Die Alzheimer-Krankheit ist eine der grössten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Obwohl die genauen Ursachen komplex sind, deuten zahlreiche Studien darauf hin, dass das Risiko einer Erkrankung durch verschiedene Massnahmen reduziert werden kann. Eine besonders interessante Quelle für diese Erkenntnisse sind Studien aus Finnland, die sich intensiv mit den Risikofaktoren, der Prävention und der Früherkennung von Alzheimer auseinandersetzen.
Risikofaktoren im Fokus
Eine internationale Forschergruppe, die "The Lancet Commission on Dementia and Prevention", identifizierte 2020 zwölf Risikofaktoren, die das Alzheimer-Risiko erhöhen. Diese Faktoren lassen sich in verschiedene Lebensphasen einteilen:
- Frühes Lebensalter: Schlechte Bildung
- Mittleres Lebensalter: Hörverlust, Bluthochdruck, Schädel-Hirn-Verletzungen, schädlicher Alkoholkonsum und Übergewicht
Es ist wichtig zu betonen, dass nicht alle diese Faktoren beeinflussbar sind. Allerdings gibt es einige, bei denen eine Änderung des Lebensstils positive Auswirkungen haben kann. Dazu gehören vor allem eine gesunde Ernährung, regelmässige Bewegung, Vermeidung von Übergewicht und Rauchverzicht. Auch kognitive Stimulierung und soziale Aktivität spielen eine entscheidende Rolle bei der Prävention von Alzheimer.
Professor Frank Jessen, Leiter des Kölner Alzheimer Präventionszentrums, betont die Bedeutung von gutem Hören und ausreichend Schlaf. Das Gehirn benötigt Input, und wer schlecht hört, erhält weniger davon, was das Alzheimer-Risiko erhöhen kann. Chronische Schlafstörungen können ebenfalls das Risiko erhöhen, da im Schlaf wichtige Reinigungsprozesse im Gehirn ablaufen. Auch häufige und leichte Kopfverletzungen, wie sie bei manchen Sportarten vorkommen, sollten vermieden werden.
Die finnische FINGER-Studie und ihre Nachfolger
Die sogenannte FINGER-Studie aus Finnland ist ein wegweisendes Beispiel für die Möglichkeiten der Alzheimer-Prävention. In dieser Studie erhielt eine Gruppe älterer Menschen über zwei Jahre hinweg Ernährungs- und Gesundheitsberatung sowie körperliches und geistiges Training. Die Ergebnisse waren vielversprechend und zeigten, dass Präventionsmassnahmen das Fortschreiten der Krankheit positiv beeinflussen und das individuelle Demenz-Risiko senken können.
Lesen Sie auch: Informationen für Alzheimer-Patienten und Angehörige
Zehn Jahre nach der FINGER-Studie soll die Agewell-Studie in Deutschland die Ergebnisse überprüfen. Ziel ist es, im Erfolgsfall Empfehlungen für eine Implementierung in die reguläre Versorgungslandschaft zu geben. Für die Studie wurden 1.152 ältere Menschen mit erhöhtem Demenzrisiko in Leipzig, Greifswald, München und Kiel rekrutiert.
Präventionspotenzial in Deutschland
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren in Deutschland 2021 rund 1,8 Millionen Menschen über 65 Jahren an Demenz erkrankt. DZNE-Forscherin Dr. Iris Blotenberg und ihr Forschungsteam haben berechnet, dass ein Präventionspotenzial von 38 Prozent besteht. Wenn es gelänge, die beeinflussbaren Risikofaktoren um 15 Prozent zu reduzieren, könnten von den erwarteten zwei Millionen Krankheitsfällen im Jahr 2033 theoretisch etwa 138.000 verzögert oder vermieden werden. Bei einer Reduktion um 30 Prozent wären es sogar 265.000 Fälle.
Der Faktor Zahngesundheit
Eine interessante Erkenntnis aus Finnland ist der Zusammenhang zwischen kranken Zähnen und einem erhöhten Demenzrisiko. Eine finnische Meta-Analyse verschiedener internationaler Studien zeigt, dass abgestorbene beziehungsweise ausgefallene Zähne die Entstehung von Demenz begünstigen können.
