Der Atlaswirbel, auch C1 genannt, ist der oberste Halswirbel und spielt eine zentrale Rolle für die Funktion der Halswirbelsäule und des gesamten Körpers. Eine Fehlstellung dieses Wirbels kann vielfältige Beschwerden verursachen, darunter Kopfschmerzen, Migräne und Schwindel. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen dem Atlaswirbel, Migräne und anderen Symptomen, die Ursachen einer Atlasfehlstellung, Diagnosemethoden und verschiedene Therapieansätze.
Die Bedeutung des Atlaswirbels
Der Atlas (C1) unterscheidet sich von anderen Wirbeln der Wirbelsäule. Er besitzt keinen Wirbelkörper und keine Bandscheibe. Stattdessen bildet er mit dem Axis (C2), dem zweiten Halswirbel, ein Gelenk, das für die Nickbewegung des Kopfes zuständig ist. Zusammen bilden Atlas und Axis die Kopfgelenke, die die Beweglichkeit des Kopfes ermöglichen. Der Atlas trägt das gesamte Gewicht des Kopfes und ermöglicht das Neigen, während der Axis das Drehen des Kopfes ermöglicht.
Die Nerven in der Muskulatur steuern die Stellung des Kopfes und der einzelnen Gelenke, aber auch die Spannung der Nackenmuskulatur und der Sehnen. Das System ist auch an der Verarbeitung von Schmerzsignalen beteiligt.
Atlasfehlstellung: Ursachen und Symptome
Eine Atlasfehlstellung, Atlasverschiebung oder Atlasblockade kann verschiedene Ursachen haben. Manche Menschen haben eine angeborene Atlasfehlstellung, bei anderen entsteht eine Verschiebung durch Stürze, Schleudertrauma oder eine falsche Körperhaltung. Auch Zugluft und falsche nächtliche Lagerung sowie sonstige Fehlhaltungen - vor allem am Arbeitsplatz (Arbeiten am PC etc.) können eine Rolle spielen.
Insbesondere bei Menschen, die lange Zeit am Schreibtisch vor dem Rechner verbringen, schleicht sich fast zwangsläufig eine falsche Körperhaltung ein. Dabei wird der Kopf nach vorne geschoben, wodurch ein sogenannter Geierhals und ein Brettnacken entstehen. Durch Stress oder große Konzentration kann das Ganze noch verstärkt werden.
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Symptome einer Atlasfehlstellung:
- Kopfschmerzen und Migräne
- Nackenschmerzen
- Schwindel und Benommenheit
- Tinnitus oder Ohrgeräusche
- Konzentrationsstörungen
- Herzrhythmusstörungen
- Übelkeit
- Bewegungseinschränkungen im Nackenbereich
- Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich
- HWS-Syndrom
Wenn eine Fehlstellung der kleinen Gelenke vorliegt, drückt dieses Gewicht ungleichmäßig auf den gesamten Bereich der Halswirbelsäule. Hierdurch kann die Muskulatur dauerhaft einseitig angespannt sein und ein HWS - Syndrom bewirken. Nackenschmerzen treten häufig plötzlich nach ruckartigen Bewegungen oder bei unkontrollierten Rotationsbewegungen auf, wobei in diesem Zusammenhang auch über massive Kopfschmerzen berichtet wird. Bei einer Atlasblockade finden sich immer Wirbelblockaden, Wirbelverschiebungen und muskuläre Verspannungen gleichzeitig. Ein äußeres Zeichen des Syndroms ist eine Verschiebung des Sitzes des Hinterkopfes.
Der Zusammenhang zwischen Atlasfehlstellung und Migräne
Kopfschmerzen und Migräne sind die wohl am häufigsten auftretenden Beschwerden, die auf Probleme mit der Halswirbelsäule zurückzuführen sind. Verschiedene Untersuchungen mit Teilnehmern, deren Arbeitsplatz im Büro ist, zeigen, dass über 90% unter Beschwerden leiden. Bei Kopfschmerzpatienten konnten sogar bei mehr als 50% der Teilnehmer behandelbare Befunde an der Halswirbelsäule festgestellt werden. Es besteht also ein direkter Zusammenhang zwischen Fehlstellungen des Atlas und Kopfschmerzen und Migräne.
Eine Atlasfehlstellung kann verschiedene Mechanismen auslösen, die zu Kopfschmerzen und Migräne führen:
- Muskelverspannungen: Durch die Verschiebung des Atlaswirbels verspannen sich die umliegenden Muskeln und Faszien, wodurch sich langfristig auch der Schwerpunkt des Kopfes verschieben kann. Diese Verspannungen können zu Kopfschmerzen führen.
