Der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns ist ein häufiges, aber oft übersehenes Symptom der Parkinson-Krankheit. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Geschmacksverlust bei Parkinson, die Bedeutung eines frühzeitigen Riechtests als Diagnoseinstrument und die therapeutischen Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen.
Parkinson beginnt in der Nase: Der Riechtest als Anfangsdiagnose
Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich nicht nur durch motorische Symptome wie Zittern, Steifigkeit und verlangsamte Bewegungen äußert. Auch nicht-motorische Symptome wie Riechverlust, Verstopfung, Depressionen und Schlafstörungen können auftreten.
Neueste Forschungen deuten darauf hin, dass Parkinson tatsächlich in der Nase beginnt. Dort bilden sich zuerst sogenannte Lewy-Körperchen, die eine Parkinson-Erkrankung signalisieren. Der Neurologe Heinz Reichmann hat Patienten untersucht, die mit 50 oder 60 Jahren ihren Geruchssinn verloren hatten. Etwa zehn Prozent von ihnen zeigten auch nach einer speziellen Ultraschalluntersuchung und biochemischen Tests frühe Zeichen von Parkinson.
Der Parkinson-Experte Heinz Reichmann präsentierte seine Forschungsergebnisse in Prag auf dem Jahreskongress seines Verbands, der "European Neurological Society". Demnach beginnt Morbus Parkinson nicht in den motorischen Zentren des Gehirns, sondern in Nervenzellen des Geruchssinns und pflanzt sich Zelle für Zelle weiter fort: zunächst in Richtung Magen und von dort über den Vagusnerv zum Gehirn. "Dieses Wissen gibt uns vielleicht einmal die Möglichkeit, die Krankheit noch viel früher zu entdecken und ihre Ausbreitung zu unterbinden", sagte Reichmann.
Ein einfacher Riechtest kann daher wichtige Hinweise auf eine beginnende Parkinson-Erkrankung geben. Riechverlust ist ein häufiges Vorbote-Symptom von Parkinson. Eine weitere Studie habe gezeigt, dass die Hauptsymptome nicht nur in der Bewegungskoordination liegen, erläuterte Reichmann. Die wichtigsten der anderen Symptome seien Riechverlust (90 Prozent), Verstopfung (45 Prozent), Doppelt-Sehen (10 Prozent), Impotenz (30 Prozent) beziehungsweise bei Frauen Gefühlsarmut, Harninkontinenz (50 Prozent), diffuse Schmerzen (30 Prozent), Depression (30 Prozent), Anhedonie (Freudlosigkeit, 30 Prozent) und vor allem in den letzten Jahren der Erkrankung Demenz. Hinzu könnten fettige Haut und exzessives Schwitzen kommen.
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Ursachen für Geschmacksverlust bei Parkinson
Der Geschmacksverlust bei Parkinson ist multifaktoriell bedingt. Er kann auf folgende Ursachen zurückzuführen sein:
- Direkte Schädigung der Riechzellen: Parkinson kann die Nervenzellen des Geruchssinns schädigen, was zu einer verminderten Fähigkeit führt, Gerüche wahrzunehmen. Da der Geruchssinn eng mit dem Geschmackssinn verbunden ist, kann dies zu einem Verlust des Geschmacksempfindens führen.
- Beeinträchtigung der Geschmacksnerven: Die Nerven, die für die Übertragung von Geschmackssignalen vom Mund zum Gehirn verantwortlich sind, können ebenfalls durch Parkinson beeinträchtigt werden.
- Medikamentennebenwirkungen: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson eingesetzt werden, können als Nebenwirkung den Geschmacks- oder Geruchssinn beeinträchtigen.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Parkinson kann auch kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit und Gedächtnis beeinträchtigen, was sich indirekt auf die Geschmackswahrnehmung auswirken kann.
