Myasthenia Gravis (MG) ist eine Autoimmunerkrankung, die durch Muskelschwäche gekennzeichnet ist. Die Erkrankung kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen, aber mit dem richtigen Ansatz lässt sie sich gut kontrollieren. Neben medikamentösen Behandlungen spielt die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Symptome. Eine kaliumreiche Ernährung kann hierbei von Vorteil sein, da Kalium eine entscheidende Rolle bei der Muskelfunktion spielt.
Was ist Myasthenia Gravis?
Myasthenia gravis, auch als Erb-Goldflam-Krankheit bekannt, ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen richtet. Im Falle von MG werden die Acetylcholinrezeptoren an den Muskelzellen angegriffen. Diese Rezeptoren sind für die Aufnahme von Nervenimpulsen und die Weiterleitung an die Muskeln verantwortlich. Durch die Zerstörung oder Blockierung dieser Rezeptoren wird die Reizübertragung gestört, was zu einer raschen Ermüdung und Schwäche der Muskulatur führt.
Symptome und Diagnose
Die Symptome von Myasthenia gravis können vielfältig sein und variieren von Person zu Person. Typische Anzeichen sind:
- Herabhängende Augenlider (Ptosis)
- Doppeltsehen (Diplopie) aufgrund von Schwäche der Augenmuskulatur
- Schluckbeschwerden (Dysphagie)
- Sprachstörungen (Dysarthrie)
- Muskelschwäche in Armen und Beinen, die sich bei Anstrengung verschlimmert
- Atemnot in schweren Fällen
Die Diagnose von Myasthenia gravis wird in der Regel anhand der Symptome, einer neurologischen Untersuchung und spezifischer Tests gestellt. Zu den diagnostischen Verfahren gehören:
- Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln, um Störungen der Reizübertragung festzustellen.
- Tensilon-Test: Injektion von Edrophoniumchlorid (Tensilon), einem Cholinesterasehemmer, der die Muskelfunktion kurzzeitig verbessert.
- Blutuntersuchung: Nachweis von Antikörpern gegen Acetylcholinrezeptoren oder andere Muskelproteine.
- Bildgebende Verfahren: Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Brustraums, um eine Thymom (Tumor der Thymusdrüse) auszuschließen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Myasthenia gravis zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Zu den gängigen Therapieansätzen gehören:
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- Cholinesterasehemmer: Medikamente wie Pyridostigmin (Mestinon) erhöhen den Acetylcholinspiegel im synaptischen Spalt und verbessern die Reizübertragung an den Muskeln.
- Immunsuppressiva: Medikamente wie Kortikosteroide (z. B. Prednison), Azathioprin (Imurek), Mycophenolatmofetil und Ciclosporin unterdrücken das Immunsystem und reduzieren die Antikörperproduktion.
- Thymektomie: Chirurgische Entfernung der Thymusdrüse, insbesondere bei Patienten mit Thymom oder generalisierter Myasthenia gravis.
- Plasmapherese: Ein Verfahren, bei dem Antikörper aus dem Blut entfernt werden, um die Muskelfunktion vorübergehend zu verbessern.
- Intravenöse Immunglobuline (IVIG): Verabreichung von Antikörpern aus dem Blut gesunder Spender, um das Immunsystem zu modulieren.
Die Bedeutung von Kalium bei Myasthenia Gravis
Kalium ist ein essenzieller Mineralstoff, der eine wichtige Rolle bei der Funktion der Muskelzellen spielt. Es trägt zur Aufrechterhaltung des Ruhemembranpotentials bei, das für die Erregbarkeit der Muskelzellen notwendig ist. Ein Mangel an Kalium (Hypokaliämie) kann zu Muskelschwäche, Krämpfen und Müdigkeit führen - Symptome, die bei Myasthenia gravis bereits vorhanden sind. Daher ist eine ausreichende Kaliumzufuhr für Menschen mit MG besonders wichtig.
