Die Japanische Enzephalitis (JE) ist eine durch Viren verursachte Gehirnentzündung, die vor allem in Asien vorkommt. Obwohl der Name auf Japan hindeutet, ist die Krankheit in vielen Ländern des Kontinents verbreitet, darunter auch Pakistan. Dieser Artikel beleuchtet das Risiko einer Infektion mit Japanischer Enzephalitis in Pakistan, die Symptome, Ursachen, Diagnose, Behandlung und vor allem die Möglichkeiten der Vorbeugung, einschließlich Impfempfehlungen.
Was ist Japanische Enzephalitis?
Die Japanische Enzephalitis (JE), auch Encephalitis japonica oder Japan-B-Enzephalitis genannt, ist eine Virusinfektion, die eine Form der Gehirnentzündung (Enzephalitis) verursacht. Die Krankheit wird durch das Japanische Enzephalitis-Virus (JEV) ausgelöst, das zur Familie der Flaviviren gehört, wie auch die Erreger von Gelbfieber und Dengue-Fieber.
Verbreitung und Häufigkeit
Die Japanische Enzephalitis ist in weiten Teilen Asiens verbreitet. Betroffen sind vor allem ländliche und Stadtrandgebiete in Ländern wie Burma, Indien, Nepal, Pakistan, Sri Lanka, Vietnam, Nord-Thailand und Süd-China. Jährlich erkranken schätzungsweise 35.000 bis 50.000 Menschen, hauptsächlich Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren. Über 10.000 von ihnen sterben an der Japanischen Enzephalitis. Die Dunkelziffer nicht erfasster Krankheits- und Todesfälle dürfte jedoch noch weitaus höher liegen.
Risiko in Pakistan
In Pakistan besteht ein gewisses Risiko, sich mit der Japanischen Enzephalitis zu infizieren. Insbesondere die südliche Provinz Sindh gilt als Risikogebiet. Daher wird für Aufenthalte in dieser Region gegebenenfalls eine Impfung gegen Japanische Enzephalitis empfohlen. Generell ist das Risiko für Touristen gering, steigt jedoch bei längeren Aufenthalten in Risikogebieten, besonders zu Beginn und am Ende der Regenzeit, sowie bei Aufenthalten in der Nähe von Reisfeldern und Schweinezuchtanlagen.
Übertragung und Ursachen
Das Japanische Enzephalitis-Virus (JEV) wird durch Stechmücken übertragen, insbesondere durch Arten der Gattung Culex, wie Culex tritaeniorhynchus (Reisfeldmücke), Culex vishnui und Culex annulus. Diese Mücken sind vor allem in den Abend- und Nachtstunden aktiv. Die Mücken infizieren sich durch das Saugen an infizierten Tieren, häufig Haustieren wie Schweinen oder Pferden, und übertragen das Virus dann durch einen Stich auf den Menschen.
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Symptome
In den meisten Fällen verläuft die Japanische Enzephalitis mild oder sogar ohne Symptome. Viele Erwachsene sind nach einer Infektion in der Kindheit immun. Allerdings erkrankt etwa eine von 250 infizierten Personen schwer.
Nach einer Inkubationszeit von 5 bis 15 Tagen kommt es zu einem raschen Anstieg der Körpertemperatur, oft begleitet von Schüttelfrost. Weitere Symptome sind:
- Allgemeine Schwäche
- Kopfschmerzen
- Muskel- und Gliederschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
Wenn die Viren ins Gehirn gelangen, können Krampfanfälle, Verwirrtheit, Lähmungen und Bewusstseinstrübungen bis hin zum Koma auftreten.
Schätzungsweise verläuft jede dritte JE-Gehirnentzündung tödlich. Etwa ein Drittel der Überlebenden mit schwerem Verlauf muss mit bleibenden neurologischen und/oder psychischen Schäden leben.
Diagnose
Die Diagnose der Japanischen Enzephalitis kann schwierig sein, da die Symptome unspezifisch sind. Wichtig ist, dass Reisende ihren Arzt über Auslandsaufenthalte informieren.
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Labormedizinische Untersuchungen können die Diagnose bestätigen. In der ersten Woche nach der Infektion sind die JE-Viren direkt nachweisbar. Ab der zweiten Woche kann ein Antikörper-Nachweis die Diagnose sichern. Weitere Untersuchungen wie Blutbilder, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) und Untersuchungen des Nervenwassers (Liquor) können die Diagnose untermauern.
Behandlung
Es gibt derzeit keine spezifische antivirale Therapie gegen Japanische Enzephalitis. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Unterstützung der Körperfunktionen.
Bei schweren Verläufen können Maßnahmen wie die Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems, die Unterstützung der Atmung und die Senkung des Hirndrucks erforderlich sein. In einigen Fällen kann eine Dekompressionskraniektomie notwendig sein, um das Gehirn von erhöhtem Druck zu entlasten.
