Kopf-Hals-Tumore umfassen verschiedene Tumorerkrankungen im Kopf- und Halsbereich, die sich nach Entstehungsort, Art und Ausbreitung unterscheiden. Im engeren Sinne zählen dazu Tumore des Rachens, des Kehlkopfes, der Lippe und der Mundhöhle. Diese umfassende Information soll Patienten und Angehörigen helfen, mit der Diagnose Kehlkopfkrebs und den damit verbundenen Symptomen, wie beispielsweise Taubheitsgefühl im Gesicht, umzugehen.
Wie häufig sind Kopf-Hals-Tumore?
Bösartige Tumore im Kopf-Hals-Bereich gehören weltweit zu den zehn häufigsten Krebserkrankungen. In Deutschland gibt es jährlich etwa 20.000 bis 25.000 Neuerkrankungen. Plattenepithelkarzinome der Kopf-Hals-Region sind bei Männern die vierthäufigste Tumorart, wobei die Neuerkrankungen bei Mundhöhlen- und Rachenkarzinomen seit 2011 bei Männern abgenommen und bei Frauen leicht zugenommen haben. Am häufigsten sind Tumore der Mundhöhle und des Rachens verbreitet. Im Jahr 2020 erkrankten in Deutschland etwa 9.000 Männer und 4.000 Frauen daran. Männer sind im Durchschnitt zwei bis drei Jahre früher betroffen als Frauen. Das Durchschnittsalter bei der Diagnose liegt bei 63 Jahren für Männer und 66 Jahren für Frauen. Im selben Jahr erkrankten etwa 2.700 Männer und 500 Frauen an Kehlkopfkrebs.
Ursachen und Risikofaktoren für Kopf-Hals-Tumore
Zu den Hauptrisikofaktoren für Kopf-Hals-Tumore zählen Tabak- und Alkoholkonsum. Besonders bei Kehlkopfkrebs spielt Tabak eine wichtige Rolle, da vier von fünf Betroffenen mit einem bösartigen Tumor der Mundhöhle rauchen. Eine Kombination aus Rauchen und regelmäßigem Alkoholkonsum in größeren Mengen ist besonders gefährlich. Raucherinnen und Raucher erkranken je nach Zigarettenmenge bis zu sechsmal häufiger an Krebs der Mundhöhle und des Rachens als nichtrauchende Menschen.
Auch der Umgang mit bestimmten Schadstoffen wie Asbest, chrom- und nickelhaltige Farben und Lacken birgt ein Risiko für Kopf-Hals-Tumore, insbesondere im Nasenbereich. Weitere Risikofaktoren sind UV- und radioaktive Strahlung, schlechte Mundhygiene, ein geschwächtes Immunsystem (z. B. nach einer Organ- oder Knochenmarktransplantation) und chronische Verletzungen der Schleimhaut.
In den letzten Jahren hat sich ein neuer Risikofaktor herauskristallisiert: Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV) im Kopf-Hals-Bereich. Diese Viren sind vor allem im Zusammenhang mit Gebärmutterhalskrebs bekannt, spielen aber auch bei der Entstehung von manchen Kopf-Hals-Tumoren, besonders bei Mundrachenkrebs (Oropharynxkarzinome), eine Rolle. Derzeit ist ein Anstieg von Rachenkrebserkrankungen bei jüngeren Patientinnen und Patienten zu beobachten, welcher mit der weltweit zunehmenden Infektionsrate mit HPV 16 in Zusammenhang gebracht wird. Gegen HPV gibt es für Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren eine Schutzimpfung, die auch den Hochrisiko-Typ 16 abdeckt.
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Symptome und Früherkennung von Kopf-Hals-Tumoren
Oft bemerken Betroffene anfangs nur wenig von dem Tumor. Die ersten Symptome können unspezifisch sein und sich als Heiserkeit oder Schluckbeschwerden äußern. Gefährdete Patientinnen und Patienten gehen selten zu einer Ärztin oder einem Arzt, weshalb die Diagnose oft erst spät gestellt wird. Nur Kehlkopf-Tumore, insbesondere wenn sie die Stimmbänder betreffen, fallen häufig früher wegen der einsetzenden Heiserkeit auf. Wird ein Tumor in der Kopf-Hals-Region frühzeitig erkannt und behandelt, sind die Aussichten auf Heilung gut.
Die wichtigsten Warnzeichen:
Tumore im Kopf- und Halsbereich können sich durch verschiedene Warnzeichen ankündigen, die abhängig vom Ort des Tumors sind. Folgende Symptome können auftreten:
- Schluckbeschwerden
- (Schmerzhafte) Schwellung
- Fremdkörpergefühl im Hals
- Veränderungen der Schleimhaut
- Heiserkeit
- Anhaltendes Kratzen im Hals mit Zwang zum Räuspern
- Mundgeruch
- Chronischer Husten
- Blutiger Auswurf
- Nicht heilende Wunden
- Atemnot
- Einseitige Nasenatmung in Verbindung mit Nasenbluten
- Zahnlockerungen
- Gesichtsschmerzen, Sehveränderungen und Taubheitsgefühl
Sollte eines dieser Symptome länger als drei Wochen anhalten, ist es ratsam, eine Facharztpraxis für HNO-Heilkunde aufzusuchen. Tumore im Bereich der Mundhöhle erkennen Fachärztinnen und Fachärzte häufig durch Veränderungen an der Schleimhaut. Eine Krebsvorstufe ist die Leukoplakie, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „weiße, nicht abwischbare, keiner definierten Krankheit zuzuordnende Schleimhautveränderung“ beschreibt. Sie entsteht durch eine krankhafte Verdickung der äußersten Schleimhautschicht. Bei Leukoplakie besteht das Risiko, dass sich ein Mundhöhlenkarzinom entwickeln kann.
