Einführung
Alopecia areata, auch bekannt als kreisrunder Haarausfall, ist eine rätselhafte Erkrankung, die durch eine Autoimmunreaktion des Körpers verursacht wird. Baricitinib (Olumiant®), ein Januskinase-Hemmer, hat sich als vielversprechend in der Behandlung verschiedener Erkrankungen erwiesen, darunter rheumatoide Arthritis, Neurodermitis und COVID-19. Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Baricitinib auch bei der Behandlung von Alopecia areata wirksam sein könnte. Darüber hinaus werden auch im Zusammenhang mit Parkinson neue Therapieansätze erforscht, wobei Stammzelltherapien und die Beeinflussung von Transportproteinen im Fokus stehen. Es ist allerdings zu beachten, dass Levodopa, ein Mittel zur Behandlung von Parkinson, unerwünschte Nebenwirkungen haben kann.
Alopecia Areata: Ein Überblick
Alopecia areata ist eine Erkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Wachstumszellen der Haarwurzeln angreift, was zu einer lokalen Entzündungsreaktion und anschließendem Haarausfall führt. Dieser Haarausfall tritt typischerweise in scharf abgegrenzten, runden Bereichen der Kopfhaut auf, kann aber auch Augenbrauen oder den Bart betreffen. Im Gegensatz zu anderen Formen des Haarausfalls verursacht Alopecia areata weder Juckreiz noch Narbenbildung. Die Erkrankung betrifft Frauen und Männer gleichermaßen und tritt häufig erstmals im Alter von etwa 20 Jahren auf.
Die Rolle von Baricitinib bei der Behandlung von Alopecia Areata
Baricitinib ist ein Januskinase-Hemmer, der die Immunantwort des Körpers reguliert. Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur EMA hat eine Zulassungsempfehlung für Baricitinib zur Behandlung von Patienten mit schwerer Alopecia areata ausgesprochen. Falls die EU-Kommission diesem Votum folgt, wäre Baricitinib der erste Januskinase-Hemmer mit dieser Indikation.
In klinischen Studien erhielten Patienten entweder zwei oder vier Milligramm Baricitinib täglich. Ziel der Behandlung war eine mindestens 80-prozentige Wiederbehaarung der Kopfhaut nach 36-wöchiger Behandlung. In einer Studie erreichten dies 38,8 Prozent der Teilnehmer unter vier Milligramm Baricitinib und 22,8 Prozent mit zwei Milligramm. Die Ergebnisse einer zweiten Studie bestätigten diese Ergebnisse.
Mögliche Nebenwirkungen von Baricitinib
Zu den beobachteten Nebenwirkungen von Baricitinib gehören Akne, erhöhte Kreatinkinase- sowie HDL- und LDL-Cholesterol-Werte. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Nebenwirkungen nicht bei allen Patienten auftreten und die Schwere der Nebenwirkungen von Person zu Person variieren kann.
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Parkinson: Neue Therapieansätze
Auch im Bereich der Parkinson-Forschung gibt es vielversprechende Entwicklungen. So werden Stammzelltherapien und die Beeinflussung von Transportproteinen als mögliche zukünftige Behandlungsoptionen untersucht.
Stammzelltherapie bei Parkinson
Fast ein Vierteljahrhundert nach den ersten Transplantationen von fetalen Zellen in das Gehirn von Parkinson-Patienten, werden Stammzelltherapien weiterhin erforscht. Ziel ist es, durch die Transplantation von Stammzellen die Dopamin-produzierenden Zellen im Gehirn zu ersetzen, die bei Parkinson-Patienten verloren gehen.
Transportproteine und ihre Rolle bei Parkinson
Die Ablagerung des Proteins alpha-Synuclein in den Lewy-Körpern ist ein zentrales Merkmal der Parkinson-Krankheit. Forscher untersuchen, ob Transportproteine dazu beitragen könnten, diese Ablagerungen zu beseitigen und so den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder aufzuhalten.
Levodopa und seine potenziellen Nebenwirkungen
Levodopa ist eine Aminosäure, die zur Behandlung von Parkinson eingesetzt wird, um den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Levodopa kann im Gegensatz zu den aus ihm entstehenden Neurotransmittern die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Durch die Kombination mit Carbidopa wird die vorzeitige Decarboxylierung von Levodopa in der Körperperipherie verhindert, sodass geringere Dosierungen für die gewünschte Wirksamkeit nötig sind.
