Mozzarella und Migräne: Ein Überblick über mögliche Zusammenhänge

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen kann. Immer mehr Menschen sind von Migräne betroffen. Neben Stress, hormonellen Schwankungen und Überanstrengung spielt hierbei auch das Essen eine große Rolle. Die genauen Ursachen der Migräne sind bislang noch nicht völlig erforscht. Viele Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass das Gehirn von Migräne-Patientinnen und Migräne-Patienten aufgrund ihrer Veranlagung empfindlicher reagiert als das Gehirn gesunder Menschen. Darum können plötzliche Veränderungen im Körper, beispielsweise hormonelle Schwankungen im Verlauf des weiblichen Monatszyklus oder Veränderungen äußerer Einflüsse eine Attacke auslösen. Diese inneren und äußeren Einflüsse, die einen Migräne-Anfall provozieren können, werden Triggerfaktoren genannt. Sie sind nicht die eigentliche Ursache, aber der Auslöser von Schmerzattacken.

Ein wichtiger Aspekt bei der Migränebehandlung ist die Ernährung. Es gibt zwar keine spezielle "Migräne-Diät", aber es ist bekannt, dass bestimmte Lebensmittel Migräneanfälle auslösen können. Viele Patienten berichten davon, dass bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser ihrer Migräne infrage kommen. Vor allem Lebensmittel, die Alkohol, Koffein, Histamin und Tyramin enthalten, stehen im Verdacht, zu Migräne zu führen. Wissenschaftliche Studien sehen hingegen kaum einen Zusammenhang zwischen der Kopfschmerzerkrankung und bestimmten Nahrungsmitteln. Studien, die anzweifeln, dass bestimmte Lebensmittel Migräne auslösen können, stehen den Erfahrungen vieler Patienten gegenüber. Circa 20 Prozent der Migränekranken sind sich sicher, dass gewisse Speisen zu ihren persönlichen Triggern, also Auslösern, zählen.

Im Zusammenhang mit Migräne wird oft die Frage aufgeworfen, ob bestimmte Käsesorten, insbesondere Mozzarella, eine Rolle spielen könnten. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Verbindungen zwischen Mozzarella, anderen Käsesorten und Migräne, sowie weitere ernährungsbezogene Aspekte, die bei Migräne eine Rolle spielen können.

Migräne verstehen

Migräne ist eine Kopfschmerzform, die bereits in der Kindheit beginnen kann, aber verstärkt zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auftritt. Die Migräne taucht in Attacken auf, die vier Stunden bis zu drei Tage andauern können. Der Kopfschmerz pocht, pulsiert oder hämmert, oft nur halbseitig. Licht-, Lärm- oder Geruchsempfindlichkeit begleiten das Übel, ebenso wie Appetitlosigkeit, Erbrechen oder Übelkeit. Ein Migräneanfall umfasst vier Phasen, alle müssen aber nicht zwangsläufig auftreten. So fühlt sich ein Teil der Patienten vor einer Attacke abgeschlagen, müde, gereizt oder hat Heißhunger. Manchmal kündigt eine Aura den nächsten Anfall an. Dann setzen Lähmungen, Missempfindungen, Seh- oder Sprachstörungen ein und klingen vor der Kopfschmerzphase wieder ab.

Viele Betroffene denken, dass sie bei einer Attacke lediglich Medikamente nehmen müssen. Aber die Migräneprophylaxe spielt eine weitaus größere Rolle - und hier setzt die Migräne-Ernährung an. Damit die Erkrankung seltener zuschlägt, gilt es Unterzuckerungen zu vermeiden und persönliche Trigger zu entlarven.

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Käse als potenzieller Migräne-Trigger

Einige Migräniker berichten, dass bestimmte Käsesorten ihre Attacken auslösen können. Vor allem tyraminhaltige Käsesorten - also länger gereifte Sorten wie Bergkäse, Cheddar, Edamer, Emmentaler, Parmesan und Gruyère, aber auch Schmelzkäse oder Gorgonzola gehören zu den Triggern einer Migräne. Diese Käsesorten enthalten hohe Mengen an Tyramin, einer Aminosäure, die als potenzieller Migräneauslöser gilt. Tyramin ist ein Neurotransmitter, der als Trigger für Migräne im Fokus steht.

Mozzarella als Ausnahme?

Mozzarella, Ricotta, junger Gouda oder Butterkäse gehören laut MigräneLiga zu den empfohlenen Käsesorten für Migränepatient:innen. Mozzarella enthält im Vergleich zu gereiften Käsesorten weniger Tyramin. Frische, unverarbeitete Lebensmittel enthalten meist wenig Histamin. Wer viel mit frischen Zutaten viel selbst kocht, ist daher auf der sicheren Seite. Dies könnte erklären, warum Mozzarella von vielen Migränepatienten besser vertragen wird.

