Erektile Dysfunktion: Ursachen, Diagnose und Behandlungsoptionen

Erektile Dysfunktion (ED), oft auch als Impotenz oder Erektionsstörung bezeichnet, ist ein weit verbreitetes Problem, das Männer jeden Alters betreffen kann. Es handelt sich dabei um die Unfähigkeit, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten. Obwohl viele Männer zögern, offen über dieses Thema zu sprechen, ist es wichtig zu wissen, dass ED ein behandelbares medizinisches Problem ist und in vielen Fällen erfolgreich therapiert werden kann.

Was ist erektile Dysfunktion?

Von einer erektilen Dysfunktion spricht man, wenn ein Mann über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten in mehr als zwei Dritteln der Fälle keine ausreichende Erektion für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr erreichen oder aufrechterhalten kann. Es ist wichtig zu betonen, dass ED sich auf Erektionsstörungen bezieht und nicht auf andere sexuelle Probleme wie vorzeitigen Samenerguss oder Unfruchtbarkeit. Weltweit leiden schätzungsweise 150 Millionen Männer an ED, wobei die Häufigkeit mit dem Alter zunimmt.

Ursachen der erektilen Dysfunktion

Die Ursachen für ED sind vielfältig und können sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein. Oftmals spielen mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle.

Organische Ursachen

Organische Ursachen sind bei älteren Männern häufiger für ED verantwortlich. Zu den häufigsten körperlichen Ursachen gehören:

  • Vaskuläre Ursachen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose (Arterienverkalkung), Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen können die Blutgefäße verengen und die Durchblutung des Penis beeinträchtigen. Diabetes mellitus kann ebenfalls langfristig die Blutgefäße und Nerven schädigen.
  • Neurologische Ursachen: Schädigungen der Nerven, die für die Erektion verantwortlich sind, können durch Operationen, Rückenmarksverletzungen, Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit oder diabetische Neuropathie verursacht werden.
  • Hormonelle Ursachen: Ein Mangel an Testosteron (Hypogonadismus) oder andere hormonelle Ungleichgewichte können die Libido und Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente wie Blutdrucksenker (insbesondere Betablocker), Antidepressiva und Beruhigungsmittel können als Nebenwirkung ED verursachen.
  • Strukturelle Ursachen: Anatomische Veränderungen des Penis, wie die Peyronie-Krankheit (Penisverkrümmung), können Erektionsstörungen verursachen.
  • Traumatische Ursachen: Verletzungen im Beckenbereich oder am Penis können Gefäße oder Nerven schädigen und zu ED führen.
  • Weitere Erkrankungen: Chronische Nieren- oder Lebererkrankungen sowie bestimmte Krebsbehandlungen können ebenfalls die Erektion beeinträchtigen. Neurologische Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Alzheimer-Demenz oder ein Schlaganfall) können ebenfalls eine ED verursachen. Schlafapnoe kann mit ED verbunden sein.

Psychische Ursachen

Psychische Faktoren spielen insbesondere bei jüngeren Männern eine wichtige Rolle bei der Entstehung von ED. Zu den häufigsten psychischen Ursachen gehören:

Lesen Sie auch: Kann ein Anfall tödlich sein?

  • Stress und Leistungsdruck: Hoher Stress im Beruf oder Privatleben sowie Versagensängste können die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.
  • Depressionen und Angststörungen: Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen gehen häufig mit ED einher.
  • Beziehungsprobleme: Konflikte, mangelnde Kommunikation oder ungelöste Probleme in der Partnerschaft können ebenfalls zu Erektionsproblemen führen.
  • Traumatische Erlebnisse: Sexuelle Traumata oder negative sexuelle Erfahrungen in der Vergangenheit können langfristig psychogene Erektionsstörungen verursachen.

Mischformen

In vielen Fällen liegt eine Kombination aus organischen und psychischen Ursachen vor. Eine körperliche Ursache kann beispielsweise Versagensängste auslösen, die die Erektionsprobleme verstärken.

