Viele Menschen leiden, besonders im Winter, unter kalten Händen und Füßen. In den meisten Fällen ist dies kein ernstes medizinisches Problem, kann aber ein Zeichen für Durchblutungsstörungen sein. Es ist wichtig zu verstehen, wann kalte Hände und Füße ein Warnsignal sein können und welche Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden ergriffen werden können.
Ursachen für kalte Hände und Füße
Die Ursachen für kalte Hände und Füße sind vielfältig und reichen von harmlosen Faktoren bis hin zu ernsthaften Erkrankungen.
Natürliche Reaktionen auf Kälte
Wenn es draußen kalt ist, versucht der Körper, die lebenswichtigen Organe im Körperkern warm zu halten. Er leitet das Blut zur Körpermitte, wodurch sich die Blutgefäße in Händen und Füßen verengen. Dies ist ein natürlicher Schutzmechanismus, um den Wärmeverlust zu minimieren.
Lebensstilfaktoren
Bestimmte Lebensstilfaktoren können die Durchblutung beeinträchtigen und zu kalten Händen und Füßen führen:
- Rauchen: Nikotin führt zu verengten Gefäßen.
- Bewegungsmangel: Zu wenig Bewegung führt zu einer schlechteren Blutzirkulation.
- Schlafmangel: Schlafmangel kann die Temperaturregulation des Körpers beeinträchtigen.
- Stress: Psychische Belastungen wie Stress können dazu führen, dass wir frieren.
- Enge Schuhe und synthetische Socken: Schuhe sollten genügend Platz bieten, damit die Luft als Wärmepolster wirken kann. Socken aus Naturfasern wärmen die Füße schneller und fördern weniger Schweiß.
Medizinische Ursachen
Verschiedene medizinische Ursachen können kalte Hände und Füße verursachen:
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- Niedriger Blutdruck (Hypotonie): Ein niedriger Blutdruck kann zu einer verminderten Durchblutung der Zehen und Finger führen.
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Eine Schilddrüsenunterfunktion verlangsamt den Stoffwechsel und kann zu einer reduzierten Wärmeproduktion führen.
- Arteriosklerose: Ablagerungen an den Wänden der Arterien können die Blutgefäße verengen und die Durchblutung beeinträchtigen.
- Raynaud-Syndrom: Anfallsartige Gefäßkrämpfe können kalte Füße und Hände auslösen. Die Blutzufuhr wird so stark verringert, dass sich die Finger und Zehen blass bis weiß und sogar blau verfärben.
- Diabetes mellitus: Hohe Blutzuckerwerte können Nerven (Neuropathie) und Gefäße schädigen, was das Kälte- und Schmerzempfinden in den Füßen stört.
- Eisenmangel/Blutarmut (Anämie): Ein Mangel an roten Blutkörperchen reduziert die Sauerstoffversorgung.
- Gestörte Wärmeregulation: Frauen sind häufiger betroffen als Männer, da sie weniger Muskelmasse und dünnere Haut haben. Hormonelle Wechselwirkungen können ebenfalls eine Rolle spielen.
- Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente, wie Beta-Blocker, können die Durchblutung der Extremitäten herabsetzen.
Symptome und Warnzeichen
Kalte Füße und Hände sind nicht immer harmlos. Es ist wichtig, auf folgende Symptome und Warnzeichen zu achten:
- Einseitige Kälte: Ein kalter Fuß, während der andere normal warm ist, kann auf einen akuten Gefäßverschluss hindeuten.
- Schmerzen beim Gehen (Schaufensterkrankheit): Dies ist ein typisches Zeichen für die pAVK, eine ernsthafte Durchblutungsstörung der Beine.
- Farbveränderungen: Blasse, weiße oder bläuliche Zehen, die nur schwer wieder rot werden.
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle: Zeichen einer möglichen Nervenschädigung (Neuropathie).
- Wunden, die schlecht heilen: Bei Durchblutungsstörungen kann die Wundheilung in den Füßen stark beeinträchtigt sein.
- Kalte, schweißnasse Hände und Füße in Verbindung mit Brustschmerzen, Atemnot oder starker Angst: Dies kann ein Zeichen für einen Herzinfarkt sein.
Taubheitsgefühle in Füßen und Händen
Taubheitsgefühle entstehen, wenn Nervenreize nicht richtig weitergeleitet werden oder die Durchblutung eingeschränkt ist.
