Katzenepilepsie: Behandlung, Ursachen und Symptome

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die bei Katzen auftritt und durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle sind auf plötzliche, unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn zurückzuführen. Obwohl Epilepsie bei Katzen nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren und die Lebensqualität der Katze zu verbessern.

Was ist Epilepsie?

Das Wort Epilepsie stammt aus dem Griechischen und bedeutet „ergriffen“ oder „überwältigt werden“. Es beschreibt einen Zustand, in dem das Gehirn aufgrund abnormaler elektrischer Aktivität nicht mehr richtig funktioniert. Das Gehirn besteht aus einem Netzwerk von Nervenzellen, die permanent aktiv sind. Elektrische Ströme werden entsprechend der jeweiligen Funktionsabläufe zwischen funktionellen Hirnabschnitten hin- und hergeleitet. Nach der Ausführung einer Aktion wird der elektrische Befehl unterbrochen oder zumindest eingedämmt. Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu plötzlichen elektrischen Entladungen vieler Nervenzellen ohne ausreichende Kontrolle.

Ein Anfall allein ist noch keine Epilepsie, die einer Behandlung bedarf. Die Diagnose Epilepsie wird in der Regel erst nach dem Auftreten eines zweiten Anfalls innerhalb von 24 Stunden gestellt.

Symptome von Epilepsie bei Katzen

Epileptische Anfälle bei Katzen können sich unterschiedlich äußern. Einige Katzen zeigen nur leichte Symptome, während andere schwere Krämpfe erleiden. Die häufigsten Symptome sind:

  • Aura: Einige Katzen zeigen vor einem Anfall Verhaltensänderungen wie Unruhe, Angst, Miauen, Verstecken oder Anhänglichkeit.
  • Starrer Blick: Die Katze starrt zu Beginn eines Anfalls einen Punkt an.
  • Zuckungen und Zittern: Plötzliches Zittern oder Zucken der Muskeln, insbesondere im Gesicht oder in den Gliedmaßen.
  • Bewusstseinsverlust: In schweren Fällen kann die Katze das Bewusstsein verlieren und umfallen.
  • Tonisch-klonische Bewegungen: Rhythmische Zuckungen und Steifheit des Körpers. Die Katze kann mit den Beinen strampeln.
  • Unkontrolliertes Speicheln und Kauen: Übermäßiges Speicheln und Kauen, oft begleitet von schäumendem Speichel.
  • Verlust der Blasen- oder Darmschließmuskelkontrolle: Die Katze kann während des Anfalls Urin oder Kot absetzen.
  • Vorübergehende Erblindung: Nach einem Anfall können Katzen zeitweilig desorientiert oder blind erscheinen.
  • Taubheit und Orientierungslosigkeit: Nach einem Anfall kann es einige Minuten bis Stunden dauern, bis die Katze wieder vollständig orientiert ist.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Katzen alle diese Symptome zeigen und dass die Symptome von Anfall zu Anfall variieren können.

Lesen Sie auch: Ursachen von Demenz bei Katzen

Ursachen von Epilepsie bei Katzen

Epilepsie bei Katzen kann verschiedene Ursachen haben. Man unterscheidet zwischen:

  • Idiopathische Epilepsie: Bei dieser Form der Epilepsie ist keine erkennbare Ursache vorhanden. Es wird vermutet, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen können.
  • Symptomatische Epilepsie: Diese Form der Epilepsie wird durch eine identifizierbare Ursache ausgelöst. Man unterteilt sie weiter in intrakranielle und extrakranielle Ursachen.

Intrakranielle Ursachen

Intrakranielle Ursachen sind Ursachen, die im Gehirn selbst liegen. Dazu gehören:

  • Gehirnmissbildungen: Bei Jungtieren können angeborene Missbildungen des Gehirns epileptische Anfälle verursachen.
  • Infektionen: Virusinfektionen sowie bakterielle oder parasitäre Erreger können das Gehirn befallen und Entzündungen verursachen.
  • Gehirnentzündungen: Immunvermittelte Enzephalitiden können ohne Infektion durch Überreaktionen des Immunsystems entstehen.
  • Tumore: Hirntumore können bei älteren Tieren Anfälle hervorrufen.
  • Blutungen und Hirninfarkte: Diese können ebenfalls bei älteren Tieren Anfälle verursachen.
  • Stoffwechselstörungen: Seltene, angeborene Stoffwechselstörungen der Gehirnzellen können zur Degeneration von Neuronen führen.

