Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, von der Millionen Menschen weltweit betroffen sind. Sie äußert sich nicht nur durch starke Kopfschmerzen, sondern oft auch durch Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen. Die Ursachen von Migräne sind vielfältig und noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne, insbesondere im Zusammenhang mit abendlichen Anfällen.
Ursachen von Migräne
Die Forschung zu den Ursachen der Migräne schreitet nur langsam voran. Es wird angenommen, dass entzündliche Prozesse an den Blutgefäßen im Gehirn eine Rolle spielen. Möglicherweise ist auch von Bedeutung, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden. Wissenschaftler sind sich jedoch einig, dass eine Kombination aus vererbten Genen und äußeren Einflüssen zu einer Migräneattacke führen kann.
Genetische Veranlagung
Migräne ist vererbbar und kann innerhalb einer Familie weitergegeben werden. Experten gehen von einer polygenetischen Veranlagung aus, bei der Veränderungen in mehreren Genen das Migränerisiko erhöhen. Einige dieser Gene sind an der Regulierung der neurologischen Schaltungen im Gehirn beteiligt, während andere mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht werden.
Auslöser (Trigger)
Verschiedene Trigger können bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Migräneattacke auslösen. Welche Faktoren im Einzelfall einen Anfall triggern, ist individuell verschieden. Häufige Trigger sind:
- Stress: Stress im privaten oder beruflichen Umfeld ist ein häufiger Auslöser.
- Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus: Menschen, die im Schichtdienst arbeiten, sind oft betroffen.
- Reizüberflutung: Wenn das Gehirn zu viele Eindrücke gleichzeitig verarbeiten muss, entsteht Stress.
- Wetter/Wetterwechsel: Viele Betroffene reagieren empfindlich auf schwülwarme Gewitterluft, starken Sturm, Föhnwetter oder sehr helles Licht.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel wie Bananen oder Käsesorten, die Tyramin enthalten, können Migräne auslösen. Auch unregelmäßige Mahlzeiten und Unterzuckerung können Anfälle begünstigen.
- Hormonelle Veränderungen: Geschlechtshormone haben einen starken Einfluss auf Migräne. Bei Frauen kann der Abfall des Östrogenspiegels vor der Regelblutung eine Migräneattacke auslösen. Auch hormonelle Verhütungsmittel können Migräne verursachen.
Migräne und Wetter
Ob Wetterveränderungen als Triggerfaktoren für Migräne gelten, konnten bisherige Studien nicht sicher beantworten. Es scheint aber, dass es unter Migränepatienten eine bestimmte Gruppe gibt, die tatsächlich hochempfindlich auf Veränderungen meteorologischer Faktoren reagiert. Insbesondere steigende Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und ein fallender Luftdruck scheinen dabei eine Rolle zu spielen.
Lesen Sie auch: Demenz verstehen: Ursachen
Migränebetroffene können durch ein Migränetagebuch und Wetterkarten beobachten, ob bestimmte Wetterlagen mit ihrer Migräne in Zusammenhang gebracht werden können. So können sie den Kopfschmerz gewissermaßen besser vorhersagen und frühzeitig Gegenmaßnahmen einleiten. Helfen kann es auch, die Anpassungsfähigkeit des Körpers zu verbessern. Saunagänge, Kneippbäder, Wechselduschen und regelmäßiger Sport im Freien stärken das Immunsystem und „trainieren“ Temperaturwechsel. Das kann helfen, die Anfälligkeit für Kopfschmerzen zu senken.
Formen der Migräne
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterscheidet verschiedene Arten von Migräne, darunter:
- Migräne ohne Aura: Dies ist die häufigste Form, die durch anfallsartige, einseitige, pulsierende Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität gekennzeichnet ist. Sie verstärken sich durch körperliche Aktivität und halten vier bis 72 Stunden an. Begleitet werden sie von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmempfindlichkeit.
