Das Kantonsspital Winterthur (KSW) hat sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt und seine Schwerpunkte in verschiedenen medizinischen Bereichen ausgebaut. Besonders hervorzuheben sind die Neurologie und die damit verbundene Stroke Unit, aber auch innovative Ansätze in der Architektur und der Patientenversorgung. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Entwicklungen und Schwerpunkte des KSW, von der personellen Verstärkung in der Neurologie bis hin zu architektonischen Innovationen, die auf das Wohlbefinden der Patienten und die Effizienz der Arbeitsabläufe abzielen.
Neue Leitung der Klinik für Neurologie und Stroke Unit
Per 1. Oktober übernahm PD Dr. med. Hans-Georg Wirsching die Leitung der Klinik für Neurologie und der Stroke Unit am Kantonsspital Winterthur (KSW). Der 45-jährige Facharzt für Neurologie kam vom Universitätsspital Zürich, wo er als Oberarzt tätig war und weiterhin eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe leitete. Hans-Georg Wirsching folgte auf Dr. med. PD Dr. med.
Lebenswerk-Preis für Professor Cornel Sieber
Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) ehrte Professor Cornel Sieber mit dem Lebenswerk-Preis. Mit dieser besonderen Auszeichnung würdigte die Fachgesellschaft ein Lebenswerk voller Innovationen, Gestaltungswillen und leidenschaftlichem Engagement für die Altersmedizin. „Mit der Verleihung des Lebenswerk-Preises an Professor Cornel Sieber würdigt die DGG einen Wissenschaftler, Brückenbauer und Fürsprecher der älteren Generation, der seit Jahrzehnten die Entwicklung der Geriatrie in Deutschland und Europa als Vordenker maßgeblich gestaltet“, sagte DGG-Präsident Professor Michael Denkinger im Rahmen der Verleihung beim aktuell in Weimar stattfindenden Geriatrie-Kongress. „Die Altersmedizin verdankt Cornel Sieber entscheidende Impulse: Durch sein unermüdliches Wirken konnten Erkenntnisse zu Gebrechlichkeit, Multimorbidität, Versorgungsstrukturen und individueller Betreuung geriatrischer Patientinnen und Patienten in die Praxis transferiert werden.
Preisträger Cornel Sieber erklärte: „Die Verleihung des Lebenswerk-Preises der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie erfüllt mich mit großer Freude. Als ich vor vielen Jahren meinen Weg in die Medizin begann, hätte ich nie damit gerechnet, dass die Geriatrie einmal zu meiner beruflichen und persönlichen Lebensaufgabe werden würde. Doch je mehr ich mich den älteren Patientinnen und Patienten zuwandte, desto klarer wurde mir: In der Altersmedizin verbinden sich höchste wissenschaftliche Ansprüche mit tiefem menschlichem Engagement. Sie stellt den ganzen Menschen in den Mittelpunkt - mit all seinen individuellen Lebensgeschichten, Erwartungen und Bedürfnisse.“
Sieber sah den Lebenswerk-Preis als Würdigung der gemeinsamen Bemühungen, der Altersmedizin die Stellung zu geben, die sie verdient - wissenschaftlich, praktisch und gesellschaftlich. „Der Entwicklung der Geriatrie widme ich mich mit Überzeugung bis heute - denn sie bleibt eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Sieber selbst war von 2005 bis 2008 Präsident der DGG. In dieser Zeit trieb er die Sichtbarkeit und Professionalisierung der Geriatrie wesentlich voran. Bereits seit 2001 prägte Sieber, 1959 in Basel geboren, die Altersmedizin in Deutschland. Maßgeblich durch seine Tätigkeit als Lehrstuhlinhaber und Professor für Innere Medizin/Geriatrie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie als Direktor des Instituts für Biomedizin des Alterns in Nürnberg. Parallel leitete er von 2001 bis 2013 die Geriatrie am Klinikum Nürnberg und 2013 bis 2019 die Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Neben seiner herausragenden klinischen Tätigkeit begleitete Sieber bis heute unzählige Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner. Darüber hinaus trug er als Mentor zur Entwicklung des Faches bei. Seine Schwerpunkte umfassten die Versorgungsforschung, Ernährungsmedizin, Multimedikation, Gebrechlichkeit, Sarkopenie und Palliativmedizin. Cornel Sieber schloss 1984 in seiner Geburtsstadt Basel sein Medizinstudium ab, das ihn zuvor schon nach Wien und London führte. Früh zeigte sich seine Hingabe für die Wissenschaft: Promotion in Basel im Jahr 1985, gefolgt von Forschungsaufenthalten am renommierten Hammersmith Hospital in London und der Yale University in den USA zwischen 1990 und 1992. Nach seiner Präsidentschaft für die DGG von 2005 bis 2008 war Cornel Sieber von 2010 bis 2012 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) und 2017 bis 2018 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).
