Hitze, Gehirnüberhitzung und Karikaturen: Eine Analyse der Auswirkungen von Hitzewellen und mögliche Lösungsansätze

Einführung

Die steigenden Temperaturen und die Zunahme von Hitzewellen stellen eine wachsende Bedrohung für die menschliche Gesundheit und das Wohlbefinden dar. Mojib Latif warnt in seinem Buch eindrücklich davor, dass wir mit Vollgas in die Klimakatastrophe rasen. Dieser Artikel beleuchtet die Gefahren von Hitze, insbesondere in Bezug auf die Überhitzung des Gehirns, und untersucht mögliche Lösungsansätze, um die Auswirkungen von Hitzewellen zu minimieren. Dabei werden sowohl individuelle Maßnahmen als auch gesellschaftliche Veränderungen betrachtet, die notwendig sind, um die Klimakrise zu bewältigen.

Die Klimakrise und ihre Folgen

Trotz Klimakonferenzen und Reduktionsvereinbarungen werden immer neue Treibhausgas-Rekorde vermeldet. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe zieht an, der CO2-Ausstoß erreicht neue Rekordwerte. Latif betont, dass die Politik die wissenschaftlichen Erkenntnisse seit der Gründung des Weltklimarats (IPCC) im Jahr 1988 kennt, aber die notwendigen Maßnahmen oft im Sand verlaufen. Die Folgen sind bereits heute spürbar, mit immer häufigeren und intensiveren Hitzewellen, Dürren und anderen Wetterkatastrophen.

Die Gefahr der Gehirnüberhitzung

Medizinische Fachbücher geben die maximale Körpertemperatur, die ein gesunder Mensch kurzzeitig überleben kann, zwischen 42°C und 43°C an. Bei höheren Temperaturen verändert sich das Eiweiß im Gehirn und es treten irreparable Gehirnschäden auf. Menschen mit geschwächtem Kreislauf sind bereits bei erheblich geringeren Temperaturen gefährdet.

Der Hitzesommer 2003, in dem in Westeuropa 70.000 Menschen an Überhitzung starben, könnte sich wiederholen. Die Temperaturen können sogar noch höher steigen, denn inzwischen ist der CO2-Gehalt in der Atmosphäre deutlich höher als damals.

Irrtümer und Fehleinschätzungen

Es gibt einige gefährliche Fehleinschätzungen in Bezug auf den Schutz vor Hitze, die es richtigzustellen gilt:

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  • Wärmedämmung bietet keinen Schutz bei Hitzewellen: Gute Wärmedämmung der Wohnungen oder Häuser schützt nur bei rasch vorübergehenden Hitzewellen. Bei mehrtägigen Hitzeperioden hilft Wärmedämmung nur wenig. Sogar ein gut wärmegedämmtes Haus erwärmt sich, wenn die Außentemperaturen tags und nachts höher sind als die Innentemperaturen.
  • Ventilatoren versagen bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit: Keine erfahrene Hausfrau und kein erfahrener Hausmann kämen auf die Idee, Tiefkühlkost oder Schlagsahne oder Butter mit Hilfe eines Ventilators oder mit feuchten Decken kühl zu halten. Diese Verfahren funktionieren nur bei vergleichsweise trockener Luft, denn sie nutzen die Verdunstungskälte. Wenn die Luft bereits mit Feuchtigkeit gesättigt ist, kann nichts mehr verdunsten. Es gibt dann also auch keine Verdunstungskälte mehr. Das gilt auch für Ventilatoren mit Wasserzugabe, die zur Zeit mit großem Werbeaufwand als "Klimaanlagen"angeboten werden. Auch sie versagen bei schwül-feuchter Luft.