- Migräne mit Aura: Bei dieser Form treten neurologische Symptome vor oder während der Kopfschmerzphase auf. Diese Symptome können Lichtblitze, Flimmern, Sehen von gezackten Linien, Gesichtsfeldausfall, Sprachstörungen, Missempfindungen, unvollständige Lähmungen und Schwindel umfassen.
- Chronische Migräne: Von chronischer Migräne spricht man, wenn an mindestens 15 Tagen pro Monat über mehr als drei Monate hinweg Kopfschmerzen auftreten, die an mindestens acht Tagen die Kriterien von Migränekopfschmerzen erfüllen.
- Migränekomplikationen: Dazu gehören der Status migraenosus (eine Migräneattacke, die länger als 72 Stunden anhält), der migränöse Infarkt (eine Minderdurchblutung im Gehirn) und der epileptische Anfall, der durch eine Migräne-Aura getriggert wird.
- Episodische Syndrome, die mit einer Migräne einhergehen können: Dazu gehören wiederkehrende Magen-Darm-Störungen (z. B. abdominelle Migräne) und vestibuläre Migräne (Schwindel).
Migräne ohne Aura
Die Migräne ohne Aura ist die häufigste Form von Migräne. Typisch sind anfallsartig auftretende, einseitige, pulsierende Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität. Sie verstärken sich durch körperliche Routineaktivitäten (z. B. Gehen, Treppensteigen) und halten vier (bei Kindern und Jugendlichen zwei) bis 72 Stunden an. Begleitet werden sie von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Migräne mit Aura
Die Migräne mit Aura ist seltener als die Migräne ohne Aura. Die Aura bezeichnet neurologische Symptome, die der Kopfschmerzphase vorausgehen oder zusammen mit dieser auftreten können.
Die Symptome der Aura setzen schleichend ein und zeigen sich auf einer Kopfseite. Sie können Lichtblitze, Flimmern, Sehen von gezackten Linien, Gesichtsfeldausfall, Sprachstörungen, Missempfindungen, unvollständige Lähmungen und Schwindel umfassen. Sie sind vorübergehend und verursachen keine bleibenden Schäden.
Lesen Sie auch: Risikofaktoren für Schlaganfälle
Chronische Migräne
Wer an mindestens 15 Tagen pro Monat, und das über mehr als drei Monate hinweg, an Kopfschmerzen* leidet, die an mindestens acht Tagen die Kriterien von Migränekopfschmerzen erfüllen, ist von chronischer Migräne betroffen. Sie kann sich aus einer Migräne ohne Aura und/oder einer Migräne mit Aura entwickeln.
Status migraenosus
Der Status migraenosus (Status migränosus) ist eine Migränekomplikation, die sowohl bei einer Migräne mit Aura als auch bei einer Migräne ohne Aura auftreten kann. Die Betroffenen erleiden eine Migräne-Attacke, die länger als 72 Stunden anhält und bei der die Kopfschmerzen und/oder die damit verbundenen Symptome sie stark beeinträchtigen.
Symptome der Migräne
Migräne ist mehr als nur ein starker pochend-pulsierender, oft einseitiger Kopfschmerz. Migräne geht bei vielen Patient:innen auch mit Symptomen wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen einher. Sie kann den Alltag erheblich beeinträchtigen.
Ein wesentliches Merkmal der Migräne sind starke pulsierende oder pochende Kopfschmerzen, die meist einseitig auftreten. Die Schmerzen können sich jedoch auch auf beide Seiten des Kopfes ausdehnen. Anders als etwa bei Spannungskopfschmerzen verstärken sie sich im Rahmen von Migräne häufig bei körperlicher Aktivität.
Viele Betroffene leiden während eines Migräne-Anfalls unter starker Übelkeit, die oft von Erbrechen begleitet wird. Zu den häufigsten Begleiterscheinungen der Migräne gehört eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht (die sogenannte Photophobie) und Geräuschen (Phonophobie).
