Sportverletzungen betreffen zwar meist Muskeln, Sehnen oder Gelenke, aber auch Nerven können betroffen sein. Nervenverletzungen sind besonders ernst zu nehmen, da ihre Folgen oft schwerwiegender sind als Muskelverletzungen und die Regeneration sehr langsam verläuft. Häufig sind "kleine", aber wiederholte Belastungen die Ursache, insbesondere bei Sportarten mit vielen gleichen Bewegungsabläufen, bei denen oft eine biomechanische Komponente eine Rolle spielt. Auch eine Nerveneinklemmung durch Sportgeräte, Ausrüstung oder Schuhe kann eine Rolle spielen. Eine genaue Diagnose erfordert oft spezialisierte Untersuchungstechniken wie NLG, EMG oder Nervenultraschall. Eine sorgfältige Analyse hilft, die Ursache zu erkennen und gegenzusteuern.
Ursachen eines eingeklemmten Nervs
Hinter einer Nervenreizung oder -verletzung können verschiedene Ursachen stecken. Eine universelle Therapie gibt es nicht. Hier sind einige mögliche Ursachen:
- Biomechanische Faktoren: Bei Sportarten mit sich wiederholenden Bewegungssequenzen kann eine fehlerhafte Biomechanik zur Nervenreizung führen.
- Druck von außen: Sportgeräte, Ausrüstung oder Schuhe können Nerven einklemmen. Auch ein unphysiologischer Druck von außen kann vorkommen.
- Überdehnung: Durch bestimmte Bewegungen können Nerven überdehnt werden, besonders an Stellen, wo ein Nerv nach einem kurzen "freien" Verlauf einen Befestigungspunkt erreicht. Dies kann bei Stürzen auf die Schulter (Truncus superior des Plexus brachialis, Wurzeln C5, C6), beim Umknicken im Sprunggelenk (N. peroneus) oder bei Überkopf-Wurfbewegungen (N. suprascapularis) passieren.
- Reibung: Ein Beispiel ist die Verlagerung des N. ulnaris am Ellenbogen.
- Direkte Verletzungen: Schnittverletzungen, starke Überdehnung, Knochenbrüche und andere Traumata können Nerven schädigen.
- Muskuläre Dysbalancen und Zerrungen: Langes Sitzen kann zu einem schwachen Core und steifen Gelenken führen, was die Wirbelsäule bei Übungen mit hoher Intensität wie Laufen zusätzlich belasten kann. Verspannungen im Gesäß können dazu führen, dass sich der untere Rücken nach dem Training steif anfühlt.
- Belastung der Facettengelenke: Ein Ungleichgewicht in den Muskeln, die die Wirbelsäule stützen, belastet einige Wirbelsäulenstrukturen, wie z. B. die Facettengelenke.
- Schmerzen im Iliosakralgelenk (IS): Eine schlechte Lauftechnik und eine schwache Hüftmuskulatur können diese Gelenke übermäßig belasten und starke Rückenschmerzen verursachen.
- Schlechte Lauftechnik: Biomechanische Probleme, wie z. B. die Tatsache, dass ein Bein von Natur aus länger ist als das andere oder eine Körperseite kräftiger als die andere, können deine Lauftechnik beeinträchtigen.
Symptome eines eingeklemmten Nervs
Die Symptome einer Nervenreizung können denen anderer Ursachen ähneln. Eine genaue neurologische Untersuchung kann jedoch in der Regel klären, ob Nerven eine Rolle spielen. Folgende Symptome können auftreten:
- Überempfindlichkeit: In der betroffenen Hautregion kann eine Überempfindlichkeit auftreten.
- Temperaturempfindlichkeit: Leichte Temperaturänderungen können Schmerzen auslösen.
- Schmerzart: Nervenschmerzen werden oft als "brennend", "wie Feuer", "Wundschmerz" oder "wie nach Sonnenbrand" beschrieben.
- Mißempfindungen (Parästhesien): Kribbeln oder andere Mißempfindungen können auftreten.
- Taubheitsgefühl: Berührungen werden nicht oder nur abgeschwächt wahrgenommen.
- Schwäche: Eine Schwäche einzelner Muskeln kann ein Zeichen für eine Nervenläsion sein.
- Muskelkrämpfe: Muskelkrämpfe können Folge einer Nervenreizung sein, auch wenn ein Magnesiummangel seltener die Ursache ist als oft angenommen. Hinweise auf eine Nervenursache sind z.B. stark zunehmende, plötzlich neu beginnende oder asymmetrische Krämpfe.
Spezifische Nerveneinklemmungen beim Sport
- Tennisellbogen: Ähnliche Beschwerden können bei Einengung eines Nervenastes des N. radialis oder des N. interosseus posterior auftreten.
- Schulterprobleme: Z.B. bei Einengung des N. suprascapularis.
