Hektik im Alltag, Stress am Arbeitsplatz und ständiger Verkehrslärm - unser Organismus ist täglich einer Vielzahl von Einflüssen ausgesetzt. Die zunehmende Geschwindigkeit unseres Lebens führt zu einer Überlastung, die auch unsere Sinne unter Druck setzt. In diesem Artikel werden wir uns mit dem Zusammenhang zwischen Migräne, Geräuschempfindlichkeit und der potenziellen Rolle von weißem Rauschen befassen.
Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen
Eine Migräne ist ein Anfall mit starken Kopfschmerzen, von dem etwa jeder zehnte Mensch betroffen ist. Anfälle können in jedem Alter auftreten, auch bei Kindern. Die Ursache eines Migräneanfalls liegt in einer Störung des Nervensystems, bei der sich zunächst die Blutgefäße im Kopf verengen und sich dann deutlich erweitern. Diese Gefäßerweiterung verursacht die pochenden, meist einseitigen Kopfschmerzen.
Es gibt zwei Hauptarten von Migräne:
- Migräne mit Aura: Während des Anfalls treten neurologische Symptome wie Lichtblitze oder schwarze Flecken vor den Augen auf.
- Migräne ohne Aura: Es treten keine neurologischen Symptome auf.
Weitere Formen der Migräne sind:
- Okuläre Migräne: Verursacht vorübergehende Sehstörungen wie Flecken, Blitze oder verschwommenes Sehen, meist auf einem Auge.
- Vestibuläre Migräne: Geht mit Schwindelanfällen einher, oft in Kombination mit anderen Migränesymptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Licht- und Geräuschempfindlichkeit.
Auslöser von Migräne
Es gibt viele verschiedene Auslöser für Migräneanfälle, darunter:
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- Stress: Stress ist einer der häufigsten Auslöser, wobei oft nicht der Stress selbst, sondern die Entspannung danach den Anfall auslöst.
- Hormonelle Veränderungen: Schwankungen des Östrogenspiegels, z. B. während der Menstruation, Schwangerschaft oder Wechseljahre, können Migräne auslösen.
- Bestimmte Lebensmittel: Alkohol, Koffein und Drogen können bei manchen Menschen Migräneanfälle auslösen.
- Gestörter Schlafrhythmus: Unregelmäßiger Schlaf kann Migräne auslösen.
- Reize: Laute Geräusche, starke Gerüche und helles, flackerndes Licht können Migräne auslösen und die Symptome während eines Anfalls verschlimmern.
- Wetterumschwünge: Plötzliche Wetterumschwünge können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
Symptome und Begleiterscheinungen
Migräne kann verschiedene Symptome hervorrufen, die über Kopfschmerzen hinausgehen. Sehstörungen sind eine bekannte Begleiterscheinung, aber auch Ohrgeräusche und Hörverlust können auftreten.
Hyperakusis, Phonophobie und Misophonie: Wenn Geräusche zur Qual werden
Viele Menschen sind überempfindlich gegenüber normalen Alltagsgeräuschen, ein Zustand, der als Hyperakusis bezeichnet wird. Die Unbehaglichkeitsschwelle sinkt dabei auf einen Wert unter 80 dB ab. Schwerhörige können leise Geräusche zwar nicht verstehen, auf lautere jedoch sehr empfindlich reagieren. Laute Geräusche lösen oftmals eine Schreckreaktion mit Herzjagen, Schweißausbrüchen, Anstieg des Blutdrucks und trockenem Mund aus.
Die Angst vor bestimmten Geräuschen wird als Phonophobie bezeichnet. Diese Überempfindlichkeit ist unabhängig von Lautstärke oder Frequenz der Geräusche und wird nur von der Bedeutung des Geräuschs für die Betroffenen ausgelöst. Misophonie zeichnet sich durch unangemessene Verhaltensweisen wie Wutausbrüche, Zorn, Ängste oder Ekel aus.
Um Situationen mit unangenehmen Geräuschen zu vermeiden, tragen manche Betroffene sogar einen Gehörschutz und reduzieren ihre sozialen Aktivitäten, was zu sozialer Isolation führen kann.
