Der Zusammenhang zwischen Riechhirn und Alzheimer-Demenz: Eine umfassende Analyse

Jede Sekunde prasseln unzählige Reize auf unser Gehirn ein: Geräusche, Bilder und andere Sinneseindrücke von außen, dazu Informationen aus dem Körperinneren. Doch was davon wirklich im Bewusstsein ankommt, entscheidet eine Art Türsteher. Im Gehirn übernimmt diese Aufgabe der Thalamus, eine Hirnregion, die im Zentrum sitzt und dort Sinnesreize filtert und sortiert. Interessanterweise hat der Thalamus über einen Sinn keine Entscheidungsherrschaft: den Geruchssinn.

Die einzigartige Rolle des Geruchssinns

Olfaktorische Reize gelangen ungefiltert und direkt ins limbische System. Dieses System steuert die Emotionen und ist entscheidend für das Gedächtnis. Erlebnisse, die mit starken Emotionen verknüpft sind, bleiben besonders gut hängen. Düfte entfalten eine geradezu magische Wirkung, da sie einen in längst vergangene Momente katapultieren und verschüttete Erinnerungen hervorrufen können.

Der direkte Draht olfaktorischer Reize zum Gedächtnis liegt in der Evolution begründet: „Der Geruchssinn ist der älteste aller Sinne“, erklärt Prof. Michael Leon von der University of California in Irvine. Experten vermuten, dass sich die Hirnregion, die für das Langzeitgedächtnis zuständig ist, aus dem ursprünglichen Riech-Hirn entwickelt hat.

Lässt sich das Gedächtnis mit Düften stimulieren?

Das Forschungsteam um Leon hat untersucht, ob sich die Merkfähigkeit durch Düfte stimulieren lässt. Dazu rekrutierten sie 43 Teilnehmende zwischen 60 und 85 Jahren für ein sechsmonatiges Experiment: Die Hälfte von ihnen atmete über einen Duftdiffuser jede Nacht zwei Stunden lang einen intensiven Duft ein. Im Wechsel waren es insgesamt sieben Duftnoten: Rose, Orange, Eukalyptus, Zitrone, Minze, Rosmarin und Lavendel. Die zweite Gruppe erhielt zwar ebenfalls einen Duftdiffuser, die beigefügten Kartuschen enthielten aber nur minimale Anteile an Duftölen.

Verbesserungen im Sprachgedächtnis durch Duftstimulation

Kognitive Tests zu Beginn und am Ende der halbjährigen Experimentierphase zeigten, dass sich das Gedächtnis der Duftgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe verbessert hatte. In klassischen sprachlichen Gedächtnistests schnitten mehr Teilnehmende der Duftgruppe deutlich besser ab als zu Beginn der Studie. „Die Merkfähigkeit dieser Gruppe hatte sich im Vergleich zur Kontrollgruppe um durchschnittlich 226 Prozent gesteigert“, berichtet Leon.

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Bilder aus dem funktionalen Magnetresonanztomographen (fMRT) zeigten zudem, dass ein bestimmtes Nervenfaserbündel, der linke Fasciculus uncinatus, nach der nächtlichen Duftexposition leistungsfähiger und durchlässiger war. Dieser ist zur Verarbeitung von Sprache wichtig, aber auch am Abruf von Gedächtnisinhalten beteiligt.

Rosenduft als Lernhilfe

Forschende der Universität Freiburg haben herausgefunden, dass nicht nur ältere Hirne, sondern auch junge von nächtlichen Duftbädern profitieren. Kinder, die beim Vokabellernen und in der anschließenden Nacht Rosenduft schnupperten, erinnerten sich bei späteren Tests besser an das Gelernte. Das galt insbesondere, wenn ihnen der Blütenduft auch während der Prüfungen in die Nase stieg. Offenbar erleichterte die neurologische „Duftspur“ es, den abgelegten Gedächtnisinhalt wiederaufzufinden. In einer späteren Untersuchung mit Erwachsenen waren die Ergebnisse ähnlich positiv.