Diagnose von Kopf-Hals-Tumoren
Besteht ein Verdacht auf Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, wird die Ärztin oder der Arzt nach Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholgenuss oder familiärer Vorbelastung fragen (Anamnese). Danach wird Blut abgenommen und eine körperliche Untersuchung durchgeführt, bei der die einsehbaren Bereiche der Mundhöhle und des Rachens genauer betrachtet und abgetastet werden. Mithilfe von Spiegeln können auch Teile der Nasenhöhle, des Ohres, tiefere Rachenbereiche sowie der Kehlkopf untersucht werden.
Endoskopie: Durch eine Spiegelung (Endoskopie) kann Gewissheit darüber erlangt werden, ob tatsächlich ein Tumor vorliegt und wie weit er sich schon ausgedehnt hat. Dabei werden die oberen Luft- und Speisewege unter Narkose untersucht und gleichzeitig Gewebeproben (Biopsie) aus verdächtigen Bereichen entnommen. Diese werden anschließend mikroskopisch untersucht.
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Ultraschalluntersuchung: Wenn der Tumor sich bereits über seinen Entstehungsort hinaus ausgebreitet hat, lassen sich mithilfe einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Halses vergrößerte Lymphknoten erkennen. Aus diesen verdächtigen Lymphknoten kann mit einer dünnen Nadel (Feinnadelpunktion) Gewebe entnommen und mikroskopisch untersucht werden.
Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT): Mit den bildgebenden Verfahren Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) kann die Ausbreitung des Tumors genau bestimmt werden. Sollten sich bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) in anderen Organen gebildet haben, so können auch diese entdeckt werden. Im Gegensatz zur MRT können mit der CT die umliegenden Knochen beurteilt werden. Die MRT hat wiederum den Vorteil, dass die Betroffenen keine Röntgenstrahlung abbekommen. Selten kann auch eine Positronen-Emissions-Tomographie zum Einsatz kommen.
Klassifikation der Tumore: Zusätzlich muss die Ärztin oder der Arzt wissen, wie bösartig der Tumor ist, wie weit und schnell er sich ausgebreitet hat und ob er bereits andere Bereiche oder Organe des Körpers erreicht hat. Dafür gibt es die international einheitliche TNM-Klassifikation. Zusätzlich gibt das Grading Aufschluss über die Art des Tumorgewebes. Wichtig hierbei ist der Differenzierungsgrad - also wie sehr sich die Tumorzellen von den gesunden Körperzellen unterscheiden.
- G1 - gut differenziert (ähneln den gesunden Zellen, weniger bösartig)
- G2 - mäßig differenziert
- G3 - schlecht differenziert
- G4 - nicht differenziert (ähneln den gesunden Zellen nicht mehr, sehr bösartig)
Mithilfe dieser Informationen kann die Ärztin oder der Arzt beschreiben, wie weit der Krebs fortgeschritten ist.
Therapie und Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren
Die systemische Behandlung eines Kopf-Hals-Tumors ist in der Regel gleich, egal, ob er in der Mundhöhle, in der Nase, im Rachen oder im Kehlkopf auftritt. Bei der Behandlung werden meist folgende Verfahren eingesetzt, häufig auch in Kombination:
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- Operation
- Bestrahlung
- Chemotherapie
Zunehmend werden auch neue Behandlungsverfahren wie die Immuntherapie angewendet. Wachstumshemmende Antikörper können das Therapiekonzept unterstützen. Fachärztinnen und Fachärzte für die verschiedenen Behandlungsformen werden gemeinsam ein Konzept entwickeln, das die Ergebnisse der Diagnose, die Größe, den Ort und die Ausbreitung des Tumors (TNM) sowie das Alter und den Gesundheitszustand des Patienten berücksichtigt. Die Entscheidung für die optimale Therapie wird in der interdisziplinären Tumorkonferenz getroffen, an der alle an der Tumorbehandlung beteiligten Fachdisziplinen teilnehmen.
Operation: Ziel einer Operation ist es, den Tumor vollständig zu entfernen, um eine Heilung zu erreichen. Lymphknoten im Halsbereich werden, wenn sie mitbetroffen sind, ebenfalls entfernt. Je nach Lage des Tumors müssen Teile des Kiefers, der Zunge, des Mundbodens, der Wange oder des Rachens entfernt werden. Deshalb ist es wichtig, sich an der Therapieentscheidung und der Abwägung von Vor- und Nachteilen zu beteiligen. Vor allem bei Kehlkopfkrebs wird versucht, den Kehlkopf möglichst zu erhalten, weil die Beeinträchtigungen nach der Operation erheblich sein können.
