Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die weltweit Millionen von Menschen betrifft. Obwohl es derzeit keine Heilung gibt, werden kontinuierlich Fortschritte in der Forschung erzielt, die neue Therapieansätze und ein besseres Verständnis der Krankheit ermöglichen. Dieser Artikel beleuchtet einige aktuelle Entwicklungen und vielversprechende Forschungsansätze im Bereich Parkinson.
Parkinson verstehen
Die Parkinson-Krankheit ist eine Bewegungsstörung, die neurologische Ursachen hat. In Deutschland sind etwa 350.000 Menschen betroffen, meist über 50 Jahre alt. Zu den Symptomen gehören verlangsamte und versteifte Bewegungen sowie Depressionen.
Aktuelle Forschungserkenntnisse
Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung des Biozentrums der Universität Basel stellt die gängige Ursache von Parkinson in Frage. Die Forscher konnten nachweisen, dass die für Parkinson charakteristischen Einschlüsse in den Nervenzellen des Gehirns in den meisten Fällen nicht aus Proteinfibrillen bestehen, sondern vielmehr aus einem Gemenge von Membranfragmenten.
Frühphasen der Parkinson-Krankheit
Die Kieler Neurologin Daniela Berg lenkt mit ihrem Team in einer aktuellen Publikation den Blick auf die Frühphase der Parkinsonkrankheit, da diese eine Vorhersage über den Krankheitsverlauf ermöglicht. Um die Krankheit frühzeitig zu diagnostizieren, Prognosen zu erstellen und Therapien zu entwickeln, braucht es Biomarker, die auf die Entstehung und die Progression der Krankheit hinweisen.
Biomarker zur Früherkennung
Einen neuen Ansatz, Krankheiten wie Parkinson noch vor Auftreten von Symptomen mit Hilfe von Biomarkern im Blut nachzuweisen, erforscht die Humangenetikerin Caroline Diener im Team von Professor Eckart Meese am Institut für Humangenetik der Universität des Saarlandes. Ihre Ergebnisse zu microRNAs in T-Zellen könnten auch zu neuen Therapieverfahren führen.
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Molekulare Mechanismen
Ein internationales Team unter Kölner Beteiligung hat einen neuen Mechanismus für die Entwicklung der Parkinson-Krankheit definiert, der sich als Ausgangspunkt für die Entwicklung einer gezielten Therapie der Parkinson-Krankheit erweisen könnte. Das Ergebnis wurde jetzt im Journal Nature Communications veröffentlicht.
Die Rolle von Proteinen
Helferproteine in menschlichen Zellen gehen eine dynamische Verbindung mit dem Parkinson-Protein α-Synuclein ein. Wird die Beziehung zu diesen "Leibwächtern" gestört, kommt es zu Zellschäden und zur Entstehung der für Parkinson typischen Lewy-Körperchen. Bei Patienten mit Parkinson lassen sich Klumpen von Alpha-Synuclein im Gehirn nachweisen, das auch als "Parkinson-Protein" bezeichnet wird. Sie zerstören die Zellmembranen und führen schließlich zum Absterben der Zellen.
Zusammenhang mit dem Blinddarm
Patienten, bei denen der Blinddarm entfernt wurde, erkranken laut einer Studie unter der Leitung der Case Western Reserve University wahrscheinlicher an Parkinson. Für die retrospektive Analyse wurden Daten von mehr als 62,2 Mio. Patienten ausgewertet.
Therapieansätze
Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Therapieansätze, die ein weitestgehend normales Leben ermöglichen.
Medikamentöse Therapie
Natürlich gebe es Medikamente wie Dopamin. Die derzeit wirksamste medikamentöse Standardtherapie lindert die Symptome, indem sie den Dopaminmangel im Gehirn ausgleicht.
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Tiefe Hirnstimulation
Normale Bewegungen ohne Zittern oder Verkrampfung - das erlauben Hirn-Schrittmacher unter anderem Menschen mit Parkinson-Erkrankung. Hohe Qualität und Langzeitstabilität der implantierten Elektroden sind hierbei essenziell, um Folgeoperationen möglichst zu minimieren. Bei der Suche nach neuen Alzheimer-Medikamenten ist ein vielversprechender Ansatz die Hemmung bestimmter Ionenkanäle im Hirn, da die durch Überaktivierung am Fortschritt der Krankheit beteiligt sind.
Neurorehabilitation
Die Gruppe der neurodegenerativen Erkrankungen ist mit einem langsam fortschreitenden Abbau der Hirnsubstanz verbunden. In der Diagnostik kommt zunehmend die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zum Einsatz. Im Rahmen der 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) werden neue Erkenntnisse in der Therapie neuro-degenerativer Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Dystonie und Tremor präsentiert.
