Die Lyme-Borreliose, übertragen durch Zecken, ist eine Multisystem-Erkrankung, die verschiedene Organe befallen kann. Früh erkannt, ist sie meist gut mit Antibiotika behandelbar. Unbehandelt kann die Erkrankung in drei Phasen ablaufen, wobei die Symptome vielfältig sind und andere Krankheiten imitieren können, was die Diagnose erschwert. Es stellt sich die Frage, ob und inwiefern ein Zusammenhang zwischen Borreliose und Parkinson besteht.
Fallbeispiel: Verena und die Folgen eines Zeckenstichs
Die 29-jährige Verena bemerkte nach einer Wanderung am Großen Arber eine Zecke an ihrem Unterschenkel. Wenige Tage später entwickelte sich eine Rötung und Schwellung an der Stichstelle. Kurz darauf litt sie unter Kopfschmerzen und einer Gesichtslähmung, was sie an einen Schlaganfall denken ließ. Dieser Fall verdeutlicht, wie vielfältig und unerwartet die Symptome einer Borreliose sein können.
Die Lyme-Borreliose: Eine Übersicht
Die Lyme-Borreliose ist neben der FSME eine der häufigsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen. Ausgelöst wird sie durch Bakterien der Spezies Borrelia burgdorferi, die 1981 von Willy Burgdorfer entdeckt wurden.
Symptome und Verlauf
Die Lyme-Borreliose kann sich in drei Phasen manifestieren:
- Phase 1: Hautinfektion (Erythema migrans)An der Stichstelle bildet sich eine ringförmige Rötung, die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Begleitend können allgemeine Krankheitssymptome auftreten.
- Phase 2: Ausbreitung im OrganismusIn dieser Phase kann es zu neurologischen Ausfällen wie Lähmungen oder Nervenschmerzen (Bannwarth-Syndrom) kommen.
- Phase 3: SpätmanifestationAuch nicht-neurologische Beschwerden wie Hautveränderungen oder Gelenkschmerzen (Lyme-Arthritis) können auftreten. Diese Symptome treten typischerweise erst nach längerer Infektionsdauer auf.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch den Nachweis von Antikörpern gegen Borrelien im Blutserum und im Liquor. Allerdings ist zu beachten, dass ein positiver Antikörpernachweis auch auf eine frühere, möglicherweise unbemerkte Infektion hindeuten kann. Bei Verdacht auf eine Beteiligung des Nervensystems wird eine Lumbalpunktion durchgeführt, um das Nervenwasser zu untersuchen.
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Therapie
Die Behandlung der Borreliose erfolgt mit Antibiotika. Je nach Stadium und Beschwerden werden diese als Tabletten oder als Infusion über einen Zeitraum von 14 Tagen, in Ausnahmefällen auch länger, verabreicht. Nach erfolgreicher Behandlung sollte die Borreliose ausgeheilt sein.
Borreliose Spätfolgen und chronische Verläufe
Viele Betroffene berichten über sogenannte Borreliose-Spätfolgen, die auch nach vermeintlich überstandener Infektion auftreten können. Diese Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten und chronisch-persistierend sein. Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig erforscht.
Symptome von Borreliose-Spätfolgen
Zu den häufigsten Symptomen von Borreliose-Spätfolgen zählen:
- Anhaltende Erschöpfung
- Gelenkschmerzen
- Neurologische Störungen
- Sehstörungen
- Diffuse Angst
Diagnose von Borreliose-Spätfolgen
Die Diagnose von Borreliose-Spätfolgen ist anspruchsvoll, da viele Patienten bereits eine lange medizinische Vorgeschichte haben. Eine gezielte serologische Untersuchung auf Borrelien, inklusive Antikörperdifferenzierung (IgG/IgM), sowie eine mikrobiologische Milieu- und Entzündungsdiagnostik können hilfreich sein. Es ist wichtig zu beachten, dass kein einzelner Test Borreliose-Spätfolgen zweifelsfrei belegen oder ausschließen kann.
Therapie von Borreliose-Spätfolgen
Die Behandlung von Borreliose-Spätfolgen erfordert ein interdisziplinäres, individuelles Vorgehen.