Häufige Nebenwirkungen von Levodopa
Zu den häufigen Nebenwirkungen von Levodopa (1-10 %) gehören:
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- Anorexie
- Konfusion
- Depressive Verstimmungen, u.U. mit Suizidtendenzen
- Alpträume
- Halluzinationen
- On-off-Phänomene (Wechsel von Beweglich- und Unbeweglichkeit)
- Schwindel
- Parästhesien
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Levodopa kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben, darunter:
- Nicht-selektive MAO-Hemmer: Diese MAO-Hemmer müssen spätestens 2 Wochen vor Beginn der Therapie abgesetzt werden.
- Antipsychotika: Kombination vermeiden.
- Zentral wirksame Dopaminantagonisten: Kombination vermeiden.
- Eisenpräparate: Einnahme mind. 2 h Abstand.
Besondere Vorsichtshinweise
Bei der Gabe von Carbidopa/Levodopa an Patienten mit Vorhof-, Knoten- oder Kammerarrhythmie nach durchgemachtem Herzinfarkt ist, wie bei Levodopa, Vorsicht geboten. Nach langjähriger Behandlung mit Präparaten, die Levodopa enthalten, kann ein plötzliches Absetzen oder sehr rasche Dosisreduzierung zu einem malignen Levodopa-Entzugssyndrom oder einer akinetischen Krise führen.
Impulskontrollstörungen
Bei einigen Patienten wurde unter der Behandlung mit Carbidopa/Levodopa ein Dopamin-Dysregulationssyndrom (DDS) beobachtet. Die Patienten sollten regelmäßig hinsichtlich der Entwicklung von Impulskontrollstörungen überwacht werden.
Überwachung der Behandlung
In der Einstellungsphase sind häufigere Kontrollen der Leber- und Nierenfunktion sowie des Blutbildes zu empfehlen (später mindestens einmal jährlich). Bei Herzinfarktanamnese, Herzrhythmusstörungen oder koronaren Durchblutungsstörungen sollen regelmäßige, vor allem zu Beginn der Behandlung häufige, Kreislauf- und EKG-Kontrollen vorgenommen werden.
Malignes Melanom
Parkinson-Patienten haben nach epidemiologischen Studien ein etwa 2 - 6fach erhöhtes Risiko ein malignes Melanom zu entwickeln als die allgemeine Bevölkerung. Daher sollten Patienten und Angehörige bzw. Betreuungspersonen angewiesen werden, während der Behandlung mit Carbidopa/Levodopa die Haut häufig und regelmäßig auf Anzeichen eines Melanoms zu untersuchen.
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COVID-19-Therapie: Aktuelle Entwicklungen
Seit Beginn der Pandemie wurden die Therapiemöglichkeiten für COVID-19 immer weiter verbessert. Die Rate der stationär aufgenommenen Erkrankten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, ist ebenfalls kontinuierlich gesunken. Die Letalität einer COVID-19-Infektion liegt aktuell (Stand Ende 2021) bei 1,8% und damit deutlich niedriger als zu Beginn der Pandemie.
Therapieprinzipien bei COVID-19
Bei der Therapie der COVID-19-Infektion sind drei Therapieprinzipien essenziell:
- Antivirale Therapien in der frühen Phase der Erkrankung
- Therapie der überschießenden Immunantwort
- Gerinnungshemmende Therapie
Antivirale Medikamente
Für Molnupiravir gilt, dass es bei frühem Einsatz (bis zu 3 Tage nach Symptombeginn, also noch vor Krankenhausaufenthalt) zu einer Halbierung von Krankenhausaufnahmen und Todesfällen führt. Ein weiteres antivirales Medikament ist das spezifisch gegen SARS-CoV-2 entwickelte „Paxlovid“. Durch die EMA zugelassen ist die Kombination der Antikörpercocktails Casirivimab und Imdevimab (Ronapreve® von Regeneron Pharmaceuticals und Roche). Zudem scheint der Antikörper Sotrovimab (Xevudy®) von Vir Biotechnology und GSK gegen Omikron gut wirksam zu sein.
Antientzündliche Therapie
Als Standard wird Dexamethason 6 mg über 10 Tage eingesetzt, jedoch nur bei einer schweren Erkrankung mit Sauerstoffbedarf. Außerdem kommen mehrere ursprünglich rheumatologische Medikamente zur Anwendung bzw. Außerdem gibt es die in klinischen Studien bei mittelschwerem Krankheitsverlauf verwendeten Januskinase-Inhibitoren (vor allem Baricitinib und Tofacitinib).
Antikoagulatorische Therapie
Das dritte wichtige Therapieprinzip bei der Covid-19-Infektion ist eine antikoagulatorische (gerinnungshemmende) Therapie, um die entstehende erhöhte Gerinnbarkeit des Blutes (Hyperkoagulabilität) und die Neigung zur Mikrothrombosierungen mit daraus entstehenden Schlaganfällen und anderen Durchblutungsstörungen zu verhindern.