Ein erhöhter Hirndruck ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der durch einen Anstieg des Drucks im Schädelinneren gekennzeichnet ist. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung des erhöhten Hirndrucks, wobei ein besonderer Fokus auf die Bedeutung der Pupillen als Anzeichen gelegt wird.
Was ist Hirndruck?
Der Hirndruck, auch intrakranieller Druck (ICP) genannt, ist der Druck, der im Schädelinneren herrscht. Normalerweise liegt er bei gesunden Erwachsenen im Liegen unter 10 mmHg. Kurzfristige Erhöhungen durch Husten oder Niesen sind harmlos. Ein anhaltender Druck über 20 mmHg gilt als kritisch und kann zu bleibenden Schäden führen.
Warum ist erhöhter Hirndruck gefährlich?
Ein erhöhter Hirndruck beeinträchtigt die Durchblutung des Gehirns und somit die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Dies kann einen Teufelskreis auslösen: Der hohe Druck vermindert die Durchblutung, was zu weiteren Hirnschäden und Schwellungen führen kann, wodurch der Hirndruck weiter ansteigt. Im schlimmsten Fall wird das Gehirn gar nicht mehr durchblutet, was zum Absterben von Hirngewebe führt.
Ursachen für erhöhten Hirndruck
Vielfältige Faktoren können zu einem erhöhten Hirndruck führen. Dazu gehören:
- Schädel-Hirn-Trauma: Verletzungen des Kopfes können Blutungen, Schwellungen und andere Komplikationen verursachen, die den Hirndruck erhöhen.
- Hirnblutungen: Blutungen im Gehirn können den Druck im Schädelinneren erhöhen.
- Hirnödem: Schwellungen des Gehirns, beispielsweise aufgrund von Vergiftungen oder Entzündungen (Gehirnentzündung, Hirnhautentzündung), können den Hirndruck steigern.
- Raumfordernde Prozesse: Tumore, Abszesse oder Subduralhämatome können das Volumen im Schädelinneren erhöhen und somit den Hirndruck steigern.
- Hydrozephalus: Eine übermäßige Ansammlung von Hirnflüssigkeit (Liquor) im Schädelinneren kann ebenfalls zu einem erhöhten Hirndruck führen.
- Sinusvenenthrombose: Eine Thrombose in den Hirnvenen und den Sinus kann ebenfalls mit einem erhöhten ICP verbunden sein.
- Arterielle Hypertonie: Erheblicher Bluthochdruck kann zu einem erhöhten Hirndruck führen.
In einigen Fällen bleibt die Ursache für den erhöhten Hirndruck unklar. Man spricht dann von einem Pseudotumor cerebri, der vor allem übergewichtige Frauen im gebärfähigen Alter betrifft.
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Symptome eines erhöhten Hirndrucks
Die Symptome eines erhöhten Hirndrucks können je nach Ursache, Ausmaß und Geschwindigkeit des Druckanstiegs variieren. Häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Typischerweise treten die Kopfschmerzen nachts oder in den frühen Morgenstunden auf und verstärken sich im Liegen.
- Übelkeit und Erbrechen: Insbesondere bei Kindern kann Erbrechen ein Anzeichen für erhöhten Hirndruck sein.
- Bewusstseinsstörungen: Diese können von leichter Verwirrtheit bis hin zum Koma reichen.
- Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, Doppelbilder, Gesichtsfeldausfälle oder Flimmern vor den Augen können auftreten.
- Pupillenveränderungen: Unterschiedlich große Pupillen (Anisokorie) oder eine fehlende Reaktion der Pupillen auf Licht können Anzeichen für einen erhöhten Hirndruck sein. Die Pupillen können erweitert sein, was auf eine Kompression der parasympathischen Fasern des Nervus oculomotorius hindeutet.
- Neurologische Ausfälle: Lähmungen, Empfindungsstörungen oder Krampfanfälle können auftreten.
- Atemstörungen: In fortgeschrittenen Fällen kann es zu lebensbedrohlichen Atemstörungen kommen.
- Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit: Diese unspezifischen Symptome können bei schweren Erkrankungen auftreten.
- Schwindel:
- Nackenschmerzen:
- Ohrgeräusche: Pulssynchrone Ohrgeräusche können auftreten.
- Verhaltensänderungen: Psychische Veränderungen und Wesensveränderungen sind möglich.
Die Bedeutung der Pupillen als Anzeichen
Die Pupillenreaktion ist ein wichtiger Indikator für den Hirndruck. Eine normale Pupille zieht sich bei Lichteinfall zusammen (Pupillenreflex). Bei erhöhtem Hirndruck kann dieser Reflex beeinträchtigt sein, was sich in einer oder beiden erweiterten Pupillen äußern kann, die nicht mehr auf Licht reagieren. Unterschiedlich große Pupillen (Anisokorie) können ebenfalls ein Warnzeichen sein.
Diagnose
Bei Verdacht auf erhöhten Hirndruck ist eine rasche Diagnose entscheidend. Folgende Untersuchungen werden in der Regel durchgeführt:
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft die Reflexe, die Pupillenreaktion, dieMotorik, die Sensibilität und den Bewusstseinszustand des Patienten.
- Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns können Blutungen, Tumore, Schwellungen oder andere Ursachen für den erhöhten Hirndruck sichtbar machen.
- Hirndruckmessung: Die direkte Messung des Hirndrucks erfolgt invasiv durch das Einführen eines Katheters mit Druckaufnehmer in einen der Hirnventrikel oder durch eine Sonde in das Hirngewebe.
- Liquorpunktion (Lumbalpunktion): Bei dieser Prozedur wird eine kleine Menge Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit aus dem Wirbelsäulenkanal entnommen, um den Liquordruck zu messen und den Liquor auf Anomalien zu untersuchen.
- Fundoskopische Untersuchung: Ein Papillenödem oder eine Schwellung der Papille ist ein häufiges Zeichen für einen erhöhten Hirndruck (ICP).
Behandlung
Die Behandlung des erhöhten Hirndrucks zielt darauf ab, den Druck zu senken und die Ursache zu behandeln. Die wichtigsten Maßnahmen sind:
- Allgemeine Maßnahmen:
- Sicherstellung der Vitalfunktionen (Atmung, Kreislauf)
- Oberkörperhochlagerung um 15-30° zur Förderung des venösen Abflusses aus dem Kopf
- Vermeidung von Faktoren, die den Hirndruck erhöhen (z.B. Husten, Pressen)
- Medikamentöse Therapie:
- Osmotherapie: Intravenöse Gabe von hypertoner Kochsalzlösung oder Mannitol, um Flüssigkeit aus dem Gehirn zu ziehen.
- Kortikosteroide: Können bei Hirntumoren oder bakterieller Hirnhautentzündung eingesetzt werden, um Schwellungen zu reduzieren.
- Sedierung und Schmerzausschaltung: Bei beeinträchtigtem Bewusstseinszustand und beeinträchtigter Atmung.
- Chirurgische Maßnahmen:
- Entfernung der Ursache: Operative Entfernung von Tumoren, Blutungen oder Abszessen.
- Liquordrainage: Ableitung von Hirnwasser über eine Punktionskanüle oder einen Shunt.
- Dekompressive Kraniektomie: Entfernung eines Teils der Schädeldecke, um dem Gehirn mehr Raum zu geben und den Druck zu senken.
- Hyperventilation: Durch die Hyperventilation wird mehr CO2 aus dem Körper abgeatmet und es kommt zu einer pH-Wert-Verschiebung. Die Blutgefäße im Gehirn reagieren auf diese Veränderung und ziehen sich zusammen (Vasokonstriktion). Die Maßnahme wird kontrovers diskutiert, weil man sich die Abnahme des ICP teuer erkaufen muss. Es kommt nämlich zu einer verringerten Hirnperfusion.
- Hypothermie: Senkung der Körpertemperatur, um den Stoffwechsel zu reduzieren und den Hirndruck zu senken.
Komplikationen
Ein unbehandelter erhöhter Hirndruck kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen, darunter:
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- Hirnschädigung: Durch die mangelnde Durchblutung und den Druck auf das Hirngewebe können Nervenzellen absterben und bleibende Schäden verursachen.
- Hirnherniation: Bei stark erhöhtem Hirndruck kann es zu einer Verlagerung von Hirngewebe durch natürliche Öffnungen im Schädel kommen (Herniation). Dies kann lebenswichtige Zentren im Gehirn einklemmen und zu schweren neurologischen Ausfällen oder zum Tod führen.
- Koma:
- Tod:
Hydrozephalus
Ein Hydrozephalus, oft auch als „Wasserkopf“ bezeichnet, ist eine Erkrankung, bei der sich übermäßig viel Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) im Schädelinneren ansammelt. Es gibt verschiedene Arten von Hydrozephalus, darunter:
- Kommunizierender Hydrozephalus: Der Liquorfluss zwischen den Hirnkammern und dem Subarachnoidalraum ist nicht blockiert. Das Problem liegt meist in der unzureichenden Aufnahme des Liquors.
- Nichtkommunizierender Hydrozephalus: Der Liquorfluss ist zwischen den Hirnkammern durch eine Blockade oder Verengung gestört.
- Normaldruckhydrozephalus (NPH): Bei dieser Art ist der Druck im Schädelinneren normal. Hauptsymptome sind Gangunsicherheit, Gedächtnisstörungen oder Inkontinenz.
Die Behandlung des Hydrozephalus besteht in der Regel in der Ableitung des überschüssigen Liquors durch einen Shunt.
Schädel-Hirn-Trauma (SHT)
Ein Schädel-Hirn-Trauma ist eine Verletzung des Kopfes, die zu einer Schädigung des Gehirns führen kann. Die Schwere des SHT wird anhand der Glasgow Coma Scale (GCS) eingeteilt:
- Leichtes SHT: GCS 13-15 Punkte
- Mittleres SHT: GCS 9-12 Punkte
- Schweres SHT: GCS 3-8 Punkte
Ein SHT kann zu verschiedenen Komplikationen führen, darunter erhöhter Hirndruck, Hirnblutungen, Hirnödeme und neurologische Ausfälle.
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