Venenentzündung nach Krampfader-OP: Ursachen, Taubheitsgefühl und Behandlung

Krampfadern sind ein weit verbreitetes Problem, das oft als rein kosmetisch abgetan wird. Unbehandelt können sie jedoch zu ernsthaften Komplikationen wie Venenentzündungen, Taubheitsgefühlen und sogar offenen Beinen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und modernen Behandlungsmöglichkeiten von Venenentzündungen nach einer Krampfaderoperation, insbesondere im Zusammenhang mit Taubheitsgefühlen.

Einführung: Krampfadern und ihre Folgen

Krampfadern, medizinisch als Varizen oder Varikosis bekannt, sind dauerhaft erweiterte, geschlängelte oberflächliche Venen, die vor allem an den Beinen auftreten. Sie entstehen durch eine chronische Venenschwäche, bei der die Venenklappen nicht mehr richtig schließen. Das Blut fließt nicht mehr effizient zurück zum Herzen, staut sich in den Beinen, und es kommt zur typischen Erweiterung der Venen. Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern können auch erhebliche Beschwerden verursachen und unbehandelt zu Komplikationen führen.

Varikosis im medizinischen Kontext

Der Begriff Varikosis beschreibt das Krankheitsbild der Krampfadern als Ganzes, also nicht nur einzelne erweiterte Venen, sondern die chronische Erkrankung des oberflächlichen Venensystems. Sie betrifft vor allem die Vena saphena magna und parva und kann je nach Verlauf leichte Beschwerden oder gravierende Komplikationen verursachen. Der medizinische Fachbegriff „Varikose“ wird dabei oft synonym verwendet. Beide bezeichnen dasselbe: eine krankhafte Erweiterung oberflächlicher Venen infolge einer Venenwandschwäche und Klappeninsuffizienz.

Krampfadern vs. Besenreiser

Oft werden Besenreiser mit Krampfadern verwechselt. Besenreiser sind feine Netzwerke kleiner Venen mit einem Durchmesser von unter 1 mm, die direkt unter der Haut liegen und meist keine Beschwerden verursachen. Krampfadern hingegen haben einen Durchmesser von über 3 mm, liegen tiefer im Unterhautfettgewebe und verursachen häufig spürbare Symptome wie Schweregefühl, Spannungsgefühl oder Schmerzen in den Beinen.

Krampfadern als Volkskrankheit

Krampfadern sind weit verbreitet und gelten als Volkskrankheit. Studien zeigen, dass über 60 % der Erwachsenen in Deutschland Zeichen einer venösen Erkrankung aufweisen, wobei etwa 20 % an behandlungsbedürftiger Varikosis leiden. Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, stehende Tätigkeiten, Übergewicht oder hormonelle Veränderungen begünstigen die Entwicklung.

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Ursachen und Risikofaktoren von Krampfadern

Krampfadern entwickeln sich meist über Jahre hinweg durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Die häufigste Ursache ist eine angeborene Venenschwäche, aber auch Lebensstil, Hormone, Schwangerschaft, Alter und Erkrankungen wie Thrombosen spielen eine wichtige Rolle.

Genetisch bedingte Venenschwäche (primäre Varikosis)

Die häufigste Ursache von Krampfadern ist eine vererbte Bindegewebsschwäche, die sich auf die Wände und Klappen der Venen auswirkt. Wenn Eltern oder Geschwister betroffen sind, ist das Risiko signifikant erhöht. Die Venenwände sind weniger elastisch, und die Venenklappen schließen nicht mehr vollständig, was zu einem Rückfluss des Blutes in den Beinen führt.

Bewegungsmangel und stehende Tätigkeiten

Unser venöser Rückfluss ist auf Muskelbewegung angewiesen. Langes Sitzen oder Stehen behindert diesen Rückfluss, da die Muskelpumpe der Waden zum Erliegen kommt. Das Blut verbleibt länger in den Beinen, und die Venen überdehnen sich schrittweise.