- Nervenreizung: Der Atlaswirbel steht in enger Beziehung zu wichtigen Nerven, darunter der Nervus glossopharyngeus (IX. Hirnnerv), der das Schlucken steuert. Eine Atlasverschiebung kann die Funktion dieses Nervs stören und zu Schwindel, Benommenheit oder Kopf- und Nackenschmerzen führen.
- Durchblutungsstörungen: Die wichtigsten, das Gehirn versorgende Arterien und Venen (Blutgefäße) laufen direkt an ihm vorbei oder durch ihn hindurch. Die Atlasfehlstellung kann zur Einklemmung (Kompression) oder zur Verlagerung dieser Gefäße führen. Die Folge wiederum kann zu Kopfschmerzen führen, teilweise über Tage mit Beeiträchtigung der Sinne. Durch die Atlaskorrektur kann man den normalen Blutfluss zum und vom Kopf wiederherstellen. Das Blut kann in normalem Volumen zirkulieren.
- Beeinträchtigung des vegetativen Nervensystems: Der Atlaswirbel kann durch eine Fehlstellung das vegetative Nervensystem negativ beeinflussen. Ausgelöst durch eine Kompression des 10. Hirnnervs (Nervus Vagus) kann es zu Magen-Darm-Beschwerden, Herzrasen und anderen vegetativen Symptomen kommen.
Der Schwindel ist in einigen Fällen ebenfalls auf eine Durchblutungsstörung bestimmter Hirnareale zurückzuführen. Im Kleinhirn sitzt ein Teil unseres Gleichgewichtszentrums. Drückt der Atlaswirbel auf die Vertebralarterie, kann es zu Durchblutungs- oder Blutzirkulationsstörung kommen. Auch in diesem Fall ist die Atlaskorrektur ein wichtiger Faktor zur Verbesserung der Durchblutung der entprechenden Hirnbereiche.
Diagnose einer Atlasfehlstellung
Eine Atlasblockierung oder Atlasfehlstellung lässt sich nicht einwandfrei diagnostizieren. Die Diagnose einer Atlasblockade erfolgt in der Regel durch manuelle Untersuchung durch einen qualifizierten Therapeuten. Die Diagnose einer Atlasblockade basiert häufig auf der subjektiven Beurteilung durch den Therapeuten, was zu einer erheblichen Variabilität in der Diagnosestellung führt. Diese subjektiven Methoden sind anfällig für Diagnosefehler und können die Konsistenz und Zuverlässigkeit der Diagnosestellung beeinträchtigen.
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Normale Röntgenbilder und auch Magnetresonanz-Aufnahmen können die Atlasfehlstellung nicht genügend darstellen.
Wichtig ist, dass andere mögliche Ursachen für die Beschwerden vom Arzt ausgeschlossen werden.
Fragen, die bei der Anamnese gestellt werden können:
- Wie war der Zustand vorher, oder was habe ich vorher getan?
- Sind längere Überkopf Arbeiten ausgeführt worden?
- Bin ich mit dem Kopf angestoßen?
- Ist mein Kopf zu schnell beschleunigt worden?
- Musste der Kopf dauerhaft nach oben sehen?
- Gab es einen heftigen Druck oder Schlag auf meinen Kopf , zum Beispiel bei einem Autounfall, Sturz, Kopf angeschlagen oder starke Erschütterung?
- Gab es in letzter Zeit viel Stress mit heufiger Anspannung der Nackenmuskeln?
Therapieansätze bei Atlasfehlstellung
Wird eine Fehlstellung der Halswirbel diagnostiziert, sollten entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die darauf abzielen, den Atlaswirbel wieder in seine natürliche Position zu bringen und die damit verbundenen Beschwerden zu lindern.
- Atlastherapie: Hilfreich kann in diesem Zusammenhang eine Atlastherapie sein, bei der der Atlaswirbel auf sanfte Arte und Weise wieder in seine natürliche Position gebracht wird.
- Atlaskorrektur: Abhilfe kann eine Atlaskorrektur schaffen, die eine Korrektur der Fehlstellung beinhaltet. Bei einer diagnostizierten Fehlstellung des Atlas ist die sogenannte Atlaskorrektur eine Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern. Dadurch soll der verschobene Wirbel wieder an seinen Platz gebracht werden. Eine Atlaskorrektur kann dafür sorgen, dass sich der Körper neu ausrichtet.
- Manuelle Therapie: In der manuellen oder auch osteopathischen Medizin befasst man sich genau mit derartigen sog. Dysfunktionen.
