Multiple Sklerose Behandlung im Juliusspital Würzburg: Fortschritte und Individualisierung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Entzündungen in Gehirn und Rückenmark hervorruft und infolgedessen die Funktion der Nerven stören kann. Aufgrund der Vielfalt an Verläufen und Symptomen wird MS auch als "Krankheit der 1000 Gesichter" bezeichnet. In Deutschland leben rund 250.000 Menschen mit MS. Das Klinikum Würzburg Mitte, Standort Juliusspital, hat sich als MS-Zentrum etabliert und bietet eine umfassende Diagnostik und Therapie dieser komplexen Erkrankung an.

Fortschritte in der MS-Therapie: Eine Bilanz

Beim 10. MS-Tag im Caritas-Krankenhaus zogen Referenten vor über 350 Besuchern Bilanz über die Entwicklung der MS-Therapie in den letzten zehn Jahren. Ihr Fazit war, dass die Vielzahl der zugelassenen Medikamente, sowohl in Tablettenform als auch als Injektionen, eine individualisierte Therapie der MS ermöglicht. Diese Individualisierung ist entscheidend, da jeder MS-Fall anders ist und sich die Krankheit bei jedem Patienten anders manifestiert. Manchmal verläuft die Krankheit in Schüben, es gibt aber auch stetig fortschreitende Verlaufsformen.

Individualisierte Therapie und Medikamentenvielfalt

Die große Anzahl an verfügbaren Medikamenten bietet die Möglichkeit einer maßgeschneiderten Therapie. Neurologen und MS-Spezialisten betonen, dass die Wahl des Medikaments eine sorgfältige Abwägung von Wirkweise und Nebenwirkungen erfordert. Die Verträglichkeit und Sicherheit der Medikamente spielen eine wichtige Rolle bei der Therapieentscheidung. Der Rat von MS-Experten ist daher wichtiger denn je, um die bestmögliche Behandlung für jeden einzelnen Patienten zu gewährleisten. Der Einsatz neuer Medikamente erfordert allerdings eine besonders sorgfältige Einzelabwägung.

Schubunabhängige Progression im Fokus

Die derzeitigen Ansätze zur Behandlung der Multiplen Sklerose sind zwar bei der Kontrolle von Schüben und akuten Läsionen wirksam, jedoch erleben viele Betroffene eine schubunabhängige Progression und akkumulieren erhebliche Behinderungen. Als Ursache der fortschreitenden schubunabhängigen Behinderungsprogression gilt heute die schwelende Neuroinflammation, die durch bisherige Behandlungskonzepte noch unzureichend adressiert wird. Experten betrachten MS als ein Erkrankungskontinuum mit schubabhängigen und schubunabhängigen Symptomen. Die verfügbaren MS-Therapien (Disease Modifying Therapies, DMTs) können zwar die Schubhäufigkeit reduzieren, beeinflussen jedoch die schubunabhängige Behinderungsprogression nicht maßgeblich. Es wird angenommen, dass die MS von Beginn an durch einen progredienten Verlauf geprägt ist, der durch verschiedene neuroinflammatorische Prozesse ausgelöst wird. Insbesondere bei Verläufen, die in das Stadium der sekundär progredienten Multiplen Sklerose (SPMS) übergehen, in der die Schubaktivität abnimmt und schließlich verschwindet, besteht daher ein großer medizinischer Bedarf. Aber auch für Patientinnen und Patienten mit schubförmig remittierender Multiplen Sklerose (RRMS) ist es wichtig, die subtilen Anzeichen einer Behinderungsprogression zu erkennen.

Sport und Bewegung als Therapiebegleitung

Professor Dr. Würzburg betonte in seinem Vortrag "Sport und Bewegung bei MS" die positiven Effekte körperlicher Aktivität auf den Krankheitsverlauf. Die Vorstellung, MS-Patienten müssten sich schonen, sei überholt. Studien belegen, dass Sport und Bewegung positive Auswirkungen haben können. Geeignet sind beispielsweise Krafttraining, abgestimmt auf die individuellen Möglichkeiten, sowie Gruppensportarten, um auch den sozialen Kontakt zu fördern. Es ist wichtig, dass Physiotherapeuten und Sporttherapeuten die Patienten bei ihren sportlichen Aktivitäten unterstützen.

