Parkinson-Müdigkeit: Ursachen und Behandlungsansätze

Das Parkinson-Syndrom, eine neurologische Erkrankung, ist oft mit Schlafstörungen und Müdigkeit verbunden. Diese Beschwerden können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Es ist daher wichtig, sowohl die Grunderkrankung als auch die Begleitsymptome wie Schlafstörungen und Müdigkeit zu behandeln.

Schlafstörungen bei Parkinson

Schlafstörungen sind bei Parkinson-Patienten sehr häufig. Sie können in verschiedenen Formen auftreten, darunter:

  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Erhöhte Tagesschläfrigkeit
  • Traum-Schlaf-Verhaltensstörungen, die mit lebhaften Bewegungen von Armen und Beinen einhergehen

"Typische Probleme bei Parkinson-Patienten sind Ein- und Durchschlafstörungen, eine erhöhte Tagesschläfrigkeit sowie Traum-Schlaf-Verhaltensstörungen, die mit lebhaften Bewegungen von Armen und Beinen meist in der zweiten Nachthälfte einhergehen. Dabei sollte man die Wirkung des Nachtschlafes auf die Symptomatik der Krankheit nicht unterschätzen. Denn die Schlafprobleme können eine Verschlechterung der körperlichen Symptomatik verursachen und auch die Tagesmüdigkeit kann sehr belastend sein“, berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN).

Schlafstörungen können verschiedene Ursachen haben:

  • Folge der Erkrankung selbst: Die Parkinson-Krankheit führt zu einem Ungleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn, was den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinträchtigen kann.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Einige Parkinson-Medikamente können Schlafstörungen verursachen oder verstärken. So ist Tagesmüdigkeit eine häufige Nebenwirkung von Dopamin-Agonisten und kann auch unter L-Dopa auftreten - manchmal so stark, dass gewohnte Tätigkeiten im Alltag oder am Arbeitsplatz kaum mehr zu schaffen sind. Darüber hinaus können auch urologische Präparate Müdigkeit auslösen.
  • Psychische Begleiterkrankungen: Depressionen, Angststörungen und andere psychische Probleme treten häufig bei Parkinson-Patienten auf und können den Schlaf zusätzlich stören.
  • Primäre Schlafstörungen: Parkinson-Patienten können auch unter primären Schlafstörungen wie schlafbezogenen Atmungsstörungen (z.B. Schlafapnoe) und dem Restless-Legs-Syndrom leiden, die nicht direkt mit der Parkinson-Erkrankung zusammenhängen.

Etwa 60 bis 90 Prozent der Patienten mit idiopathischem bzw. primärem Parkinson-Syndrom sind im Verlauf der Erkrankung von Schlafstörungen betroffen.

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Ursachen der Müdigkeit bei Parkinson

Zahlreiche Parkinson-Patienten haben tagsüber mit starker Müdigkeit zu kämpfen. Vor allem für die Berufstätigen wird ein plötzlicher Leistungsabfall im Alltag zum Problem. Wie massiv die Tagesmüdigkeit im Vergleich zu anderen Parkinson-Symptomen die Lebensqualität beeinträchtigen kann, zeigen Umfragen: Patienten finden eine eingeschränkte Beweglichkeit weniger störend als übermäßige Müdigkeit. Nur depressive Störungen bewerten sie schlimmer.

Übermäßige Müdigkeit am Tag kann verschiedene Ursachen haben:

  • Die Parkinson-Erkrankung selbst: Die Veränderungen im Gehirn, die durch die Krankheit verursacht werden, können zu Müdigkeit führen.
  • Medikamente: Einige Parkinson-Medikamente können Müdigkeit als Nebenwirkung haben.

Diagnose von Schlafstörungen und Müdigkeit

Parkinson-Patienten, die unter Schlafstörungen und einer erhöhten Tagesschläfrigkeit leiden, sollten diese Beschwerden mit ihrem behandelnden Neurologen besprechen. Eine gezielte Diagnostik, die durch das Führen eines Schlaftagebuchs unterstützt werden kann, vermag die Ursachen der Ein- und Durchschlafstörungen aufzudecken. „Es geht dann darum, genau zu klären, welche Ursache hinter den Beschwerden stecken, um die Schlafstörungen gezielt behandeln zu können“, betont der niedergelassene Neurologen.

Der Arzt kann verschiedene Untersuchungen durchführen, um die Ursache der Schlafstörungen und Müdigkeit zu ermitteln:

  • Anamnese: Der Arzt wird den Patienten nach seinen Schlafgewohnheiten, Medikamenten und anderen Erkrankungen fragen.
  • Schlaftagebuch: Der Patient wird gebeten, über einen bestimmten Zeitraum ein Schlaftagebuch zu führen, in dem er seine Schlafzeiten, Wachzeiten und andere relevante Informationen notiert.
  • Polysomnographie: In einem Schlaflabor werden verschiedene Körperfunktionen während des Schlafs überwacht, z.B. Hirnströme, Augenbewegungen, Muskelaktivität und Atmung.
  • Weitere Untersuchungen: Je nach Bedarf können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, z.B. Blutuntersuchungen, neurologische Untersuchungen oder psychologische Tests.

