Phil Hubbe, geboren 1966 in Haldensleben, ist ein Cartoonist und Karikaturist, der seit 1985 an Multipler Sklerose (MS) erkrankt ist. Ermutigt durch Freunde und Kollegen, thematisiert er seitdem seine Krankheit und Behinderung in seinen Cartoons, die regelmäßig in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien erscheinen. Seine Werke zeichnen sich durch schwarzen, britischen Humor aus und bieten oft eine zweite Ebene, die den gesellschaftlichen Umgang mit Behinderung thematisiert.
Frühe Leidenschaft und Diagnose
Schon als Kind wollte Phil Hubbe Zeichner werden. Sein Großvater, ein Kunstmaler, weckte in ihm die Leidenschaft und half ihm beim Erlernen der Techniken. Nach dem Abitur und Grundwehrdienst begann Hubbe ein Mathematikstudium, das er jedoch abbrach. Während er in einer Keramikfabrik arbeitete, erhielt er im Alter von 22 Jahren die Diagnose MS. Die ersten Anzeichen der Krankheit zeigten sich bereits mit 19 Jahren in Form einer Sehnervenentzündung. Sein Arzt riet ihm damals, das Zeichnen aufzugeben und sich dem Mathestudium zu widmen, da er mit einer körperlichen Behinderung rechnen müsse. Doch Hubbe entschied sich anders und machte sein Hobby zum Beruf.
Der Weg zum Cartoonisten
Phil Hubbe ist seit den frühen 90er Jahren selbstständiger Cartoonist und Zeichner. Anfangs war er unsicher, ob er Witze über Rollstuhlfahrer machen dürfe, ohne selbst einer zu sein. Er testete daher, was Betroffene davon halten. Die meisten waren begeistert und gaben ihm sogar Tipps und eigene Ideen. So entwickelte er seinen Stil und thematisierte zunehmend seine eigene Erkrankung.
Eine wichtige Inspiration war der US-amerikanische Cartoonist John Callahan, der im Magazin New Yorker Cartoons mit dem Thema Behinderung veröffentlichte. Callahan saß nach einem Unfall querschnittsgelähmt im Rollstuhl und vertrat den Standpunkt: "Ich weiß, wovon ich rede bzw. zeichne." Dieser Ansatz ermutigte Hubbe, seine eigene MS-Erkrankung zu thematisieren.
"Behinderte Cartoons" und "MS Rainer"
Hubbes Cartoons sind bekannt für ihren schwarzen Humor und ihre Fähigkeit, Tabus zu brechen. Sie zeigen den oft schwierigen Alltag und die absurden Situationen, in die Menschen mit Beeinträchtigungen geraten. Dabei macht er sich nicht über die Menschen oder ihre Behinderung lustig, sondern thematisiert eher die Situationen, in die sie geraten, wenn eine Behinderung auf vermeintlich Normales trifft.
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Eine seiner bekanntesten Figuren ist "MS Rainer", von dem es ganze Comic Strips gibt. MS Rainer sitzt im Rollstuhl, der als Sinnbild für die körperliche Behinderung an sich steht. Hubbe ist sich bewusst, dass es weit mehr gibt als Rollstühle, aber ohne diese Stereotypen und Überzeichnungen kommt man nicht aus. So hat der Blinde die schwarze Sonnenbrille und die drei Punkte am Arm, eine Gehbehinderung zeigt man mit einer Krücke.
Preise und Auszeichnungen
Für seine Karikaturen hat Hubbe im Laufe der Jahre diverse Preise erhalten, darunter der Deutsche Preis für die politische Karikatur und der Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe. Auch diverse Inklusionspreise hat der Magdeburger erhalten, da seine Cartoons sich immer wieder mit den Themen Inklusion, Barrierefreiheit und Behinderung beschäftigen.
Inklusion und gesellschaftlicher Wandel
Hubbes Cartoons tragen dazu bei, den Umgang mit Behinderung in der Gesellschaft zu enttabuisieren. Sie bieten die Möglichkeit, über den Humor mit anderen ins Gespräch zu kommen und nachzudenken. Viele seiner Cartoons zeigen eine zweite Ebene auf, die auf den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema Behinderung aufmerksam macht.
Mit der Wanderausstellung "INKLUSION - DIE AUSSTELLUNG achtsam zusammen leben" will die Stabstelle Inklusion des Bistum Limburgs ironisch mit Karikaturen von Phil Hubbe und Texten in einfacher Sprache den Umgang mit Menschen mit Behinderung aufzeigen.
Hubbes Blick auf die MS und die Zukunft
Phil Hubbe hat einen eher günstigen Krankheitsverlauf, dennoch sind fast 30 Jahre chronische Erkrankung nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Er fühlt sich schwächer, muss sich seinen Tag mit Pausen gut einteilen und hat manchmal rechts feinmotorische Beeinträchtigungen. Seine tägliche Arbeit ist für ihn auch eine Art Therapie. "Denn durch das Zeichnen, gerade auch von Behinderten-Cartoons, kann ich meine Krankheit verarbeiten. Eine gute Kombination aus Aufgabe, Krankheitsbewältigung und Spaß."
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Er lebt mit der Krankheit und weiß nicht, was sie noch mit ihm vorhat. Er braucht seine Arme und Hände. Trotzdem hofft er, dass er noch möglichst lange als freischaffender Künstler arbeiten kann. Ein großer unerfüllter Wunsch ist es, eines Tages ein komplettes Comic zu gestalten.
Freundschaft mit Matthias Berg
Zu Hubbes Fans gehört Matthias Berg, ein Mensch mit Conterganschädigung. Die beiden lernten sich vor fast 20 Jahren bei einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie in Bad Boll kennen und sind seitdem befreundet. Sie haben auch gemeinsam für das ZDF gearbeitet, wo Hubbe Cartoons für den Online-Auftritt der Paralympics in Peking 2008 erstellte.
Hubbes Ratschläge und Wünsche
Hubbe rät dazu, sich nicht vorschreiben zu lassen, was man machen soll. Man sollte sich nicht über Menschen oder deren Behinderung lustig machen, sondern sich auskennen und Ahnung von der Materie haben. Für die Zukunft wünscht er sich, dass er noch möglichst lange seine Leidenschaft zum Beruf machen kann und dass seine Cartoons weiterhin dazu beitragen, den Umgang mit Behinderung in der Gesellschaft zu verbessern.
Eine Auswahl von Phil Hubbes Werken
Phil Hubbe hat bereits mehrere Bücher in der Reihe "Behinderte Cartoons" veröffentlicht, darunter:
- "Der Stuhl des Manitou - Behinderte Cartoons"
- "Der letzte Mohikaner - Behinderte Cartoons 2"
- "Das Leben des Rainer - Behinderte Cartoons 3"
- "Der Stein des Sisyphos - Behinderte Cartoons 4"
- "Die Lizenz zum Parken - Behinderte Cartoons 5"
- "Scooterman: Schwer behindert … schwer zu stoppen!"
- "Mein letztes Selfie - Behinderte Cartoons 6"
- "Der Siebte Sinn - Behinderte Cartoons 7"
- "Zeugen der Inklusion - Behinderte Cartoons 8"
Seine Cartoons sind auch in verschiedenen Kalendern und Postkarten erhältlich.
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