Migräne und andere Arten von Kopfschmerzen sind weit verbreitete Leiden, die das Leben vieler Menschen beeinträchtigen. Eine innovative Methode zur Linderung dieser Beschwerden ist die Verwendung von Kältemützen. Diese Mützen kombinieren Kälte- und Dunkelheitstherapie, um Migräneanfälle erträglicher zu machen. Aber wie effektiv sind diese Mützen wirklich, und für wen sind sie geeignet?
Die Funktionsweise von Kältemützen
Kältemützen sind so konzipiert, dass sie den Kopf kühlen und gleichzeitig abdunkeln. Die Kühlung soll die Blutgefäße verengen, was bei Migräne helfen kann, da diese oft mit einer Gefäßerweiterung einhergeht. Die Dunkelheit trägt dazu bei, die Lichtempfindlichkeit zu reduzieren, ein häufiges Symptom bei Migräne.
Neurologe Dr. Said Masri erklärt, dass Migräne oft mit einer Gefäßverengung beginnt, gefolgt von einer überschießenden Gefäßerweiterung. Die Verengung kann zu einer Aura führen, während die Erweiterung Entzündungsstoffe freisetzt, die die Hirnhäute reizen und Kopfschmerzen verursachen. Kältemützen setzen hier an, indem sie die Gefäße verengen und so die Entzündungsreaktion reduzieren sollen.
Anwendung und Erfahrungen
Die Anwendung einer Kältemütze ist einfach. Viele Modelle werden im Kühlschrank oder Gefrierfach gelagert und bei Bedarf aufgesetzt. Einige Mützen können auch erwärmt werden, um bei Spannungskopfschmerzen eine entspannende Wirkung zu erzielen.
Verbraucher berichten von positiven Erfahrungen mit Kältemützen. Viele schwärmen von der lindernden Wirkung bei Migräne und Kopfschmerzen. Die Mützen werden oft als bequem und einfach in der Handhabung beschrieben. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie eine natürliche Alternative zu Medikamenten darstellen.
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Testberichte und Expertenmeinungen
Verschiedene Medien haben Kältemützen getestet und bewertet. RTL hat beispielsweise eine Kältemütze getestet und einen Neurologen befragt, um die Funktionsweise und Wirksamkeit zu beurteilen. Die Ergebnisse waren vielversprechend, und viele Anwender berichteten von einer deutlichen Linderung ihrer Beschwerden.
Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel bietet spezielle Therapien für Migräne und andere Kopfschmerzen an. Sie betonen die Bedeutung einer umfassenden Behandlung, die sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Ansätze umfasst. Kältemützen können ein sinnvoller Bestandteil eines solchen Therapiekonzepts sein.
Kältemützen bei Chemotherapie
Neben der Anwendung bei Migräne und Kopfschmerzen können Kältemützen auch bei Chemotherapie eingesetzt werden. Wenn aufgrund einer Chemotherapie die Haare ausfallen, wird die Krankheit Krebs für jeden sichtbar. Das belastet viele Betroffene - zusätzlich zur ohnehin schon schwer zu verarbeitenden Diagnose. Den Haarverlust verursachen hochwirksame Krebsmedikamente, sogenannte Zytostatika.
Die Kühlkappen aus weichem Silikon sind mit einem Kühlsystem verbunden. Eine Kühlung der Kopfhaut soll bewirken, dass sich die Gefäße verengen und so die Haarwurzeln schlechter durchblutet werden. Folge: Geringere Mengen der Zytostatika im Blut gelangen über den Blutkreislauf an die Haarwurzeln, weniger Zellen werden zerstört, Haare fallen kaum noch aus.
Bislang werden überwiegend Brustkrebspatientinnen mit den Kühlkappen behandelt. Auch die Probanden der beiden aktuellen Studien litten an dieser Krebsart - in einem frühen Stadium. Fazit der aussagekräftigen Scalp Cooling Alopezia Prevention-Untersuchung, kurz SCALP-Studie genannt: Von den 95 Frauen, die während der Chemotherapiezyklen eine Kühlkappe trugen, ging etwa jeder zweiten höchstens 50 Prozent ihres Schopfes aus. Außenstehende bemerken einen solchen Haarverlust meist gar nicht.