Wie der Körper auf Hitze reagiert

In Wüstengegenden oder in der Sauna überleben Menschen Lufttemperaturen, die weit über 42 Grad liegen. Sauna-Temperaturen gehen sogar bis maximal 110 Grad. Der Körper kühlt sich in solchen Fällen durch Schwitzen ab. Der Schweiß verdunstet und entzieht dem Körper die dafür erforderliche Wärmeenergie. Wenn allerdings die Luftfeuchtigkeit hoch ist (schwüles Wetter) dann verdunstet nur wenig Schweiß - die ersehnte Abkühlung bleibt aus. Deshalb belässt man in der Sauna die relative Luftfeuchtigkeit im unteren Prozentbereich - höchstens 30 Prozent.

Der Körper schwitzt nicht nur an seiner Oberfläche sondern ebenfalls im Inneren, in Nase, Mund und Rachen und ganz besonders in den Atmungsorganen einschließlich der Lunge. Die atmungsaktive Oberfläche der Lunge beträgt nahezu 100 Quadratmeter, ist also etwa 50 mal so groß wie die sichtbare Körperoberfläche. Auch dort gibt es eine gewisse Feuchtigkeit, die verdunsten und damit kühlen kann.

Die Bedeutung der Luftfeuchtigkeit

Die Luftfeuchtigkeit spielt eine entscheidende Rolle bei der Hitzebeständigkeit des Körpers. Man kann mit einfachen Mitteln den unangenehmen Einfluss der Luftfeuchtigkeit zwar nicht exakt messen, aber doch tendenziell abschätzen. Dazu umwickelt man die Messstelle eines Thermometers (die kleine Kugel am unteren Ende) mit einem feuchten Lappen und schwenkt beides in der Luft. Wenn die Luft nur wenig Luftfeuchtigkeit enthält, verdunstet die Feuchtigkeit aus dem Lappen rasch und der Lappen kühlt sich durch die Verdunstungskälte ab. Das Thermometer zeigt dann eine niedrigere Temperatur an als die Lufttemperatur.

Bei 40°C Lufttemperatur und schwül-feuchter Luft mit 100% Luftfeuchtigkeit (also kurz vor der Dunst- oder Nebelbildung) verdunstet kein Schweiß mehr. Schwitzen kühlt nicht mehr ab. Die nass geschwitzte Haut sowie das Innere der Lungen nehmen dann eine Temperatur oberhalb der Lufttemperatur an, denn die Lebensvorgänge im menschlichen Körper wie Herzschlag, Atembewegung, Peristaltik (Darm- und Verdauungstätigkeit), Aufrechterhaltung der Nerventätigkeit, der Denktätigkeit usw. erzeugen Verlustwärme, die den Körper weiter bis auf tödliche Temperaturen aufheizt. Ohne Klimaanlage ist dann ein Überleben nicht mehr möglich.

Klimaanlagen als Lösung

Eine "vollständige" Klimaanlage arbeitet nach einem anderen physikalischen Prinzip, dem Prinzip der Wärmepumpe. Nennen wir es das Kühlschrank-Prinzip. Dieses Prinzip funktioniert unabhängig von der Luftfeuchtigkeit.

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Eine vollständige Klimaanlage besteht aus fünf Komponenten:

  1. Kompressor komprimiert das Kältemittel
  2. Kondensator - dort entspannt sich das Kältemittel und gibt dabei die Wärme ab, die es vorher der Raumluft entzogen hat.
  3. Die "Drossel" - ein dünnes Röhrchen ganz unten lässt nur flüssiges Kältemittel in den Verdampfer fließen.
  4. Verdampfer nimmt die Wärme der Innenluft auf, bzw. mit anderen Worten: gibt Verdunstungskälte ab.
  5. "Entfeuchtungseinrichtung". Das Kondenswasser benötigt dann einen gesonderten Abfluss.

Ungeeignete Ersatzlösungen

Mit dem Ziel, solche Mauerdurchbrüche zu vermeiden, werden alle möglichen Behelfslösungen angeboten, die jedoch die Effektivität der Anlage zunichte machen. So schlägt z.B. eine Lösungsvariante vor, man möge die Warmluft aus einem teilweise geöffneten Fenster hinausblasen. Es wird aber übersehen, dass dann die gleiche Menge an (unerträglich warmer) Außenluft ins Haus zurückströmt. Eine andere unsinnige Lösungsvariante schlägt vor, die wärmeabgebenden Komponenten in einem anderen Zimmer des Hauses zu montieren. Die Folge wird sein, dass sich dieses Zimmer ganz besonders aufheizen wird.