Ursachen für Taubheitsgefühle
- Kurzzeitige Taubheit: Diese ist meist harmlos und entsteht durch Druck auf einen Nerv, z.B. durch langes Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen.
- Nerveneinklemmungen: Das Karpaltunnelsyndrom oder das Ulnartunnelsyndrom können zu Taubheitsgefühlen in den Händen führen.
- Polyneuropathie: Schädigung der peripheren Nerven, oft durch Diabetes, Alkoholkonsum oder Vitaminmangel.
- Multiple Sklerose (MS): Gefühlsstörungen, Sensibilitätsstörungen und Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheit oder neuropathische Schmerzen zählen zu den frühesten und häufigsten Symptomen einer Multiplen Sklerose (MS).
- Bandscheibenvorfall: Kompression von Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks kann neurologische Symptome wie Taubheit, Kribbeln oder Muskelschwäche hervorrufen.
- Schlaganfall: Plötzliche Taubheitsgefühle und Lähmungen auf einer Körperseite können auf einen Schlaganfall hinweisen.
- Psychische Störungen: Angstzustände, Panikattacken oder chronischer Stress können körperliche Symptome wie Taubheitsgefühle hervorrufen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Taube Füße sind kein Symptom, das man ignorieren sollte. Bei häufigen oder langanhaltenden Taubheitsgefühlen sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären. Bei plötzlichem Auftreten von Taubheitsgefühlen in Verbindung mit Lähmungen oder Sprachstörungen sollte sofort der Notruf gewählt werden.
Behandlung und Selbsthilfe
Die Behandlung von kalten Händen und Füßen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei harmlosen Ursachen können folgende Maßnahmen helfen:
Allgemeine Tipps zur Förderung der Durchblutung
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung, Fußgymnastik oder Zehenwippen bringen die Muskelpumpe in Gang.
- Wechselduschen/Fußbäder: Kalte und warme Reize trainieren die Gefäße und regen die Durchblutung an.
- Warme Kleidung: Dicke Socken (idealerweise aus Wolle oder Funktionsmaterial) und nicht zu enge Schuhe tragen.
- Massage: Regelmäßige Fußmassage zur Ankurbelung der Durchblutung.
- Stress vermeiden: Stress kann die Durchblutung im Körper drosseln.
- Beine nicht übereinanderschlagen: Dies kann die Durchblutung stören.
- Ausreichend trinken: Genügend Flüssigkeit hilft, das Blutvolumen aufrechtzuerhalten.
- Ausgewogene Ernährung: Eine gesunde Ernährung unterstützt die Gefäßgesundheit.
Spezifische Maßnahmen
- Bei niedrigem Blutdruck: Kreislauf in Schwung bringen (durch Bewegung), ausreichend trinken, mehr Salz essen, gegebenenfalls Stützstrümpfe tragen.
- Bei Schilddrüsenunterfunktion: Hormonsubstitution nach ärztlicher Anweisung.
- Bei Raynaud-Syndrom: Hände und Füße warmhalten, Stress vermeiden.
- Bei Diabetes: Optimale Blutzuckereinstellung.
- Bei Polyneuropathie: Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Diabetes), Vitamin-B-Präparate.
Medikamentöse Behandlung
Eine medikamentöse Therapie richtet sich immer nach der zugrundeliegenden Erkrankung. Bei schweren Durchblutungsstörungen können Wirkstoffe zur Gefäßerweiterung oder zur Hemmung der Blutgerinnung zum Einsatz kommen. Beim Raynaud-Syndrom können Medikamente zur Erweiterung der Blutgefäße und zur Verbesserung der Blutzirkulation eingesetzt werden.
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Der Weg zur Diagnose
Wenn das Phänomen der kalten Füße und Hände dauerhaft besteht, plötzlich auftritt oder von Begleitsymptomen begleitet wird, ist die Konsultation eines Arztes ratsam. Der Arzt wird die Ursache abklären und eine geeignete Behandlung empfehlen.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei werden Blutdruck, Puls und Hautfarbe beurteilt.
Weitere Untersuchungen
Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein:
- Blutuntersuchungen: Zur Überprüfung von Blutzucker, Schilddrüsenwerten, Entzündungswerten und Vitaminen.
- Doppler-Sonographie: Zur Messung der Blutflussgeschwindigkeit in den Gefäßen.
- Kapillarmikroskopie: Zur Beurteilung der Haargefäße im Nagelfalz.
- Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf Nervenschädigungen.
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