Kaugummi ist ein beliebtes Produkt, das oft mit verschiedenen Vorteilen in Verbindung gebracht wird. Einige glauben, dass es beim Abnehmen hilft und die Konzentration steigert, während andere es zur Zahnpflege verwenden. Dieser Artikel untersucht die Auswirkungen von Kaugummi auf die Sauerstoffversorgung des Gehirns, die Zahngesundheit und andere Aspekte.
Kaugummi und Gehirnleistung: Mythos oder Wahrheit?
Es gibt die Vorstellung, dass Kaugummikauen die Sauerstoffversorgung des Gehirns anregt und dadurch die Leistungen des Kurz- und Langzeitgedächtnisses verbessert. Einige Studien wollen sogar eine Verbesserung von bis zu 35 Prozent festgestellt haben. Die Erklärung dafür ist, dass die Kaumuskeln bewegt werden, wodurch das Gehirn besser mit Blut und Sauerstoff versorgt wird, was zu einer besseren Hirnleistung führt.
Allerdings gibt es auch kritische Stimmen zu diesem Thema. Detlef H. Rost, ein Psychologieprofessor, hat sich intensiv mit dem Einfluss verschiedener Faktoren auf die menschliche Denkleistung auseinandergesetzt und Kaugummikauen als entscheidenden Faktor ins Reich der Märchen verbannt. Er argumentiert, dass vernünftige und wissenschaftlich fundierte Studien zu diesem Thema fehlen. Oftmals hapert es an der Stichprobengröße und den Versuchsplänen.
Eine Studie von Andrew Scholey von der australischen Swinburne University will herausgefunden haben, dass kauende Menschen in stressigen Belastungssituationen weniger Angst spüren, aufmerksamer sind und weniger Stresshormone im Speichel haben. Eine andere Studie von Scholey zeigte, dass sich Kaugummikauende besser an Wörter, Bilder und Telefonnummern erinnern als Nichtkauende. Probanden, die nur Luft kauten, waren fast so gut wie die Kaugummikauenden, woraus Scholey und seine Kollegen schlossen, dass das Kauen der Schlüsselmechanismus ist.
Um Zweifel auszuräumen, organisierte Rost mit Mitarbeiterinnen eine größere Studie zum Kaugummikauen. In zwei Experimenten ließen sie jeweils mehr als 500 Fünft- und Sechstklässler kauen oder nicht kauen und dabei Intelligenztests absolvieren oder Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Gedächtnisaufgaben lösen. Die Ergebnisse zeigten keinerlei statistisch signifikanter Beleg dafür, dass Kaugummikauen etwas bringt.
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Eine japanische Studie deutet darauf hin, dass Kaugummikauen die Blutzufuhr zum Gehirn um bis zu 25 Prozent erhöht. Die anregende Wirkung des Kaugummis kommt dabei weniger von den Inhaltsstoffen, sondern vielmehr durch die Arbeit der Kaumuskulatur, die die Blutversorgung des Kopfes und damit die Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns verbessert.
Forschende beobachteten, dass Probanden, die während konzentrierter Aufgaben Kaugummi kauten, wacher blieben und sich besser erinnern konnten. Die Erklärung liegt in der Aktivierung bestimmter Hirnareale, vor allem jener, die mit Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Reaktionsgeschwindigkeit zu tun haben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die wissenschaftliche Evidenz für die Auswirkungen von Kaugummikauen auf die Gehirnleistung gemischt ist. Einige Studien deuten auf positive Effekte hin, während andere keine signifikanten Unterschiede feststellen konnten. Weitere Forschung ist erforderlich, um die genauen Mechanismen und Auswirkungen von Kaugummikauen auf die Gehirnfunktion zu verstehen.
Kaugummi für die Zahngesundheit
Neben den potenziellen Auswirkungen auf die Gehirnleistung hat Kaugummi auch positive Auswirkungen auf die Zahngesundheit. Zahnärzte betonen, dass Kaugummikauen den Zähnen gut tut. Mehr Speichel im Mund bedeutet eine bessere Reinigung der Zähne, da der Karies verursachende Zucker aus Nahrungsresten schnell eliminiert und vom Zahn weggeschwemmt wird. Zudem hat Speichel eine hohe immunologische Funktion, da mehr Spucke im Mund mehr Platz für Enzyme bedeutet.