Behandlung von Schlafstörungen und Müdigkeit

Zur Behandlung der Schlafstörungen kann eine Optimierung der Therapie der Parkinson-Grunderkrankung hilfreich sein. Zudem können spezielle nicht-medikamentöse oder auch medikamentöse Ansätze wirksam sein.

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Die Behandlung von Schlafstörungen und Müdigkeit bei Parkinson kann verschiedene Ansätze umfassen:

  • Optimierung der Parkinson-Therapie: Eine Anpassung der Medikamente kann helfen, die Symptome der Parkinson-Krankheit zu lindern und dadurch auch den Schlaf zu verbessern. „Nächtliche Unbeweglichkeit und damit einhergehende Schlafprobleme können durch ein Absinken des Medikamentenspiegels ausgelöst sein. Hier können lang wirksame Parkinson-Medikamente Abhilfe schaffen. Andererseits können lebhafte Träume und nächtliche körperliche Unruhe auf eine zu starke Medikamentenwirkung zurückgehen. Dann kann in Absprache mit dem Arzt die Medikamenteneinstellung entsprechend verändert werden“, erklärt Dr. Beil. Hier ist besonders darauf zu achten, dass abends keine aufmunternden Parkinson-Medikamente eingenommen werden. Dies betrifft Präparate, die die Wirkstoffe Selegilin oder Amantadin enthalten.
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen:
    • Schlafhygiene: Grundsätzlich ist es wichtig, auf eine gute Schlafhygiene (Schlafklima, regelmäßige Einschlaf- und Weckzeiten etc.) zu achten und tagsüber Nickerchen oder einen Mittagsschlaf zu vermeiden. Bei allen nächtlichen Ein- und Durchschlafproblemen sollten regelmäßige Zeiten für das Zubettgehen eingehalten und tagsüber Mittagsschlaf und Nickerchen vermieden werden.
    • Entspannungsverfahren: Auch können einfache Mittel wie warme Fußbäder, Entspannungsübungen oder autogenes Training bei Einschlafstörungen hilfreich sein. Einfache „Hausmittel“ können bei Einschlafstörungen hilfreich sein. Hierzu zählen z. B. warme Fußbäder vor dem Schlafengehen. Auch Entspannungstechniken wie das autogene Training sind einschlaffördernd.
    • Körperliche Aktivität: Daneben trägt körperliche Bewegung zu einer Verbesserung der Schlafqualität bei. Findet die körperliche Aktivität im Freien statt, verbessert dies den Tag-Nacht-Rhythmus, was sich ebenfalls günstig auf die Schlafqualität auswirkt.
  • Medikamentöse Behandlung:
    • Schlafmittel: In einigen Fällen können Schlafmittel eingesetzt werden, um den Schlaf zu verbessern. Darüber hinaus ist die vorübergehende Einnahme milder Schlafmittel bei der Parkinson-Krankheit möglich. Welche Vorgehensweise die richtige für Sie ist, sollten Sie mit Ihren Ärztinnen und Ärzte besprechen.
    • Medikamente gegen das Restless-Legs-Syndrom: Sind die Schlafstörungen auf RLS zurückzuführen, kann hier eine leitliniengerechte Therapie wie bei anderen Patienten hilfreich sein.
    • Antidepressiva: Wenn die Schlafstörungen mit Depressionen zusammenhängen, können Antidepressiva helfen. Nicht selten stehen Schlafstörungen bei Parkinson auch im Zusammenhang mit Depressionen.
  • Behandlung spezifischer Schlafstörungen:
    • REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Gegen die heftigen Bewegungen der Traumschlafverhaltensstörung kann Clonazepam verabreicht werden.
    • Schlafbezogene Atmungsstörungen: Gegen die nächtlichen Atemaussetzer kann man den Patienten in einem Schlaflabor ein nächtliches Beatmungsgerät anpassen.

