Muskelschwäche: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Muskelschwäche, oft als Kraftverlust oder Ermüdung der Muskeln wahrgenommen, kann vielfältige Ursachen haben. Es ist wichtig zu erkennen, dass müde Muskeln nicht zwangsläufig auf eine Erkrankung hindeuten müssen. Ungewohnte körperliche Anstrengung oder der Wiedereinstieg ins Training nach einer Pause können vorübergehende Muskelschwäche verursachen. Wenn jedoch alltägliche Aktivitäten zunehmend schwerfallen, könnte eine Muskelschwäche vorliegen, die ärztlich abgeklärt werden sollte.

Einführung

Der menschliche Körper verfügt über mehr als 600 Muskeln, die für Bewegung, Stabilität und lebenswichtige Funktionen verantwortlich sind. Muskelschwäche kann diese Funktionen beeinträchtigen und die Lebensqualität erheblich mindern. Die Ursachenforschung ist oft komplex, da sowohl Erkrankungen der Muskeln selbst als auch Störungen der Nerven, die die Muskeln steuern, in Frage kommen.

Ursachen von Muskelschwäche

Die Ursachen für Muskelschwäche sind vielfältig und reichen von harmlosen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen. Es ist entscheidend, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, um eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Neuromuskuläre Erkrankungen

Erkrankungen, die die Muskeln oder die Nerven, die sie steuern, betreffen, können Muskelschwäche verursachen. Dazu gehören:

  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die die Motoneuronen im Gehirn und Rückenmark betrifft.
  • Muskeldystrophie: Eine Gruppe genetischer Erkrankungen, die durch Muskelschwund und Muskelschwäche gekennzeichnet sind. Es existieren bisher mehr als 100 bekannte genetische Erkrankungsursachen für eine Muskeldystrophie. Die Vererbung kann dominant, rezessiv oder X-chromosomal erfolgen.
  • Myasthenia gravis: Eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper die Signalübertragung von Nervenzellen zu Muskeln blockieren.

Autoimmunerkrankungen

Bei Autoimmunerkrankungen greift das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe an, was zu Entzündungen und Schäden führen kann. Einige Autoimmunerkrankungen, die Muskelschwäche verursachen können, sind:

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  • Myositis: Eine Entzündung der Muskulatur, die zu Muskelschwäche und Kraftverlust führt. Es gibt verschiedene Formen von Myositis, darunter Dermatomyositis, Polymyositis und Einschlusskörpermyositis.
  • Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom (LEMS): Eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der Autoantikörper die Calciumkanäle der Nervenzellen angreifen.

Infektionen

Verschiedene Infektionen können vorübergehende Muskelschwäche verursachen. Dazu gehören:

  • Grippe: Eine häufige Viruserkrankung, die mit Muskelschmerzen und -schwäche einhergehen kann.
  • HIV: Das humane Immundefizienz-Virus, das das Immunsystem schwächt und Muskelschwäche verursachen kann.
  • Pfeiffersches Drüsenfieber: Eine Viruserkrankung, die durch Müdigkeit und Muskelschwäche gekennzeichnet ist.
  • Hepatitis C: Eine Leberentzündung, die in einigen Fällen Muskelschwäche verursachen kann.

Stoffwechselerkrankungen

Störungen im Stoffwechsel können die Muskelfunktion beeinträchtigen und zu Muskelschwäche führen. Dazu gehören:

  • Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) als auch Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) können Muskelschwäche verursachen.
  • Elektrolytstörungen: Ein Mangel oder Überschuss an Elektrolyten wie Kalium und Magnesium kann die Muskelkontraktion beeinträchtigen.

Medikamente

Einige Medikamente können als Nebenwirkung Muskelschwäche verursachen. Dazu gehören:

  • Statine: Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels.
  • Bestimmte Antibiotika: Einige Antibiotika wie Makrolide, Fluorchinolone und Aminoglykoside können Muskelschwäche verstärken.
  • Botulinumtoxin und Betablocker: Diese Medikamente können ebenfalls eine Myasthenie verschlechtern, ebenso bestimmte Mittel in der Anästhesie.

Andere Ursachen

Weitere mögliche Ursachen für Muskelschwäche sind:

  • Bewegungsmangel: Längere Inaktivität, beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt, kann zu Muskelabbau und Muskelschwäche führen.
  • Mangelernährung: Ein Mangel an wichtigen Nährstoffen, insbesondere Eiweiß, kann die Muskelfunktion beeinträchtigen.
  • Psychische Erkrankungen: Depressionen und andere psychische Erkrankungen können mit Antriebslosigkeit und einem Gefühl von Muskelschwäche einhergehen.
  • Chronisches Erschöpfungssyndrom: Eine Erkrankung, die durch anhaltende Müdigkeit und Muskelschwäche gekennzeichnet ist.
  • Alterung: Im Alter nimmt die Muskelmasse auf natürliche Weise ab, was zu Muskelschwäche führen kann (Sarkopenie).

Symptome von Muskelschwäche

Die Symptome von Muskelschwäche können je nach Ursache und betroffenem Muskel variieren. Häufige Symptome sind:

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  • Allgemeine Schwäche und Ermüdung: Ein Gefühl von Kraftlosigkeit und schneller Erschöpfung bei körperlicher Anstrengung.
  • Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten: Probleme beim Aufstehen von einem Stuhl, Treppensteigen, Heben von Gegenständen oder Öffnen von Flaschen.
  • Muskelschmerzen: Schmerzen oder Krämpfe in den Muskeln.
  • Muskelschwund (Atrophie): Eine Abnahme der Muskelmasse.
  • Zittern: Unkontrolliertes Zittern der Muskeln.
  • Gangunsicherheit: Schwierigkeiten beim Gehen oder Halten des Gleichgewichts.
  • Schluckbeschwerden (Dysphagie): Schwierigkeiten beim Schlucken von Nahrung oder Flüssigkeiten.
  • Atembeschwerden: Kurzatmigkeit oder Schwierigkeiten beim Atmen.
  • Sehstörungen: Doppelbilder oder hängende Augenlider (Ptosis).