Elmar Hellwig erklärt, dass dieser Effekt auch mit einem zuckerfreien Bonbon nach dem Essen erreicht werden kann, aber die Speichelproduktion beim Kaugummikauen noch einmal deutlich höher ist. Es ist jedoch wichtig, dass der Kaugummi zuckerfrei ist und idealerweise Xylitol enthält. Xylitol ist ein Zuckeralkohol, der als Zuckeraustauschstoff verwendet wird und vor allem wegen seiner möglichen antikariogenen Wirkung bekannt ist. Die American Dental Association ADA hat eine Übersichtsarbeit zu Xylit vorgelegt und daraus schlussfolgernd im vergangenen Jahr eine Empfehlung ausgesprochen: Xylithaltige Kaugummis können eine prophylaktische Maßnahme gegen Karies sein. Xylit scheint auch eine bestimmte Schutzfunktion für Patienten mit Erosionen zu haben, bei denen Zahnhartsubstanz durch die Einwirkung verschiedener Säuren beschädigt werden oder ganz verloren gehen kann.
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Zahnpflegekaugummis können oberflächliche und grobe Beläge entfernen und das Festsetzen neuer Plaque verhindern, wenn man sie zum Beispiel direkt nach dem Essen zu sich nimmt. Kaugummikauen regt allgemein den Speichelfluss an, was gut für die Mundflora ist. Speichel neutralisiert aggressive Säuren, bekämpft Bakterien und remineralisiert die Zähne, wodurch er vor Karies schützt.
Es ist ratsam, Kaugummis zu wählen, die zuckerfrei sind und Xylitol enthalten. Günstige Produkte enthalten oft Aspartam, Sorbit oder Stevia, die keine Wirkung erzielen oder sogar schädlich für den Körper sein können. Wer Xylit-Kaugummis nutzen möchte, sollte darauf achten, dass 1 Gramm pro Streifen oder Dragee enthalten ist. Kaugummis, die zusätzlich Kalzium und Fluorid enthalten, können dazu beitragen, kleine Defekte auf der Zahnoberfläche zu remineralisieren. Zahnpflegekaugummis mit Poliergranulaten können nach den Mahlzeiten verwendet werden, wenn keine Zahnbürste zur Hand ist.
Kaugummi und Gewichtsmanagement
Einige Studien deuten darauf hin, dass Kaugummikauen beim Abnehmen helfen kann. Kaugummikauen hilft, Heißhunger zu reduzieren und führt dazu, dass zu den Hauptmahlzeiten weniger Kalorien aufgenommen werden. Zuckerfreier Kaugummi kann somit ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen unerwünschte Pfunde sein. Pfefferminz-Kaugummis können den Appetit auf süße oder würzige Speisen mindern.
Eine Studie der renommierten Mayo-Klinik in den Vereinigten Staaten stellte fest, dass durch das Kaugummi-Kauen die Stoffwechselrate um ca. 20 Prozent erhöht wird. Ungefähr elf Kilokalorien können Kaugummi-Freunde pro Stunde „wegkauen“.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Kaugummikauen allein keine Wunder bewirken kann. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung sind weiterhin entscheidend für ein erfolgreiches Gewichtsmanagement.
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Weitere Aspekte von Kaugummi
- Stressbewältigung: Das Kauen eines Kaugummis kann bestimmte Bereiche im Gehirn anregen, die sich positiv auf den Abbau von Stress auswirken.
- Druckausgleich im Flugzeug: Viele Menschen nutzen Kaugummis gerne bei Start und Landung in Flugzeugen, um den Druck, der beim Fliegen in den Ohren entsteht, auszugleichen und Ohrenschmerzen vorzubeugen.
- Alternativen zum Zähneputzen: Zahnpflegekaugummis können nach dem Essen verwendet werden, wenn keine Möglichkeit zum Zähneputzen besteht.
- Kaugummi als Helfer bei der Rauchentwöhnung: Nikotinkaugummis erleichtern Rauchern das Abgewöhnen der Sucht. Durch das Kauen wird Nikotin gelöst, welches über die Schleimhäute im Mund ins Blut gelangt.
- Kaugummi gegen Reiseübelkeit: Wer auf Reisen unter Reiseübelkeit leidet, der hat die Option, ein Kaugummi gegen Reiseübelkeit einzunehmen. Dabei wird der Wirkstoff Dimenhydrinat freigesetzt.