Kaliumreiche Lebensmittel
Um eine ausreichende Kaliumzufuhr zu gewährleisten, sollten Menschen mit Myasthenia gravis vermehrt kaliumreiche Lebensmittel in ihre Ernährung integrieren. Hier ist eine Liste von Lebensmitteln mit hohem Kaliumgehalt (Angaben in mg pro 100 g):
Früchte:
- Aprikosen (getrocknet): 1700 mg
- Pfirsiche (getrocknet): 1100 mg
- Datteln (getrocknet): 790 mg
- Feigen (getrocknet): 780 mg
- Rosinen: 725 mg
- Pflaumen (getrocknet): 700 mg
- Aprikosen (frisch): 440 mg
- Bananen: 420 mg
- Avocado: 485mg
- Honigmelone: 330-503 mg
- Kiwi: 221-295 mg
- Johannisbeere (rot): 221-295 mg
Gemüse:
- Sojabohnen (getrocknet): 1900 mg
- Bohnen (weiß): 1310 mg
- Erbsen (getrocknet): 880 mg
- Linsen (getrocknet): 810 mg
- Fenchel: 784 mg
- Spinat (frisch): 662 mg
- Mangold: 550 mg
- Champignons: 520 mg
- Pfifferlinge: 507 mg
- Steinpilze: 486 mg
- Rosenkohl: 450 mg
- Artischocken: 430 mg
- Löwenzahnblätter: 430 mg
- Rote Bete: 421-633 mg
- Kohlrabi: 421-633 mg
- Feldsalat: 421-633 mg
- Brokkoli: 421-633 mg
- Grünkohl: 421-633 mg
- Gartenkresse: 421-633 mg
- Spinat (Tiefkühlware, ungetaut): 385 mg
- Tomate: 297-328 mg
- Zuckermais: 297-328 mg
- Erbsen (grün): 297-328 mg
- Rettich: 297-328 mg
- Schwarzwurzel: 297-328 mg
- Sellerie: 297-328 mg
- Blumenkohl: 297-328 mg
Getreide und Hülsenfrüchte:
- Soja (halbfett): 2025 mg
- Soja (vollfett): 1660 mg
- Weizenkleie: 1390 mg
- Weizenkeime: 780 mg
- Roggen (Mehl Typ 1800): 439 mg
- Haferflocken: 335 mg
- Vollkornbrot: 270-436 mg
- Kommissbrot: 270-436 mg
- Knäckebrot: 270-436 mg
- Pumpernickel: 270-454 mg
Nüsse und Samen:
- Pistazien: 972 mg
- Erdnüsse: 740 mg
- Mandeln: 690 mg
- Paranüsse: 670 mg
- Haselnüsse: 618 mg
- Walnüsse: 450 mg
Sonstiges:
- Kakao (schwach entölt): 1920 mg
- Kartoffeltrockenprodukte (Flocken, Klöße, Kroketten): 749-1150 mg
- Kartoffelchips: 880-1000 mg
- Tomatenmark: 1160 mg
- Fleisch (Kalb, Rind, Hammel, Wild): 249-460 mg
- Fisch (Rotbarsch, Scholle, Makrele, Kabeljau, Hering, Seelachs, Forelle, jeweils frisch): 294-465 mg
- Bierschinken, Gelbwurst, Leberkäse, Salami: 261-302 mg
Tipps zur Zubereitung
Um den Kaliumgehalt in den Lebensmitteln zu erhalten, sollten folgende Tipps beachtet werden:
- Verwenden Sie beim Kochen wenig Wasser.
- Zerkleinern Sie das Gemüse nur geringfügig.
- Fangen Sie das Kochwasser auf und verwenden Sie es für Brühen oder Saucen.
Weitere wichtige Nährstoffe und Ernährungsempfehlungen
Neben Kalium gibt es weitere Nährstoffe, die für Menschen mit Myasthenia gravis wichtig sind:
- Calcium: Achten Sie auf eine ausreichende Calciumzufuhr, um die Knochengesundheit zu unterstützen.
- Magnesium: Vermeiden Sie übermäßige Mengen an Magnesium, da dies die Muskelschwäche verstärken kann.
- Antioxidantien: Nehmen Sie ausreichend Antioxidantien über Obst und Gemüse auf, um Entzündungen zu reduzieren.
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Protein, Kohlenhydraten und gesunden Fetten.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Essen Sie regelmäßige Mahlzeiten, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Müdigkeit vorzubeugen.
Individuelle Ernährungsberatung
Es ist ratsam, sich von einem Ernährungsberater oder Arzt individuell beraten zu lassen, um einen optimalen Ernährungsplan für Myasthenia gravis zu erstellen. Jeder Mensch ist anders, und die spezifischen Bedürfnisse können je nach Schweregrad der Erkrankung und individuellen Vorlieben variieren.