Lesen Sie auch: Die Bedeutung von Nerven in der Liebe
Etwa 15 bis 20 Prozent der Migräne-Patient:innen erleben vor oder während eines Anfalls eine Aura. Diese Phase äußert sich durch Sehstörungen wie Flimmersehen, durch Lichtblitze oder Gesichtsfeldausfälle. Bei manchen Betroffenen treten während der Aura auch Sprachstörungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle auf.
Manche Patient:innen mit Migräne berichten auch von einer gesteigerten Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen, was in der Medizin als Osmophobie bezeichnet wird. Während eines Anfalls fällt es vielen Migräne-Patient:innen schwer, sich zu konzentrieren, sich Dinge zu merken oder klar zu denken. Nach einem Migräneanfall berichten viele Betroffene von intensiver Müdigkeit und Erschöpfung, was als Postdromalphase - als Rückbildungsphase - bezeichnet wird.
Prodromalphase
Bei etwa 30 Prozent der Migränepatienten kündigt sich eine Kopfschmerzattacke im Vorfeld mit verschiedenen Symptomen an. Diese so genannte Prodromalphase kann wenige Stunden vor der Migräneattacke eintreten, aber auch bis zu zwei Tage vorher einsetzen.
„Während der Vorbotenphase können unterschiedliche psychische und körperliche Symptome auftreten. Einerseits kann es zu depressiver Verstimmung, vermehrter Gereiztheit und Unruhe kommen, andererseits aber auch zu Hochstimmung und einem Gefühl besonderer Leistungsfähigkeit. Manche Betroffene entwickeln einen Heißhunger auf Süßigkeiten oder fettige Speisen und sind ungewöhnlich durstig oder haben keinen Appetit, leiden unter Verstopfungen, Müdigkeit oder Benommenheit“, berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) mit Sitz in Krefeld.
Auraphase
„Bei etwa 10 bis 15 Prozent der Migränepatienten kann im Anschluss dann eine Auraphase auftreten, die mit vorübergehenden neurologischen Reiz- und Ausfallerscheinungen verbunden ist. Sie besteht häufig aus Sehstörungen oder auch Schwäche, Taubheit oder einem Kribbeln im Gesicht oder den Extremitäten einer Seite. Einige Patienten leiden unter Sprachstörungen, Schwindel oder Gangunsicherheit.“ Die Phase der Aura setzt langsam ein und geht langsam zurück und dauert meist 15 bis 60 Minuten.
Schmerzphase
In der Schmerzphase setzt der eigentliche Kopfschmerz ein, der mit den typischen Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen, Licht-, Lärm- und Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit einhergeht. „Der mittlere bis starke, pulsierende, pochende oder stechende Kopfschmerz beginnt in der Regel auf einer Seite und breitet sich auf Stirn, Schläfe und Augenbereich aus. Später kann er sich auch auf die andere Kopfseite ausdehnen. Es kann zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl kommen und jegliche körperliche Anstrengung oder auch Stress verstärken die Beschwerden“, schildert der Neurologe. Die Schmerzphase dauert bei erwachsenen Menschen zwischen 4 und 72 Stunden, bei Kindern ist sie meist kürzer und oft bereits nach 1 Stunde beendet. Neben Kopfschmerzen können bei der Migräne auch Schmerzen im Gesicht, am Nacken, in den Augen oder den Zähnen auftreten. Am Ende der Schmerzphase wechselt der pulsierende Schmerzcharakter oft zu einem gleichbleibenden Schmerz. Es folgt häufig eine Erholungsphase oder auch Schlafphase, mit der die Migräneattacke langsam abklingt.
Diagnose von Migräne
Die Diagnose der Migräne erfolgt durch ein ausführliches Gespräch (Anamnese) mit der Erfassung der Symptome und der Familienbelastung sowie einer körperlich-neurologischen Untersuchung. Der Arzt wird nach der Schmerzintensität, dem Schmerzbereich und dem Schmerzcharakter fragen. Ein Kopfschmerzkalender oder Kopfschmerztagebuch, in dem die Symptome dokumentiert werden, kann die Diagnose erleichtern. Die körperliche Untersuchung dient dazu, andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. In den meisten Fällen sind keine bildgebenden Verfahren wie CT oder MRT erforderlich.
Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne
Migräne kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, doch mit einer individuell abgestimmten Behandlung lassen sich Symptome lindern und bei Bedarf auch Anfällen vorbeugen. Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Beschwerden während eines Anfalls zu lindern und dessen Dauer zu verkürzen. Ruhe und Lichtreduzierung spielen hierbei eine zentrale Rolle.
Medikamentöse Behandlung
Zur Behandlung akuter Migräneanfälle können Medikamente verordnet werden, die einerseits gezielt die Schmerzen und andererseits Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen bekämpfen.
- Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR): Bei einer leichten bis mittelschweren Migräneattacke können Medikamente aus der Gruppe der NSAR angewendet werden, wie Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS).
- Triptane: In der Therapie mittelschwerer und schwerer Migräneattacken haben sich die sogenannten Triptane als besonders wirksam erwiesen. Sie sollten nach der Aura, zu Beginn der Kopfschmerzphase eingenommen werden. Triptane können aber auch noch während einer Migräneattacke erfolgreich angewendet werden.
Migräneprophylaxe
Sollten sehr häufig unter belastenden Migräneattacken gelitten werden, kann die Möglichkeit einer medikamentösen Prophylaxe (Vorbeugung) besprochen werden. Es gibt inzwischen zahlreiche Therapiemöglichkeiten in der Migräneprophylaxe. Die neuesten Entwicklungen sind die sogenannten monoklonalen Antikörper, die sich gegen die Wirkung des schmerzvermittelnden Botenstoffes CGRP richten.
Selbsthilfemaßnahmen
Migräneanfälle können auch bei ein und demselben Menschen in unterschiedlicher Stärke auftreten. Mal ist es eine leichte Attacke, mal eine sehr schwere. Ratsam ist es, bei aufkommender Migräne sofort Maßnahmen zu ergreifen und nicht erst abzuwarten. Mögliche Selbsthilfemaßnahmen bei Migräne:
- Massieren Sie mit zwei Fingern entlang des Schmerzpunktes.
- Tragen Sie wenige Tropfen Pfefferminzöl auf Ihre Schläfen auf und kreisen Sie dort langsam in eine Richtung.
- Verdunkeln Sie Ihr Schlafzimmer und sorgen Sie für ausreichend Ruhe.
- Lagern Sie Ihren Kopf etwas höher im Bett und legen Sie ein Kühlakku (nur mäßige Kälte) auf Ihre Stirn.
- Versuchen Sie ruhig zu atmen.
- Ein frischer Ingwertee kann auch Abhilfe schaffen.
Neben diesen Selbsthilfemaßnahmen gibt es mittlerweile sehr gut helfende medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten einer Migräneattacke.
Lebensstiländerungen
Ein Lebensstil mit verlässlicher Regelmäßigkeit und einem festen Tag- und Nachtrhythmus kann Migräneanfälle deutlich reduzieren. Dazu gehören insbesondere ein geregelter Schlafrhythmus, feste Essenszeiten und eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr. Ebenfalls sinnvoll und wertvoll, sofern die Ärztin oder der Arzt grünes Licht dafür geben: regelmäßiger Ausdauersport, am besten dreimal pro Woche, um die innere Balance zu fördern und psychische Belastungen zu minimieren. Diese wirken häufig als Auslöser für Migräneattacken.
Physiotherapie und Entspannungstechniken
Auch gezielte Maßnahmen der Physiotherapie können die ärztliche Behandlung der Migräne unterstützen, insbesondere wenn Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich die Symptome verstärken. Durch individuelle Übungen wird die Muskulatur gelockert und die Durchblutung gefördert, was wiederum die Häufigkeit und Intensität von Anfällen reduzieren kann. Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson sind bewährte effektive Methoden, um Geist und Körper in Stresssituationen zügig zu beruhigen.