Einfluss von Düften auf den Schlaf

Der günstige Einfluss auf das Gehirn lässt sich zumindest teilweise auf einen verbesserten Schlaf zurückführen. Denn im Schlaf wird Erlerntes weiterverarbeitet und dann im Langzeitgedächtnis abgelegt. Untersuchungen im Schlaflabor haben gezeigt, dass die olfaktorische Stimulation während des Schlafs den Tiefschlaf verbesserte - und damit den erholsamsten Teil des Schlafzyklus. Doch entfalten Düfte auch bei Tage eine Wirkung auf die kognitiven Fähigkeiten. Ein Beispiel: In einer Untersuchung der TU Dresden schnitten Erwachsene, die fünf Monate lang zweimal täglich vier Duftstoffe aus ätherischen Ölen einatmeten, am Ende besser in Sprachtests ab als eine Kontrollgruppe.

Der Verlust des Geruchssinns als Risikofaktor für Alzheimer

Die große Bedeutung des Geruchssinnes für die kognitive Leistungen offenbart sich umgekehrt auch dann, wenn die Riechfähigkeit nachlässt. Leon und Kollegen haben dazu die aktuelle Studienlage ausgewertet und eine erstaunliche Zahl von rund 70 neurologischen und psychiatrischen Störungen zusammengetragen, die mit einem Verlust des Geruchssinns einhergehen. Darunter ist auch die Alzheimerdemenz. Schon länger beobachtet man, dass ein nachlassender Geruchssinn oft ein Vorbote der Erkrankung ist.

Es spricht jedoch einiges dafür, dass abnehmende olfaktorische Sinnesreize den Niedergang der Hirnfunktionen direkt beschleunigen könnten. Fehlen Reize aus dem olfaktorischen System, mangelt es dem Gehirn in diesem Bereich an Stimulation. Und die bewirkt normalerweise, dass neue Nervenzellen (Neuronen) entstehen und/oder neue Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen (Synapsen) sprießen und sich vernetzen. Dieser Prozess verbessert die sogenannte „kognitive Reserve“.

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Kognitive Reserve und Stimulation

Aus dem Grund entwickeln Menschen, die im Leben ein hohes Maß an kognitiver Stimulation erfahren haben, möglicherweise seltener Alzheimersymptome. Das gilt beispielsweise in besonderem Maße für Personen, die mehrsprachlich aufgewachsen sind oder Musikinstrumente spielen. Gehen bei ihnen Nervenzellen zugrunde, können sie dies besser und länger durch ein dichteres neuronales Netzwerk kompensieren.

Umgekehrt könnten Impulse, die das Gehirn durch Reize erfährt, eine Schutzwirkung entfalten, indem sie die kognitive Reserve stärken - egal ob über die Augen, die Ohren oder die Nase. „Eine lebenslange olfaktorische Stimulation könnte eine heilsame Wirkung auf das Gehirn haben“, schreiben Leon und Kollegen. Denkbar ist, dass eine gezielte Duftstimulation die Neubildung von Neuronen, die sogenannte Neurogenese, direkt anstoßen könnte. Tatsächlich bewirken Düfte nachweislich handfeste Veränderungen in der Hirnarchitektur.

Düfte fördern die Neurogenese

In einer australischen Studie ließ ein tägliches 30-minütiges Duftbad bei Mäusen innerhalb von drei Monaten neue Nervenzellen sprießen. Das galt sowohl für den Riechkolben als auch für den Hippocampus, der zentral für Lernen und Gedächtnis ist. Entscheidend für die Neurogenese war, dass sich die Düfte abwechselten - eine Duftmischung hatte keinen entsprechenden Effekt.

Um das auch beim Menschen zu untersuchen, hat sich eine Gruppe kanadischer Forschender angehende Sommeliers ausgesucht. Diese müssen ihre Nase intensiv schulen, um die feinen Duftnoten verschiedener Weine zu unterscheiden und wiederzuerkennen. Hirnscans zu Beginn und am Ender der 18-monatige Ausbildung zeigten, dass sich bei den Weinkellnern aufgrund des intensiven Riechtrainings nicht nur der Riechkolben verstärkt hatte. Auch die Dicke des sogenannten entorhinalen Kortex hatte zugenommen. Diese Beobachtung könnte viele Ergebnisse aus der Geruchshirnforschung erklären. Denn der entorhinalen Kortex spielt eine zentrale Rolle bei der Gedächtnisbildung. Nur Reize, die er an den Hippocampus weiterleitet, werden im Gedächtnis abgespeichert.