- Allgemeine altersbedingte Veränderungen: Mit zunehmendem Alter nimmt die Anzahl der Geschmacksknospen ab, und die Fähigkeit, Gerüche wahrzunehmen, lässt nach. Dies kann den Geschmacksverlust bei älteren Parkinson-Patienten verstärken.
Die Verbindung zwischen Geruchs- und Geschmackssinn
Störungen des Geruchs- und Geschmackssinnes werden zweckmäßigerweise gemeinsam besprochen: Beide Sinnesmodalitäten werden über Chemorezeptoren vermittelt, Störungen der einen führen oft subjektiv zu Beeinträchtigungen der anderen Sinnesmodalität, differenzierte Leistungen (z. B. Abschmecken von Speisen beim Kochen) sind an die Intaktheit von Geschmacks- und Geruchssinn geknüpft.
Die Sinneseindrücke beim Essen entstehen in der Nase und auf der Zunge. Die feinen Aromen nimmt man nur über die Nase wahr und wenn der Geruchssinn eingeschränkt ist, schmeckt das Essen fade. Erst das Zusammenspiel von Zunge und Nase, d.h. Geschmackssinn und Geruchssinn, erzeugt ein Geschmackserlebnis.
Die Zunge erkennt die Geschmacksrichtungen salzig, süß, sauer, bitter und umami (würzig) mit Hilfe ihrer Geschmacksknospen. Dort befinden sich Rezeptoren, die den wahrgenommenen Geschmack an das Gehirn weiterleiten. Die Nase kann mit Hilfe der Riechzellen sogar Tausende von feinen Aromen unterscheiden. Fast alle dieser Nervenzellen befinden sich im Dach der Nasenhaupthöhle, im Riech-Epithel. Hier senden Millionen von Riechzellen Signale über den Riechnerv direkt an das Gehirn. Außerdem wichtig für das harmonische Zusammenspiel von Geruch und Geschmack ist der Nervus Trigeminus, der nicht direkt diesen Sinnen zugeordnet ist.
Diagnose von Geschmacksverlust bei Parkinson
Die Diagnose von Geschmacksverlust bei Parkinson umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und spezielle Tests zur Beurteilung des Geruchs- und Geschmackssinns.
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- Anamnese: Der Arzt wird nach der Krankengeschichte des Patienten fragen, einschließlich der Art und Dauer des Geschmacksverlusts, der Einnahme von Medikamenten und anderen relevanten Symptomen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird den Mund, die Nase und den Rachen des Patienten untersuchen, um andere mögliche Ursachen für den Geschmacksverlust auszuschließen.
- Riechtest: Ein Riechtest kann durchgeführt werden, um die Fähigkeit des Patienten, verschiedene Gerüche zu erkennen, zu beurteilen. Es stehen standardisierte und validierte Testsets zur Verfügung.
- Geschmackstest: Ein Geschmackstest kann durchgeführt werden, um die Fähigkeit des Patienten, verschiedene Geschmacksrichtungen wie süß, sauer, salzig und bitter zu erkennen, zu beurteilen.
- Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine Nasenendoskopie, eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein, um andere mögliche Ursachen für den Geschmacksverlust auszuschließen.
Auswirkungen von Geschmacksverlust auf die Lebensqualität
Der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns kann erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität von Parkinson-Patienten haben.
- Verminderter Genuss beim Essen: Das Essen wird weniger genussvoll, was zu Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust führen kann.
- Soziale Isolation: Das Essen ist oft eine soziale Aktivität. Der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns kann dazu führen, dass Betroffene sich von sozialen Zusammenkünften zurückziehen.
- Erhöhtes Risiko für Unfälle: Der Verlust des Geruchssinns kann das Erkennen von Gefahren wie Rauch oder verdorbene Lebensmittel erschweren.
- Depressionen und Angstzustände: Der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns kann zu Depressionen, Angstzuständen und einem Gefühl der Isolation führen.