Schwangerschaft und hormonelle Umstellungen

Krampfadern treten häufig erstmals während der Schwangerschaft auf, da Hormone wie Progesteron die Gefäßwände aufweichen, das Blutvolumen steigt und die wachsende Gebärmutter die Beckenvenen komprimieren kann.

Übergewicht und erhöhter Venendruck

Übergewicht erhöht den hydrostatischen Druck in den Beinvenen und belastet die Venenklappen zusätzlich. Bereits ein Body-Mass-Index (BMI) über 25 kann das Risiko für Varikosis messbar erhöhen.

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Weitere verstärkende Faktoren

Rauchen schädigt die Gefäßwände, das Alter lässt die Spannkraft des Bindegewebes nach, und Hormonpräparate beeinflussen die Venenwanddurchlässigkeit und die Gerinnung.

Sekundäre Ursachen

Sekundäre Krampfadern können als Folge anderer Erkrankungen auftreten, wie z. B. tiefe Venenthrombose (TVT) oder Phlebitis (Venenentzündung).

Symptome und Beschwerden bei Krampfadern

Krampfadern machen sich oft zuerst durch sichtbare, geschlängelte Venen bemerkbar. Typischerweise treten an den Waden oder Innenseiten der Beine bläulich-violette, unebene Venen unter der Haut hervor.

Schwere, müde Beine und Spannungsgefühl

Mit Fortschreiten des Venenleidens treten häufig schwere, müde Beine auf. Die Beine fühlen sich besonders nach längerem Stehen oder Sitzen bleischwer an und ermüden schneller. Oft kommt ein Spannungsgefühl oder Ziehen in den Waden hinzu.

Schwellungen und dicke Knöchel

Ein weiteres häufiges Symptom ist die Schwellung der Füße oder Knöchel, besonders im Verlauf des Tages. Durch den Blutstau tritt vermehrt Flüssigkeit aus den Venen ins Gewebe aus.

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Juckreiz und Hautveränderungen

Krampfadern können die Haut beeinflussen und zu Juckreiz führen. Manche Betroffene verspüren trockene, gespannte Haut an den Unterschenkeln, die häufig juckt. Ursache ist eine Stauungsdermatitis: Durch den chronischen Blutstau wird die Haut schlechter mit Nährstoffen versorgt, es entstehen rötliche oder bräunliche Verfärbungen und schuppige Areale.

Nächtliche Wadenkrämpfe und Unruhe in den Beinen

Zu den weniger offensichtlichen Symptomen gehören Muskelkrämpfe in den Waden, vor allem nachts, sowie ein Gefühl von Unruhe oder Kribbeln in den Beinen.

Verschlimmerung der Beschwerden

Krampfadersymptome zeigen einen typischen Tagesverlauf: Gegen Abend sind die Beschwerden meist am stärksten. Sommerhitze begünstigt dieses Problem zusätzlich. Auch hormonelle Einflüsse spielen eine Rolle.

"Offene Beine": Ulcus cruris als Warnzeichen

Bleibt ein chronisches Venenleiden über Jahre unbehandelt, kann es zu schlecht heilenden Wunden am Unterschenkel kommen. Mediziner sprechen vom Ulcus cruris venosum, umgangssprachlich “offenes Bein”.

Venenentzündung und Thrombose

Krampfadern begünstigen Entzündungen der oberflächlichen Venen, eine sogenannte Thrombophlebitis. Anzeichen dafür sind Rötung, Überwärmung und ein schmerzhafter harter Strang entlang der Vene. Eine Venenentzündung sollte ernst genommen werden, da sich in der entzündeten Vene ein Blutgerinnsel bilden kann.

Venenentzündung nach Krampfader-OP

Eine Venenoperation, insbesondere das Venenstripping, kann zwar die Symptome von Krampfadern lindern, birgt aber auch das Risiko von Komplikationen wie Venenentzündungen und Taubheitsgefühlen.