- Leistenschmerzen: Hier sind Läsionen verschiedener Nerven möglich (N. cutaneus femoris lateralis, N. ilioinguinalis, N. genitofemoralis).
- Fuß- oder Fersenschmerzen: Z.B. beim "Joggers foot", meist sind Äste des N. tibialis betroffen.
Muskelkrämpfe und Nerven
Muskelkrämpfe können vielfältige Ursachen haben. Bei sportlicher Betätigung steckt oft ein Elektrolytmangel dahinter. Auch im Alter kommt es häufig zu Muskelkrämpfen, typischerweise in der Nacht in Waden- und Fußmuskeln. Oft wird ein Mineralienmangel vermutet, aber Elektrolytgetränke oder Magnesium helfen nicht immer. Wenn Muskelkrämpfe häufig auftreten (> 3x pro Woche) oder sehr schmerzhaft sind, sollte man die Ursache abklären.
Krämpfe gehen meist nicht vom Muskel selbst aus, sondern von den Nerven, die den Muskel ansteuern. Diese Nerven steuern auch die normalen Muskelbewegungen. Wenn ein Nerv unkontrollierte Signale an den Muskel sendet, sich zu kontrahieren, resultiert das in einem Muskelkrampf. Ein Muskelkrampf wird also durch eine Überaktivität der verantwortlichen Nerven hervorgerufen - dies ist Folge einer Nervenüberreizung (Hyperexzitabilität).
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Eine Überregbarkeit des Nerven kann durch Probleme an verschiedenen Stellen hervorgerufen werden: prinzipiell im Verlauf der gesamten Nervenbahnen vom Kopf durch das Rückenmark, an der Bandscheibe vorbei aus der Wirbelsäule austretendend, sowie im weiteren Verlauf von Armen und Beinen bis zu den entsprechenden Muskeln.
Diagnostik
Nach einer ersten Abklärung (Durchblutungsstörungen, Laboruntersuchungen mit Frage nach Schilddrüsenfunktionsstörung, Elektrolytmangel o.a.) kommen spezielle neurologische Untersuchungen zum Einsatz. Es geht um eine gezielte Untersuchung der Nervenfunktion, insbesondere der die Muskeln ansteuernden Nervenfasern. Die Sensibilität wird geprüft (z.B. Informationen zu Berührung, Temperatur).
Weiterhin kann man die Nerven im Nervenultraschall anschauen; hier ist unmittelbar sichtbar, ob eine Kontinuitätsunterbrechung, eine Einklemmung, eine Schwellung o.a. vorliegt.
Behandlung und Prävention
Die Behandlung eines eingeklemmten Nervs ist so vielfältig wie seine Ursachen. Daher ist eine persönliche Untersuchung wichtig. Die Behandlung kann folgendes umfassen:
- Konservative Therapie: Physiotherapie, Schmerztherapie, entzündungshemmende Kortisonspritzen in den Spinalkanal, Stützkorsett.
- Operation: In schweren Fällen, z.B. bei Nervenschädigung oder Lähmungserscheinungen, kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf die Nerven zu verringern. Moderne minimal-invasive Techniken reduzieren Risiken und Erholungszeit.
- Schonung und Bewegung: Betroffene Stellen sollten geschont werden, aber unnatürliche Schonhaltungen vermieden werden.
- Wärmebehandlung: Wärme lockert verspannte Muskeln und entlastet den Nerv. Wärmepflaster können ebenfalls helfen.
- Massage und Gymnastik: Professionelle Massage oder sanfte Gymnastik wie Yoga können Verspannungen lösen.
- Physiotherapie: Kann bei Bandscheibenvorfällen oder Spinalkanalstenose helfen.
- Ergonomie am Arbeitsplatz: Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes hilft, eingeklemmten Nerven vorzubeugen.
- Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität beugt Verspannungen vor und stärkt die Muskulatur.
- Stressmanagement: Muskelverspannungen können durch Stress begünstigt werden.
- Gewichtsreduktion: Ein gesundes Körpergewicht entlastet die Wirbelsäule.
Tipps für Betroffene im Alltag
- Bleiben Sie sportlich aktiv: Eine starke Rückenmuskulatur kann die Symptome einer Stenose deutlich reduzieren.
- Kräftigung der Muskulatur: Gezieltes Krafttraining und Gleichgewichtsübungen stärken die Muskulatur, ohne den Rücken zu belasten.
- Geeignete Sportarten: Sanftes Yoga, Fahrradfahren oder Nordic Walking sind empfehlenswert.
- Übungen zu Hause: Übungen wie das Einbeinig-Stehen beim Zähneputzen stärken die Tiefenmuskulatur.
- Gewichtsreduktion: Übergewicht abbauen, um die Belastung der Wirbelsäule zu verringern.
- Richtig aufwärmen: Dynamisches Warm-up, das sich auf die Hüftbeuger, die hinteren Oberschenkel und den unteren Rücken konzentriert, um die Beweglichkeit zu verbessern und Verspannungen zu lösen.