Histaminintoleranz und Migräne

Histamine stehen im Verdacht, als "Trigger" für Kopfschmerz-Attacken zu wirken. Auch, wenn es sich bei vielen wie eine Allergie anfühlt: Eine Histaminunverträglichkeit, auch Histaminintoleranz (HIT) genannt, ist keine Allergie, sondern eine erworbene Stoffwechselstörung. Histamin ist ein Eiweißstoff, der in unserem Körper produziert wird und als Botenstoff verschiedene Aufgaben hat - zum Beispiel bei Entzündungen oder beim Schlaf-Wach-Rhythmus. Histamin findet sich aber auch in vielen Lebensmitteln. Es bildet sich besonders in eiweißreichen Lebensmitteln während des Reifeprozesses - wie in Hartkäse, Salami, rohem Schinken oder Fischkonserven oder geräuchertem Fisch.

Normalerweise ist Histamin in Lebensmitteln kein Problem für den menschlichen Körper, denn es gibt das Enzym Diaminoxidase (DAO). Das regelt den Abbau von Histamin, wenn wir zum Beispiel über die Nahrung zu viel davon aufgenommen haben. Doch nun gibt es eine ganze Reihe an Faktoren, die dafür sorgen, dass in unserem Körper zu wenig von diesem Enzym aktiv zur Verfügung steht: Das sind zum Beispiel Stress, Magen-Darm-Infekte, Alkohol, körperliche Anstrengung, das gleichzeitige Bestehen einer Allergie und die Einnahme von bestimmten Medikamenten wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac. "Auch wir beobachten in unserer Sprechstunde, dass das Beschwerdebild einer Histaminunverträglichkeit zunehmend von Frauen berichtet wird, die sich im Hormonwandel befinden. Dr. Stechendes Kopfweh, verstopfte oder laufende Nase, Juckreiz oder Pusteln auf der Haut, Bauchschmerzen, Durchfall - all das kann auf eine Histaminintoleranz hindeuten. Kann, muss aber nicht. Und das macht es auch so schwer, eine Histaminunverträglichkeit zuverlässig zu diagnostizieren. Mediziner können meist nur im Ausschlussverfahren zu einer Diagnose kommen.

Ein Stück Hartkäse, ein Glas Wein und schon brummt der Schädel? Vermutlich sind dann Ihre Kopfschmerzen durch eine Ernährung mit Histamin bedingt. Zusätzlich kommt es meist zu Hautrötungen, Ausschlag, Müdigkeit, Schwindel, Kreislauf- oder Verdauungsproblemen.

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Histaminintoleranz testen

Wenn Sie vermuten, dass Sie unter einer Histaminintoleranz leiden, weil die Beschwerden wie Verdauungsstörungen, verstopfte Nase, häufiges Niesen, Kopfschmerzen oder sogar Herzrasen immer wieder nach ganz bestimmten Lebensmitteln oder Getränken auftreten, gehen Sie zum Arzt. Suchen Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin, eine Allergologin oder einen Allergologen auf. Dr. Patienten wird meist geraten, über mehrere Wochen hinweg ein Symptom- und Ernährungstagebuch zu führen. Wenn man die Auslöser kennt, gilt es, die Lebensmittel zu meiden, die Beschwerden auslösen. Außerdem muss ärztlich abgeklärt werden, dass nicht andere Erkrankungen wie Zöliakie, Reizdarm oder Colitis ulcerosa die Beschwerden verursachen.

Weitere Ernährungsempfehlungen bei Migräne

Neben dem potenziellen Einfluss von Käse gibt es weitere Ernährungsempfehlungen, die bei Migräne hilfreich sein können:

  • Regelmäßige Mahlzeiten: Migräniker haben ein besonders schnelles „Betriebssystem“; es kommt also auf die Energieversorgung an. Frühstück ausfallen lassen, Low-Carb- und Extremdiäten sind nicht das Richtige fürs Gehirn. Essen Sie eher kohlenhydratreich und setzen Sie auf komplexe Kohlenhydrate wie Haferflocken, Hülsenfrüchte, Vollkornbrot oder Kartoffeln. Halten Sie sich an feste Essenszeiten, um Schwankungen des Blutzuckerspiegels zu vermeiden. Sorgen Sie für fünf kleine Mahlzeiten am Tag, essen Sie in Ruhe und lassen Sie keine Hauptmahlzeit ausfallen, vor allem nicht das Frühstück. Nehmen Sie spätestens 2,5 Stunden vor dem Schlafengehen Ihr Abendbrot ein. Auf den Speiseplan der Migräne-Ernährung gehören zudem zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse. Dazu Milchprodukte, frischer Fisch, mageres Fleisch und nicht mehr als vier Eier die Woche.

  • Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie mindestens zwei Liter pro Tag und am besten Wasser.

  • Vermeidung von Triggern: Es ist wichtig, die persönlichen Migräne-Trigger zu identifizieren und zu meiden. Ein Ernährungs- und Schmerztagebuch kann dabei helfen, die sogenannten "Trigger" zu identifizieren. Darin werden alle Genussmittel, Stressfaktoren und Schmerzereignisse über mindestens vier Wochen protokolliert (Uhrzeit, Essen, Getränk, Besonderheiten, Beschwerden).

