Corona Hirnhautentzündung Ursachen: Ein umfassender Überblick

Einführung

Die Neuroinfektiologie umfasst ein breites Spektrum von Erregern wie Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze, die das zentrale und periphere Nervensystem und die Muskulatur befallen können. Diese stellen die behandelnden Ärzte immer wieder vor besondere Herausforderungen. Akute Infektionen des Zentralen Nervensystems (ZNS) wie die Herpes-simplex-Virus-Enzephalitis oder eine bakterielle Meningitis sind lebensbedrohliche Erkrankungen. Trotz effektiver Therapie und intensivmedizinischer Behandlung versterben viele Patienten oder erleiden Spätfolgen. Nicht nur die Kenntnisse der Krankheitsbilder, sondern auch der biologischen Strategien neurotroper Erreger sind eine Notwendigkeit für eine zielgerichtete Diagnostik und Therapie. Der zunehmende Handel, die Reisegewohnheiten, die Urbanisierung und der Klimawandel sind einige der Faktoren, welche die Entwicklung und Verbreitung neuer und alter Krankheitserreger begünstigen. Jedes Jahr treten Infektionskrankheiten auf oder wieder auf. Viele humanpathogene, neurotrope Erreger können mittels ausgefeilter Übertragungswege in das zentrale und periphere Nervensystem eindringen, um die privilegierte Immunstellung des Nervensystems auszuhebeln.

Die Corona-Pandemie hat die Welt in noch nie dagewesener Geschwindigkeit verändert. Im Verlauf der Corona-Pandemie wurde immer deutlicher, dass viele Patienten auch neurologische Beschwerden entwickeln. Darunter sind auch Krankheitsbilder, die durch neuroimmunologische Ursachen entstehen, wie Enzephalitiden, Myelitiden, Meningitiden und demyelinisierende Erkrankungen. Etliche Beschwerden können die pulmonale Akutphase der Erkrankung weit überdauern oder erst im Verlauf dazutreten. Dazu gehören (chronische) Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, Veränderung der Stimmung sowie Schlafstörungen, an deren Entstehung neuroimmunologische Mechanismen möglicherweise beteiligt sind.

Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen von Corona-bedingten Hirnhautentzündungen (Meningitis) und beleuchtet sowohl virale als auch bakterielle Auslöser sowie andere mögliche Faktoren.

Was ist Hirnhautentzündung (Meningitis)?

Bei einer Hirnhautentzündung - in der Fachsprache Meningitis genannt - entwickelt sich aufgrund einer Infektion mit bestimmten Bakterien oder Viren eine Entzündung der Rückenmarkshäute und/oder der Hirnhäute. Die Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute (Meningen). Diese bindegewebsartigen Hüllen liegen innerhalb des Schädels dem Gehirn an. Wenn das Hirngewebe zusätzlich betroffen ist, spricht man von einer Meningoenzephalitis.

Symptome einer Hirnhautentzündung

Typische Symptome einer Meningitis sind unter anderem:

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  • Heftige Kopfschmerzen
  • (Hohes) Fieber → Achtung: Bei Kleinkindern ist auch eine zu niedrige Körpertemperatur möglich.
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Steifer Nacken: Entzündungsbedingte Schmerzen machen es Betroffenen oft unmöglich, den Kopf auf die Brust zu legen. Bei Neugeborenen ist die Nackensteifigkeit oft nicht erkennbar.
  • Bei Kleinkindern: Veränderungen des Verhaltens, der Befindlichkeit und des Ess- und Trinkverhaltens
  • Bei älteren Personen: Hier können Verwirrung und Bewusstseinsausfälle wichtige Anzeichen einer Hirnhautentzündung sein.
  • Bei einer Infektion mit Meningokokken: Es treten charakteristische Veränderungen des Hautbildes durch punktförmige Blutungen auf.

Wenn Sie eine starke Verschlechterung der Symptome in kurzer Zeit beobachten oder wenn Bewusstseinsstörungen und/oder Krampfanfälle auftreten, kontaktieren Sie sofort die Notärztin/den Notarzt. Eine Hirnhautentzündung äußert sich nicht bei jeder Patientin / jedem Patienten gleich.

