Alzheimer Allianz Deutschland: Aktuelle Aktivitäten und Zukunftsprognosen

Einführung

Demenz stellt eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit dar, insbesondere angesichts des demografischen Wandels. Viele Betroffene erhalten erst spät eine geeignete Prävention oder Therapie. Die Alzheimer Allianz Deutschland setzt sich aktiv dafür ein, die Lebensbedingungen für Menschen mit Demenz zu verbessern und die Öffentlichkeit für die Erkrankung zu sensibilisieren. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Aktivitäten der Allianz und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen und Prognosen.

Aktuelle Aktivitäten der Alzheimer Allianz Deutschland

Die Allianz initiiert und finanziert verschiedene öffentliche Kampagnen, Projekte und Initiativen, um die Forschung voranzutreiben, die Versorgung zu verbessern und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Demenz zu fördern.

Digitale Innovationen für Prävention und Therapie

Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung und Nutzung digitaler Technologien zur Demenzprävention und -therapie. Im Projekt ALLIANZ wurde eine digitale Plattform entwickelt, die behandelnde Personen über eine Webanwendung nutzen können, um einen Präventionsplan zu erstellen. Patientinnen haben über eine Smartphone-App Zugriff auf die Plattform, sehen die gemeinsame Zielsetzung und können durch grafische Modelle und andere digitale Anreize zielgruppengerecht motiviert werden. So könnten Patientinnen schneller einen spezialisierten Präventionsplan erhalten.

Das Projekt liefert Erkenntnisse zur digitalen Motivation, Nutzerführung und Personalisierung im medizinischen Kontext. Gleichzeitig erweitert es die Forschung im Bereich digitaler Gesundheitsinterventionen durch empirisch fundierte Ergebnisse und innovative technische Lösungsansätze. Darüber hinaus entlastet es das Gesundheitssystem durch effizientere Versorgungsprozesse.

Die Ergebnisse des Projekts können eine Grundlage für neue digitale Gesundheitsprodukte und -dienstleistungen bilden. Für Unternehmen aus den Bereichen Medizintechnik, Digital Health oder Prävention eröffnen sich damit neue Marktpotenziale. Gleichzeitig trägt die skalierbare Lösung zur Kostensenkung im Gesundheitswesen bei und eröffnet Chancen für innovative Geschäftsmodelle im Bereich der personalisierten Gesundheitsversorgung.

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Im Projekt ALLIANZ werden Methoden der nutzerzentrierten Entwicklung, digitale Interventionsgestaltung sowie prototypische Implementierung in agilen Entwicklungszyklen eingesetzt. Das FZI übernimmt im Projekt ALLIANZ die Entwicklung und prototypische Umsetzung der digitalen Plattform. Dazu zählt insbesondere die Konzeption und Realisierung der Webanwendung für medizinisches Fachpersonal sowie der Smartphone-App für Patient*innen. Darüber hinaus verantwortet das FZI die technische Integration der Coaching-Logik, die Entwicklung von Anreizmechanismen sowie die datenschutzkonforme Umsetzung der Plattform. Das Hauptaugenmerk des FZI in diesem Forschungsschwerpunkt liegt auf der praxisnahen Erforschung der Schlüsseltechnologie Künstliche Intelligenz (KI).

Förderung von Forschung und Innovation

Mit der neuen Zukunftsstrategie Forschung und Innovation setzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung sechs Schwerpunkte - Missionen - für die Zukunft. In Mission 3 steht "Gesundheit für alle verbessern" im Fokus, auch die Demenzforschung und -therapie sollen in den nächsten Jahren verbessert werden.

Ein Rostocker Forschungsteam des DZNE in Kooperation mit dem Pharmakonzern Lilly Deutschland GmbH führt eine bundesweite Online-Befragung zur frühen Alzheimer-Diagnostik durch. Ziel ist es, die Versorgung von Menschen mit Demenz zu verbessern, da eine frühzeitige Diagnose den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann.

