Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, von der fast eine halbe Million Menschen in Mitteleuropa betroffen sind. Charakteristisch sind motorische Symptome wie Muskelsteifheit, Zittern und verlangsamte Bewegungen. Neben diesen offensichtlichen Symptomen leiden viele Parkinson-Patienten auch unter Verdauungsproblemen, insbesondere Verstopfung (Obstipation). Diese kann nicht nur die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sondern auch ein frühes Anzeichen der Erkrankung sein.
Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn bei Parkinson
In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend die enge Verbindung zwischen dem Darm und dem Gehirn bei der Entstehung und dem Verlauf von Parkinson erkannt. Es wird vermutet, dass Parkinson möglicherweise im Darmtrakt beginnt und sich über den Vagusnerv, den größten Nerv des Körpers, der vom Gehirn bis in die Körpermitte reicht, ins Gehirn ausbreitet.
Der Vagusnerv und seine Rolle: Der Vagusnerv spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulation fast aller inneren Organe und des Blutkreislaufs. Studien haben gezeigt, dass eine Durchtrennung bestimmter Ausläufer des Vagusnervs (Vagotomie) das Risiko von Parkinson reduzieren kann. Insbesondere die trunkale Vagotomie, bei der der Hauptstamm des Vagusnervs durchtrennt wird, scheint einen stärkeren Schutzeffekt zu haben als die selektive Vagotomie.
Proteinablagerungen im Darm: Ein weiteres Indiz für die Darm-Gehirn-Verbindung bei Parkinson sind die typischen Proteinablagerungen, die sogenannten Lewy-Körper, die nicht nur im Gehirn, sondern auch im Nervensystem des Darms auftreten können. Diese Ablagerungen können bereits Jahre oder sogar Jahrzehnte vor dem Auftreten der neurologischen Symptome im Darm nachweisbar sein.
Das Mikrobiom und seine Bedeutung: Auch die Zusammensetzung des Mikrobioms, der Gemeinschaft der Darmbakterien, ist bei Parkinson-Patienten verändert. Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Bakterienarten im Darm die Darmwand durchlässiger machen können, wodurch entzündungsfördernde Stoffe ins Blut und ins Gehirn gelangen können.
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Ursachen für Verstopfung bei Parkinson
Verstopfung ist eine häufige Begleiterscheinung von Parkinson und kann verschiedene Ursachen haben:
- Verlangsamte Magen-Darm-Beweglichkeit: Die Parkinson-Erkrankung kann die Beweglichkeit der Magen-Darm-Muskulatur beeinträchtigen, was zu einer verlangsamten Darmpassagezeit und somit zu Verstopfung führen kann.
- Eingeschränkte Mobilität: Parkinson-Patienten leiden oft unter eingeschränkter Mobilität, langsamen Bewegungsabläufen und Muskelsteifheit, was die Darmtätigkeit zusätzlich beeinträchtigen kann.
- Kau- und Schluckbeschwerden: Im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung können Kau- und Schluckbeschwerden auftreten, die eine ausreichende Aufnahme von Ballaststoffen und Flüssigkeit erschweren.
- Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere Anticholinergika, können die Verstopfung verstärken.
- Weitere Faktoren: Bewegungsmangel, eine ballaststoffarme Ernährung und eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr können ebenfalls zu Verstopfung beitragen.
Auswirkungen von Verstopfung bei Parkinson
Verstopfung kann bei Parkinson-Patienten eine Reihe von negativen Auswirkungen haben:
- Bauchschmerzen und Völlegefühl: Verstopfung kann zu unangenehmen Bauchschmerzen und einem Völlegefühl führen.
- Unwohlsein und Beeinträchtigung der Lebensqualität: Die Verdauungsprobleme können das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen und die Lebensqualität erheblich mindern.
- Erhöhtes Risiko für Stuhlinkontinenz: Bei chronischer Verstopfung kann es zu einem unkontrollierten Abgang von Stuhl kommen (Stuhlinkontinenz).
- Beeinträchtigung der Medikamentenaufnahme: Verstopfung kann die Aufnahme von Medikamenten, einschließlich L-Dopa, beeinträchtigen.