Weitere Aspekte

  • Nächtliche Unbeweglichkeit und Schmerzen: Besonders in der zweiten Nachthälfte kann es durch das Absinken des Medikamentenspiegels zu starker Unbeweglichkeit kommen. Das Drehen im Bett und das Aufstehen fallen dann schwer oder sind unmöglich. Oft ist dieser Zustand auch mit Schmerzen verbunden. Besonders unangenehm sind schmerzhafte Fuß- und Zehenkrämpfe, die vor allem in den frühen Morgenstunden auftreten. Besprechen Sie diese Probleme mit Ihren Ärztinnen und Ärzte. Meistens kann die Einnahme eines lang wirksamen Parkinson-Medikamentes wie z. B. eines Dopaminagonisten mit langer Wirkdauer vor dem Einschlafen Linderung verschaffen.
  • Häufiges Wasserlassen: Muss die Blase jede Nacht mehrfach entleert werden, sollte zunächst darauf geachtet werden, ob der Harndrang im Zusammenhang mit Unbeweglichkeit und Steifigkeit steht. In diesem Fall kann dann die abendliche Einnahme lang wirksamer Parkinson-Medikamente die Blase beruhigen. Hilfreich ist es auch, die abendliche Trinkmenge zu reduzieren (dafür aber morgens und mittags mehr trinken!) und auf die regelmäßige Blasenentleerung vor dem Zubettgehen zu achten. Helfen diese Maßnahmen nicht, sollten durch Ärztinnen und Ärzte andere Ursachen für vermehrten Harndrang (z. B. Blasenentzündung, Herzschwäche) ausgeschlossen werden. Urologische Probleme können auch durch Morbus Parkinson selbst entstehen.
  • Alpträume und Unruhezustände: Oft ist eine zu starke Medikamentenwirkung die Ursache von lebhaften (Alp-)Träumen und nächtlichen Unruhezuständen. Diese Probleme müssen Sie unbedingt mit Ihren Ärztinnen und Ärzte besprechen, da meist eine Veränderung der Medikamenteneinstellung notwendig ist. Dabei sollte unbedingt auch Ihr Partner zu den nächtlichen Ereignissen befragt werden.
  • Tagesmüdigkeit: Vermehrte Müdigkeit, die bei einer Ein- und Umstellung der Parkinson-Medikamente eintritt, kann sich nach einigen Tagen bis zu wenigen Wochen unter regelmäßiger Einnahme bessern. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen Sie Ihre Ärztinnen und Ärzte informieren. In jedem Fall ist bei vermehrter Tagesmüdigkeit die Frage der Fähigkeit zum Führen eines Kraftfahrzeugs zu besprechen.

Depressionen und Parkinson

Im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit kommt es bei vielen Betroffenen zu trauriger und niedergeschlagener Stimmung. Dieser Zustand kann mit einem Verlust von Interesse an der Umgebung, Antriebsmangel und Freudlosigkeit verbunden sein (sogenannte Apathie). Hält ein Stimmungstief über einen Zeitraum von mehreren Wochen an, spricht man von einer Depression. Diese ist ein mögliches frühes Anzeichen für eine beginnende Parkinson-Erkrankung, kann aber auch erst im späteren Verlauf der Krankheit, oder als eine seelische Reaktion auf die Diagnose oder anderweitige Folgen der Krankheit auftreten.

Als Parkinson-Symptom entsteht sie als direkte Reaktion auf krankheitsbedingte Veränderungen der Botenstoffe im Gehirn, also die Neurodegeneration. Diese Degeneration führt nämlich nicht nur zu einem Dopaminmangel, sondern auch zu einem Mangel an Serotonin, dem „Glückshormon“. Diese Veränderungen können schon Jahre vor den ersten deutlich sichtbaren motorischen Symptomen wie der Bradykinese oder dem Tremor auftreten. Depressive Verstimmungen, Reizbarkeit oder Angststörungen, sowie der allgemeine soziale Rückzug gelten deshalb als Frühwarnzeichen von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson.

Jedoch sind diese Symptome sehr allgemein und nicht jede Depression ist ein Frühsymptom der Parkinson-Erkrankung. Auffällig wird es zum Beispiel dann, wenn depressive Verstimmungen oder Reizbarkeit zusammen mit anderen Symptomen des Frühstadiums und noch dazu plötzlich auftreten, sowie ohne ersichtlichen Grund (wie z.B. Verlust des Arbeitsplatzes, Verlust eines geliebten Menschen, Stress oder andere einschneidende Erlebnisse). Als Folge von Begleiterscheinungen der Parkinson-Erkrankung treten Depressionen als Reaktion auf den Bewegungsmangel bzw. den Kontrollverlust der Patientinnen und Patienten über ihre eigene Motorik auf, sowie die damit einhergehenden Einschränkungen in der Lebensqualität und Selbstständigkeit.

Eine Depression im Rahmen von Morbus Parkinson zu erkennen ist ohnehin nicht ganz leicht. Denn zum einen ähneln sich die typischen Symptome einer Depression und die Symptome bei Morbus Parkinson sehr stark, z. B. Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, ausdruckslose Mimik und Appetitlosigkeit. Jedoch haben sie völlig unterschiedliche Ursachen. Deshalb ist es wichtig, dass die Depression zusammen mit den Ärztinnen und Ärzte als eigenständige Krankheit diagnostiziert und behandelt wird. Zum anderen kann es nach der - für viele Patientinnen und Patienten erstmal schockierenden - Diagnose zu sogenannten Anpassungsstörungen kommen, die auch als reaktive Depression bezeichnet werden. Sie entstehen als Reaktion auf die Parkinson-Diagnose. Treten sie im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf auf, können sie auch ein Anzeichen für eine nachlassende Wirksamkeit der bisher eingesetzten Medikamente sein.

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Fazit

Schlafstörungen und Müdigkeit sind häufige und belastende Begleitsymptome der Parkinson-Krankheit. Eine umfassende Diagnostik und eine individuelle Behandlung können helfen, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es ist wichtig, dass Parkinson-Patienten ihre Schlafstörungen und Müdigkeit mit ihrem Arzt besprechen, um eine geeignete Therapie zu finden.

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