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Weitere Aspekte der Myasthenia Gravis
Begleiterkrankungen und Komplikationen
Das idiopathische Lambert-Eaton-Syndrom tritt in einem Viertel der Fälle gemeinsam mit anderen autoaggressiven Krankheiten, wie beispielsweise der rheumatoiden Arthritis oder dem Lupus erythematodes, auf.
Beim paraneoplastischen Lambert-Eaton-Syndrom ist in mehr als der Hälfte der Fälle eine bestimmte Lungenkrebsart, das kleinzellige Bronchialkarzinom, für die Entstehung verantwortlich. Oft gehen die Symptome des Lambert-Eaton-Syndroms der Tumorerkrankung bis zu sechs Jahre voraus.
Medikamente und ihre Auswirkungen
Einige Medikamente können Wadenkrämpfe hervorrufen. Auch Vergiftungserscheinungen äußern sich oft durch einen Krampf in den Muskeln. Auslöser können folgende Arzneien beziehungsweise Gifte sein:
- Cholesterinsenker mit dem Wirkstoff Fenofibrat
- Arzneimittel gegen Bluthochdruck wie Beta-Blocker, ebenso ACE-Hemmer, Diuretika oder Kalziumkanalblocker
- Hormonelle Verhütungsmittel wie unter anderem die Pille oder die Spirale
- Sprays gegen Asthma, die Salbutamol enthalten
- Wirkstoffe wie Insulin
- Chemotherapeutika
- Gifte, wie beispielsweise Pestizide, Strychnin oder das Gift der Tetanusbazillen
Das Lambert-Eaton-Syndrom (LES)
Das Lambert-Eaton-Syndrom (LES) ist eine seltene Erkrankung und gehört zu den sogenannten Myasthenien. Das Hauptsymptom der Myasthenien ist Muskelschwäche. Die bekannteste Krankheit dieser Gruppe ist Myasthenia gravis, welche deutlich häufiger ist als LES und meist nicht in Verbindung mit einer Krebserkrankung auftritt. Allerdings ähneln sich die Symptome beider Erkrankungen sehr.
Bei beiden ist die Signalübertragung von den Nervenendigungen auf die Muskelfasern gestört. Dadurch kommt es typischerweise auffallend schnell zu Ermüdung und Schwäche der Muskulatur. Zusätzlich ist die Signalübertragung von Nerven betroffen, die verschiedene Grundfunktionen des Körpers regulieren.
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Ciclosporin zur Behandlung von Myasthenia Gravis
Ciclosporin ist ein Immunsuppressivum, das zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird. Es hemmt die Aktivierung von T-Zellen und reduziert die Freisetzung von Entzündungsstoffen. Obwohl Ciclosporin in Deutschland nicht speziell für die Behandlung von Myasthenia gravis zugelassen ist (Off-Label-Verordnung), kann es in bestimmten Fällen als Mittel der zweiten Wahl eingesetzt werden, insbesondere wenn andere Immunsuppressiva nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden.
Wichtige Hinweise zur Ciclosporin-Therapie:
- Vor Beginn der Therapie sind umfassende Untersuchungen erforderlich, um Kontraindikationen auszuschließen und den Gesundheitszustand des Patienten zu beurteilen.
- Während der Therapie sind regelmäßige Kontrollen der Blutwerte (Talspiegel, Blutbild, Elektrolyte, Leber- und Nierenwerte) erforderlich, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung zu gewährleisten.
- Ciclosporin kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen.
- Impfungen mit Lebendimpfstoffen sind während der Ciclosporin-Therapie kontraindiziert.
- Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist ein Schwangerschaftstest vor Beginn der Therapie erforderlich. Ciclosporin kann während der Schwangerschaft unter sorgfältiger Abwägung von Risiken und Nutzen eingesetzt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Risiken und Vorteile.
- Stillen unter einer Medikation mit Ciclosporin ist möglich, da lediglich minimale Mengen in der Muttermilch festgestellt wurden, und im kindlichen Blutplasma Ciclosporin nicht nachgewiesen werden konnte. Aussagekräftige Langzeitbeobachtungen fehlen allerdings.
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