Dufttraining als Therapieansatz bei Alzheimer?

Die Frage ist, ob Düfte auch dann noch eine Wirkung entfalten können, wenn der geistige Verfall bereits eingesetzt hat. Dafür spricht eine Studie eines Forschungsteams um Hyegyeong Cha von der Universität Seoul. Dazu fuhr das koreanische Team gleich ein ganzes Arsenal von 40 Düften auf. An diesen ließen sie 34 mittelschwer an Alzheimer erkrankte Patientinnen und Patienten zweimal täglich schnuppern. Das Ergebnis war eindrücklich: Innerhalb von 15 Tagen verbesserte sich deren Gedächtnisleistung im Vergleich zu einer Kontrollgruppe um bis zu 300 Prozent. Mehr noch: Auch die depressiven Symptome, die vielen Demenzbetroffenen zusetzen, reduzierten sich im Vergleich zur Kontrollgruppe um 325 Prozent.

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„Diese Ergebnisse sind viel, viel besser als bei jedem Medikament, das bisher gegen Demenz getestet wurde“, betont Hirnforscher Leon gegenüber netDoktor. Und natürlich gäbe es keine schwerwiegenden Nebenwirkungen, anders als bei den kürzlich zugelassenen Demenzmedikamenten.

Therapeutischer Einsatz von Düften

Das Forschungsteam um Leon ist zuversichtlich, dass der therapeutische Einsatz von Düften viel bewirken kann. „Das Geruchssystem hat einen einzigartigen Zugang zu den Lern- und Gedächtnissystemen des Gehirns. Das könnte es möglich machen, die Verschlechterung dieser Systeme durch direkte neuronale Aktivierung zu verhindern oder umzukehren“, schreiben die Forschenden.

Allerdings sei es schwierig, insbesondere Demenzpatientinnen und -patienten dazu zu bewegen, zweimal täglich ein Riechtraining mit so vielen Düften zu absolvieren. Das Team entwickelt daher derzeit einen Diffuser, der nachts automatisch 40 Düfte nacheinander auf Menschen pustet, während sie schlummern. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein. Womöglich entfaltet die nächtliche Duftdusche eine noch stärkere Wirkung als die bei Tage.

Alzheimer-Demenz: Symptome, Diagnose und Ursachen

Von den derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz weisen rund 2/3 die Alzheimer-Krankheit auf. Das Risiko, mit einer Alzheimer-Krankheit oder einer anderen Demenzform zu leben, nimmt mit dem Alter zu. Die meisten Betroffenen sind über 65 Jahre alt. Bei Menschen deutlich unter 65 spielen eher genetische Faktoren eine Rolle. Heilbar ist die Alzheimer-Krankheit noch nicht. Aber durch die richtige Therapie lässt sich ihr Verlauf verzögern.

Symptomatik der Alzheimer-Krankheit

Der Verlust von Nervenzellen im Gehirn wirkt sich bei Betroffenen zuerst auf das Gedächtnis aus. Der Verlauf einer Demenz des Alzheimer-Typs lässt sich in drei Stadien unterteilen (Frühstadium, mittleres Stadium, fortgeschrittenes Stadium) mit unterschiedlich ausgeprägten Symptomen. Der Verlauf kann im Einzelfall aber davon abweichen. Beispielsweise können bei einigen Betroffenen bestimmte Symptome früher auftreten oder auch ganz ausbleiben.

Frühes Stadium

Im frühen Stadium von Alzheimer können sich Betroffene neue Informationen häufig nicht mehr gut merken. Sie verlegen beispielsweise Gegenstände, können sich nicht auf Gespräche konzentrieren oder es fallen ihnen bestimmte Wörter nicht mehr ein. Es treten auch erste Orientierungsschwierigkeiten in fremden Umgebungen auf. Betroffene bemerken meist als erstes, dass etwas nicht stimmt und versuchen dieses aus Frust, Kummer, Angst oder auch Scham zu verbergen.