Lesen Sie auch: Das Juliusspital Würzburg: Neurologische Versorgung

Naturheilkunde und Ernährung

Professor Dr. Naturheilkunde von der Universitätsklinik Freiburg referierte über "Naturheilkunde bei MS". Einige naturheilkundliche Ansätze können beispielsweise die Müdigkeit bei MS verbessern. Die Bedeutung von Vitamin D und Spurenelementen wird diskutiert, wobei ein signifikanter Nutzen bei MS noch nicht eindeutig nachgewiesen ist. Eine spezielle MS-Diät gibt es nicht, jedoch sollte ein Vitamin-D-Mangel vermieden und der Wert kontrolliert werden.

MS-Zentrum am Klinikum Würzburg Mitte, Standort Juliusspital

Die Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation (Phase B) am Klinikum Würzburg Mitte, Standort Juliusspital, ist als MS-Zentrum ausgezeichnet. Dies bedeutet, dass die Klinik standardisierte, leitliniengestützte Behandlungskonzepte anbietet und eine kontinuierliche Betreuung einer Mindestzahl von MS-Patienten gewährleistet. Das Team der Neurologie sichert die Diagnose durch umfangreiche Untersuchungen ab und leitet in Abstimmung mit dem Patienten die passende Therapie ein. Prof. Dr. med. Mathias Mäurer, Chefarzt der Neurologie und Neurologischen Frührehabilitation (Phase B) am KWM Juliusspital, betont, dass die Klinik ein kompetenter Ansprechpartner für die Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose und Neuroimmunologie ist.

MS-Sprechstunde und Ambulante Versorgung

Im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) des KWM bieten Prof. Mäurer und seine Kollegin Dr. med. Biying Yang ergänzend zur stationären Versorgung im Krankenhaus eine ambulante Versorgung an. Im MVZ Spiegelstraße steht Prof. Dr. med. Mathias Mäurer Patienten als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung. Im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) wird eine umfassende Behandlung ohne stationären Krankenhausaufenthalt angeboten. Eine spezialisierte MS-Ambulanz stellt sicher, dass Patienten eine hochmoderne und umfassende Versorgung erhalten.

Informationen und Unterstützung für Betroffene

Neben der medizinischen Behandlung ist es wichtig, Betroffene umfassend zu informieren und zu unterstützen. Workshops und Informationsveranstaltungen bieten die Möglichkeit, sich über die Erkrankung, Therapiemöglichkeiten und den Umgang mit MS im Alltag auszutauschen. Das Klinikum Würzburg Mitte bietet regelmäßig Online-Infoabende zu verschiedenen Themen rund um MS an, beispielsweise zur MS-Therapie in Zeiten von Covid-19.

Weitere Schwerpunkte der Neurologischen Klinik

Die neurologische Klinik am Klinikum Würzburg Mitte, Standort Juliusspital, bietet neben der MS-Behandlung auch spezialisierte Versorgung für andere neurologische Erkrankungen an, darunter:

Lesen Sie auch: Juliusspital Neurologie: Ihr Experte

  • Demenzerkrankungen: Diagnose von Demenz-Ursachen und Graduierung von kognitiven Störungen.
  • Parkinson-Erkrankung: Diagnostik und Therapie der Parkinson-Erkrankung.
  • Myasthenia gravis: Spezialisierte und umfassende Versorgung im Myastheniezentrum.
  • Polyneuropathie: Diagnostik und Therapie von Polyneuropathien.
  • Schlaganfall: Akutversorgung auf der Schlaganfallstation (Stroke Unit) mit frühzeitiger Rehabilitation.

Lesen Sie auch: Juliusspital Neurologie Chefarzt

tags: #juliusspital #wurzburg #multiple #sklerose