Ursachen für Venenentzündungen nach OP

Nach einer Venenoperation kann es aus verschiedenen Gründen zu einer Venenentzündung kommen:

  • Verletzung der Venenwand: Während der Operation kann die Venenwand verletzt werden, was eine Entzündung auslösen kann.
  • Blutgerinnselbildung: Nach der Operation kann sich in den behandelten Venen ein Blutgerinnsel bilden, das eine Entzündung verursacht.
  • Infektion: In seltenen Fällen kann es zu einer bakteriellen Infektion der Operationswunde kommen, die sich auf die Venen ausbreiten kann.

Ursachen für Taubheitsgefühle nach OP

Taubheitsgefühle im Unterschenkel oder Fußknöchelbereich nach einer Venenoperation sind nicht ungewöhnlich und können verschiedene Ursachen haben:

  • Nervenverletzung: Während des Venenstrippings können kleine Nerven, die in der Nähe der Vene verlaufen, verletzt werden. Dies kann zu vorübergehenden oder dauerhaften Taubheitsgefühlen führen.
  • Nervenreizung: Die Operation selbst kann die Nerven reizen und zu Taubheitsgefühlen führen.
  • Druck durch Kompressionsstrümpfe: Kompressionsstrümpfe werden nach der Operation getragen, um die Durchblutung zu fördern und Schwellungen zu reduzieren. In einigen Fällen können sie jedoch die Nerven einengen und Taubheitsgefühle verursachen.

Behandlung von Taubheitsgefühlen

Die Behandlung von Taubheitsgefühlen nach einer Venenoperation hängt von der Ursache ab. In den meisten Fällen verschwinden die Taubheitsgefühle von selbst innerhalb weniger Wochen oder Monate. Hier sind einige Maßnahmen, die helfen können:

  • Geduld: In vielen Fällen heilen die Nerven von selbst aus.
  • Massagen: Leichte Massagen können die Durchblutung fördern und die Nervenstimulation verbessern. Allerdings sollte man vorsichtig sein und starke Massagen vermeiden, da diese die Nervenreizung verschlimmern können.
  • Kompressionsstrümpfe: Es ist wichtig, die Kompressionsstrümpfe weiterhin zu tragen, da sie die Heilung fördern. Allerdings sollte man darauf achten, dass sie nicht zu eng sind und die Nerven einengen. Eventuell kann man die Strümpfe nachts ausziehen, um den Druck auf die Nerven zu reduzieren.
  • Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente zur Schmerzlinderung oder zur Reduzierung von Nervenentzündungen eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu stärken und die Nervenfunktion zu verbessern.

Was tun bei Taubheitsgefühlen?

Wenn die Taubheitsgefühle nach der Operation auftreten, ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Moderne Behandlungsmethoden von Krampfadern und Venenentzündungen

Neben dem traditionellen Venenstripping gibt es heute eine Reihe modernerer Behandlungsmethoden, die weniger invasiv sind und das Risiko von Komplikationen reduzieren können.

Sklerotherapie (Verödung)

Bei der Sklerotherapie wird eine sterile Kochsalzlösung über eine Kanüle in die Krampfader verabreicht. Durch die gewollte Endothelschädigung (Endothel = Auskleidung der Gefäße) kommt es zum Verkleben der Gefäßwände. Diese Methode ist besonders geeignet für Besenreiser und kleinere Krampfadern.

Endoluminale Lasertherapie (ELT) und Radiofrequenzablation

Bei diesen Verfahren wird eine Sonde in die Vene eingeführt, die das Gefäß von innen erhitzt und damit zerstört. Diese Behandlungen können unter lokaler Betäubung durchgeführt werden und haben weniger Nebenwirkungen als das Venenstripping.

Phlebektomie

Die Phlebektomie ist ein schnittfreies Verfahren, bei dem kleine Krampfadern durch winzige Hautstiche entfernt werden.

Extraluminale Valvuloplastie

Bei diesem Verfahren werden die defekten Venenklappen repariert.

