Keine Nerven zeigen: Psychologie des Umgangs mit Stress, Traumata und schwierigen Menschen

Im Alltag begegnen wir Situationen und Menschen, die uns an unsere Grenzen bringen. Ob es der tägliche Stress, traumatische Erlebnisse oder der Umgang mit schwierigen Persönlichkeiten ist - wie wir damit umgehen, hat einen entscheidenden Einfluss auf unser Wohlbefinden. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene psychologische Aspekte, die uns helfen können, widerstandsfähiger zu werden und unsere Nerven zu bewahren.

Der Bambi-Reflex: Chronische Unterwerfung und Überanpassung

In der Traumaforschung hat sich neben den bekannten Reaktionsmustern Kampf, Flucht und Erstarrung (Fight, Flight, Freeze) eine vierte Form etabliert: der Fawn Response, auch bekannt als Bambi-Reflex. Dieser Begriff wurde von Pete Walker geprägt. Menschen mit diesem Reflex suchen Sicherheit, indem sie sich an die Wünsche, Bedürfnisse und Anforderungen anderer anpassen oder mit ihnen verschmelzen.

Der Bambi-Reflex entwickelt sich oft in Situationen, aus denen es subjektiv oder objektiv kein Entkommen gibt. Betroffene lesen die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Bezugspersonen und versuchen, nicht anzuecken oder aufzufallen, um Konflikte zu vermeiden. Diese Kinder sind oft pflegeleicht und unauffällig, was von ihrem Umfeld positiv verstärkt wird.

Das Problem dabei ist, dass dieses Verhalten für das Umfeld sehr angenehm ist, was dazu führt, dass der Bambi-Reflex oft unbemerkt bleibt. In der Therapie kann dies dazu führen, dass Betroffene weiterhin versuchen, es dem Therapeuten recht zu machen, anstatt ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu äußern.

Chronische Zustände und Anzeichen

Dissoziation und der Fawn Response können chronisch sein. Therapeuten müssen lernen, diese Zustände auch dann zu erkennen, wenn Betroffene keine anderen Zustände kennen. Anzeichen für den Bambi-Reflex können sein:

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  • Ausnutzung am Arbeitsplatz
  • Ständige Kümmern um Angehörige
  • Toxische Beziehungen und Co-Abhängigkeiten
  • Schwierigkeiten, für eigene Bedürfnisse und Grenzen einzustehen
  • Somatische Schmerzen und Beschwerden
  • Übermäßiges Lächeln

Angstmanagement und Identität

Der Fawn Response dient als Überlebensmechanismus und wird zur Angstbewältigung eingesetzt. Jede Form von Unangepasstheit oder Selbstbehauptung kann als Bedrohung wahrgenommen werden. Betroffene haben oft kaum ein Gefühl für ihr eigenes Selbst oder ihre Identität, da diese früh unterdrückt werden musste. Die Aufmerksamkeit ist immer nach außen gerichtet, und es fällt schwer, sie nach innen zu lenken, wo Schmerz, Enttäuschung und Verwirrung warten.

Therapie und Unterstützung

Therapeuten können Klienten darin unterstützen, die innere Konditionierung zu durchbrechen und neue Erfahrungen zu machen. Es ist wichtig, Selbstbehauptungsimpulse und Grenzen zu entwickeln.

Nervenzusammenbruch und akute Belastungsreaktion

Der Begriff Nervenzusammenbruch ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine akute Belastungsreaktion, eine vorübergehende, aber extreme Reaktion auf ein traumatisches Ereignis. Diese Reaktion tritt meist wenige Minuten nach dem Auslöser ein und ist ein natürlicher Bestandteil des Bewältigungsprozesses.

Ursachen und Symptome

Die Ursachen für eine Belastungsreaktion sind vielfältig und können traumatische Ereignisse wie Unfälle, Gewalt, Krieg oder Naturkatastrophen umfassen. Zu den typischen Symptomen gehören:

  • Sprachlosigkeit
  • Veränderte Wahrnehmung
  • Einengung des Bewusstseins
  • Nacherleben der Situation (Flashbacks, Alpträume)
  • Lücken in der Erinnerung
  • Überreizung (Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Schreckhaftigkeit)
  • Stimmungsschwankungen
  • Körperliche Reaktionen (Schweißausbrüche, Herzrasen, Übelkeit)

Hilfe und Behandlung

Nach einem traumatischen Erlebnis ist schnelle, professionelle Unterstützung entscheidend. Anlaufstellen sind psychiatrische Praxen, Kliniken, der bundesweite Bereitschaftsdienst oder die Telefonseelsorge. Die Behandlung kann eine längerfristige Therapie umfassen, gegebenenfalls begleitet von Medikamenten.