Bedeutung von Ernährung und Bewegung
Aber auch Bewegung und Ernährung spielten eine entscheidende Rolle beim Behandlungserfolg. Bei der Ernährung sei eine vegetarische Kost zu empfehlen und dabei vor allem Erzeugnisse aus biologischer Landwirtschaft. "Spritzmittel können wie Nervengifte wirken und die Symptome noch verschlimmern", so Roller. Deshalb wird in der Selbsthilfegruppe auch öfters zusammen gekocht und es werden gesunde Rezepte ausgetauscht. Eine Empfehlung, vor allem an die jüngeren Generationen, habe er dennoch. "Überlegt euch, wie alt und wie ihr alt werden möchtet", mahnte Roller. Denn die beste Prävention sei eine gesunde Ernährung und viel Bewegung.
Digitale Unterstützung
Wie sicher bewegen sich Parkinsonpatienten im Alltag und was sagt das über ihren Krankheitsverlauf aus? Antworten auf diese Fragen können die behandelnden Mediziner künftig von „Mobile GaitLab“ erhalten - einem Sensorschuh, der die Gangqualität der Patienten während ihres Alltags kontinuierlich erfasst. Eignet sich automatisierte Sprecherkennung, um die Parkinson-Krankheit frühzeitig zu erkennen und bei der Therapiebegleitung zu helfen? Dieser Frage geht Dr. heraus.
Selbsthilfegruppen
Petronella Schomaker-Boege (2.v.r.) organisierte das Treffen in Valbert. „Mir ging immer nur der eine Gedanke ,Ich habe Parkinson… ich habe Parkinson’ durch den Kopf.” Diesen ohnmächtigen Zustand habe sie aber nicht lange zugelassen. „Ich bin sehr schnell offen mit der Krankheit umgegangen und habe zum Glück etwa ein Jahr nach der Diagnose die Internet-Selbsthilfegruppe PAoL kennengelernt. Hier habe ich Menschen getroffen, die das gleiche Schicksal teilen wie ich. Menschen, die mir zu lieben Freunden wurden.“ Jedes Jahr kommen viele der Mitglieder zu ihrem „Chattertreffen“ zusammen, das immer in einer anderen Stadt stattfindet und den Teilnehmern ein „sattes“ Programm mit viel Sport, Wellness und Fachvorträgen bietet, aber auch ausreichend Zeit für persönliche Gespräche lässt. „Das Hauptmotto der mehrtägigen Treffen ist natürlich das Miteinander“, so Schomaker-Boege. Gruppe hat 190 Mitglieder PAoL, das steht für Parkinson online. Die Gruppe hat derzeit rund 190 eingetragene Mitglieder und wurde von Parkinsonkranken für Parkinsonkranke ins Leben gerufen.
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Neue Therapieansätze und Studien
Einige vielversprechende neue Therapieansätze und Studien umfassen:
- Zelltherapien mit Stammzellen: Wissenschaftler wollen Zelltherapien entwickeln, mit denen bislang unheilbare Krankheiten wie Diabetes, Parkinson und Retina-Degeneration behandelt werden könnten.
- Gezielte Beeinflussung von Hirnarealen: Mit der individuellen Frequenz lassen sich gezielt einzelne Hirnareale beeinflussen und damit die darin verarbeiteten Fähigkeiten - allein durch elektrische Stimulation an der Kopfhaut, ohne operative Eingriffe.
- Hemmung von Ionenkanälen im Hirn: Bei der Suche nach neuen Alzheimer-Medikamenten ist ein vielversprechender Ansatz die Hemmung bestimmter Ionenkanäle im Hirn, da die durch Überaktivierung am Fortschritt der Krankheit beteiligt sind.
Die Rolle von Innovation und Technologie
Viele technologische Innovationen setzen vermehrt auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). Ob bei der Fahrt mit der fahrerlosen U-Bahn, der Nutzung eines Online-Übersetzers oder der Ansprache von digitalen Sprachassistenten, wie Alexa und Siri - KI begegnet uns mittlerweile schon an zahlreichen Stellen des Alltags.
Herausforderungen und Ausblick
Trotz der Fortschritte in der Parkinson-Forschung gibt es noch viele Herausforderungen. Die Ursachen der Krankheit sind noch nicht vollständig verstanden, und es gibt noch keine Heilung. Die Forschung konzentriert sich weiterhin auf die Entwicklung neuer Therapien, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen oder aufhalten können.
Die Bedeutung der Früherkennung
Da diese sich im Anfangsstadium oft durch Bewegungseinschränkungen bemerkbar mache, landeten die Betroffenen zumeist beim Orthopäden. "Allerdings erhöht eine frühere Erkennung den Behandlungserfolg", so Roller. Deshalb sei eine Sensibilisierung für das Thema nötig.