Vorbeugung
Der wichtigste Schutz vor Japanischer Enzephalitis ist ein konsequenter Mückenschutz, insbesondere in der Dämmerung und nachts. Dazu gehören:
- Schlafen unter Moskitonetzen
- Tragen langer, heller Kleidung
- Verwendung von Insektenschutzmitteln (Repellenzien) auf Haut und Kleidung
Impfung
Neben dem Mückenschutz empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland eine Impfung für Personen, die sich in Risikogebieten aufhalten. Die Entscheidung über die Notwendigkeit einer Impfung sollte in Absprache mit einem Arzt auf Basis einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung getroffen werden.
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Die STIKO empfiehlt die Impfung insbesondere für:
- Reisen in aktuelle Ausbruchsgebiete
- Aufenthalte von mehr als vier Wochen oder wiederholte Kurzzeitreisen in Endemiegebiete
- Aufenthalte in der Nähe von Reisfeldern oder Schweinezuchtbetrieben
- Personen, die beruflich mit vermehrungsfähigen Wildtypviren des JEV arbeiten
Impfstoff
In Deutschland ist der inaktivierte Impfstoff IXIARO® gegen Japanische Enzephalitis zugelassen. Er ist für Erwachsene, Jugendliche, Kinder und Säuglinge ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat geeignet.
Impfschema
Die Grundimmunisierung erfolgt in der Regel mit zwei Dosen im Abstand von vier Wochen. Bei Erwachsenen kann der Abstand in Ausnahmefällen auf eine Woche verkürzt werden. Kinder im Alter von 2 Monaten bis 3 Jahren erhalten eine reduzierte Dosis.
Schutzwirkung und Auffrischung
Studien zeigen eine Schutzwirkung von über 90 Prozent nach vollständiger Impfung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Auffrischungsimpfung nach einem Jahr, wenn weiterhin ein Expositionsrisiko besteht. Weitere Auffrischimpfungen können in etwa zehnjährigem Abstand sinnvoll sein.
Nebenwirkungen
Die Impfung gegen Japanische Enzephalitis wird in der Regel gut vertragen. Häufige Nebenwirkungen sind leichte lokale Reaktionen wie Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Auch Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Müdigkeit oder Fieber können auftreten.
Weitere Gesundheitsrisiken in Pakistan
Neben der Japanischen Enzephalitis gibt es in Pakistan weitere gesundheitliche Risiken, die Reisende beachten sollten:
- Malaria: In Pakistan besteht ein Malariarisiko, insbesondere in Gebieten unterhalb von 2500 Metern Höhe. Eine medikamentöse Prophylaxe und Expositionsprophylaxe (Mückenschutz) werden empfohlen.
- Dengue-Fieber: Dengue-Fieber kommt in allen Landesteilen unterhalb von 2000 Metern vor, besonders an den Küsten und in großen Städten. Ein konsequenter Mückenschutz ist wichtig.
- Hepatitis A und E: Darminfektionen und Hepatitis A sind häufig. Hepatitis E kann ebenfalls vorkommen. Auf eine gute Hygiene und den Verzehr von sicheren Lebensmitteln sollte geachtet werden.
- Typhus: Typhus abdominalis kann übertragen werden. Eine Impfung kann in Erwägung gezogen werden.
- HIV: HIV ist weltweit verbreitet und tritt auch in Pakistan auf.
- Weitere Impfempfehlungen: Es wird empfohlen, die Standardimpfungen gemäß demImpfkalender des Robert-Koch-Instituts zu überprüfen und gegebenenfalls aufzufrischen. Dazu gehören Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten) und Polio (Kinderlähmung). Ein ausreichender Schutz gegen Hepatitis A sollte ebenfalls vorhanden sein.
Reisemedizinische Hinweise für Pakistan
- Reiseapotheke: Eine gut ausgestattete Reiseapotheke sollte mitgeführt werden, um kleinere Erkrankungen und Verletzungen selbst behandeln zu können.
- Auslandskrankenversicherung: Eine private Auslandskrankenversicherung ist unbedingt empfehlenswert, da die gesetzlichen Krankenkassen im Ausland oft nur eingeschränkt leisten.
- Hygiene: Auf eine gute Hygiene sollte geachtet werden, um Durchfallerkrankungen vorzubeugen. Dies beinhaltet häufiges Händewaschen, den Verzehr von abgekochtem oder in Flaschen abgefülltem Wasser und das Meiden von rohen oder ungeschälten Lebensmitteln.
- Klima: Das Klima in Pakistan ist subtropisch und trocken. Im Sommer kann es sehr heiß werden, während die Winter mild sind.
- Sicherheit: Die Sicherheitslage in Pakistan sollte vor Reiseantritt geprüft werden. Es ist ratsam, sich bei der Deutschen Botschaft oder lokalen Behörden über die aktuelle Situation zu informieren.
- Einreisebestimmungen: Für die Einreise nach Pakistan sind ein Reisepass, der noch mindestens 6 Monate gültig ist, und ein Visum erforderlich. Bei Einreise aus einem Gelbfieber-Endemieland ist eine Gelbfieberimpfung vorgeschrieben.
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