- Psychische Belastung: Die psychisch-emotionalen Folgen von Parkinson in Verbindung mit Darmfunktionsstörungen können zu einer massiven Beeinträchtigung des Selbstvertrauens und der Lebensqualität führen.
Diagnose von Verstopfung bei Parkinson
Die Diagnose von Verstopfung bei Parkinson umfasst in der Regel:
- Anamnese: Ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt über die Krankheitsgeschichte, frühere Operationen und Entbindungen (bei Frauen).
- Stuhltagebuch: Die Dokumentation der Häufigkeit, Konsistenz und Form des Stuhlgangs über einen bestimmten Zeitraum.
- Körperliche Untersuchung: Das Abtasten und Abhören des Bauches, um Transportstörungen zu erkennen.
- Austastung des Enddarms: Um Tumore oder Polypen im Analbereich festzustellen.
- Darmspiegelung: Um das Darminnere zu beurteilen und Darmentzündungen oder Tumore festzustellen.
- Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können weitere spezielle Diagnoseverfahren wie eine Ultraschalluntersuchung des Schließmuskels (Endosonografie) oder eine MR-Defäkografie (Darstellung der Stuhlentleerung im Magnetresonanztomogramm) erforderlich sein.
Behandlungsansätze bei Verstopfung bei Parkinson
Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, um Verstopfung bei Parkinson zu lindern:
- Ernährungsumstellung:
- Ballaststoffreiche Ernährung: Eine Ernährung mit viel Getreide, Gemüse und Kartoffeln kann das Stuhlvolumen erhöhen und die Konsistenz normalisieren.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag sind wichtig, um den Stuhl weich zu halten.
- Mediterrane Ernährung: Eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Fisch, Ölen mit ungesättigten Fettsäuren, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten kann sich positiv auf den Darm auswirken.
- Vermeidung von stark verarbeiteten Lebensmitteln: Diese können die Verstopfung verschlimmern.
- Bewegung: Ausreichend Bewegung und Physiotherapie können die Darmtätigkeit anregen.
- Beckenbodentraining: Gezielte Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur können bei Stuhlinkontinenz helfen.
- Medikamente:
- Abführmittel: Abführmittel können zur Stimulierung des Darms eingesetzt werden, sollten aber nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
- Motilitätshemmer: Diese Medikamente können die Darmbewegung verlangsamen und so den Stuhl fester machen.
- Probiotika: Studien haben gezeigt, dass Probiotika die Darmflora positiv beeinflussen und die Verstopfung bei Parkinson-Patienten verbessern können.
- Stuhltransplantation: In einigen Fällen kann eine Stuhltransplantation in Erwägung gezogen werden, um die Darmflora zu normalisieren.
- Operation: In seltenen Fällen kann ein operativer Eingriff erforderlich sein, z. B. bei einem Darmvorfall oder bei Schädigungen des Schließmuskels.
Ernährungsempfehlungen für Parkinson-Patienten
Neben der Behandlung von Verstopfung ist eine ausgewogene Ernährung für Parkinson-Patienten von großer Bedeutung:
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- Ausgewogene Ernährung: Jeder Mensch benötigt eine gesunde und ausgewogene Ernährung, um den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.
- Vitaminreiche Ernährung: Eine vitaminreiche Ernährung ist wichtig für die Gesundheit des Nervensystems.
- Eiweißzufuhr: Die Aufnahme von Eiweiß sollte mit der L-Dopa-Einnahme abgestimmt werden, da Eiweiß die Aufnahme von L-Dopa im Körper verringern kann. Bei hoher Dosierung von L-Dopa sollte eiweißreiche Kost zeitlich versetzt zur Medikamenteneinnahme gegessen werden.
- Alkohol meiden: Alkohol kann die Symptome von Parkinson verstärken und zu Wechselwirkungen mit Medikamenten führen.
- Schluckstörungen berücksichtigen: Bei Schluckstörungen sollte die Konsistenz der Nahrung angepasst werden, um Verschlucken zu vermeiden. In schweren Fällen kann eine Magensonde (PEG) erforderlich sein.
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