- Vibro-Resonanz-Methode: Im Falle der Atlaskorrektur-Behandlung kann mit einer Vibro-Resonanz Methode nach dem Schweizer Original Atlantomed gearbeitet werden. Dabei erfolgt zunächst eine ausführliche Anamnese, Aufklärung der Behandlung und Beantwortung der Fragen. Im darauffolgenden Schritt wird der Atlas und seine Umgebung sorgfältig und genau untersucht. Befindet sich der Atlaswirbel in einer Schiefstellung, wird die Lage des Kopfes samt Wirbelsäule mit dem Spine-Line-Messystem fotografiert. Anschließend erfolgt eine 25-35 Minuten dauernde Massage mit den Vibro-Resonanz-Geräten, welche durch eine selbständig wechselnde Frequenz von der oberflächlichen bis in die tiefen Muskelschichten dringt. Nach der Massage kann der Atlaswirbel mithilfe der Geräte in die richtige Position korrigiert werden.
- Therapie nach Arlen: Dies ist eine Therapie, bei der mittels eines Fingers auf die Spitze des Querfortsatzes ein Impuls gegeben wird. Dieser soll Rezeptoren anregen die Muskelspannung zu verringern und Impulse ans Gehirn weiterleiten.
- Chiropraktik: Beide Therapieformen versuchen mittels der Finger den Atlas in die richtige Position zu bewegen.
- foreas Therapie: Alle diese drei Therapien arbeiten genau wie die foreas Therapie mit Hilfe eines Vibrationsgerätes. Hierbei wird vorher die genaue Position des Atlaswirbels festgestellt und dieser anschließend mit dem vibrierenden Gerät in die richtige Position geschoben. Diese Art der Therapie ist die effektivste und genaueste von allen. Die Atlas- und Halswirbelkorrektur nach foreas ist nicht schmerzhaft, da die Wirbel in die richtige Position geschoben werden. Dies ist sehr sanft und zusätzlich nicht gefährlich.
Weitere Maßnahmen:
- Wärme: Wärme im Hals-Nacken-Bereich kann helfen, die Muskeln zu entspannen.
- Dehnübungen: Dehnübungen, bei denen der Kopf nach rechts und links geneigt und nach vorne und hinten bewegt wird, können die Beweglichkeit verbessern.
- Massage: Massieren Sie sich die Bereiche unter den Ohren und im Nacken mit Zeige - und Mittelfinger.
- Korrektur der Körperhaltung: Insbesondere bei sitzenden Tätigkeiten ist es wichtig, auf eine gute Körperhaltung zu achten, um den Atlaswirbel nicht unnötig zu belasten.
- Entspannungstechniken: Stress kann die Muskelverspannungen verstärken. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
- Stärkung der Nackenmuskulatur: Die Nackenmuskeln sollten auftrainiert werden, um Schmerzen und Beschwerden in den Griff zu bekommen. Der Fokus sollte auf der Stärkung der umliegenden Muskeln liegen. Risikofreier sind Übungen zur Stärkung der umliegenden Muskulatur.
- Schlafposition: In der Bauchlage drehen viele den Kopf nach links oder rechts. Die Rückenlage hat den Vorteil, dass die Beine gestreckt sind und so die Muskeln und Faszien optimal entspannen können. Achte darauf, dass dein Kissen nicht zu hoch ist, sodass auch deine Halswirbelsäule einigermaßen gerade liegt. Außerdem ist es wichtig, dass deine Matratze weder durchgelegen noch zu weich ist.
Kritik und wissenschaftliche Evidenz
Trotz der Popularität dieser Behandlungsansätze ist die wissenschaftliche Grundlage für die Theorie der Atlasblockade und ihre Behandlungsmethoden umstritten. Die Behandlung der Atlasblockade ist umstritten und wird von der wissenschaftlichen Medizin weitgehend skeptisch betrachtet. Ein wesentliches Problem in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Atlasblockade ist die mangelnde Standardisierung der Diagnose.
Die Forschung zur Atlasblockade und ihrer Behandlung ist begrenzt und bietet wenig überzeugende Beweise für ihre Wirksamkeit. Solche Studien sind notwendig, um die Wirksamkeit, Sicherheit und den Nutzen der Behandlung von Atlasblockaden zu evaluieren und eine evidenzbasierte Praxis zu fördern.
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Obwohl manuelle Therapien im Halsbereich für viele Menschen von Vorteil sein können, bergen sie auch Risiken, insbesondere wenn sie von unzureichend ausgebildeten Praktikern durchgeführt werden. Die Sicherheit des Patienten muss oberste Priorität haben, und Therapeuten müssen über eine gründliche Ausbildung in der Anatomie, den Risiken und den geeigneten Techniken verfügen.
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