Diagnostik bei Verdacht auf Meningitis

Da eine bakterielle Meningitis durch einen raschen und schweren Verlauf gekennzeichnet ist, ist eine schnelle Diagnostik besonders wichtig. Um die richtige Behandlung einleiten und geeignete Maßnahmen ergreifen zu können, ist neben der Differenzialdiagnose auch die Bestimmung der auslösenden Erreger notwendig.

Bei Verdacht auf Meningitis ist ein ausführliches Anamnesegespräch wichtig, um etwaige Ursachen der Erkrankung zu erkennen. Wie ist Ihr aktueller Impfstatus? Leben oder arbeiten Sie mit vielen Menschen zusammen?

Eine Ausnahme bildet die bakterielle Meningitis. Die Erreger einer Hirnhautentzündung gelangen über das Blut in die Hirnhäute, daher können entsprechende Erreger auch in einer Blutprobe nachgewiesen werden.

Bei einer Lumbalpunktion entnimmt eine Ärztin / ein Arzt mit einer speziellen Nadel Flüssigkeit (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal. Der Liquor wird anschließend im Labor auf Entzündungszeichen und Krankheitserreger untersucht. Wichtige Erreger können unter dem Mikroskop identifiziert werden.

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Insbesondere bei Bewusstseinsstörungen ist eine Untersuchung des Gehirns über MRT (Magnetresonanztomografie) oder CT (Computertomografie) erforderlich. Andernfalls kann keine Lumbalpunktion durchgeführt werden. Aber auch bei Betroffenen ohne Bewusstseinsstörungen werden bildgebende Verfahren zur Differentialdiagnose eingesetzt.

Je nach Patient sowie Schweregrad und Ursache der Hirnhautentzündung können weitere Untersuchungen notwendig sein, um über die richtige Behandlungsstrategie zu entscheiden und Komplikationen zu vermeiden:

  • Rachenabstrich
  • Elektroenzephalografie (EEG)
  • Verschiedene Laboruntersuchungen

Ursachen von Hirnhautentzündung

Was löst eine Hirnhautentzündung aus? Bakterien, Viren und auch andere Erreger können eine Meningitis verursachen und haben unterschiedliche Auswirkungen auf den Verlauf bzw. die Schwere der Erkrankung. Von der jeweiligen Ursache hängt auch die geeignete Behandlung ab. Deshalb ist es besonders wichtig, dass das behandelnde medizinische Fachpersonal weiß, welche Erregergruppe die Erkrankung verursacht hat.

Virale Meningitis

Akute viral verursachte Hirnhautentzündungen (virale Meningitis) sind meist selbstheilende, gutartige Erkrankungen. Die Leitsymptome einer viralen Meningitis sind Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit (Meningismus), Nervendehnungszeichen, Licht- (Lichtscheu, Photophobie) und Lärmempfindlichkeit (Lärmscheu, Phonophobie). Virale Meningoenzephalitiden zählen zu den seltenen aber häufig lebensbedrohlichen Erkrankungen. Die Häufigkeit der viralen Meningitis liegt in Westeuropa ungefähr zwischen 1,5 und 7 Fällen pro 100.000 Einwohner.

In den meisten Fällen wird eine Meningitis in Deutschland durch Viren ausgelöst - wie etwa Arboviren oder Herpesviren. Sie verursacht grippeartige Symptome und heilt in der Regel nach zwei bis drei Wochen von selbst aus. Zu den Auslösern zählen unter anderem:

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  • Arboviren: Die Erreger werden durch Zecken oder Mücken übertragen, besonders häufig ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
  • Varizella-Zoster-Virus: Erkrankungen wie Windpocken werden durch dieses Virus ausgelöst.
  • Coxsackie-Viren: Dieser Virustyp verursacht beispielsweise die Hand-Fuß-Mund-Krankheit.
  • SARS-CoV-2: Der Erreger von COVID-19 kann auch eine Hirnhautentzündung auslösen.
  • Epstein-Barr-Virus

Bakterielle Meningitis

Eine bakteriell verursachte Meningitis ist lebensbedrohlich und nimmt oft rasch einen fulminanten Verlauf. Die Leitsymptome einer bakteriellen Meningitis sind starke Kopfschmerzen, hohes Fieber und Nackensteifigkeit. Übelkeit, Erbrechen, schmerzhafte Lichtempfindlichkeit (Photophobie) und Bewusstseinsstörungen (Beeinträchtigungen oder Veränderungen des gewöhnlichen Alltagsbewusstseins) können auftreten. Jährlich treten 5-10 Fällen pro 100.000 Einwohner auf. Mit Einführung von Impfungen gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae ist das Auftreten bakterieller Meningitiden in Deutschland rückläufig. Eine bakterielle Meningitis kann sich innerhalb von Minuten zum lebensbedrohlichen Notfall entwickeln und muss schnellstmöglich behandelt werden.