Psychotherapie
Wenn die Migräne durch Stress oder psychische Belastungen verstärkt wird, kann eine psychotherapeutische Begleitung hilfreich sein.
Begleiterkrankungen bei Migräne
Migräne ist keine isolierte Kopfschmerzerkrankung, sondern tritt häufig in Verbindung mit weiteren gesundheitlichen Herausforderungen und Erkrankungen auf. Menschen mit Migräne sind häufig auch von Depressionen und/oder Angststörungen betroffen. Diese psychischen Erkrankungen können sowohl aufgrund der Belastung durch die wiederkehrenden Migräneanfälle entstehen als auch als Auslöser für Migräneattacken wirken. Ein unregelmäßiger Schlafrhythmus und Schlafstörungen sind häufig mit Migräne verknüpft. Auch Bluthochdruck und chronischer Spannungskopfschmerz sind häufige Begleiterkrankungen der Migräne.
Abendliche Migräne: Besonderheiten und Ursachen
Die Tatsache, dass Migräneattacken jeden Abend auftreten, kann auf bestimmte Auslöser oder Muster hindeuten. Mögliche Ursachen für abendliche Migräne sind:
- Stressabbau: Nach einem stressigen Tag kann der Abbau von Stresshormonen wie Cortisol zu einer Migräneattacke führen.
- Veränderungen im Schlafrhythmus: Ein unregelmäßiger Schlafrhythmus oder Schlafstörungen können Migräne begünstigen.
- Ernährung: Der Konsum bestimmter Lebensmittel oder Getränke am Abend, wie Alkohol oder koffeinhaltige Getränke, kann Migräne auslösen.
- Umweltfaktoren: Helles Licht, laute Geräusche oder starke Gerüche am Abend können Migräne triggern.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, die am Abend eingenommen werden, können Migräne als Nebenwirkung haben.
Was tun bei abendlicher Migräne?
Wenn Migräneattacken regelmäßig am Abend auftreten, ist es wichtig, die möglichen Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden. Folgende Maßnahmen können helfen:
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und Migräne vorzubeugen.
- Regelmäßiger Schlafrhythmus: Ein fester Schlafrhythmus mit ausreichend Schlaf kann Migräne reduzieren.
- Ernährung: Auf eine ausgewogene Ernährung achten und bestimmte Lebensmittel oder Getränke am Abend vermeiden, die als Trigger bekannt sind.
- Umweltkontrolle: Für eine ruhige und abgedunkelte Umgebung am Abend sorgen.
- Medikamente: Die Einnahme von Medikamenten mit dem Arzt besprechen und mögliche Alternativen prüfen.