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Ein weiteres Ergebnis der Studie: Bekamen die Frauen ein Krebsmittel, das den Wirkstoff Taxan enthielt, zeigte die Kühlhaube bessere Ergebnisse als bei einer Anthrazyklin basierten Chemotherapie. Das bestätigt die zweite Studie mit 122 Teilnehmerinnen, die ausschließlich Taxan-basierte Medikamente erhielten.
Allerdings: Ganz verhindern lässt sich der Haarverlust nicht. Und es ist noch nicht geklärt, ob das Abkühlen der Kopfhaut die Wirkung der Chemotherapie in diesem Bereich beeinträchtigt. Nur wenige der Probandinnen klagten über unangenehme Begleiterscheinungen der Behandlung wie Kopfschmerzen, schmerzende Haut, Übelkeit oder Frösteln. Sieben Frauen brachen jedoch die Kühlung per Kappe vorzeitig ab: Sie ertrugen die Kälte nicht.
Tatsächlich ist das Verfahren kompliziert und langwierig. Für beide Studien musste die Silikonkappe bereits 30 Minuten vor dem eigentlichen Beginn der Chemotherapie auf den Kopf - und dort bis zu eineinhalb Stunden nach der Behandlung bleiben. Die Kappe ist mit einem Kühlsystem verbunden, das sich stufenweise regulieren lässt.
In Deutschland bieten Fachkliniken- und Praxen die bis zu 2 000 Euro teure Kühlkappenbehandlung an. Zuschüsse gewähren die Krankenkassen - wenn überhaupt - nur im Einzelfall und auf Antrag, der dann vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) begutachtet wird. Im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenversicherungen ist die Kühlkappe bisher nicht verzeichnet. Auch Haarersatz ist im Hilfsmittelverzeichnis nicht zu finden. Die meisten Krankenkassen übernehmen aber die Kosten. Der Anspruch beschränkt sich jedoch auf den Ausgleich des Haarverlustes, nicht auf modische Anforderungen. Für Perücken aus Echthaar zahlt die Kasse nur, wenn ein medizinischer Grund vorliegt, etwa eine Allergie auf Kunststoffe, sagt Michael Ihly von der Techniker Krankenkasse TK. Es lohnt sich, verschiedene Angebote einzuholen. Besondere Perückenanfertigungen können schon mal mit mehr als 2 000 Euro zu Buche schlagen. Hierfür zahlen die Kassen jedoch nicht. Und Männer haben lediglich dann Anspruch auf Haarersatz, wenn sie beispielsweise einen deformierten Schädel haben. Normalerweise ist der Haarverlust durch eine Chemotherapie nur vorübergehend.
Worauf man beim Kauf achten sollte
Beim Kauf einer Kältemütze gibt es einige wichtige Punkte zu beachten:
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- Material: Achten Sie auf hochwertige Materialien, die angenehm zu tragen sind und eine gute Kühlwirkung haben.
- Passform: Die Mütze sollte gut sitzen und den gesamten Kopf bedecken, um eine optimale Kühlung zu gewährleisten. Einige Modelle sind mit Klettverschlüssen verstellbar.
- Anwendung: Informieren Sie sich über die empfohlene Anwendungsdauer und Temperatur.
- Reinigung: Die Mütze sollte leicht zu reinigen sein.
Weitere Tipps zur Linderung von Migräne und Kopfschmerzen
Neben der Verwendung von Kältemützen gibt es noch weitere Maßnahmen, die bei Migräne und Kopfschmerzen helfen können:
- Regelmäßiger Schlaf: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf.
- Stressmanagement: Vermeiden Sie Stress und Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation.
- Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser, um Dehydration zu vermeiden.
- Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie Trigger-Nahrungsmittel wie Alkohol oder Koffein.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, Kopfschmerzen vorzubeugen.
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