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Cornel Sieber als Direktor der Inneren Medizin
Im Kantonsspital Winterthur konnte Sieber diesen Ansatz umsetzen: Als Direktor leitete er die gesamte Innere Medizin - von der Notaufnahme über die Intensiv- bis hin zur Palliativmedizin. Sieber war jedoch nicht nur in der Inneren Medizin einer, der Grenzen überwindet. Auch Ländergrenzen nutzte er, um neue Verbindungen zu schaffen: So wollte er nach seinem Wechsel in die Schweiz weiterhin in Deutschland aktiv sein und das Institut für die Biomedizin des Alterns auch im Sinne der Universitätsleitung in Erlangen-Nürnberg weiterführen. Das Kantonsspital Winterthur gehörte mit 500 Betten und 250.000 jährlich behandelten Patienten zu den großen Kliniken in der Schweiz. Besonders aktiv war es unter anderem im Bereich der Ernährungsmedizin, einem der Forschungsschwerpunkte Siebers.
Architektur und Patientenversorgung im Fokus
Das Kantonsspital Winterthur (KSW), ursprünglich als Klinik in einem weitläufigen Park geplant, wurde in den letzten fünfzig Jahren kontinuierlich erweitert. Jeder An- und Neubau verunklärte jedoch die bauliche Struktur. Dazu gehörte auch das inzwischen baufällige Hochhaus aus dem Jahr 1968. Die Basler Planergemeinschaft RA-B (Rapp Architekten /Butscher Architekten) ersetzte dieses nun, indem es dem bestehenden Bettenhaus aus dem Jahr 1954 ein zweites, zehngeschossiges und typologisch gleiches Bettenhaus als Zwillingsbau zur Seite stellte. Verbunden waren die beiden Bauten durch einen siebengeschossigen Behandlungstrakt. Dieser bildete das Scharnier zwischen Alt und Neu, denn hier lag der neue Haupteingang in den Spitalkomplex, und von hier aus wurden alle weiteren Gebäude erschlossen. Der Grundgedanke hinter dieser Anordnung: das Spital bot so nicht nur eine klarere Orientierung, sondern es erhielt auch seinen Park zurück. Es ist ein Gesundheitszentrum entstanden, das sich zur Stadt hin öffnete.
Während sich im Bettenhaus die Betriebsräume für das Pflegepersonal vor allem im Norden befanden, waren fast alle Patientenzimmer mit ihren großen Fenstern nach Süden, zum Park hin ausgerichtet. Entgegen den Vorgaben des Wettbewerbs wurden fast alle Patienten - außer den Kindern - in diesem neuen Gebäude künftig in Einzelzimmern untergebracht. Was auf den ersten Blick als Luxus für die Patienten erscheinen mochte, war im Endeffekt wirtschaftlicher für das Krankenhaus. Die Patienten genasen erheblich schneller, weil das Infektionsrisiko geringer war und weil sie sich ungestört erholen konnten, indem sie z.B. einfach besser schliefen. Die Bettenbelegung wurde aber nicht nur durch die verkürzte Aufenthaltsdauer effizienter, sondern auch durch eine flexiblere Auslastung: da Mehrbettzimmer mit Rücksicht auf Geschlecht und Kultur der Patienten nicht beliebig belegt werden konnten, waren sie praktisch nie zu 100% ausgelastet - Einbettzimmer dagegen schon. Ein weiterer Aspekt: Weil auch die Gespräche mit Ärzten offener sein konnten, konnte die Behandlung gleich in das Krankenzimmer verlegt werden, was wiederum betriebliche Abläufe optimierte.