Erwachsene, die an Zahnausfall leiden, weisen ein höheres Risiko für kognitive Krankheiten und Demenz auf. Mit jedem verlorenen Zahn erhöht sich das Risiko einer Demenzdiagnose um 1,1 Prozent. Zahnfleischerkrankungen, die zu Entzündungen im Körper führen, und eine weniger nahrhafte Ernährung aufgrund von Zahnverlust können den kognitiven Verfall beschleunigen. Zudem wird während des Kauens der Blut- und Sauerstofffluss zum Gehirn gefördert, was bei Zahnverlust reduziert ist.
Eine positive Erkenntnis ist, dass Zahnersatz förderlich auf die kognitive Gesundheit wirken kann. Menschen mit Zahnersatz zeigten in den Studien kein erhöhtes Risiko für kognitive Einschränkungen.
Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick
Tipps zur Zahnpflege und Prävention von Zahnkrankheiten
Um Zahnkrankheiten und Zahnverlust vorzubeugen, ist eine gute Zahnpflege und Mundhygiene unerlässlich:
- Reinigen Sie Ihre Zähne zwei Mal täglich und im besten Fall nach jeder Mahlzeit.
- Verwenden Sie zusätzlich einmal täglich Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten.
- Achten Sie auf eine Zahnpasta mit Fluorid.
- Verwenden Sie fluoridhaltige Mundspülungen ohne Alkohol.
- Ersetzen Sie Ihre Zahnbürste spätestens nach drei Monaten.
Saunabesuche und Demenzrisiko
Eine weitere finnische Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Saunabesuchen und dem Demenzrisiko. Männer, die vier bis sieben Mal pro Woche die Sauna besuchten, hatten im Alter ein um zwei Drittel geringeres Demenzrisiko als Männer, die nur einmal pro Woche in die Sauna gingen. Regelmässiges Saunieren scheint somit das Herz und das Gedächtnis in ähnlichem Masse zu schützen.
Die Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study (KIHD) zeigte, dass im Verlaufe von 20,7 Jahren Beobachtungszeit 204 aller Saunabesucher neu an Demenzen und 123 an Alzheimer erkrankten. Je häufiger die Männer in die Sauna gingen, umso gesünder blieben sie.
Nahrungsergänzungsmittel und Gedächtnisleistung
Eine Studie unter Federführung von Prof. Tobias Hartmann von der Universität des Saarlandes und Prof. Hikka Soininen von der Universität Ostfinnland hat gezeigt, dass ein spezielles Nahrungsergänzungsmittel, das eine bestimmte Kombination von Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und weiteren Nährstoffen enthält, die Gedächtnisleistung von Patienten mit Alzheimer im Frühstadium aufrechterhalten kann. Die Betroffenen konnten geistige Alltagsaufgaben besser bewältigen, und ihr Gehirn schrumpfte weniger schnell als das Gehirn von Patienten, die die Nährstoffkombination nicht zu sich nahmen.
Früherkennung und die Darstellung von Demenz in den Medien
Eine Studie der Universität Ostfinnland zeigt, dass Bilder, die Demenz in finnischen Zeitungen darstellen, oft ein klischeehaftes und negatives Bild zeichnen. Die meisten Bilder stellten Menschen mit Demenz als alt, gebrechlich und von anderen abhängig dar. Bilder von jüngeren Menschen im erwerbsfähigen Alter mit Demenz gab es hingegen kaum. Die Forscher betonen die Notwendigkeit, die visuelle Darstellung von Demenz in den Medien zu reformieren, um das Stigma zu verringern und ein besseres Verständnis für die Komplexität von Demenz zu fördern.
Lesen Sie auch: Alzheimer und Demenz im Vergleich
Alzheimer bei jüngeren Menschen
Eine grosse Studie der Universität Ostfinnland, der Universität Oulu und des Neurocenters Finnland bestätigt, dass die Zahl der Alzheimer-Erkrankungen bei Jüngeren höher ist als früher angenommen. Die Inzidenz früh einsetzender Demenz in der Altersgruppe der 30- bis 64-Jährigen betrug 20,5 Fälle pro 100.000 Personenjahre. In der Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen waren es 33,7 Fälle pro 100.000 Personenjahre. Interessanterweise hat sich die Häufigkeit von Alzheimer bei Menschen im erwerbsfähigen Alter fast verdoppelt.