Ursachen von Geräuschempfindlichkeit
Die Ursachen für Geräuschempfindlichkeit sind vielfältig. Organische Ursachen können Innenohr-Schwerhörigkeiten sein. Auch bestimmte Epilepsie-Formen, Vorzeichen einer Migräne oder Medikamenten-Nebenwirkungen kommen in seltenen Fällen als Auslöser in Betracht. Stress und psychische Belastungen können die Empfindlichkeit noch verstärken und einen Teufelskreis aus Angst vor Geräuschen und negativer Verstärkung in Gang setzen. Die Hyperakusis kann auch Symptom einer Begleiterkrankung im Rahmen einer Depression, Angststörung, eines Burnouts oder einer anderen Krise sein.
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Diagnose von Geräuschempfindlichkeit
Je nach Ursache der Geräuschempfindlichkeit gibt es verschiedene audiologische Befunde. Oft zeigt sich ein normaler Hörbefund im Tonschwellen- und Sprachaudiogramm, bei dem aber die Unbehaglichkeitsschwelle herabgesetzt ist. Bei Innenohr-Schwerhörigkeiten kann ein fehlender Lautheits-Ausgleich („Recruitment“) Ursache der Geräusch-Überempfindlichkeit sein.
Migräne und Geräuschempfindlichkeit: Ein Zusammenhang
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Lärm Kopfschmerzereignisse auslösen, aufrechterhalten oder verschlimmern kann. Eine norwegische Studie berichtet, dass viele Migränepatienten Lärm als auslösenden Faktor für Attacken benennen. Dies gilt sowohl für Erkrankungen mit Aura (69 %) als auch ohne (36 %).
Eine australische Forschergruppe untersuchte die Auswirkungen von Lärm auf 18 bis 30-jährige Probanden und stellte fest, dass bei 79 Prozent der Teilnehmenden Kopfschmerzen auftraten, wenn sie schwierige Aufgaben unter Lärmbelastung lösen mussten.
Die Forschungen der Arbeitsgruppe um Alan Main aus dem britischen Guildford liefern Hinweise auf eine mögliche physiologische Grundlage der vermuteten Auslösefunktion von Lärm im Kopfschmerzgeschehen. Sie stellten fest, dass die Lärmschwelle, bei der die Teilnehmer ein deutliches Unbehaglichkeitsgefühl entwickelten, bei den Migränepatienten signifikant niedriger war als bei Kontroll-Probanden.
Eine Studie der Universität Lille unter Migräne-betroffenen Kindern und Jugendlichen zwischen 7 und 17 Jahren ergab, dass Migräne auf Platz zwei der häufigsten Beschwerden liegt, knapp hinter Allergien und gleichauf mit Erkrankungen der Atemwege. Die Experten führen dies darauf zurück, dass die früh einsetzende und über eine lange Zeit der kindlichen und jugendlichen Entwicklung fast permanent andauernde Lärm-Exposition die Entwicklung chronischer Erkrankungen generell stark begünstigt.
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Weißes Rauschen als potenzielles Hilfsmittel
Eine populäre Methode, unliebsame Hintergrundgeräusche abzudecken und so Stresssymptome zu mildern, ist die Anwendung von sogenanntem „White Noise“ oder „Weißem Rauschen“. Gemeint ist eine Frequenz aus allen für das menschliche Ohr wahrnehmbaren Tonschichten (20 bis 20.000 Hz). Gemeinsam ergeben sie einen dichten Klangteppich, der jegliches ungeliebte Hintergrundgeräusch vollkommen verschluckt. Zum White Noise zählen auch viele Geräusche aus der Natur, so zum Beispiel Wellen, Gewitter, Regen oder Wind.
Mittlerweile hat sich durch das große Publikum aus Personen mit Schlafstörung oder Konzentrationsproblemen im Alltag eine ganze Industrie von White Noise-Generatoren entwickelt. Im Handel gibt es spezielle Geräte, die anpassbaren „Lärm“ produzieren sowie auf Knopfdruck Vogelzwitschern oder leicht ätherisch wirkendes Tönen von circa zwanzigtausend Frequenzen gleichzeitig erklingen lassen. Auf dem berühmten Videoportal YouTube ergibt das Stichwort „White Noise“ neben Suchergebnissen der gleichnamigen Band tausende Varianten von verschiedenen Geräuschquellen. Empfehlenswert sind reine White Noise-Webseiten. Auf diesen werden oft mehrere einstellbare Features mitangeboten, wie zum Beispiel auf asoftmurmur.com durch Regler verschiedene Natursounds miteinander kombiniert werden können. Diese Seite im speziellen ist sogar als kostenlose App für das Smartphone verfügbar und kann so überall mit hin genommen werden.
Wie funktioniert weißes Rauschen?