Behandlung von Geschmacksverlust bei Parkinson
Die Behandlung von Geschmacksverlust bei Parkinson zielt darauf ab, die zugrunde liegenden Ursachen zu behandeln und die Symptome zu lindern.
- Anpassung der Medikation: Wenn Medikamente als Ursache für den Geschmacksverlust identifiziert werden, kann der Arzt die Dosierung anpassen oder auf ein anderes Medikament umstellen.
- Riechtraining: Ein Riechtraining kann helfen, den Geruchssinn zu verbessern. Hierzu gehören zum Beispiel die Aromen Zimt, Rose, Gewürznelke und Eukalyptusöl, an denen man mehrmals täglich ca. 10 Sekunden lang schnüffeln sollte. Dieses Training führt aber nur zu einer Stärkung des Geruchssinns, wenn die entsprechenden Stammzellen noch vorhanden sind, so dass sich die Sinneszellen neu anpassen und beginnen können, auch andere Gerüche wahrzunehmen.
- Ernährungstherapie: Eine Ernährungstherapie kann helfen, den Appetit anzuregen und den Nährstoffbedarf zu decken. Bei eingeschränktem Geruchs- und Geschmackssinn können schonende Methoden der Essenszubereitung und frische, duftende Zutaten das Geschmackserlebnis positiv beeinflussen.
- Psychologische Unterstützung: Eine psychologische Unterstützung kann helfen, mit den emotionalen Auswirkungen des Geschmacksverlusts umzugehen. Psychotherapeutische Hilfe kann dazu beitragen, den Leidensdruck der Betroffenen zu verringern und ihre Anpassung an das Handicap zu erleichtern.
Medikamentöse Therapie bei Parkinson
Das älteste medikamentöse Therapieprinzip ist es, Dopamin zuzuführen - also den Botenstoff, der bei Parkinson-Betroffenen nicht mehr in ausreichender Menge vom Körper produziert wird. Das Mittel Levodopa ist bereits seit den frühen 70er Jahren zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung zugelassen. Es verbessert die typischen Parkinson-Symptome wie das Zittern, die verlangsamten Bewegungen und die Steifheit der Muskeln. Levodopa gilt als gut verträglich, doch wie jedes andere Medikament kann es zu Nebenwirkungen führen, häufig zu Übelkeit und Erbrechen, manchmal zu Schwindel.
Ein weiteres Problem ist die begrenzte Wirkdauer: Die Parkinsonsymptome werden zwar gut unterdrückt, aber nicht durchgehend bis zur Einnahme der nächsten Dosis. Wenn der Wirkspiegel des Medikamentes im Blut abnimmt, aber noch nicht Zeit für die nächste Tablette ist, kann der Patient Symptome bekommen. Solche Probleme treten bei einer anderen Wirkstoffklasse vermindert auf: den sogenannten Dopaminagonisten. Vorteil ist, dass sie eher nicht zu anderen Bewegungsstörungen führen und auch die Wirkung länger anhält. Sogenannte Monoaminooxidase-B-Hemmer (MAO-B-Hemmer) werden eingesetzt, um den Abbau von Dopamin im Gehirn zu stoppen.
Weitere Ursachen für Riechstörungen
Neben Parkinson gibt es auch andere Ursachen für Riechstörungen:
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- Sinunasale Riechstörungen: Hierbei wird die eingeatmete Luft auf ihrem Weg zur Riechschleimhaut behindert. Dazu kann es durch Entzündungen im Bereich der Nase oder Nasennebenhöhlen kommen. Zu Ersteren zählen Nasenpolypen oder Verkrümmungen der Nasenscheidewand.
- Nicht-sinunasale Riechstörungen: Hier liegt die Ursache in einer Schädigung des Riechapparates selbst. Häufige Auslöser sind Schädelverletzungen, toxische Schädigungen der Riechschleimhaut, Viral-bedingte Infektionen der oberen Atemwege und neuronale Erkrankungen wie Alzheimer Demenz und Multiple Sklerose.
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