Forschende des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen haben Fortschritte bei der Erforschung frühdiagnostischer Instrumente erzielt. Im Rahmen einer Studie konnte festgestellt werden, dass sich die häufigste Form der frontotemporalen Demenz sowie die Nervenerkrankungen Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und Progressive Supranukleäre Blickparese (PSP) per Bluttest erkennen lassen.

Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen

Die Allianz setzt sich für eine umfassende Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen ein. Dies umfasst die Bereitstellung von Informationen, Beratungsangeboten und Schulungen.

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Der Landesverband Bayern der Deutschen Alzheimer Gesellschaft führt beispielsweise Angehörigenschulungen unter dem Motto "Hilfe beim Helfen" durch, um pflegende Angehörige frühzeitig zu erreichen und auf die Pflegesituation vorzubereiten. Da aus Wissen Kraft und Entlastung entstehen kann, ist die Schulung eine wichtige Säule in der Unterstützung von Angehörigen von Menschen mit Demenz. Informationen über die Erkankung und rechtliche Fragen, verständliche Kommunikation im Umgang mit den erkrankten Angehörigen, Entlastungsmöglichkeiten für die eigene Person sowie der Austausch mit anderen Pflegenden können sehr hilfreich sein, den Pflege- und Betreuungsalltag besser bewältigen zu können.

Die Allianz unterstützt auch Initiativen, die sich für eine demenzfreundliche Gesellschaft einsetzen. Dazu gehört die Schaffung von Begegnungs- und Bewegungsmöglichkeiten für Menschen mit und ohne Demenz sowie die Entlastung der Angehörigen.

Sensibilisierung der Öffentlichkeit

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der Allianz ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema Demenz. Dies geschieht durch Kampagnen, Veranstaltungen und die Bereitstellung von Informationen.

Der Welt-Alzheimertag am 21. September wird jährlich begangen, um die Öffentlichkeit für Demenz und Alzheimer zu sensibilisieren. Auch in Deutschland beteiligen sich zahlreiche Initiativen, in diesem Jahr rund um das Motto "Demenz - Gemeinsam. Mutig. Leben".

Die bundesweite Aufklärungskampagne Demenz Partner möchte informieren, aufmerksam machen und sensibilisieren. Denn Menschen mit Demenz brauchen ein verständnisvolles Umfeld und Menschen, die nicht wegschauen.

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Kooperationen und Netzwerke

Die Alzheimer Allianz Deutschland arbeitet eng mit anderen Organisationen und Institutionen zusammen, um ihre Ziele zu erreichen. Dazu gehören unter anderem:

  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft
  • Alzheimer Europe
  • Bundesministerium für Gesundheit
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
  • Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie
  • Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie
  • Forschungseinrichtungen wie das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)

Die Allianz ist auch Teil der Nationalen Demenzstrategie, die das Ziel hat, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern.

Zukunftsprognosen und Herausforderungen

Im Zuge der steigenden Lebenserwartung wird sich die Zahl der Demenzkranken in den nächsten Jahrzehnten weltweit verdreifachen, schätzen Experten des Versicherungskonzerns Allianz. Sollte in der nächsten Zeit keine Heilungsmöglichkeit gefunden werden, könnte die Zahl der Betroffenen von heute 36 Millionen auf mehr als 115 Millionen steigen. In Deutschland soll sich das Problem ebenfalls verschärfen. Heute gibt es 1,3 Millionen Demenzkranke, 2050 werden es der am Dienstag vorgestellten Prognose zufolge 2,6 Millionen sein.

Die Allianz warnt auch vor den hohen volkswirtschaftlichen Kosten der Demenz: „Leistungen durch die formale plus informelle Pflege durch Angehörige könnten sich auf hochgerechnet mehr als 450 Milliarden Euro belaufen“, sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise.