Indem wir unserem Gehirn durch das weiße Rauschen helfen, unangenehme Frequenzen während der Schlafenszeit auszublenden, gelangen sie erst gar nicht in unser Bewusstsein - und können uns auf diese Weise nicht stören oder aufwecken.
Alternativen zum weißen Rauschen
Neben dem weißen Rauschen gibt es noch weitere „Färbungen“ des Rauschens, die positive Effekte auf uns und unser Wohlbefinden haben können. Wer das Weiße Rauschen als unangenehm empfindet, sollte es mit dem deutlich milderen Rosa Rauschen versuchen.
Nachteile von weißem Rauschen
Die maximale Anwendungsspanne sollte 3 Stunden nicht übersteigen, sonst droht eine gegenteilige Wirkung der entspannenden Frequenzen.
Anwendungsempfehlungen
Die beste Wirkung erzielen Sie mit In-Ear- oder abschließenden Kopfhörern.
Präventive Maßnahmen gegen Lärmbelastung
Weil Lärm fast allgegenwärtig ist, scheint man kaum eine Chance zu haben, seiner schädlichen Wirkung zu entrinnen. Doch auch hier gibt es die Möglichkeit, präventiv vorzugehen. So kann man bereits gegen den alltäglichen Lärm von einem Gehörschutz (z.B. in Form von Ohrstöpseln) Gebrauch machen. Ist man in Clubs oder bei Konzerten unterwegs, sollte man unbedingt ausreichend Abstand von den Lautsprecherboxen halten. Nutzt man Kopfhörer zum Musikgenuss, ist ebenfalls Zurückhaltung angebracht. Genauso wichtig wie das Einhalten von Lärm-Grenzwerten im beruflichen und im Freizeitbereich ist die gezielte Nutzung von Ruhepausen und Phasen der Erholung. Auch spezielle Entspannungsübungen haben sich als äußerst wirksam erwiesen. Sie helfen, Verspannungen im ganzen Körper zu lösen und auch die Wahrnehmung der Umgebung durch unsere Sinnesorgane wieder auf ein Basisniveau zu bringen. Das sicherste Mittel gegen die schädliche Wirkung von Lärm und Krach besteht in einem Beitrag, den jeder leisten kann: Achtsam sein und Lärm schon bei der Entstehung vermeiden, wo immer dies möglich ist.
Weitere Ursachen für Rauschen im Kopf
Ein Rauschen im Kopf kann viele unterschiedliche Ursachen haben, die es ausfindig zu machen gilt, um die geeignete Therapiemethode zu finden. Mögliche Ursachen sind:
- Tinnitus (pulsierend) aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Blutgefäßfehlbildungen oder Blutgefäßtumoren, Herzklappenfehler oder Funktionsstörungen der Ohrtrompete
- Tinnitus ohne organische Ursache
- Toxische Ursache (Drogen, Essen, Medikamente)
- Körperliche Überbelastung (Sport oder harte Arbeit)
- Mentaler Stress
- Lärm/Schall (z.B. durch Musik)
- Unfall
- Schlaganfall
- Hörgerät
- Entzug (Zigaretten, Drogen o.ä. Substanzen)
- Fremdkörper im Ohr (Verstopfungen durch Ohrenschmalz etc.)
- Entzündung des Hals-Nasen-Ohren-Trakts (Erkältung etc.)
- Schilddrüsenerkrankung
- Nierenerkrankung
- Psychische Erkrankungen (Neurose, Psychose, depressive Erkrankung, Angststörungen, Burn-Out-Syndrom u. ggf.
Tinnitus als Ursache
Ein Tinnitus macht sich durch die auditive Wahrnehmung eines Klingelns im Ohr, Rauschens im Kopf, Piepens oder Brummens bemerkbar. Der Tinnitus tritt dabei auf einem Ohr oder beiden Ohren auf. Diese/s Geräusch/e wird/werden entweder nur von der betroffenen Person oder auch von einem/einer Arzt/Ärztin bei der Untersuchung festgestellt. Betroffene Personen können als Symptom eines Tinnitus beispielsweise ihr Blut im Takt des Herzschlags rauschen hören, was sich wie ein Rauschen im Kopf anfühlt. In diesem Fall spricht man von einem pulssynchronen Tinnitus. Ein Tinnitus kann entweder akut auftreten oder, bei einem Zeitraum von drei Monaten, chronisch bestehen. Das Rauschen im Kopf bzw. Klingeln im Ohr kann die Lebensqualität und Alltagsgestaltung enorm beeinträchtigen.