- Häufiges Krafttraining: Trainiere deine Core-, Gesäß- und unteren Rückenmuskulatur regelmäßig mit Übungen wie Planks, Deadlifts und Side Bridges, um die Wirbelsäule stabiler zu machen.
- Bessere Körperhaltung beim Laufen: Achte auf eine aufrechte Haltung. Dein Kopf befindet sich mittig über deiner Wirbelsäule.
- Auswahl des geeigneten Geländes: Untergründe mit einer gewissen Dämpfung wie Erde oder Gras können den unteren Rücken beim Laufen schonen.
- Deine Grenzen kennen: Vermeide Übertraining.
- Laufschuhe ersetzen: Trag geeignete Laufschuhe mit angemessenem Halt und Dämpfung, die zu deinem Fußtyp und deinem Gangbild passen, um die Belastung auf die Wirbelsäule so gering wie möglich zu halten.
Sport bei Rückenschmerzen
Bei einigen Symptomen kann Training durchaus hilfreich und entlastend wirken, bei anderen ist allerdings Ruhe nötig. Bewegungsmangel ist eine Hauptursache für Rückenschmerzen. Gezielter Sport und generelle Bewegung helfen dabei, Verspannungen im myofaszialen Bereich wieder zu lösen, körperliche Schonung allein tut das nicht.
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Wann sollte man auf Sport verzichten?
- Strukturelle Ursache durch einen Unfall: Den Rücken am besten sofort entlasten, besonders bei Symptomen wie Lähmungen und schmerzhaftem Kribbeln im Rücken.
- Drastisch eingeschränkter Bewegungsradius: Ein Arztbesuch ist dringend notwendig.
Wie sollte das Training aussehen?
Das Training sollte angepasst werden, um den Körper auf dem Erholungsweg zu unterstützen. Es ist wichtig herauszufinden, wie man seine Sportart realisieren kann, ohne Schmerzen zu verursachen. Ergänzende bzw. korrigierende Übungen können integriert werden, um Verspannungen im myofaszialen Bereich zu lösen und die Wirbelsäule wieder an Elastizität zu gewinnen.
Kraftsport mit Rückenschmerzen
- Verzichte auf Übungen, die den Rücken besonders stark beanspruchen (Kniebeugen, Kreuzheben, Rudern mit der Langhantel etc.).
- Wähle stattdessen entlastende Alternativen an Maschinen.
- Passe die Übung so an, dass der Rücken weniger beansprucht wird.
Ausdauersport bei Rückenschmerzen
- Reduziere die Dauer des Laufs und versuche, dich zu steigern.
- Wärme den Hüftbeuger auf.
- Arbeite an deiner Körperhaltung.
- Achte auf die richtigen Laufschuhe.
Geeignete Übungen für einen schmerzfreien Rücken
- Planke: Ein stabiler Unterarmstütz kann viel für eine gesunde Körperhaltung tun.
- Wandengel: Eignen sich vor allem bei Rückenschmerzen in der Nackenregion.
- 90/90 Good Mornings: Zielen auf die Rotation der Wirbelsäule ab.
Joggen und Rückenschmerzen
Joggen ist der ideale Ausgleich zu einem Büroalltag im Sitzen, doch beim Laufen mit Rückenproblemen gibt es einiges zu beachten. Um Rückenschmerzen beim Joggen zu vermeiden, ist es empfehlenswert, sich ein realistisches Trainingsprogramm vorzunehmen und bei längerer Pause auf einen langsamen Wiedereinstieg zu setzen. Es bietet sich zum Beispiel an, immer mal wieder Gehpausen einzulegen oder für den Anfang eine kürzere Joggingstrecke zu wählen, um Muskeln, Sehnen und Bänder an die Belastung zu gewöhnen. Besonders bei Menschen, die aufgrund der Arbeit viel Zeit am Schreibtisch verbringen, sind oft der Hüftbeuger und die Brustmuskulatur verkürzt und die Gesäßmuskulatur ist eher schwach - hier kann nach und nach die Muskulatur gestärkt werden. Eine häufige Ursache für Rückenschmerzen nach dem Joggen ist auch das Laufen in der Hohlkreuz-Position. Dabei kippt das Becken während des Joggens nach vorn und die untere Wirbelsäule wölbt sich stärker.
Joggen trotz akuter Rückenschmerzen ist nicht empfehlenswert, da sich der Rückenschmerz unter der Druckbelastung sogar verschlimmern kann. Einerseits trägt Bewegung grundsätzlich dazu bei, die Bandscheiben ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen und Muskeln zu durchbluten. Andererseit sorgt der Moment des Bodenkontakts beim Joggen für erhöhten Druck. Waldwege sind für Joggingtouren rückenschonender als asphaltierte Straßen und hochwertige Laufschuhe mit Dämpfung sind ausgetretenen Turnschuhen vorzuziehen.
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