Die Allianz, die als Krankenversicherung natürlich ein Interesse daran hat, dass die Gesundheitskosten so niedrig wie möglich bleiben, fordert mehr Engagement vom Staat und den Pharmaunternehmen: Dringend nötig seien „eine Intensivierung der Forschung, die Entwicklung alternativer Pflege- und Wohnformen und die Bereitstellung frühzeitiger Diagnosemöglichkeiten für Patienten“, fordert Heise.

Gleichzeitig nehmen soziale Bindungen ab, die einen auffangen könnten, wenn man mit Demenz konfrontiert ist. Demenz entwickelt sich vor unseren Augen zu einer bedeutenden sozialen, politischen, ökonomischen und humanitären Herausforderung der kommenden Jahrzehnte.

Es genügt nicht, dass Kommunen ein paar „Maßnahmen“ ergreifen, um die Versorgung von Menschen mit Demenz zu verbessern. Die Demenz fragt uns dringlich nach einem Neuanfang in den sozialen Beziehungen der modernen Bürgerinnen und Bürger untereinander. Sie verwandelt in geradezu beklemmend-mysteriöser Weise die Stärken der modernen Gesellschaft in ihr Gegenteil - ihre Milliarden-Bits-Speicher in Gedächtnisschwäche, ihre exzessive Individualisierung in Persönlichkeitsverlust. In der Demenz kehren die Glaubenssätze der Moderne (Flexibilität! Beschleunigung! Autonomie!) als Karikatur wieder. Sie fordert uns beängstigend und befreiend zugleich zu einem Neubau unserer Gesellschaften auf. Wie wollen wir mit Menschen umgehen, die „nicht nützlich“ sind, die kostspielig sind, die nicht konkurrenzfähig sind, die nicht einmal konsumieren können? Wollen wir sie abschieben, versorgen lassen oder sogar „entsorgen“?

Herausforderungen und Lösungsansätze

Angesichts der steigenden Zahl von Menschen mit Demenz und der damit verbundenen Herausforderungen sind innovative Lösungsansätze gefragt. Dazu gehören:

  • Prävention: Durch gezielte Maßnahmen wie Bewegung, gesunde Ernährung und soziale Kontakte kann das Risiko, an Demenz zu erkranken, reduziert werden.
  • Frühe Diagnose: Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht eine bessere Behandlung und Betreuung der Betroffenen.
  • Personenzentrierte Versorgung: Die Versorgung von Menschen mit Demenz sollte sich an ihren individuellen Bedürfnissen und Wünschen orientieren.
  • Unterstützung von Angehörigen: Pflegende Angehörige benötigen Unterstützung und Entlastung, um ihre Aufgaben langfristig wahrnehmen zu können.
  • Demenzfreundliche Gesellschaft: Es ist wichtig, eine Gesellschaft zu schaffen, in der Menschen mit Demenz akzeptiert und integriert werden.

Internationale Perspektive

Der jüngste Bericht der Lancet-Kommission über Demenzprävention, -intervention und -pflege kommt zu dem Schluss, dass sich insgesamt etwa 45 % der Demenzfälle durch gezielte Prävention in verschiedenen Lebensphasen vermeiden ließen und listet insgesamt 14 Risikofaktoren auf. Die Kommission präsentiert insbesondere neue Belege dafür, dass unbehandelter Sehverlust und ein hoher Cholesterinspiegel als Risikofaktoren für Demenz gelten können.

Alzheimer Disease International (ADI) führt eine globale Umfrage durch, um die Einstellungen zu und Stigmatisierung von Demenz in der Gesellschaft zu untersuchen. Die Umfrage steht allen interessierten Personen offen und zielt darauf ab, durch eine flächendeckende Partizipation einen globalen Überblick zur Einstellung zu Demenz zu gewinnen.

Die EU4Health Civil Society Alliance fordert die Ernennung eines Vizepräsidenten für Gesundheit, Wohlfahrt und soziale Rechte in der Europäischen Kommission, um sicherzustellen, dass Gesundheitsthemen Priorität haben.

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