Bakterielle Hirnhautentzündungen - auch eitrige Hirnhautentzündungen genannt - sind in Deutschland seltener, aber deutlich gefährlicher als virale Hirnhautentzündungen. Der Krankheitsverlauf unterscheidet sich von der viralen Meningitis durch heftigere Symptome, die plötzlich auftreten. Komplikationen und schwere Verläufe sind bei der bakteriellen Hirnhautentzündung häufig. Deshalb ist eine bakterielle Meningitis immer ein medizinischer Notfall, der im Krankenhaus behandelt werden muss.

Durch einen Zeckenstich können sogenannte Borrelien übertragen werden. Diese Bakterien können wiederum das Nervensystem befallen und so nach mehreren Wochen oder Monaten eine Neuroborreliose auslösen, die sich oft in einer (leichten) Meningitis manifestiert.

Eine Meningokokkeninfektion wird durch Neisseria-meningitidis-Bakterien ausgelöst und ist in Deutschland aufgrund der verfügbaren Impfung selten. Eine Infektion mit Meningokokken ist besonders gefährlich - in zwei Dritteln der Fälle führt sie zu einer Hirnhautentzündung, in einem Drittel der Fälle zu einer Sepsis. Die Behandlung erfolgt im Krankenhaus, da schwere Komplikationen und Folgeerkrankungen häufig vorkommen. Betroffene werden anfangs (bis 24 Stunden nach Beginn der Antibiose) isoliert behandelt, da die Infektion besonders ansteckend ist.

Auch andere Bakterien und einige Pilze können zu einer Hirnhautentzündung führen. Menschen mit einem gesunden Immunsystem erkranken nur selten an einer Hirnhautentzündung durch Schimmelpilze oder Hefepilze.

Aseptische Meningitis

Die aseptische bzw. nicht infektiöse Meningitis wird nicht durch Infektionen verursacht. Zu den Ursachen gehören vielmehr:

  • Autoimmunerkrankungen, z. B. rheumatoide Arthritis, Lupus
  • Bestimmte Medikamente

Corona und neurologische Auswirkungen

Im Verlauf der Corona-Pandemie wurde immer deutlicher, dass viele Patienten auch neurologische Beschwerden entwickeln. Darunter sind auch Krankheitsbilder, die durch neuroimmunologische Ursachen entstehen, wie Enzephalitiden, Myelitiden, Meningitiden und demyelinisierende Erkrankungen. In ihrer Entstehung spielen vermutlich sowohl hyperinflammatorische als auch durch spezifische Antikörper vermittelte Mechanismen eine Rolle, während eine direkte Schädigung des Zentralnervensystems (ZNS) durch SARS-CoV‑2 („severe acute respiratory syndrome coronavirus 2“) nachrangig zu sein scheint.

Neurologische Symptome bei COVID-19

Zu den häufigen neurologischen Symptomen von Corona-Patienten zählen:

  • Riechstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen, in schweren Fällen auch schwere Muskelentzündungen
  • Bewusstseinsstörungen und Delir: Diese werden sehr häufig beobachtet.
  • Schlaganfälle zeigen sich unter anderem mit den typischen halbseitigen Lähmungen sowie Sensibilitäts- und Sehstörungen.
  • Entzündungen Gehirn und Rückenmark: Im Rahmen der Covid-19-Erkrankung kann es auch zu Entzündungen des Gehirns und selten auch des Rückenmarks kommen.

„Seltener scheinen die Entzündungen direkt durch das Virus, sondern durch eine die Infektion begleitende oder auf sie folgende Reaktion des Immunsystems, bedingt zu sein", sagt Prof. Weitere mögliche Auffälligkeiten: Ähnlich immunvermittelte Erkrankungen treten auch an den peripheren Nerven in Form des sogenannten Guillain-Barré-Syndroms (GBS) auf.