Maßnahmen zur Anpassung an Hitzewellen

Um sich vor den Auswirkungen von Hitzewellen zu schützen, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Klimaanlagen nutzen: Bei extremen Hitzewellen mit hoher Luftfeuchtigkeit ist eine Klimaanlage oft die einzige Möglichkeit, um die Körpertemperatur auf einem sicheren Niveau zu halten.
  • Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten: Trinken Sie ausreichend Wasser, um den Körper hydriert zu halten und das Schwitzen zu ermöglichen.
  • Körperliche Anstrengung vermeiden: Vermeiden Sie anstrengende Aktivitäten während der heißesten Tageszeit.
  • Kühle Orte aufsuchen: Verbringen Sie Zeit in klimatisierten öffentlichen Gebäuden wie Einkaufszentren oder Bibliotheken.
  • Leichte Kleidung tragen: Tragen Sie lockere, helle Kleidung, die die Wärme ableitet.
  • Sich gegenseitig helfen: Achten Sie auf ältere oder kranke Menschen in Ihrer Umgebung, die möglicherweise besonders gefährdet sind.

Notwendige gesellschaftliche Veränderungen

Neben individuellen Maßnahmen sind auch umfassende gesellschaftliche Veränderungen notwendig, um die Klimakrise zu bewältigen und die Auswirkungen von Hitzewellen zu minimieren:

  • Ausstieg aus fossilen Brennstoffen: Die Verbrennung fossiler Brennstoffe muss drastisch reduziert werden, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern.
  • Förderung erneuerbarer Energien: Der Ausbau erneuerbarer Energien wie Solarenergie und Windenergie muss beschleunigt werden.
  • Energieeffizienz verbessern: Gebäude müssen energieeffizienter gestaltet werden, um den Energieverbrauch zu senken.
  • Nachhaltige Stadtplanung: Städte müssen so geplant werden, dass sie widerstandsfähiger gegen Hitzewellen sind, z.B. durch mehr Grünflächen und Schatten spendende Bäume.
  • Bewusstseinsbildung: Die Bevölkerung muss über die Gefahren des Klimawandels und die notwendigen Maßnahmen informiert werden.

Latif fordert die Deutsche Regierung dazu auf, eine „Allianz der Willigen“ zu formen, damit wirklich endlich einmal eine Staatengruppe vorangeht beim Klimaschutz. Denn auf Länder wie die USA kann man nicht mehr warten. Das wäre fatal. Erst wenn wirklich eine Staatengruppe vorangeht und zeigt, wie man seine Wirtschaft klimafreundlich umbaut, folgen auch andere. Denn die Technologie ist da.

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Abhängigkeit von der Stromversorgung vermindern - PV-Anlage inselbetriebsfähig machen

PV- Anlagen sind eine ideale Ergänzung zur Klimaanlage, denn der höchste Stromverbrauch einer Klimaanlage tritt am helllichten Tage auf. Um auch für den Fall eines Stromausfalls vorzusorgen, müsste man die PV-Anlage inselbetriebsfähig machen. Dies ist auch schon deshalb notwendig, um den Wärmeschutz durch Herablassen der elektrisch betriebenen Rollläden aktivieren zu können.

Die Rolle der Angst und der Kommunikation

Latif betont, dass die Angst vor Wohlstandsverlust ein wichtiger Grund dafür ist, dass sich viele Menschen dem Klimawandel verschließen. Er plädiert für eine neue Kommunikation, die wegkommt von den falschen Wohlstandsversprechen einer entfesselten Konsumgesellschaft und hin zu einem aufmerksamen und reichen Leben, in dem wir auch wieder lernen, den Wert einer intakten Natur, von Artenvielfalt und relativ stabilen klimatischen Bedingungen zu schätzen.

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