Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die nicht nur Menschen betrifft, sondern auch bei Katzen auftreten kann. Der Begriff Epilepsie ruft oft traumatische Bilder hervor, wie Schaum vor dem Mund, krampfartige Zuckungen der Beine und Bewusstlosigkeit. Bei der felinen Epilepsie werden zwei Haupttypen von Anfällen unterschieden: Grand Mal (großer Anfall) und Petit Mal (kleiner Anfall), wobei zahlreiche Abstufungen zwischen diesen beiden Formen existieren. Es ist wichtig zu verstehen, dass Krampfanfälle bei Katzen medizinische Notfälle darstellen, die schnellstmöglich tierärztlich betreut werden müssen.
Arten von Anfällen
Es gibt verschiedene Arten von Anfällen, die bei Katzen auftreten können:
- Grand Mal (großer Anfall): Dieser Anfall geht immer mit einem Verlust des Bewusstseins einher. Die Katze fällt um, alle Muskeln krampfen, die Beine sind steif und führen rudernde Bewegungen aus. Speichel rinnt aus dem Mund, die Zunge hängt heraus, und es kann zu Erbrechen sowie unkontrolliertem Kot- und Harnabsatz kommen. Nach dem Anfall erlangt die Katze langsam das Bewusstsein wieder, benötigt aber einige Minuten, um sich vollständig zu orientieren. Während eines Grand Mal kann die Katze ihre Umgebung nicht wahrnehmen.
- Petit Mal (kleiner Anfall): Bei dieser Form ist die Katze bei vollem Bewusstsein. Sie bleibt erstarrt stehen und schaut ins Nichts. Meistens zeigen die Katzen während eines Anfalls nur untypisches Verhalten. Sie springen ohne Grund in die Luft oder laufen orientierungslos durch die Wohnung. Die Pupillen sind stark erweitert, und Ohrspitzen sowie Vibrissen (Schnurrhaare) zittern aufgrund der Erregung stark.
- Fokale Anfälle: Hierbei ist der Anfall innerhalb des Gehirns lokal begrenzt und beginnt in einer umschriebenen Region einer der beiden Hirnhälften.
- Generalisierte Anfälle: Bei dieser Form lässt sich kein Hinweis auf eine anatomisch begrenzte Lokalisation finden, und der Anfall erstreckt sich von Beginn an auf beide Hirnhälften.
Sowohl fokale als auch generalisierte Anfälle können mit oder ohne Störungen der Bewegung und des Bewusstseins auftreten, und ein Anfall mit fokalem Beginn kann sich zu einem generalisierten Anfall ausweiten.
Ursachen von Krampfanfällen
Die Ursachen für Krampfanfälle bei Katzen sind vielfältig. Nur etwa 20 % der Katzen leiden an einer genetischen (vererbten) Epilepsie. Bei den meisten Tieren tritt die Erkrankung erst im höheren Lebensalter durch verschiedene Ursachen auf. Es wird zwischen idiopathischer (angeborener) und sekundärer (erworbener) Epilepsie unterschieden.
Mögliche Ursachen sind:
- Extrazerbrale Ursachen: Stoffwechselerkrankungen wie eine Störung der Funktion von Leber und Niere, die zu einer Ansammlung von Stoffwechselendprodukten im Körper führen. Auch Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenüberfunktion können hier als Auslöser fungieren.
- Hirnschäden: Verletzungen und Gehirntumore können bei einer Computertomographie dargestellt werden. Missbildungen der Gefäße im Gehirn und Tumoren stören die Versorgung der Gehirnzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Entzündungen der Nerven können auch durch Virusinfektionen verursacht werden. FIP (Feline Infektiöse Peritonitis) und Leukose führen zu einer Entzündung der Nervenfasern.
- Nekrose des Ammonshorns: Dieser Teil des Gehirns steuert das Verhalten. Sterben die Neuronen dieses Gebiets ab, treten epileptische Anfälle auf. Die feline Hippocampus-Nekrose soll für vier bis elf Prozent der Anfallsgeschehen bei der Katze verantwortlich sein.
- Vergiftungen: Obwohl Vergiftungen bei Katzen aufgrund ihres wählerischen Appetits seltener vorkommen als bei Hunden, sollte sorgfältig nachgefragt werden, ob die Katze Zugang zu Pflanzen (z.B. Philodendron und Bux) oder Medikamenten hat, die zu Anfällen führen können. Auch Zecken- und Flohmittel sowie Entwurmungsmittel können eine Rolle spielen.
- Felinen, durch Geräusche ausgelösten Reflexanfällen (FARS): Bestimmte, meist schrille Geräusche können epilepsieähnliche Anfälle unterschiedlichen Schweregrads auslösen. Typische Auslöser sind das Zusammenknüllen von Alufolie, das Schlagen eines Metalllöffels an einem Keramikfressnapf, das Zerknüllen von Papier und Plastikfolie, Tastaturgeräusch und Mausklicks, Münz- oder Schlüsselgeklingel, Einschlagen eines Nagels und Zungenschnalzen.