CHIVA-Verfahren

Das CHIVA-Verfahren ist eine konservative Methode, bei der die Krampfadern nicht entfernt, sondern nur die Blutströmung umgeleitet wird.

Vorbeugung und Nachsorge

Um das Risiko von Venenentzündungen und Taubheitsgefühlen nach einer Krampfaderoperation zu minimieren, ist eine gute Vorbereitung und Nachsorge wichtig.

Vor der Operation

  • Gründliche Untersuchung: Vor der Operation sollte eine gründliche Untersuchung der Venen durchgeführt werden, um die beste Behandlungsmethode zu bestimmen.
  • Risikofaktoren minimieren: Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen und Bewegungsmangel sollten vor der Operation reduziert werden.

Nach der Operation

  • Kompressionsstrümpfe: Das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist nach der Operation unerlässlich, um die Durchblutung zu fördern und Schwellungen zu reduzieren.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist wichtig, um die Muskelpumpe zu aktivieren und den Blutfluss zu verbessern.
  • Hochlagern der Beine: Das Hochlagern der Beine hilft, den Blutstau zu reduzieren und Schwellungen zu vermeiden.
  • Venengymnastik: Venengymnastik stärkt die Venen-Muskel-Pumpe und fördert die Durchblutung.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Auch nach der Operation sollten Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen und Bewegungsmangel vermieden werden.

Weitere Tipps für venengesunde Beine

  • Regelmäßige Venentests: Regelmäßige Venentests in der Apotheke können einen schnellen Anhaltspunkt dafür liefern, ob eine Venenschwäche vorliegt.
  • Wechselduschen: Warm-kalte Wechselduschen regen die Durchblutung an und stärken die Venen.
  • Wadenwickel: Wadenwickel können bei Schwellungen und schweren Beinen helfen.
  • Kneipp-Treten: Kneipp-Treten ist eine einfache und effektive Methode, um die Durchblutung anzuregen und die Venen zu stärken.
  • Venostasin® retard und Venostasin® fresh Spray: Venostasin® retard kann helfen, die Linderung von Symptomen wie Wadenkrämpfen und Ödemen zu unterstützen. Venostasin® fresh Spray kann unterwegs einen Frischekick bieten, um die Durchblutung anzuregen.

Postthrombotisches Syndrom (PTS)

Nach einer tiefen Beinvenenthrombose (TVT) kann sich ein postthrombotisches Syndrom (PTS) entwickeln. Dabei kommt es zu einer chronischen Blutrückfluss-Stauung, bei der das Venensystem nicht mehr richtig funktioniert.

Ursachen und Risikofaktoren

Wurden die Venenwände und / oder Venenklappen durch eine tiefe Beinvenenthrombose geschädigt, kann es zu Vernarbungen kommen. Die Venen können zum Beispiel durch körpereigene Abwehrzellen und andere Stoffe während einer akuten Thrombose in Mitleidenschaft gezogen werden. Staut sich das Blut in einer Vene, schließen die Klappen nicht mehr richtig und es kann der Druck in den umliegenden Gefäßen steigen.

Vorbeugung

Gerinnungshemmende Medikamente werden nicht nur in der Thrombosetherapie eingesetzt, sondern auch zur Vorbeugung weiterer Thrombosen sowie des postthrombotischen Syndroms. Nach einer überstandenen Thrombose erfolgt für einige Monate die Therapie mit Blutverdünnern, bei bestimmten Risikofaktoren gegebenenfalls auch länger. Medizinische Kompressionsstrümpfe entlasten die Venen mit mechanischem Druck.

Behandlung

Basistherapie ist die Kompressionstherapie, zum Beispiel mit medizinischen Kompressionsstrümpfen. Die Behandlung des PTS liegt in den Händen von Spezialisten wie Angiologen (Gefäßmedizinern), Phlebologen (Spezialisten für Venenerkrankungen) oder Gefäßchirurgen.

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