Diagnostik und Behandlung von Tinnitus
Die Diagnostik eines Tinnitus stellt einen wichtigen Bestandteil der Behandlung dar, insbesondere wenn objektiv keine Ursachen und Auslöser für das subjektive Rauschen im Kopf feststellbar sind. Die Behandlung von Rauschen im Kopf im Rahmen eines Tinnitus ist abhängig von der Ursache des Symptoms bzw. der Erkrankung. Eine Ursache können verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen. Bei organischer Ursache, wie einer Entzündung im Ohr, wird dieser beispielsweise medikamentös behandelt. Beim Vorliegen verschiedener seelischer Erkrankungen, wie Depressionen oder Angststörungen, kann ein höheres Risiko für die Entstehung eines Tinnitus bestehen. Psychische Erkrankungen können außerdem dazu führen, dass die Symptomatik eines Tinnitus, wie das Rauschen im Kopf, sich in der Ausprägung verstärkt.
Bei Beschwerden, wie einem Rauschen im Kopf, Ohrgeräuschen und ähnlichen Symptomen, empfiehlt es sich, wenn keine organische Ursache der Symptomatik ausfindig gemacht werden kann, eine ausführliche psychische Diagnostik vornehmen zu lassen. Seelische Belastungen und Erkrankungen (wie ein/e Überlastung, Burnout-Syndrom, Depression, somatoforme Störung, Halluzination und weitere) können das Rauschen im Kopf verursachen.
Behandlung von Rauschen im Kopf
Um das Rauschen im Kopf behandeln zu können, gilt es die Ursache ausfindig zu machen. Erst dann kann nach einer professionellen Untersuchung die passende Therapie ausgemacht werden. Bei einem pulsierenden Tinnitus würde die entsprechende organische Ursache behandelt werden, beispielsweise durch die medikamentöse Senkung eines zu hohen Blutdrucks. Im Rahmen einer Psychotherapie kann erlernt werden, das Rauschen im Kopf in den Hintergrund der Wahrnehmung zu stellen, anstelle in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Auch eine neutrale Bewertung des Rauschens, bis hin zu einer positiven (z.B.
Präventive Maßnahmen für die seelische und körperliche Gesundheit
Präventiv, um einem Rauschen im Kopf vorzubeugen, lassen sich allgemeine Empfehlungen für eine seelische und körperliche Gesundheit geben. Diese könnten beispielsweise folgende Verhaltensweisen umfassen:
- Ausreichend zu schlafen (mind. 6h pro Nacht im Erwachsenenalter)
- Ruhe- und Entspannungszeiten einzuplanen
- Stress geringzuhalten
- Sich gesund und abwechslungsreich zu ernähren
- Regelmäßig zu bewegen oder sportlich aktiv sein
- In soziale Kontakte zu gehen
- Freizeitaktivitäten zu finden
- Aufenthalte im (strahlungsarmen) Tageslicht
- Zeit an frischer Luft (möglichst schadstoffarmer) zu verbringen
- Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen
- Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial zu meiden
- Konflikte zeitnah zu klären
- Für sich selbst sinnerfüllenden Tätigkeiten nachzugehen
Migräne mit Aura: Visuelle und andere Wahrnehmungsstörungen
Migräne-Aura ist die Bezeichnung für neurologische Erscheinungen verschiedenster Art, die mit oder ohne Kopfschmerzen auftreten können. Etwa jeder dritte Betroffene berichtet von einer Aura-Phase zu Beginn der Migräne-Attacken.
Anzeichen und Symptome
Bei einer Migräne mit Aura zeigen sich kurz vor den Kopfschmerzattacken neurologische Erscheinungen verschiedenster Art. Manche Betroffene nehmen plötzlich eine Art Strahlenkranz um Mitmenschen oder Gegenstände wahr, ohne dass sich das Licht verändert hätte. Noch häufiger berichten sie von Gesichtsfeldausfällen, Lichtblitzen oder Zickzack-Formen. Diese Aura-Symptome bezeichnet man auch als Skotom bzw. Flimmerskotom.