Diagnose von Muskelschwäche

Die Diagnose von Muskelschwäche erfordert eine gründliche Anamnese, körperliche Untersuchung und verschiedene diagnostische Tests.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Der Arzt wird zunächst nach der Krankengeschichte des Patienten fragen, einschließlich der Art und Dauer der Symptome, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und familiären Vorbelastung. Bei der körperlichen Untersuchung werden die Muskelkraft, Reflexe, Koordination und Sensibilität überprüft.

Neurologische Untersuchung

Eine neurologische Untersuchung kann helfen, die Ursache der Muskelschwäche zu lokalisieren. Dabei werden die Funktion der Hirnnerven, die Muskelkraft, die Reflexe, die Sensibilität und die Koordination untersucht.

Elektromyographie (EMG)

Das EMG ist ein diagnostisches Verfahren, bei dem die elektrische Aktivität der Muskeln gemessen wird. Es kann helfen, zwischen Muskel- und Nervenerkrankungen zu unterscheiden.

Muskelbiopsie

Bei einer Muskelbiopsie wird eine kleine Gewebeprobe aus dem Muskel entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Dies kann helfen, die Ursache der Muskelschwäche zu identifizieren, insbesondere bei Verdacht auf Myositis oder Muskeldystrophie.

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Blutuntersuchungen

Blutuntersuchungen können helfen, verschiedene Ursachen von Muskelschwäche zu identifizieren. Dazu gehören:

  • Bestimmung der Kreatinkinase (CK): Ein Enzym, das bei Muskelschäden freigesetzt wird.
  • Nachweis von Autoantikörpern: Bei Verdacht auf Autoimmunerkrankungen.
  • Schilddrüsenwerte: Zur Überprüfung der Schilddrüsenfunktion.
  • Elektrolyte: Zur Überprüfung des Elektrolythaushaltes.
  • Gentests: Bei Verdacht auf genetische Erkrankungen wie Muskeldystrophie.

Bildgebende Verfahren

Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) können helfen, Muskelveränderungen oder andere Erkrankungen zu erkennen, die Muskelschwäche verursachen können.

Behandlung von Muskelschwäche

Die Behandlung von Muskelschwäche richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Medikamentöse Therapie

  • Acetylcholinesterase-Hemmer (AChE-I): Bei Myasthenia gravis verbessern diese Medikamente die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel.
  • Immunsuppressiva: Bei Autoimmunerkrankungen wie Myositis oder Myasthenia gravis können Immunsuppressiva wie Corticoide, Mycophenolat-Mofetil, Ciclosporin A, Tacrolimus oder Methotrexat eingesetzt werden, um das Immunsystem zu unterdrücken.
  • Steroide: Bei bestimmten (erblich bedingten) Muskelschwund-Krankheiten können Steroide den Verlauf verlangsamen.
  • Riluzol: Bei Amyotropher Lateralsklerose kann Riluzol eingesetzt werden, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Muskelkraft und Beweglichkeit zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag besser zu bewältigen und Hilfsmittel anzupassen.
  • Logopädie: Bei Schluckbeschwerden kann Logopädie helfen, die Schluckfunktion zu verbessern.
  • Ernährungsberatung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß ist wichtig für den Muskelaufbau und die Muskelfunktion.
  • Bewegungstherapie: Regelmäßige Bewegung, wie Nordic Walking, Yoga, Pilates, Tai-Chi, Qi Gong, Schwimmen, Radfahren oder Tanzen, kann helfen, den Muskelabbau zu verlangsamen.
  • Hilfsmittel: Bei fortgeschrittener Muskelschwäche können Hilfsmittel wie Gehhilfen, Rollstühle oder Greifhilfen den Alltag erleichtern.

Spezifische Therapien

  • Thymektomie: Bei Myasthenia gravis kann die Entfernung der Thymusdrüse in bestimmten Fällen sinnvoll sein.
  • Plasmapherese oder Immunadsorption: Bei myasthenen Krisen können diese Verfahren eingesetzt werden, um Antikörper aus dem Blut zu entfernen.
  • Biocarn Sirup: Zur Substitution bei primärem und sekundärem systemischem Carnitinmangel, als Behandlungsversuch bei Sonderformen der Muskeldystrophie mit Lipidakkumulation, die auf einem primären muskulären Carnitinmangel beruhen, zur Ergänzung der Behandlung bei progressiver Muskeldystrophie vom Typ Duchenne, sofern noch funktionierende Skelettmuskeln vorhanden sind, und zum Ersatz dialysebedingter Levocarnitinverluste unter chronischer Hämodialysebehandlung.

Rehabilitation

Nach schweren Erkrankungen oder Operationen kann eine Rehabilitation helfen, die Muskelkraft und Funktion wiederherzustellen.

Vorbeugung von Muskelschwäche

Einige Maßnahmen können helfen, Muskelschwäche vorzubeugen:

  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität hilft, die Muskeln stark und gesund zu erhalten.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine Ernährung mit ausreichend Eiweiß und anderen wichtigen Nährstoffen ist wichtig für die Muskelfunktion.
  • Vermeidung von Bewegungsmangel: Längere Inaktivität sollte vermieden werden.
  • Reduktion von Suchtmitteln: Alkohol und Zigaretten können den Muskelabbau fördern.

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