Mittleres Stadium

Die Sprache und das Sprachverständnis ist bei den Betroffenen meist spürbar beeinträchtigt. Es treten Fehler im Satzbau auf und Unterhaltungen werden immer schwieriger, da Betroffene den „roten Faden“ verlieren. Die Durchführung alltäglicher Tätigkeiten wird immer schwieriger. Die Orientierung in der gewohnten Umgebung fällt immer schwerer, auch in den eigenen vier Wänden finden sich Betroffene nicht mehr zurecht. Erinnerungen an vergangene Jahrzehnte verblassen. Das Vergessen betrifft nun auch das Langzeitgedächtnis. Sehr belastend für Angehörige können Persönlichkeitsveränderungen sein.

Fortgeschrittenes Stadium

Menschen mit Demenz im fortgeschrittenen Stadium sind bei allen Tätigkeiten auf Hilfe angewiesen und verlieren zuletzt auch die Kontrolle über ihre Körperfunktionen. Gespräche können kaum noch geführt werden, die Betroffenen reagieren kaum und reihen allenfalls einzelne Wörter oder Laute aneinander. Viele verstummen auch vollends. In dieser Phase gewinnt die Kommunikation über Körperkontakt und andere nicht-sprachliche Formen der Kommunikation an größter Bedeutung.

Diagnose der Alzheimer-Krankheit

Jeder vergisst oder verlegt einmal etwas, bringt Dinge durcheinander oder reagiert gereizt auf Andere. Wenn sich solche Veränderungen jedoch über einen längeren Zeitraum erstrecken und beginnen, den Alltag zu erschweren, sollten Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen: es könnte sich um Demenzsymptome handeln. Die erste Anlaufstelle ist oft die Hausarztpraxis. Bei Bedarf folgt die Überweisung in eine neurologische Praxis oder eine Gedächtnisambulanz. Die richtige Diagnose der Demenzsymptome ist wichtig, um andere Ursachen auszuschließen und mit einer passenden Therapie zu beginnen.

Ursachen der Alzheimer-Krankheit

Bei Menschen mit Alzheimer sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab. Auch die Verbindungen zwischen den Zellen gehen verloren. Die Ursachen dafür sind zwar noch nicht endgültig geklärt. Fest steht aber, dass überschüssige Eiweißpartikel eine entscheidende Rolle spielen. Auch erbliche Faktoren sind beteiligt. Der für Alzheimer typische Verlust von Nervenzellen beginnt im sogenannten Riechhirn. Dann greift das Zellensterben allmählich auf jene Regionen über, die für das Gedächtnis zuständig sind und erfasst schließlich die gesamte Gehirnoberfläche.

Neben dem Riechhirn ist auch ein tiefer liegender Teil des Gehirns schon früh betroffen: der Meynert-Basalkern. Er gehört zum zentralen Nervensystem und produziert eine Substanz, die zur Übertragung von Informationen zwischen den Nervenzellen nötig ist. Dieser Botenstoff heißt Acetylcholin. Schüttet der Basalkern zu wenig davon aus, stört das die Informationsverarbeitung: Der Betroffene kann Ereignisse, die kurze Zeit zurückliegen, kaum noch speichern. Das Kurzzeitgedächtnis schwindet.

Eiweißablagerungen im Gehirn

Im Gehirn von Alzheimer-Patientinnen und -Patienten lassen sich stets bestimmte Ablagerungen nachweisen. Medizinerinnen und Mediziner gehen deshalb davon aus, dass diese die Demenzform mitverursachen oder zumindest begünstigen. Die Ablagerungen bestehen aus krankhaftem Eiweiß, das im Gehirn nicht richtig abgebaut wird. Sie finden sich sowohl in den Nervenzellen als auch in den Zwischenräumen. Die Ablagerungen in den Zellen sind faserförmig und heißen Neurofibrillenbündel. Die Ablagerungen in den Zwischenräumen hat ihr Entdecker, Dr. Alois Alzheimer, Plaques genannt. Die Plaques wirken wie Gift: Sie stören den Stoffwechsel der Nervenzellen, sodass diese nicht mehr wie früher miteinander kommunizieren können. Deshalb nimmt die geistige Leistungsfähigkeit betroffener Menschen ab.