- Idiopathische Epilepsie: In etwa 20 Prozent der Epilepsiefälle bei Katzen kann keine konkrete organische Ursache ermittelt werden.
Symptome eines Anfalls
Die Symptome eines epileptischen Anfalls können vielfältig sein und variieren je nach Art und Schwere des Anfalls.
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Mögliche Symptome sind:
- Verändertes Verhalten in der Vorbereitungsphase (Prodromalstadium): Die Tiere ziehen sich zurück oder suchen die Nähe des Menschen.
- Starres Stehen und Ins-Nichts-Schauen.
- Untypisches Verhalten wie Springen ohne Grund in die Luft oder orientierungsloses Laufen durch die Wohnung.
- Stark erweiterte Pupillen.
- Zittern von Ohrspitzen und Vibrissen (Schnurrhaaren).
- Unkontrollierte Bewegungen, Zuckungen oder Krämpfe.
- Speichelfluss oder Schaumbildung vor dem Mund.
- Bewusstlosigkeit.
- Unkontrollierter Kot- und Harnabsatz.
- Aggressivität oder Desorientierung in der Erholungsphase.
Erste Hilfe und tierärztliche Behandlung
Die Möglichkeiten, während eines Anfalls Erste Hilfe zu leisten, sind begrenzt. Es ist wichtig, die Umgebung des Tieres zu sichern und abzuwarten, bis der Anfall vorbei ist. Um den Krampfanfall nicht zu verstärken, müssen laute Geräusche, Lichtblitze und grelles Licht vermieden werden. Sobald sich ein epileptischer Anfall durch Veränderungen des Verhaltens ankündigt, sollte die Katze in einen ruhigen Raum gebracht und auf den Boden gesetzt werden. Da Katzen während eines Anfalls unkontrolliert zubeißen können, sollte man sie nicht anfassen.
Nach einem Anfall sind viele Katzen orientierungslos oder wirken „fremd“. In dieser Phase sollte man besonders ruhig bleiben und die Katze nicht bedrängen - selbst, wenn sie plötzlich faucht oder einen nicht erkennt.
Da es sich bei den Attacken dennoch um medizinische Notfälle handelt, muss die Katze umgehend zum (Notfall-)Tierarzt gebracht werden. Dieser verabreicht als Akutmaßnahme in der Regel ein muskelentspannendes Mittel, gegebenenfalls eine Zuckerlösung und kontrolliert die Blutparameter.
Beim Praxisbesuch erfragt der Tierarzt die genauen Umstände sowie die Symptome und das Verhalten der Katze vor, bei und nach dem Anfall. Um die Ursache des Anfalls zu ermitteln, können verschiedene diagnostische Maßnahmen erforderlich sein, wie z.B. eine Blutuntersuchung, eine Urinanalyse, Röntgenaufnahmen, eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT). Mit einem EEG (Elektroencephalogramm) kann das Zentrum der Epilepsie im Gehirn exakt lokalisiert werden.
Langzeitbehandlung
Besteht der Verdacht, dass der epileptische Anfall eine extrazerebrale Ursache hat, kann möglicherweise deren Behandlung Linderung verschaffen. Rät der Tierarzt zur medikamentösen Langzeitbehandlung, stehen Präparate mit Wirkstoffen wie Phenobarbital und Diazepam zur Verfügung, deren Dosierung wiederum individuell eingestellt werden muss. Treten die Anfälle in kürzeren zeitlichen Abständen auf, können diese durch Antiepileptika, wie Phenobarbital oder Diazepam unterdrückt werden. Die Medikamente müssen lebenslang verabreicht werden, da eine Heilung nicht möglich ist.
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Bei seltenen, leichten Anfällen kann eine homöopathische Therapie versucht werden. Carduus Marianus D6 und Lycopodium D6 unterstützen die Stoffwechselfunktion des Gehirns und der Leber. Sensible Tiere können auch mit Causticum D 30 behandelt werden.
Erfolgt keine Behandlung, gewöhnen sich die Nervenzellen des Gehirns an die höhere Aktivität während des epileptischen Anfalls. Bei jedem weiteren Anfall erfolgt eine stärkere Reaktion bis ein Status Epilepticus eintritt, bei dem die Katze ihr Bewusstsein nicht wiedererlangt.
Wichtige Hinweise für Katzenbesitzer
- Filmen Sie den Anfall und zeigen Sie das Video bei dem nächsten Besuch Ihrem Tierarzt.
- Führen Sie ein Anfallstagebuch, in das Datum, Zeit, Anfallsdauer und weitere Beobachtungen eingetragen werden.
- Vermeiden Sie Stressfaktoren und sorgen Sie für eine ruhige Umgebung.
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie mögliche Auslöser von Anfällen.
- Verzichten Sie auf parfümierte Raumsprays sowie von Kerzen.
- Suchen Sie bei Verdacht auf Epilepsie umgehend einen Tierarzt auf.
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