Doch nicht nur Sehstörungen, sondern auch andere Sinnesstörungen fallen unter den Sammelbegriff Migräne-Aura. Zu den weiteren mögliche Symptomen einer Migräne-Aura zählen:
- Akustische Halluzinationen wie Piepen, Rauschen, Zirpen oder Klingeln
- Hören von Stimmen oder Geräuschen
- Wortfindungsstörungen und Verständnisprobleme
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den Gliedmaßen
- Muskelschwäche
- Schwindel
Man unterteilt diese Erlebnisse in Reiz- und Ausfallerscheinungen. Wer etwas sieht, das gar nicht da ist oder grundlos ein Kribbeln verspürt, erlebt eine neurologische Reizerscheinung. Bei einer Ausfallerscheinung verhält es sich umgekehrt: Im Gesichtsfeld taucht ein blinder Fleck auf oder der Arm fühlt sich bei einer Berührung taub an. Auch das Essen kann durch eine Aura-Migräne anders schmecken oder den Geschmack völlig verlieren. Etwa fünf Prozent der Betroffenen erleben die Aura-Phase, ohne danach Migräne-Kopfschmerzen zu bekommen.
Das Alice im Wunderland Syndrom
Es gibt einige seltsame Erscheinungen, von denen wir bis heute nicht genau wissen, ob sie wirklich als Migräne-Aura gelten können. Dazu gehört das Phänomen des Alice im Wunderland Syndroms. Bei dieser Form der Migräne mit Aura verändern sich der Mensch oder seine Umgebung auf halluzinatorische Weise. Diese Variante tritt besonders häufig bei Kindern und Jugendlichen auf. Betroffene beschreiben während einer Migräne-Aura etwa eine gestörte Wahrnehmung von Gegenständen in der Umgebung oder ihrer eigenen Körperteile. Oft erleben sie sich selbst oder einzelne Körperteile vergrößert oder verkleinert. Bei anderen erscheint die Umwelt plötzlich in anderen Proportionen. Dinge erscheinen verzerrt („Metamorphopsie“), kleiner („Mikropsie“) oder größer („Makropsie“), als sie tatsächlich sind. Auch eine veränderte akustische Wahrnehmung, veränderte Tastwahrnehmungen und verändertes Zeitempfinden fallen unter das Alice im Wunderland Syndrom.
Ursachen und Entstehung
Was genau eine Migräne auslöst, kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Viele Betroffene finden mit der Zeit heraus, dass bestimmte Faktoren einen Migräneanfall „triggern“ können: Dazu gehören zum Beispiel Stress, zu wenig Schlaf, grelles oder flackerndes Licht, körperliche Anstrengung oder auch hormonelle Veränderungen. Heute weiß man, dass es sich um sogenannte fokale Störungen im Gehirn handelt. „Fokal“ heißt, dass etwas auf einen kleinen Bereich im Gehirn begrenzt ist.
Bei einem Schlaganfall und Epilepsie kann sich eine fokale Störung von ihrem ursprünglichen Herd aus weiter ausbreiten. Bei der Migräne mit Aura passiert das aber auf eine ganz andere Weise: Statt breiter zu werden (wie ein Tintenfleck auf Löschpapier) wandert die fokale Störung, ohne ihre Form und Größe wesentlich zu ändern. Sie verlässt also den Ort, an dem sie entstand, und schlängelt sich durch die Gehirnwindungen wie ein Tsunami. Jede Region im Gehirn hat eine andere Funktion: Dadurch können sich die Symptome der Migräne-Aura mit der Wanderung dieser „Welle“ verändern. Je nach Person und Ausprägung ist vielleicht zuerst der visuelle Bereich betroffen und anschließend der, der für die Sprache zuständig ist.
Therapie und Prophylaxe
Leider gibt es nach heutigem Stand der Forschung keine spezielle Therapie, um die Symptome einer Migräne-Aura zu behandeln. Die generellen Therapiemöglichkeiten für Migräne führen aber auch bei einer Migräne mit Aura oft zum Erfolg. Wichtig zu wissen: Während der Aura-Phase deiner Migräne solltest du keine Triptane zu dir nehmen. Diese Migräne-Medikamente haben eine gefäßverengende Wirkung und können die Aura verstärken.
Weil es keine spezifische Therapie für Migräne mit Aura gibt, ist die Prophylaxe umso wichtiger. Wie bei anderen Migräne-Arten gilt: Bewusste Entspannungsübungen, regelmäßiger Sport und eine blutzuckerstabilisierende Ernährung können vielen Betroffenen helfen. Neuere Studien legen nahe, dass der Zuckerstoffwechsel eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Migräne-Attacken spielt. Eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, kann deshalb eine effektive Migräneprophylaxe sein: Besonders, wenn sie genau auf deinen Stoffwechsel abgestimmt ist.