Die im Krankenhausbau erfahrenen Architekten konnten sich mit diesen Argumenten auf wissenschaftliche Studien und Vorbilder, beispielweise aus Skandinavien stützen. Auch die Gestaltung, Details und Materialien waren darauf ausgelegt, dass sie eine heilsame Atmosphäre schufen und zugleich Arbeitsprozesse erleichterten. So ließ sich das unter den Erkerfenstern eingebaute Sofa der Patientenzimmer mit wenigen Handgriffen in ein Bett umwandeln. Alle Zimmer waren grundsätzlich mit hochwertigen Materialien ausgestattet, wie massive Holzböden und Einbauten aus Kastanien- oder Nussbaumholz. Das Sofa und die Wandfläche hinter dem Bett setzten farbliche Akzente in rot, gelb, grün oder blau. Ein Wandschrank, der sich von zwei Seiten öffnen ließ, trennte Bad und Schlafraum, wobei natürliches Licht durch ein innenliegendes Fenster aus transluzentem Glas bis ins Badezimmer dringen konnte. Das Lichtkonzept war mehrschichtig und bot ein hohes Maß an Variabilität zwischen Funktions- und Gestaltungslicht - so konnte etwa die vielseitige Beleuchtung über dem Patientenbett als Leselampe oder als sehr helles Licht für Untersuchungen genutzt werden. Ansonsten war die medizinische Technik im Patientenbereich grundsätzlich nicht sichtbar. Die Böden in den Fluren aus Gummigranulat absorbierten den Schall und waren angenehm zu begehen.
Über der großzügigen Eingangshalle im Verbindungstrakt - dem Scharnier zwischen Alt und Neu - befanden sich die multifunktionalen Untersuchungs- und Behandlungsräume. Im darüberliegenden 5. Obergeschoss lag die OP-Landschaft. Diese verband sich mit den Operationsräumen des Bestandsbaus, die sich ebenfalls im 5. OG befanden. Eine unkonventionelle Lösung war die Erschließung der Räume, in denen untersucht und behandelt wurde: diese waren von der Fassade gelöst und zurückgesetzt, sodass zwischen den Außenwänden dieser Räume und der Fassade ein zusätzlicher Korridor entstand. Das hatte den entscheidenden Vorteil, dass die Betriebsabläufe effizienter wurden, da die Wege der Patienten und des medizinischen Personals getrennt waren. Denn allzu oft fanden Arzt-Patienten-Gespräche ungeplant auf den Fluren statt. So konnten die Patienten und ihre Angehörigen durch den Mittelgang in ihren Behandlungsraum gehen oder geführt werden und dort warten, bis die Ärzte ungestört von der anderen Seite eintraten. Diese Korridore konnte das medizinische Personal zudem als temporären Arbeitsplatz an mobilen Tischen nutzen. Auf Einzelbüros wurde komplett verzichtet, weil diese in Krankenhäusern die meiste Zeit leer stehen.
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Über den Operationsräumen im 5. OG nahm die Technikzentrale ein eigenes Geschoss ein. Die Konstruktion als Brückentragwerk ermöglichte ein fast stützenfreies OP-Geschoss, sodass künftige technische Entwicklungen und räumliche Anpassungen flexibel und mit niedrigen Investitionskosten umgesetzt werden konnten - denn gerade in diesen Bereichen sind viele Innovationen zu erwarten. Die fortlaufende Entwicklung in der Medizintechnik war also schon so weit als möglich mitgedacht. Ebenso in die Konzeption eingebunden war eine mögliche künftige Erweiterung des Spitals, denn ein modernes Gesundheitszentrum muss sich laufend an sich ändernde Einflüsse anpassen können. Insgesamt handelte es sich bei Bettenhaus und Behandlungstrakt um Skelettkonstruktionen mit tragenden Erschließungskernen, sodass Umbauten und Anpassungen, wie etwa Vergrößerungen oder Verkleinerungen von Räumen grundsätzlich mit geringem Aufwand möglich sind. Das machte die Gebäude kosteneffizienter und letztlich nachhaltiger im Betrieb.