Risiken und Nebenwirkungen
Obwohl Kaugummikauen viele Vorteile haben kann, gibt es auch einige Risiken und Nebenwirkungen zu beachten:
- Überstrapazierung der Kiefermuskulatur: Wer oft Kaugummis kaut, setzt sich der Gefahr aus, die Muskeln im Kiefer sowie die Kiefergelenke überzustrapazieren. Dies kann sich als Knacken im Kiefer bei der Kaubewegung äußern.
- Nebenwirkungen von Inhaltsstoffen: Kaugummis enthalten oft verschiedene Zusatzstoffe, um einen angenehmen Geschmack zu erzeugen. Nicht alle Zusatzstoffe sind in hohen Dosen für jeden bekömmlich. Die möglichen Folgen sind Bauchschmerzen und das Entstehen von Intoleranzen. Der Zuckerersatzstoff Sorbit kann bei übermäßigem Kauen eine Fruktoseintoleranz verursachen.
- Gefahr durch Süßstoffe: Umstrittene Inhaltsstoffe wie der Süßstoff Aspartam können in den Blutkreislauf gelangen. In kleinen Mengen soll Aspartam zwar unbedenklich sein, sollte aber mit Bedacht verzehrt werden. Besonders für Menschen mit der Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie ist Aspartam giftig.
- Verschlucken von Kaugummi: Der Körper kann Kaugummis nicht verdauen oder abbauen. Wer also einen Kaugummi verschluckt, scheidet ihn unverdaut wieder aus.
- Fall Samantha Jenkins: Der Fall der Britin Samantha Jenkins, die vermutlich an den Folgen exzessiven Kaugummikonsums starb, zeigt, dass der übermäßige Verzehr von Süßstoffen wie Sorbit und Aspartam in seltenen Fällen schwerwiegende gesundheitliche Probleme verursachen kann.
Kaugummi entfernen
Kaugummi kann hartnäckig an Kleidung, Haaren oder Textilien haften. Hier sind einige Tipps zur Entfernung:
- Gefrierfach: Legen Sie die betroffenen Kleidungsstücke oder Textilien in einer Plastiktüte für einige Stunden in das Gefrierfach. Anschließend können Sie den Kaugummi abkratzen.
- Öl, Creme oder Butter: Hängt Kaugummi in den Haaren fest, so sollten Sie die betroffene Stelle großzügig mit Öl, Creme oder Butter einreiben und den Kaugummi dann vorsichtig Stück für Stück herausziehen.
- Kühl-Akkus oder Sportspray: Bei Kaugummi auf Teppich und Polstermöbeln ist es wichtig, ihn aushärten zu lassen. Dabei können Kühl-Akkus oder kühlendes Sportspray unterstützend wirken. Anschließend können Sie den Kaugummi abkratzen und Reste gegebenenfalls mit Benzin oder Spiritus behandeln.
Kaugummi selber machen
Kaugummi kann auch selber hergestellt werden. Im Gegensatz zu vielen gekauften Kaugummis kommt die selbst gemachte Kaugummimasse ohne künstliche Geschmacksverstärker, Erdöle oder weitere verdeckte Inhaltsstoffe aus.
Für das gängigste Rezept benötigen Sie:
- 1 Teil Chicle (in der Apotheke erhältlich)
- 2 bis 3 Teile Zucker oder die gesündere Variante Xylit (natürlicher Süßstoff)
- Ätherische Öle (circa 1,5 bis 3,5 Gramm bei 400 Gramm Chicle)
- gegebenenfalls Glycerin (bis zu 8 Gramm)
Erhitzen Sie das Chicle auf 60 Grad Celsius und geben Zucker oder Xylit hinzu. Glycerin macht die Masse weicher und geschmeidiger, geben Sie davon nach Belieben etwas hinzu. Wenn die Masse auf 30 Grad Celsius abgekühlt ist, reichern Sie diese je nach Geschmackswahl mit ätherischen Ölen und Kräutern an.
Geschichte des Kaugummis
Das älteste Kaugummi soll über 9.000 Jahre alt sein und aus Birkenpech bestehen. Andere archäologische Befunde zeigen, dass bereits Steinzeitmenschen auf Birkenharz herumgekaut haben. Erstmals wurde Kaugummi als Massenprodukt aus Fichtenharz 1848 in Amerika produziert. Erst 1982 wurde eine elastische Kaugummimasse erfunden, die auch Kaugummiblasen ermöglichte, so wie wir Kaugummi heute kennen.
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