Erfahrungsbericht
Ein Betroffener schildert seine Erfahrungen mit Migräne: „Die Migräneanfälle waren bei mir in den letzten Jahren unterschiedlich häufig. Eine Zeit lang hatte ich sie exakt einmal pro Woche. Da konnte ich die Uhr danach stellen. Ich bin 43 Jahre alt und die ersten Migränebeschwerden hatte ich vor etwa 20 Jahren. Das war während meines Studiums. Die Symptome waren allerdings für eine Migräne relativ untypisch: Ich hatte zum Beispiel Schüttelfrost und das oft anfallartig so einmal pro Woche. Später ist daraus im gleichen Rhythmus eine Migräne geworden mit den eher typischen Beschwerden: halbseitige Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Empfindlichkeit gegen bestimmte Gerüche, Geräusche und Berührungen. Daraufhin bin ich zu einem Neurologen gegangen. Als ich ihm meine Beschwerden geschildert habe, meinte er nur, dass ich ihm eben die klassische Lehrbuch-Symptomatik einer Migräne geschildert hätte. Mit dem Begriff „Migräne“ wusste ich damals nichts anzufangen. Das hat mir der Arzt dann erstmal erklärt. Zu diesem Zeitpunkt waren die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Der Arzt, bei dem ich in Behandlung war, war Experte im autogenen Training und das habe ich dann auch bei ihm gelernt. Diese Fähigkeiten habe ich heute noch, das ist wie mit dem Fahrradfahren, das verlerne ich nicht mehr. Das tut mir sehr gut und hilft mir, mich zu entspannen. Aber leider hat das autogene Training weder die Migränehäufigkeit noch die Anfallsschwere positiv beeinflusst. Ich habe es auch mit Akupunktur versucht, allerdings ohne Erfolg.“
Der Betroffene berichtet weiter: „Der durchbrechende Erfolg kam für mich erst mit der Erfindung der Triptane. Die nehme ich auch heute noch. Das sieht dann folgendermaßen aus: Wenn ich Migräne bekomme, dann fast immer in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden, so gegen vier Uhr. Ich werde dann wach und merke, dass die Migräne beginnt. Dann nehme ich so eine Triptan-Tablette und die Beschwerden sind dann meistens relativ schnell wieder weg. Ich kann dann ganz normal zur Arbeit gehen und bin topfit. Manchmal starte ich den Versuch, aufzustehen und mich zu bewegen oder mich heiß zu duschen in der Hoffnung, dass ich die Migräne unterdrücken kann. Aber wenn ich das gemacht habe und die Kopfschmerzen sind immer noch da, dann nehme ich die Medikamente und hoffe, dass sie wirken und das tun sie meistens. Es gibt ja eine ganze Palette von Triptanen, da hilft es eigentlich nur, einen guten Arzt zu finden und die einzelnen auszuprobieren. Ich habe etwa fünf Präparate ausprobiert und bin jetzt schon länger bei einem, mit dem es funktioniert. Als einzige Nebenwirkung der Medikamente spüre ich, dass ich am Abend früher müde werde. Das ist aber erst mal kein Problem für mich. Schwierig wird es, wenn die Migräne mal nicht verschwindet und am nächsten Tag wiederkommt, also wenn es eine mehrtägige Migräne ist. Dann nehme ich am nächsten Tag wieder eine Tablette und die Müdigkeit wird immer stärker. Manchmal dauert die Migräne leider auch drei Tage und dann kann die Müdigkeit so stark sein, dass ich schon am Nachmittag von der Arbeit nach Hause gehen muss. Das ist, als hätte ich ein Schlafmittel bekommen, da kann ich mich nicht wehren. Mir hilft da nur hinlegen und schlafen. Aber gegenüber den Migränebeschwerden ist das alles zu vernachlässigen und ich nehme die Müdigkeit gern in Kauf. Damit kann ich gut leben.“
Er betont: „Ich habe keine klassische Migräne mit einer Aura, bei der man bestimmte Vorboten wahrnehmen kann. Aber meine Stimmung ändert sich ein wenig. Am Vorabend der Migräne werde ich brummeliger und unzufriedener. Das nehme ich oft gar nicht selber wahr, aber meine Frau bemerkt es. Sie hat das im Laufe der Jahre oft genug erlebt. Auslöser für die Migräne kann ich bei mir kaum ausmachen. Es gibt Phasen, da sehe ich eine Verbindung mit dem Wetter oder manchmal hatte ich auch bestimmte Genussmittel im Verdacht, was sich aber bisher nicht bestätigt hat. Allerdings lösen normale Kopfschmerzen, beispielsweise von einer Erkältung oder einem Kater nach zu viel Alkohol, häufig eine Migräne bei mir aus. Was mir aufgefallen ist: Ich habe unmittelbar vor einem Anfall heftige Träume. Das ist für mich auch ein typischer Hinweis, dass die Migräne kommt. Wenn ich spüre, dass die Migräne kommt, dann nehme ich eine Tablette und bleibe noch eine halbe Stunde im Bett liegen und dann war es das auch schon.“