Genetische Faktoren und Risikofaktoren

Knapp ein Drittel aller Alzheimer-Patientinnen und Patienten ist eng mit jemandem verwandt, der ebenfalls diese Demenzform hatte oder hat. Alzheimer tritt also in einigen Familien gehäuft auf. Statistisch gesehen haben die Geschwister und Kinder von Alzheimer-Betroffenen ein bis zu vier Mal höheres Alzheimer-Risiko als andere Menschen. Manche Familien sind mehr von Alzheimer betroffen als andere. Das legt nahe, dass es erbliche Ursachen gibt. Und tatsächlich haben Forscher Gene gefunden, die Alzheimer begünstigen. Das sogenannte Epsilon-4-Allel beispielsweise findet sich bei bis zu 40 Prozent der Menschen mit Alzheimer und nur bei zehn Prozent der gesunden Bevölkerung.

Für Laien klingt es seltsam, wenn Experten sagen: "Das größte Alzheimer-Risiko ist das Alter." Gemeint ist: Je älter ein Mensch ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, Alzheimer zu bekommen. Eine ungesunde Lebensweise verstärkt das Risiko. Dazu gehören Rauchen, fettes Essen, Alkohol und Bewegungsmangel.

Behandlungsmöglichkeiten bei Alzheimer

Die Forschung hat seit der Entdeckung der Alzheimer-Krankheit vor gut 100 Jahren viel über sie herausgefunden. Wir wissen: Im Gehirn der Betroffenen sterben über viele Jahre Nervenzellen und Nervenzellverbindungen ab. Das gilt insbesondere für jene Regionen, die für Gedächtnis, Denken, Sprache und Orientierung zuständig sind. Heilen lässt sich die Alzheimer-Krankheit allerdings noch nicht.

Menschen mit Alzheimer sollten dennoch nicht resignieren - ebenso wenig wie ihre Angehörigen. Es gibt Medikamente, die den Verlauf der Alzheimer-Krankheit verzögern. Auch nicht medikamentöse Maßnahmen tragen maßgeblich dazu bei, das Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten zu erhöhen. Deshalb ist es entscheidend, bei einem Verdacht auf Alzheimer auf jeden Fall zur Ärztin beziehungsweise zum Arzt zu gehen. Je früher die Diagnose feststeht, desto besser lassen sich die Symptome behandeln. Die Lebensqualität bleibt länger erhalten.

Cannabidiol (CBD) und Alzheimer

Alzheimer ist eine neurodegenerative Erkrankung, die sowohl für Betroffene als auch für Angehörige eine große Belastung darstellt. Es gibt keine Heilung für Alzheimer und es ist unwahrscheinlich, dass es eine geben wird. Allerdings suchen Mediziner nach Optionen, um die Krankheit aufzuhalten. Dabei rückt Cannabidiol in das Augenmerk von Wissenschaftlern. Kognitive Beeinträchtigungen sowie weit verbreitete pathophysiologische Veränderungen, die durch Neurotoxizität, neurologische Entzündungen, oxidativen Schaden und veränderte Cholesterin-Homeostase verursacht werden, sind mit der Alzheimer-Krankheit (AD) verbunden.