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Borreliose als "Sündenbock" für unklare Beschwerden
Eine Studie der Johns Hopkins University in Baltimore hat gezeigt, dass chronische Beschwerden häufig fälschlicherweise einer Borrelieninfektion zugeschrieben werden. Von 1261 Patienten mit Borreliose-verdächtigen Beschwerden hatten 84 Prozent keine Evidenz für eine aktive oder frühere Lyme-Erkrankung. Bei zwei Dritteln dieser Patienten wurde eine andere Diagnose gestellt, die die Beschwerden erklärte.
Andere Diagnosen bei Borreliose-Verdacht
Unter den Diagnosen, die anstelle einer Borreliose gestellt wurden, fanden sich auch schwerwiegende Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Krebs, Parkinson, Sarkoidose und ALS. Die Studienautoren sehen einen Grund für die Überdiagnose von Lyme-Borreliose darin, dass eine behandelbare Diagnose wie die Lyme-Borreliose für Ärzte und Patienten attraktiv sein kann, insbesondere bei frustrierenden chronischen Beschwerden.
Der mögliche Zusammenhang zwischen Borreliose und Parkinson
Im Rahmen der genannten Studie wurden bei acht Patienten, die ursprünglich unter Borreliose-Verdacht standen, tatsächlich Parkinson diagnostiziert. Dies wirft die Frage auf, ob es einen Zusammenhang zwischen Borreliose und Parkinson geben könnte.
Neuroborreliose und Parkinson-ähnliche Symptome
Es gibt Berichte, dass eine Neuroborreliose Parkinson-ähnliche Symptome auslösen kann. Die neuroinvasiven Erreger können zu psychischen und neuropsychiatrischen Erkrankungen führen, einschließlich Hirnleistungsstörungen, die einer Demenz ähneln können. Auch Parkinson-Symptome wurden im Zusammenhang mit Borreliose beschrieben.
Schwierigkeiten bei der Diagnose
Die Diagnose einer Neuroborreliose kann schwierig sein, da die Symptome vielfältig und unspezifisch sind. Zudem können serologische Blut-Tests in späteren Stadien der Infektion versagen. Eine Liquoruntersuchung kann in einigen Fällen hilfreich sein, um Borrelien-Antikörper nachzuweisen.
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Differentialdiagnose
Es ist wichtig zu beachten, dass Parkinson eine eigenständige neurodegenerative Erkrankung ist, die nicht zwangsläufig durch eine Borrelieninfektion verursacht wird. Bei Parkinson-ähnlichen Symptomen sollte daher immer eine umfassende neurologische Untersuchung erfolgen, um andere Ursachen auszuschließen.
Alternative Therapieansätze bei Borreliose
Neben der konventionellen antibiotischen Therapie gibt es auch alternative Therapieansätze, die bei Borreliose eingesetzt werden können. Dazu gehören beispielsweise die Phytotherapie und die Behandlung mit Immunstimulanzien.
Phytotherapie
In der Phytotherapie werden verschiedene Arzneipflanzen zur Behandlung von Borreliose eingesetzt. Eine aktuelle Studie von 2023 an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften betont die Bedeutung der Faktoren für die Effektivität von Arzneipflanzen bei der Bekämpfung von Borrelien und anderen Erregern. Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) hat sich in Studien als besonders wirksam gegen Borrelien erwiesen.
Immunstimulanzien
Bei chronischer Borreliose kann es zu einer Erschöpfung der Immunreserven kommen. In solchen Fällen können Tests mit geeigneten Immunstimulanzien, die die Anzahl der CD57-Lymphozyten normalisieren, hilfreich sein.
Prophylaxe und Prävention
Da es gegen die Lyme-Borreliose keine Impfung gibt, sind prophylaktische Maßnahmen besonders wichtig. Dazu gehören:
- Das Tragen von geschlossener Arbeitskleidung und Gamaschen in Endemiegebieten
- Die Verwendung von Zecken- und Insektensprays
- Die kontinuierliche Einnahme von Artemisia-Arzneipflanzen, wie von Hildegard von Bingen empfohlen
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