Diagnose der erektilen Dysfunktion

Eine umfassende Diagnose ist entscheidend, um die Ursache der ED zu ermitteln und eine geeignete Behandlung zu planen. Die Diagnose umfasst in der Regel die folgenden Schritte:

  • Anamnese: Der Arzt wird Fragen zur Krankengeschichte, zu Vorerkrankungen, zur aktuellen Medikation, zum Lebensstil und zu den Symptomen der ED stellen. Auch die Libido, morgendliche Erektionen und die Partnerschaft werden thematisiert, um mögliche psychische Ursachen zu erkennen.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht das äußere Genital, die Prostata, Reflexe und Sensibilität. Zudem wird der Blutdruck gemessen.
  • Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf mögliche Risikofaktoren wie erhöhten Blutzucker, ungünstige Blutfettwerte oder einen Testosteronmangel liefern.
  • Schwellkörper-Injektionstest: Dabei wird ein Medikament in den Penis gespritzt, um die Erektionsfähigkeit und die Durchblutung zu prüfen.
  • Doppler-Sonographie: Diese Ultraschalluntersuchung misst den Blutfluss im Penis und kann vaskuläre Ursachen von Erektionsstörungen erkennen.
  • Messung der nächtlichen penilen Tumeszenz (NPT): Diese Untersuchung zeichnet die nächtlichen Erektionen auf und kann helfen, zwischen psychischen und organischen Ursachen zu unterscheiden.
  • Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können weitere Untersuchungen wie neurologische Tests oder eine Cavernosometrie erforderlich sein.

Behandlung der erektilen Dysfunktion

Die Behandlung der ED richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und kann verschiedene Optionen umfassen:

Änderung des Lebensstils

Eine gesunde Lebensweise kann einen positiven Einfluss auf die Erektionsfähigkeit haben. Dazu gehören:

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann die Durchblutung verbessern.
  • Regelmäßige Bewegung: Sportliche Aktivität kann die Durchblutung fördern und das Herz-Kreislauf-System stärken.
  • Gewichtsreduktion: Übergewicht kann das Risiko für ED erhöhen.
  • Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum: Rauchen und Alkohol können die Blutgefäße schädigen und die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.

Psychotherapie

Bei psychisch bedingten Erektionsstörungen kann eine Psychotherapie oder Sexualtherapie hilfreich sein. Dabei können die Betroffenen ihre Ängste und Sorgen thematisieren und lernen, mit Stress und Leistungsdruck umzugehen. Ein offenes Gespräch mit dem Partner kann ebenfalls helfen, Druck abzubauen und die sexuelle Erregung zu fördern.

Lesen Sie auch: Sicher Autofahren mit Parkinson: Ein Leitfaden für Deutschland

Medikamentöse Therapie

Verschiedene Medikamente können bei der Behandlung von ED eingesetzt werden:

  • PDE-5-Hemmer: Sildenafil (Viagra), Tadalafil (Cialis), Vardenafil (Levitra) und Avanafil (Spedra) sind Medikamente, die die Durchblutung des Penis verbessern und eine Erektion ermöglichen. Sie wirken jedoch nur bei sexueller Stimulation.
  • Testosterontherapie: Bei einem Testosteronmangel kann eine Testosterontherapie die Libido und Erektionsfähigkeit verbessern.
  • Yohimbin: Dieser Wirkstoff kann bei psychisch bedingten Potenzstörungen eingesetzt werden.

Weitere Behandlungsmethoden

  • Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT): Dabei spritzt sich der Mann ein Medikament in den Schwellkörper des Penis, um eine Erektion zu erzeugen.
  • Medikamentöses Urethrales System zur Erektion (MUSE): Dabei wird ein Medikament in die Harnröhre eingeführt, um eine Erektion zu erzeugen.
  • Vakuumtherapie: Dabei wird ein Plastikzylinder über den Penis gestülpt und ein Unterdruck erzeugt, um eine Erektion zu erzeugen.
  • Schwellkörperimplantate: In schweren Fällen, wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich sind, können Schwellkörperimplantate eingesetzt werden.

Erektile Dysfunktion und neurologische Ursachen

Ein geschädigtes Nervensystem kann die Verbindung zwischen dem zentralen Nervensystem (Rückenmark-Nerven) und dem Penis unterbrechen. Entsprechende Schädigungen treten bei Nervenerkrankungen auf. In diesem Fall ist eine Untersuchung beim Spezialisten wichtig. Hier wird dann mit speziellen Apparaten wie beispielsweise von Biothesiometern die Nerven-Stimulationsfähigkeit gemessen, erfasst und ausgewertet.

Erektile Dysfunktion als Warnsignal

Erektionsstörungen können ein Warnsignal für ernsthafte Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes mellitus sein. Daher ist es wichtig, bei Erektionsproblemen einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären und gegebenenfalls eine Behandlung einzuleiten.

Lesen Sie auch: Corona und das Gehirn: Was wir wissen

tags: #kann #der #neurologe #helfen #bei #potenzstorungen