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  • Magnesium und Omega-3-Fettsäuren: Das Mineral Magnesium findet sich in Mandeln, Erdnüssen, Cashewnüssen, Avocado, Thunfisch und in Blattgemüse. Aber auch in Leinsamen, Hanfsamen, Chiasamen oder Walnüssen. Omega-3 Fettsäuren, wie sie besonders in Fischen wie Lachs, Makrele oder Hering vorkommen, können bei der Vorbeugung helfen.

  • Vitamin B2: Vitamin B2 ist ein Coenzym der Atmungskette und spielt eine entscheidende Rolle in der Atmungskette der Mitochondrien - den sogenannten Kraftwerken unserer Zellen. Weil eine Störung des mitochondrialen Energiestoffwechsels mit der Entstehung von Migräne diskutiert wird, könnte Vitamin B2 der Prophylaxe einer Attacke dienen. Der Referenzwert für Vitamin B2 liegt laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei 1,4 mg pro Tag für Männer im Alter von 19 bis unter 51 Jahren und 1,1 mg pro Tag für Frauen der gleichen Altersgruppe.

Was sollte man bei Migräne nicht essen?

Einige Patienten berichten, dass ein bestimmtes Nahrungsmittel eine Attacke auslöst - aber häufig bringt das Lebensmittel das Fass zum Überlaufen, weil sie bereits überarbeitet und gestresst sind.

  • Süßigkeiten, Kekse oder Kuchen: Sie liefern dem Gehirn zwar blitzartig Energie, sie führen aber auch zu einem raschen Anstieg sowie Abfall des Blutzuckerspiegels. Das bereitet den Boden für eine neue Attacke.

  • Süße Alkoholika: Likör, lieblicher Rotwein sowie Sekt sind Trigger und können eine Attacke auslösen.

  • Fertiggerichte: Viele Fertiggerichte, aber auch Wurst und Chips sind zu salzig, zu fettreich und liefern Unmengen an gesättigten Fettsäuren. All das setzt den Gefäßen zu und erhöht das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten. Aber was hat das mit Migräne zu tun?

Weitere Faktoren, die Migräne beeinflussen können

  • Stress: Stress ist der häufigste Auslöser von Migräneanfällen. Alltägliche Situationen wie bevorstehende Prüfungen, Überforderung bei der Arbeit oder Beziehungsprobleme erzeugen oft Stress. Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Qigong bauen Stresshormone effektiv ab und können somit Migräne vorbeugen.

  • Körperliche Überlastung: Körperliche Überlastung kann ebenfalls Migräneanfälle verursachen. Dies erklärt, warum einige Menschen nach dem Sport Migräne bekommen. Obwohl Sport und Bewegung grundsätzlich gut für Sie sind, benötigt Ihr Körper in diesen Phasen viel Energie. Dies kann zu einem Energiedefizit im Gehirn führen und somit Migräneanfälle auslösen. Regelmäßiger Ausdauersport hat die gleiche positive Wirkung.

  • Hormone: Hormone können auch eine Ursache für Migräne sein. Nach einer Schwangerschaft können Migräneanfälle häufiger auftreten. Auch in den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel und die Hormone geraten generell durcheinander.

  • Äußere Einflüsse: Starke Kopfschmerzen können auch durch äußere Einflüsse ausgelöst werden. Auch Licht kann Anfälle auslösen. Bestimmte Lichteffekte und Hell-Dunkel-Kontraste können ebenfalls Migräne verursachen. Lärm kann auch eine Reizüberflutung verursachen und ein Auslöser für Migräne sein.

Was hilft sofort gegen Migräne?

  • Ruhe & Dunkelheit: Legen Sie sich in einen ruhigen, dunklen Raum und versuchen Sie zu entspannen.

  • Kühlung: Eine Kühlkompresse oder ein kaltes Tuch auf der Stirn oder am Hinterkopf können helfen, die Schmerzen zu lindern.

  • Massage & Akupressur: Eine sanfte Massage von Nacken und Kopf kann helfen, Spannungen und Schmerzen zu lindern. Auch eine Fußreflexzonenmassage kann die Durchblutung und den Energiefluss in Ihrem Körper verbessern.

  • Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, um Dehydration zu vermeiden - vor allem, wenn Sie unter Erbrechen leiden. Wasser ist hierbei sicher die beste Wahl, aber auch Tee (Kamille oder Pfefferminz) eignet sich gut.

  • Ingwer: Ingwer hat eine entzündungshemmende Wirkung und kann bei Übelkeit helfen.

  • Pfefferminzöl: Pfefferminzöl hat eine beruhigende Wirkung auf den Magen und kann bei Übelkeit helfen. Tragen Sie dazu das Öl auf Ihren Schläfen und Ihren Nacken auf oder atmen Sie einfach den erfrischenden Duft ein. Achtung: Nicht aus Versehen das Öl in die Augen wischen!

Für Migräne gibt es neben den klassischen Schmerzmitteln auch spezielle Präparate, die sogenannten Triptane.

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