
Horten von Nahrungsmitteln
Manche Menschen mit Demenz beginnen, Essen für Notzeiten zu horten. Akzeptieren Sie dies als Vorsorgemaßnahme und treffen Sie eine Absprache, um die zusammengetragenen Lebensmittel regelmäßig auf ihre Genießbarkeit zu kontrollieren.
Fazit
Obwohl es keine Garantie dafür gibt, Demenz durch Ernährung vollständig zu verhindern, deuten zahlreiche Studien darauf hin, dass eine ausgewogene Ernährung, ein gesunder Lebensstil und die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse eine entscheidende Rolle bei der Verzögerung des Beginns und der Verlangsamung des Fortschreitens von Demenzerkrankungen spielen können. Die mediterrane Ernährung, die MIND-Diät und die orthomolekulare Medizin bieten vielversprechende Ansätze zur Förderung der Hirngesundheit. Es ist jedoch wichtig, sich von einem Arzt oder Ernährungsberater individuell beraten zu lassen, um die bestmögliche Strategie zur Demenzprävention zu entwickeln.
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