Es hat sich gezeigt, dass Cannabidiol kognitive Defizite von AD-transgenen Mäusen umkehrt und sowohl in vitro als auch in vivo neuroprotektive, antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften aufweist. In einer australischen Studie wurde die präventive Wirkung einer langfristigen CBD-Behandlung bei männlichen Ratten mit Alzheimer bewertet. Es zeigte sich, dass Alzheimer-Mäuse ein Defizit in der sozialen Erkennung entwickelten, welches durch die CBD-Behandlung verhindert wurde. CBD hatte keinen Einfluss auf Angst oder assoziatives Lernen. Diese Prävention des sozialen Erkennungsdefizits war nicht mit Veränderungen in der Amyloidbelastung oder oxidativem Schaden verbunden. Die Studie zeigte jedoch einen subtilen Einfluss von CBD Tropfen auf Neuroinflammation, Cholesterin und die Retention von diätetischen Phytosterolen, der weiter untersucht werden sollte. CBD kann zwar die Alzheimer Erkrankung nicht heilen, hat aber, wie man sehen kann, neuroprotektive Eigenschaften. Allerdings müssen hier noch viele Studien erfolgen, um dies auch aussagekräftig zu belegen.

Die Bedeutung des Geruchssinns im Alltag

Der Geruchssinn dient dazu, in der Natur zu überleben, Essbares von Verdorbenem zu unterscheiden, Nahrungsquellen ausfindig zu machen oder vor Feuer zu warnen. Heute sind diese Fähigkeiten in einer urbanisierten und technisierten Welt immer weniger gefragt. Trotzdem spielt der Riechsinn weiterhin eine bedeutsame Rolle. Forscher der Rockefeller University in New York haben festgestellt, dass die Nase mehr als eine Billion Gerüche unterscheiden kann, das sind mehr Sinneseindrücke als Auge und Ohr zusammen wahrnehmen. Der Geruchssinn ist ständig aktiv, auch im Schlaf.

Aromatherapie und ätherische Öle

Die klassischen flüchtigen Naturstoffe sind die ätherischen Öle. Pflanzen produzieren diese in ihren Laubblättern und speichern sie im Pflanzengewebe der Blüten, Früchte oder Wurzeln. Die Öle dienen dazu, Bestäuber anzulocken oder Fraßfeinde abzuwehren. Viele offizinelle Arzneipflanzen enthalten ätherische Öle, so zum Beispiel Salbei, Kamille, Kümmel und Thymian. Für die Anwendung dieser Pflanzen als Arzneimittel gegen Erkältungen oder Magen-Darm-Beschwerden gibt es positive Monographien und ärztliche Leitlinien, die auf wissenschaftlichen Untersuchungen basieren. Im Gegensatz dazu beruht Aromatherapie zum großen Teil auf Erfahrungen.

Die Wirkung von Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen ist belegt. Die Wirkung der Inhalation ätherischer Öle bei Erkrankungen der oberen Luftwege ist auch von Schulmedizinern anerkannt. Pharmakologische Studien existieren auch für den Einsatz ätherischer Öle zur Behandlung von Verdauungsstörungen. Lavendelöl wirkt nachweislich bei Schlafstörungen, Angstgefühlen und innerer Unruhe. Von großem Interesse für die Forschung ist zurzeit die antimikrobielle Wirkung der ätherischen Öle gegen antibiotikaresistente Keime.

Forschungsprojekte zur Alzheimer-Krankheit

Die Stiftung Alzheimer Initiative (SAI) fördert regelmäßig Forschungsprojekte, die dazu beitragen, ein Heilmittel gegen Alzheimer zu entwickeln. Ein solches Projekt wird von Prof. Dr. Claus Pietrzik von der Universitätsmedizin Mainz geleitet. Ziel des Forschungsprojekts ist es, einen neuen Ansatzpunkt zur möglichen Behandlung der Alzheimer-Krankheit zu eröffnen, bei der die Blut-Hirn-Schranke umgangen werden kann. Prof. Dr. Claus Pietrzik und sein Team konnten nachweisen, dass durch die Verabreichung eines Antikörpermedikamentes der Abtransport von Beta-Amyloid-Peptiden durch die Blut-Hirn-Schranke gesteigert und die kognitiven Leistungen des Alzheimer-Mausmodells verbessert werden konnten.

Der Geruchssinn als Frühindikator für Alzheimer

Der Geruchssinn ist bei neurodegenerativen Erkrankungen oft schon recht früh betroffen. Eine Gruppe um Dr. Rosebud Roberts von der Mayo-Klinik in Rochester hat nun in einer Auswertung der Mayo Clinic Study of Aging geschaut, ob sich dies auch bei einer größeren Kohorte älterer Menschen bestätigen lässt und ob ein schlechter Geruchssinn spezifisch den Verlust des Gedächtnisses vorhersagen kann. Dabei war die Alzheimerrate bei den Teilnehmern mit den schlechtesten Werten beim Riechtest 5,2-fach höher als bei den MCI-Patienten mit den besten Werten.

