Der Schmerzfragebogen in der Migränetherapie: Ein umfassender Überblick

Die Behandlung von Migräne erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die körperlichen als auch die psychischen und sozialen Aspekte der Erkrankung berücksichtigt. Ein wesentliches Instrument in diesem Prozess ist der Schmerzfragebogen, der dazu dient, die individuellen Schmerzerfahrungen des Patienten zu erfassen und die Grundlage für eine gezielte Therapieplanung zu schaffen.

Bedeutung des Schmerzfragebogens in der Migränetherapie

Chronische Schmerzen, insbesondere Migräne, sind ein komplexes Phänomen, das durch somatische, psychische und soziale Faktoren beeinflusst wird. Der Schmerzfragebogen ermöglicht es, diese multidimensionalen Aspekte zu erfassen und in die Therapieplanung einzubeziehen. Er dient als standardisiertes Instrument, um den subjektiven Bericht des Patienten über seine Erkrankung zu dokumentieren und alle relevanten Faktoren systematisch zu erheben.

Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen sowie andere Kopfschmerzarten an. Im Rahmen der Aufnahmeformalitäten werden die Patienten gebeten, einen Schmerzkalender und einen Schmerzfragebogen auszufüllen.

Der DMKG-Kopfschmerzfragebogen: Ein standardisiertes Instrument zur Erfassung von Kopfschmerzen

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) hat einen eigenen Kopfschmerzfragebogen entwickelt, der speziell auf die Bedürfnisse von Kopfschmerzpatienten zugeschnitten ist. Dieser Fragebogen dient dazu, wichtige Informationen über die Kopfschmerzhäufigkeit, -stärke, -charakteristika, Begleitsymptome, Schmerzmitteleinnahme, Beeinträchtigung im Alltag, Begleiterkrankungen und Medikation zu erfassen.

Der DMKG-Kopfschmerzfragebogen kann in Papierform oder als ausfüllbares PDF genutzt werden. Er enthält auch validierte Skalen zur Erfassung von Depression, Angst, Stress, Beeinträchtigung im Alltag und Lebensqualität. In Kombination mit einem Kopfschmerzkalender, der entweder in Papierform oder als kostenlose DMKG-App genutzt werden kann, ermöglicht er eine umfassende Dokumentation der Kopfschmerzerkrankung.

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Inhalte des DMKG-Kopfschmerzfragebogens

Der DMKG-Kopfschmerzfragebogen umfasst verschiedene Bereiche, die wichtige Informationen für die Diagnose und Therapieplanung liefern:

  • Demografische Daten: Gewicht und Größe des Patienten
  • Kopfschmerzdaten:
    • Beginn der Kopfschmerzen
    • Anzahl der Kopfschmerztage pro Monat, Anzahl der Tage mit starken Kopfschmerzen pro Monat
    • Anzahl der Schmerzmitteltage pro Monat
    • Kopfschmerzcharakteristika (Lokalisation, Charakter, Begleitsymptome) mit Zuordnung zu möglichen Kopfschmerzdiagnosen nach den Kriterien der Internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3)
    • Bisherige Bildgebung des Kopfes
    • Familienanamnese
  • Kopfschmerzbehandlung:
    • Aktuelle und frühere Medikamente mit Gründen für das Absetzen
    • Nichtmedikamentöse Verfahren, Neurostimulation
    • Stationäre, ambulante oder tagesklinische Schmerztherapien
  • Validierte Skalen:
    • Depressions-, Angst- und Stressskala (DASS)
    • Lebensqualität: Veterans Rand-12 (VR-12) oder Bewertung durch Patient:in (auf der NRS)
    • Kopfschmerzspezifische Beeinträchtigung: Migraine Disability Assessment (MIDAS)
    • Aktueller Gesundheitszustand (NRS)
  • Komorbiditäten:
    • Begleiterkrankungen
    • Begleitmedikation
  • Berufstätigkeit und sozialmedizinische Daten

DMKG-App als elektronischer Kopfschmerzkalender

Die DMKG-App dient als elektronischer Kopfschmerzkalender und ermöglicht es den Patienten, ihre Kopfschmerztage, -stärke, -charakteristika und Begleitsymptome sowie die Einnahme von Medikamenten zu dokumentieren. Die App wird von über 30.000 Personen in Deutschland genutzt und erhält überwiegend positive Bewertungen.

Die App wurde kontinuierlich weiterentwickelt und um zusätzliche Funktionen ergänzt, wie z. B. die Integration der Anzahl der Tage mit Akutmedikation direkt in die Kalenderansicht und die Ergänzung der Begleitsymptome um die Punkte Schwindel, Geruchsempfindlichkeit, Konzentrationsstörungen und Müdigkeit/Erschöpfung.

DMKG-Kopfschmerzregister

Das DMKG-Kopfschmerzregister ist ein Projekt, das Patienten und Ärzte digital vernetzt und Daten für die Kopfschmerzforschung generiert. Patienten können ihre digital eingegebenen Daten (Kopfschmerzfragebogen, DMKG-App) für Ärzte an teilnehmenden Praxen/Zentren zur Nutzung während des Anamnesegesprächs freigeben. Nach ärztlicher Validierung und Ergänzung erfolgt die Übernahme in eine pseudonymisierte Auswertungsdatenbank.

Das Kopfschmerzregister ermöglicht eine zentrumsübergreifende Qualitätskontrolle und eine Vereinfachung der Versorgungsforschung. Zum Zeitpunkt September 2024 nehmen 35 Zentren am Kopfschmerzregister teil, und es liegen Daten von über 11.000 Visiten vor.

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Der Deutsche Schmerzfragebogen (DSF)

Der Deutsche Schmerzfragebogen (DSF) ist ein generisches Instrument zur Erfassung von chronischen Schmerzen, das auch bei Kopfschmerzpatienten eingesetzt werden kann. Er erfasst somatische, psychische und soziale Faktoren und erleichtert so die Analyse der Schmerzsituation und die systematische Therapieplanung.

Der DSF dient als Vorab-Screening neu angemeldeter Patienten mit chronischen Schmerzen, als Informationsbasis für die erweiterte ärztliche und psychologische Anamnese und als Datenbasis für spätere Verlaufsuntersuchungen. Er ist auch Grundlage einer internen und externen Qualitätssicherung.

Änderungen am Deutschen Schmerzfragebogen

Im Zuge der Arbeiten für KEDOQ-Schmerz wurden seit 2012 Veränderungen am Deutschen Schmerzfragebogen vorgenommen:

  • Das Screening für Angst und Depression (HADS) wurde durch den DASS (Depression, Anxiety and Stress Scale, 21 Items) ersetzt.
  • Das Instrument VR-12 zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität löst den SF-12 ab.

Wichtigkeit der Aktualität des Fragebogens

Es ist wichtig, die aktuelle Version des Deutschen Schmerzfragebogens zu verwenden, da ältere Versionen ihre Gültigkeit verlieren. Die Überarbeitung der Version 12/2024 basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Rückmeldungen aus der Praxis.

Kogniphobie bei Migräne

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Behandlung von Migräne ist die Kogniphobie, die Angst vor geistiger Anstrengung als Auslöser von Kopfschmerzen. Die „Cogniphobia Scale for Headache Disorders (CS-HD)“ ist ein Selbstbeurteilungs-Fragebogen, der zur systematischen Erfassung der Kogniphobie bei Kopfschmerzpatienten dient.

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Forscher der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben eine deutsche Version der CS-HD und eine Kurzform des Fragebogens entwickelt. Die deutsche Version zeigte eine gute Korrelation mit etablierten Fragebögen und eine exzellente Reliabilität.

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