Extrakranielle Ursachen

Extrakranielle Ursachen sind Ursachen, die außerhalb des Gehirns liegen, aber Auswirkungen auf das Gehirn haben können. Dazu gehören:

  • Lebererkrankungen: Lebererkrankungen und Gefäßmissbildungen der Leber (portosystemischer Shunt) können zu einer Überflutung des Gehirns mit Ammoniak führen.
  • Nierenerkrankungen: Abweichungen des Blutspiegels von Körpersalzen wie Kalzium und Kalium, die sich bei Nierenerkrankungen einstellen, können ebenfalls zu Krampfanfällen führen.
  • Vergiftungen: Eine Fülle von Giften in der unmittelbaren Umwelt unserer Haustiere kann das Gleichgewicht der Nervenfunktion stören und Anfälle auslösen. Dazu gehören Zahnpasta, Kaugummis, Frostschutzmittel, Pflanzenschutzmittel und Insektenvertilgungsmittel.
  • Herzerkrankungen: Bei Herzerkrankungen kann es dazu kommen, dass das Gehirn zeitweise nicht genug Sauerstoff bekommt, was zu Bewusstseinsverlust führen kann.

Diagnose von Epilepsie bei Katzen

Die Diagnose von Epilepsie bei Katzen ist oft eine Herausforderung, da es keinen spezifischen Test gibt, um die Krankheit zu bestätigen. Stattdessen müssen andere mögliche Ursachen für die Anfälle ausgeschlossen werden.

Der Tierarzt wird zunächst eine gründliche Anamnese erheben, um Informationen über die Anfälle, die Krankengeschichte der Katze und mögliche Auslöser zu sammeln. Anschließend wird eine allgemeine klinische Untersuchung durchgeführt.

Lesen Sie auch: Struktur und Funktion des Katzengehirns

Weitere diagnostische Maßnahmen können sein:

  • Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf Organschäden und andere Stoffwechselstörungen liefern. Insbesondere die Leberfunktion (Ammoniaktest) sollte überprüft werden.
  • Liquoruntersuchung: Eine Untersuchung des Nervenwassers kann Entzündungen im Bereich von Hirn und Rückenmark nachweisen.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können innere Verletzungen, Tumore oder andere strukturelle Anomalien aufdecken.

Behandlung von Epilepsie bei Katzen

Epilepsie bei Katzen ist in der Regel nicht heilbar. Ziel der Behandlung ist es, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren und die Lebensqualität der Katze zu verbessern.

Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen:

  • Medikamentöse Therapie: Antiepileptika wie Phenobarbital, Kaliumbromid und Levetiracetam können die elektrische Aktivität im Gehirn dämpfen und Anfälle verhindern. Die Medikamente müssen in der Regel lebenslang eingenommen werden und dürfen nicht eigenständig abgesetzt werden.
  • Diättherapie: In einigen Fällen kann eine spezielle Diät mit hohem Fettanteil und wenig Kohlenhydraten helfen, die Anzahl der Anfälle zu reduzieren.
  • Chirurgische Eingriffe: In seltenen Fällen kann ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen werden, wenn die Anfälle durch einen Gehirntumor oder eine andere strukturelle Anomalie verursacht werden.

Was tun während eines epileptischen Anfalls?

Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren, wenn Ihre Katze einen epileptischen Anfall hat. Versuchen Sie nicht, die Katze anzufassen oder zu beruhigen, sondern sorgen Sie für ein verletzungsfreies Umfeld.

  • Abstand halten: Die Katze kann ihre Bewegungen während des Anfalls nicht kontrollieren und könnte beißen oder kratzen.
  • Äußere Reize reduzieren: Lärm und grelle Beleuchtung können zusätzlichen Stress auslösen.
  • Dokumentieren: Notieren Sie die Dauer des Anfalls und die beobachteten Symptome, um dem Tierarzt genaue Informationen geben zu können.

Dauert der Anfall länger als fünf Minuten oder setzt die Atmung aus, handelt es sich um einen Notfall, und die Katze muss sofort tierärztlich behandelt werden.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten für taube Katzen

Leben mit einer Katze mit Epilepsie

Eine Katze mit Epilepsie benötigt eine engmaschige Betreuung und regelmäßige Kontrollen beim Tierarzt. Es ist wichtig, die Medikamente korrekt zu verabreichen und auf mögliche Nebenwirkungen zu achten.

Weitere Maßnahmen, die helfen können, Anfälle zu vermeiden, sind:

  • Stress reduzieren: Sorgen Sie für eine ruhige und stressfreie Umgebung für Ihre Katze.
  • Routine beibehalten: Vermeiden Sie plötzliche Veränderungen in der Umgebung oder im Tagesablauf der Katze.
  • Gesunde Ernährung: Füttern Sie Ihre Katze mit einer ausgewogenen und hochwertigen Ernährung.

tags: #katzen #epilepsie #behandlung