Neurogenese und kognitive Reserve

Studie um Studie stütze die These, dass das Nachwachsen von Hirnzellen im erwachsenen Gehirn »ein wichtiger Bestandteil der neuronalen Plastizität« ist, berichten die Psychiater Johannes Thome und Amelia Eisch in »Der Nervenarzt«. Das könnte bedeuten: Die wenigen, aber ungemein vielseitigen Neu-Neuronen haben maßgeblich Anteil daran, dass sich das Gehirn das ganze Leben hindurch verformen kann. So wie ein Muskel unter Belastung wächst, so gedeihen die grauen Zellen, wenn man sie fordert.

Ende der achtziger Jahre trat der kalifornische Neurologe Robert Katzman an, das Phänomen genauer zu erklären. Seiner Idee zufolge vergrößert das viele Denken und Pauken die Dichte der neuronalen Verbindungen im Gehirn - und erhöht auf diese Weise die »kognitive Reserve«. Je größer das geistige Gepäck eines Menschen sei, desto besser könne sein Gehirn den Verlust von Zellen durch Krankheit und Alter verkraften.

Lebensstil und Alzheimer-Risiko

Wer ein körperlich und geistig aktives Leben führt, der scheint sein Gehirn vor unliebsamen Verfallserscheinungen im Alter zu schützen. Jedes Studienjahr senkte das Alzheimer-Risiko um 17 Prozent. Auch weitere Ergebnisse legen nahe, dass eine formale Ausbildung vor Alzheimer schützt.

Lesen, aber auch Kartenspielen, Handarbeiten oder Puzzeln - all das erhalte die Denkkraft, sagt der Neurologe Robert Friedland von der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio: »Ich glaube, das alles ist irgendwie mit dem Lernen verbunden.« Ein interessanter Job hält demnach gesund - und der vorgezogene Ruhestand ist vielleicht ein fataler Schritt in die Verdummung.

Im Unterschied zu dieser Demenz, die mit dem vollständigen Verlust der Persönlichkeit enden kann, gilt der altersbedingte Rückgang der geistigen Leistungsfähigkeit nicht als Krankheit. Gleichwohl kann man auch dieser harmloseren Schusseligkeit gezielt entgegenwirken. Jene Senioren, die ein sozial reiches Leben führten, zeigten im Laufe der acht Jahre »einen geringeren Verlust an kognitiver Leistungsfähigkeit als Personen mit einem niedrigeren Ausmaß an sozialer Teilhabe«.

Dieser Effekt werde durch körperliche Aktivität und Sport noch weiter verstärkt, sagt Psychologe Lindenberger. »Die Koordination der Sinne mit dem Körper erfordert mit zunehmendem Alter immer mehr Aufmerksamkeit«, erklärt er. Das Überqueren einer Straße etwa nehme das Gehirn eines Greises weitaus stärker in Anspruch als das eines Teenagers. Wer seinen Körper jedoch trainiert und fit hält, der kann diesen Aufmerksamkeitsbedarf spürbar verringern. »Die dadurch frei werdenden Kräfte kann man für andere geistige Aktivitäten nutzen«, sagt Lindenberger, der das Modell der kognitiven Reserve damit um eine Sport-Komponente erweitert.

Stress und Neurogenese

In dem Maß, wie Forscher die normale Funktion der Neurogenese erforschen, erkennen sie auch, was schlecht für sie ist. Stress haben sie als einen Hauptfeind ausgemacht. Wenn sie allerdings chronisch ausgeschüttet werden, können diese Hormone wie ein Nervengift wirken. Ein gestresstes Gehirn kämpfe um sein Überleben, erklärt der Stressforscher Christian Mirescu: »Da ist es nicht interessiert daran, in Zellen für die Zukunft zu investieren.«

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