Migräne und Schwangerschaft: Können Migräne Wehen auslösen?

Migräne ist eine chronische neurologische Erkrankung, die in Deutschland weit verbreitet ist und besonders Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. Eine häufige Frage, die sich Schwangere stellen, ist, ob Migräne Wehen auslösen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Migräne und Schwangerschaft, geht auf mögliche Risiken ein und gibt Empfehlungen zur Behandlung und Vorbeugung.

Migräne in der Schwangerschaft: Ein Überblick

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die von einer Vielzahl von Symptomen begleitet sein kann, darunter Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Viele Frauen erleben während der Schwangerschaft eine Veränderung ihrer Migräne. Bei einem Großteil der Betroffenen bessern sich die Symptome, besonders im zweiten und dritten Trimester. Dies wird vor allem auf die stabilen Hormonspiegel zurückgeführt. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen sich die Migräne verschlimmert oder neu auftritt.

Hormonelle Veränderungen als Ursache

Die hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft können sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf Migräne haben. Ein konstanter, hoher Spiegel der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron kann zur Besserung beitragen. Andererseits können Schwankungen im Östrogenspiegel, insbesondere gegen Ende der Schwangerschaft, Migräneattacken auslösen.

Weitere mögliche Ursachen

Neben hormonellen Veränderungen können auch andere Faktoren Migräne in der Schwangerschaft beeinflussen:

  • Stress: Psychischer Stress ist ein bekannter Trigger für Migräne.
  • Verspannungen: Muskelverspannungen, besonders im Nacken- und Schulterbereich, können Kopfschmerzen und Migräne verstärken.
  • Niedriger Blutzucker: Unregelmäßige Mahlzeiten und Unterzuckerung können Migräneattacken begünstigen.
  • Flüssigkeitsmangel: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, um Kopfschmerzen vorzubeugen.
  • Veränderter Kreislauf: Der Körper einer Schwangeren versorgt zwei (oder mehr) Körper mit Blut, was den Kreislauf beeinflusst und Migräne auslösen kann.

Können Migräne oder andere Schmerzen Wehen auslösen?

Die Frage, ob Migräne direkt Wehen auslösen kann, ist komplex. Es gibt keinen direkten Automatismus, der dies bestätigt. Allerdings können bestimmte Faktoren, die mit Migräne einhergehen, indirekt Wehen beeinflussen:

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  • Stress und Panikattacken: Starker Stress und Panikattacken können den Körper in Alarmbereitschaft versetzen und möglicherweise Wehen auslösen, insbesondere kurz vor dem errechneten Geburtstermin.
  • Medikamente: Einige Migränemedikamente, insbesondere Ergotamine, können Uteruskontraktionen auslösen und somit Wehen fördern. Diese Medikamente sollten in der Schwangerschaft vermieden werden.
  • Schmerzen: Sehr starke Schmerzen, egal welcher Ursache, können den Körper zusätzlich belasten und in seltenen Fällen Wehen auslösen.

Einige User haben auch Fragen zu anderen Schmerzen und deren Auswirkungen auf die Auslösung von Wehen gestellt:

  • Zahnschmerzen: Es gibt keine direkten Beweise dafür, dass Zahnschmerzen Wehen auslösen können.
  • Spaziergänge: Leichte Spaziergänge sind in der Regel unbedenklich und lösen keine Frühgeburt aus.
  • Erbrechen: Absichtliches Erbrechen kann den Körper stark belasten und möglicherweise Wehen fördern, ist aber keine empfohlene Methode zur Wehenauslösung.

Migräne als Risikofaktor für Schwangerschaftskomplikationen

Es ist wichtig zu betonen, dass Migräne, besonders schwere Verläufe, ein eigenständiger Risikofaktor für Schwangerschaftskomplikationen sein kann. Dazu gehören:

  • Bluthochdruck und Präeklampsie: Migränepatientinnen haben ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und Präeklampsie.
  • Kaiserschnitt: Migränepatientinnen gebären eher per Kaiserschnitt.
  • Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht: Es besteht eine Tendenz zu Frühgeburten und Neugeborenen mit geringem Geburtsgewicht.