Der Ersatzneubau wurde bei laufendem Betrieb und ohne Beeinträchtigung desselben in mehreren Etappen errichtet. Die erste Etappe fand bereits 2015-17 mit dem Neubau der Radio-Onkologie statt. Deren Behandlungsräume lagen wegen der radioaktiven Strahlung bis zu sechs Meter tief unter der Erde. Mit den Neubauten für das Kantonsspital Winterthur haben Rapp- und Butscher Architekten ein modernes Gesundheitszentrum geschaffen, das Potenzial zur fortlaufenden Erneuerung in sich trug. Der Grundgedanke bei der Konzeption war, mit der Architektur die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Heilungsprozesse gefördert und Arbeitsprozesse erleichtert werden.
Rapp Architekten und Butscher Architekten
Die Rapp Architekten AG mit ca. 80 Mitarbeitenden erarbeitete als Architektur- und Generalplanerunternehmen Lösungen für Neubauten, Sanierungen und Umbauten. Im Zentrum der Leistungen stehen die sorgfältige Analyse von Bedürfnissen, die Suche nach überzeugenden Entwürfen sowie die professionelle Realisierung und Pflege aller erforderlichen Details. Als Teil der Rapp Gruppe gehörte die Rapp Architekten AG zu den führenden Planungs- und Beratungsunternehmen für die nachhaltige Entwicklung unserer Lebensräume. Mit rund 400 qualifizierten Ingenieuren, Architekten und Fachspezialisten bot Rapp umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Gebäude, Infrastruktur, Energie und Mobilität an.
Butscher Architekten berieten, planten und bauten seit 2002 in einem breiten Spektrum der Architektur. Das Leistungsspektrum als Architekt oder auch als Generalplaner reichte von der Machbarkeitsstudie, Projektentwicklung, Planung und Projektierung bis hin zur Bauleitung. Durch die flexiblen Strukturen mit 5-10 Mitarbeitenden und die jahrelangen Erfahrungen mit Planergemeinschaften entstanden positive Synergien welche Butscher Architekten das Bearbeiten von kleinen, mittleren und großen Aufträgen in allen Baukategorien ermöglichte.
Bedeutung des offenen Austauschs in der Medizin
Perioperative Komplikationen in der Neurochirurgie sind selten - sie treten bei weniger als 5% der Eingriffe auf. Gezielte Ansätze, die einen offenen Austausch fördern können, das Fehlerrisiko weiter reduzieren. Bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. erkannte Hippokrates die Komplexität der Medizin und die Wichtigkeit, sich ihren Herausforderungen zu stellen. Diese Komplexität findet sich auch in der modernen Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie wieder, wo die Vielzahl an möglichen Komplikationen eine sorgfältige Analyse durch alle Beteiligten erfordert. Fachliteratur, soziale Medien, rechtliche Dokumente und die FMH Gutachten geben Einblick in die Risiken und Ereignisse, die mit chirurgischen Eingriffen verbunden sind. Jedoch ist die Berichterstattung über Komplikationen oft unzureichend, da selten jemand eigene Fehler öffentlich machen möchte.
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Weitere Entwicklungen im Hegau-Bodensee-Klinikum
KD Dr. med. war seit dem 1. Juli 2024 für Pathologie am Hegau-Bodensee-Klinikum tätig. Er PD Dr. med. Ende Juni verließ. Dr. konnte. Augenpathologie. Mit seinem Fachwissen und seiner Forschungserfahrung wird Dr. Diagnose und Behandlung von Pathologie-Fällen stetig zu optimieren. Weichen für die Therapie. „Der Patient steht im Mittelpunkt. den Patienten“, betonte der 47-Jährige. Dr. setzte sich nicht nur für eine exzellente Patientenversorgung ein. es, das Institut für Pathologie weiterzuentwickeln und auszubauen. Im November wurde eine weitere Pathologin das Team verstärken.
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