Strahlentherapie: Eine Strahlentherapie kann nach einer Operation (adjuvant) durchgeführt werden, wenn nicht der gesamte Tumor entfernt werden konnte oder wenn sich der Tumor bereits in Lymphknoten oder andere Organe ausgebreitet hat. Manchmal findet eine Bestrahlung auch vor der Operation (neoadjuvant) statt, um die Heilungsaussichten der Operation zu verbessern. In der Regel wird sie dabei mit einer Chemotherapie kombiniert (Radiochemotherapie). Kann ein Tumor aus medizinischen Gründen nicht operiert werden, ist die Strahlentherapie eine Option. Dabei wird sie mit einer Chemotherapie oder einer Antikörpertherapie kombiniert - entweder gleichzeitig oder nacheinander.
Chemotherapie: Zytostatika - auch Chemotherapeutika genannt - zerstören das Erbmaterial in den Tumorzellen oder greifen in den Zellteilungszyklus ein. Dadurch verlieren die Zellen ihre Fähigkeit sich zu vermehren und das Tumorwachstum wird gebremst oder im besten Fall sogar ganz gestoppt. Da die Medikamente über den Blutkreislauf transportiert werden, wirken sie in der Regel im gesamten Körper. Dadurch können auch Krebszellen erreicht werden, die sich bei Untersuchungen nicht zeigen und daher durch eine Operation oder Bestrahlung nicht gezielt behandelt werden können. Bei Kopf-Hals-Tumoren wird die Chemotherapie meist mit einer Strahlentherapie kombiniert. Allein kommt sie nur bei bereits metastasierten Tumoren oder bei Rückfällen (Rezidiv) zum Einsatz.
Zielgerichtete Krebstherapie: Zielgerichtete Arzneimittel greifen in Abläufe ein, die für das Krebswachstum wichtig sind. Sie sind auf bestimmte Eigenschaften der jeweiligen Tumorzellen ausgerichtet: Sie können zum Beispiel gezielt die Zelloberfläche angreifen, Botenstoffe der Krebszelle abfangen oder die Signalwege der Krebszellen blockieren. Bei Kopf-Hals-Tumoren gibt es die Möglichkeit der EGF-Blockade. EGF ist der epidermale Wachstumsfaktor, welcher zur Vermehrung von Tumorzellen führt.
Krebsimmuntherapie: Statt die Krebszellen direkt anzugreifen, unterstützt die Krebsimmuntherapie das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen den Krebs. Bei Kopf-Hals-Tumoren wird die Krebsimmuntherapie bisher bei palliativen Therapieansätzen oder bei Rückfällen eingesetzt. Dabei kann sie auch mit einer Chemotherapie kombiniert werden (Immunchemotherapie).
Taubheitsgefühl im Gesicht als Symptom
Ein Taubheitsgefühl im Gesicht kann, wie bereits erwähnt, eines der Symptome von Kopf-Hals-Tumoren sein. Es tritt auf, wenn der Tumor Nerven beeinträchtigt, die für die Sensibilität im Gesicht zuständig sind. Dieses Symptom sollte, insbesondere in Kombination mit anderen Warnzeichen, ärztlich abgeklärt werden.
Nachsorge bei Kopf-Hals-Tumoren
Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren müssen nach der Behandlung weiterhin regelmäßig Arzt- oder Kliniktermine wahrnehmen. Das Ziel dieser Nachsorgetermine ist es, den Gesundheitszustand des Patienten oder der Patientin zu kontrollieren und etwas gegen Krankheits- oder Therapiefolgen zu unternehmen. Außerdem gilt es, einen Rückfall (Rezidiv) oder Zweittumoren frühzeitig zu erkennen. Die Termine finden zunächst in kurzen, dann in größeren Abständen statt. Während des Termins fragt der Arzt nach Beschwerden und untersucht den Patienten körperlich. Zusätzlich können regelmäßige Untersuchungen mithilfe bildgebender Verfahren hinzukommen:
- Ultraschalluntersuchung des Halses
- Computertomographie (CT) und/oder Magnetresonanztomographie (MRT)
- Positronen-Emissions-Tomographie und CT (PET/CT)
Ein weiterer Aspekt, auf den der Arzt bei der Nachsorge achtet, sind Kau-, Schluck- und Sprechstörungen. Bei Bedarf verweist er Betroffene an einen entsprechenden Therapeuten, zum Beispiel einen Logopäden. Wer Schwierigkeiten hat, sich ausreichend zu ernähren, kann eine Ernährungsberatung erhalten. Auch der Bedarf an psychologischer Betreuung lässt sich bei der Nachsorge klären. Teil der Nachsorge kann es zudem sein, dass der Arzt den Patienten darin unterstützt, mit dem Rauchen aufzuhören und gegebenenfalls vom Alkohol loszukommen.
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