Behandlung von Migräne in der Schwangerschaft

Die Behandlung von Migräne in der Schwangerschaft erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen Nutzen und Risiko für Mutter und Kind. Eine unkontrollierte Selbstmedikation sollte vermieden werden.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Nicht-medikamentöse Maßnahmen sollten immer die erste Wahl sein:

  • Regelmäßiger Tagesablauf: Geregelte Mahl- und Schlafzeiten.
  • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung, Meditation, Yoga, Akupunktur.
  • Moderate Bewegung: Spaziergänge, Schwimmen.
  • Reizabschirmung: Ruhe in einem abgedunkelten Raum.
  • Kühle Umschläge: Auf Stirn oder Schläfen.

Medikamentöse Behandlung

Wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichen, können Medikamente eingesetzt werden. Die Auswahl des Medikaments hängt vom Trimester der Schwangerschaft ab:

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  • Paracetamol: Kann während der gesamten Schwangerschaft eingenommen werden, sollte aber nicht die erste Wahl sein.
  • Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS): Können in den ersten beiden Trimestern eingenommen werden, sollten aber im dritten Trimester vermieden werden.
  • Triptane: Können zur Akutbehandlung von Migräneattacken eingesetzt werden, Sumatriptan ist die erste Wahl.
  • Metoclopramid und Ondansetron: Können bei Übelkeit und Erbrechen während der gesamten Schwangerschaft eingesetzt werden.

Es ist wichtig, die niedrigste wirksame Dosis und die kürzestmögliche Behandlungsdauer anzustreben.

Medikamentöse Migräneprophylaxe

Einige Medikamente zur Migräneprophylaxe sind in der Schwangerschaft kontraindiziert, während andere unter bestimmten Bedingungen eingesetzt werden können:

  • Kontraindiziert: Topiramat und Valproinsäure (wegen Teratogenität).
  • Mittel der Wahl (sofern klinisch notwendig): Metoprolol, Propranolol und Amitriptylin.
  • Vorsicht geboten: Onabotulinumtoxin A (Botox) und monoklonale Antikörper (Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab und Eptinezumab).

Migräne während der Geburt

Die Vorstellung, während der Geburt eine Migräneattacke zu haben, ist für viele Frauen beängstigend. Es gibt jedoch Möglichkeiten, damit umzugehen:

  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Entspannungstechniken, Imaginationsübungen.
  • Schmerzlinderung: Periduralanästhesie (PDA) kann sowohl gegen Wehenschmerzen als auch gegen Migräne helfen.
  • Akutmedikamente: In Absprache mit dem Arzt können Akutmedikamente eingesetzt werden.

Migräne nach der Geburt und in der Stillzeit

Nach der Geburt kommt es erneut zu Hormonumstellungen, die Migräne beeinflussen können. Stillende Mütter müssen besonders auf die Medikamentenwahl achten, da viele Medikamente in die Muttermilch übergehen.

Medikamentöse Behandlung in der Stillzeit

Einige Wirkstoffe gelten als sicher in der Stillzeit:

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  • Betablocker: Metoprolol oder Propranolol.
  • Amitriptylin: Eine weitere Option, sollte aber mit Vorsicht eingesetzt werden.
  • Monoklonale Antikörper: Können in Betracht gezogen werden.

Andere Wirkstoffe sollten vermieden oder nur mit Vorsicht eingesetzt werden:

  • Flunarizin: Sollte vermieden werden, da es in die Muttermilch übergeht.
  • Valproinsäure: Gilt als vereinbar mit dem Stillen, sollte aber nur mit Vorsicht eingesetzt werden.
  • Topiramat: Geht erheblich in die Muttermilch über.

Vorbeugung von Migräne in der Schwangerschaft

Eine gute Vorbeugung ist der beste Schutz vor Migräneattacken in der Schwangerschaft:

  • Regelmäßiger Tagesablauf: Geregelte Mahlzeiten und Schlafzeiten.
  • Ausreichend Schlaf: Mindestens 7-8 Stunden pro Nacht.
  • Stressmanagement: Entspannungstechniken, Yoga, Meditation.
  • Gesunde Ernährung: Ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Mindestens 2 Liter Wasser pro Tag.
  • Vermeidung von Triggern: Identifizieren und vermeiden von individuellen Auslösern (z.B. bestimmte Lebensmittel, Wetteränderungen).
  • Regelmäßige Bewegung: Moderate sportliche Betätigung.

Ernährung und Blutzucker

Neuere Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Insulinresistenz, hohen Blutzucker- und Insulinspiegeln und Migräne hin. Eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker stabil hält, kann eine effektive Migräneprophylaxe sein. Digitale Gesundheitsanwendungen wie sinCephalea können dabei helfen, den Blutzucker zu überwachen und die Ernährung entsprechend anzupassen.

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