Long-COVID und neurologische Folgen

Im dritten Jahr der Pandemie beschäftigen uns die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion mehr denn je, denn erste Langzeitstudien zeigen: Auch zwölf Monate nach einer Infektion sind viele Long-COVID-Betroffene noch nicht vollständig genesen.

Die anhaltenden Symptome nach einer Corona-Infektion werden als Long COVID bezeichnet, wenn sie länger als vier Wochen bestehen. Eine Metanalyse [2] bestimmte die häufigsten neurologischen und neuropsychiatrischen Symptome des Post COVID-19 Syndroms bei Erwachsenen. Berichtet wurde besonders häufig von Erschöpfung, medizinisch Fatigue genannt (37 Prozent), sogenannter Gehirnnebel (brain fog) (32 Prozent), Gedächtnisproblemen (28 Prozent), Aufmerksamkeitsstörungen (22 Prozent), Muskelschmerzen (17 Prozent), Kopfschmerzen (15 Prozent), Geruchsverlust (12 Prozent) sowie Geschmacksstörungen (10 Prozent).

Mögliche Mechanismen der neurologischen Beteiligung bei COVID-19

Für die Pathophysiologie der COVID-19-assoziierten neuroimmunologischen Erkrankungen wird das Zusammenspiel mehrerer Faktoren vermutet, insbesondere die Schwere der systemischen Erkrankung, (hyper)inflammatorische Prozesse, Koagulopathie und postinfektiöse Autoimmunmechanismen.

Die periphere Hyperinflammation mit einem Anstieg proinflammatorischer Zytokine kann sich auf das ZNS ferner über eine Erhöhung der Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke und die Aktivierung von Mikroglia auswirken [29]. Dadurch wird die funktionelle und strukturelle Integrität der Blut-Hirn-Schranke weiter gestört, was zu persistierender Neuroinflammation, neuronaler Exzitotoxizität und zur Schädigung des neurovaskulären Endothels mit verminderter zerebraler Perfusion führen kann.

Die Abwesenheit von SARS-CoV‑2 im Liquor lässt an eine indirekt vermittelte Affektion des ZNS denken, die durch Immunzellen oder Autoantikörper vermittelt sein könnte, gestützt auch durch die teils deutliche klinische Besserung unter therapeutischer Apherese [10, 53].

Ein interessanter neuer Ansatz ist die Möglichkeit eines molekularen Mimikrys, also die Kreuzreaktivität von antiviralen Antikörpern mit Oberflächenstrukturen des eigenen Körpers und Gehirns.

Therapieansätze bei neurologischen Komplikationen von COVID-19

Bei den genannten neuroimmunologischen Krankheitsbildern sind vor allem Steroide sowohl hoch- als auch niedrigdosiert, intravenöse Immunglobuline (IVIG) und therapeutische Apheresen eingesetzt worden. In einer retrospektiven Fallserie von 5 COVID-19-Patienten mit Enzephalopathie hatten IVIG zu einer klinischen Besserung geführt, insbesondere hinsichtlich der Bewusstseinsstörung, sowie zu einer Besserung in der zusatzdiagnostischen Untersuchung mittels Elektroenzephalographie [43].

Eine unmittelbare Therapie des Long- oder Post-COVID-Syndroms existiert bislang noch nicht. Eine begleitende Psychotherapie kann bei langandauernden und wechselhaften Symptomen ebenfalls sinnvoll sein. Schmerzen werden symptomatisch mit herkömmlichen Schmerzmitteln behandelt.

Prävention

Mit Einführung von Impfungen gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae ist das Auftreten bakterieller Meningitiden in Deutschland rückläufig.

Der geimpfte Einzelne ist vor einer Ansteckung geschützt, falls Krankheitserreger aus Ländern mit niedrigerer Impfrate wieder eingeschleppt werden. Durch eine hohe Impfrate sind aber auch nicht geimpfte oder anfälligere Menschen geschützt, da sich der Erreger nicht ausbreiten kann. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Herdenschutz oder -immunität. Davon profitieren z.B.

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