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Selbsthilfemöglichkeiten

Neben professioneller Hilfe können Betroffene auch selbst aktiv werden:

  • Gespräche mit vertrauten Personen suchen
  • Stress und Reize reduzieren
  • Für Sicherheit und Geborgenheit sorgen
  • Entspannungstechniken erlernen

Burnout: Stiller Burnout und die Bedeutung der Selbstfürsorge

Ein Burnout ist ein Zustand emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung, der durch chronischen Stress verursacht wird. Während der klassische Burnout sich oft durch eindrückliche Symptome mit schneller Entwicklung zeigt, ist ein "stiller Burnout" die tückische, schleichende Variante.

Warnsignale und Folgen

Warnsignale für einen Burnout sind:

  • Intensiv auftretende Ungeduld und Gereiztheit
  • Das Gefühl, dass sich mentale Akkus immer mehr entleeren
  • Verlust von Geduld, Mitgefühl und Weitblick

Wird ein Burnout nicht behandelt, drohen starke körperliche Symptome, langfristige Arbeitsunfähigkeit und Depressionen.

Selbstfürsorge und Prävention

Um einem Burnout vorzubeugen, ist es wichtig, auf sich selbst zu achten und Selbstfürsorge zu betreiben:

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  • Entspannungstechniken für den Alltag erlernen
  • Abendrituale einführen
  • Alternative Möglichkeiten suchen, um den Druck des Alltags abzulassen
  • Warnzeichen wie Ungeduld und Gereiztheit ernst nehmen

Umgang mit schwierigen Menschen: Energieräuber erkennen und sich abgrenzen

Im Alltag begegnen wir immer wieder Menschen, die uns Energie rauben und uns nicht guttun. Diese toxischen Menschen stellen ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund, kritisieren ständig oder versuchen, andere zu manipulieren.

Energieräuber erkennen

Typische Verhaltensweisen von Energieräubern sind:

  • Ständiges Fordern von Aufmerksamkeit und Hilfestellung
  • Oberflächliche Gespräche ohne echtes Interesse
  • Festhalten an eigenen Meinungen und Werten ohne Diskursbereitschaft
  • Einzecken im Leben anderer und Versuch, dieses zu kontrollieren
  • Provozieren und Kritisieren aus reiner Freude daran

Abgrenzung und Selbstschutz

Um sich vor Energieräubern zu schützen, ist es wichtig, sich abzugrenzen und für die eigenen Bedürfnisse einzustehen:

  • Sich von negativen Menschen distanzieren
  • Zeitlichen Abstand schaffen
  • Nicht immer sofort auf Anfragen oder Provokationen reagieren
  • Sich nicht von Manipulationstaktiken beeinflussen lassen
  • Eigene Gefühle wahrnehmen und sich nicht von anderen beeinflussen lassen
  • Sich trauen, "nein" zu sagen
  • Loslassen von Beziehungen, die Schaden anrichten

Wann nerve ich?: Soziale Allergene und interaktionstoxische Verhaltensweisen

Jeder Mensch hat Verhaltensweisen, die andere nerven können. Diese sogenannten sozialen Allergene können anfangs nur leicht stören, mit der Zeit aber zu heftigen Reaktionen führen.

Kategorien sozialer Allergene

Psychologe Michael Cunningham hat vier Kategorien von Verhaltensweisen identifiziert, die zu sozialen Allergenen werden können:

  1. Rüdes, pöbelhaftes Verhalten: z.B. Pupsen oder schlechte Tischmanieren
  2. Unaufmerksamkeit: z.B. Smartphone checken während eines Gesprächs
  3. Aufdringlichkeit: z.B. ungefragt die eigene Meinung aufzwingen
  4. Normverstöße: z.B. Rauchen in verbotenen Zonen

Interaktionstoxische Verhaltensweisen

Professor für Psychologie Rainer Sachse nennt einige Verhaltensweisen, die immer funktionieren, wenn man eine Beziehung vergiften will:

  • Nörgeln: Ständige, geringe Kritik über lange Zeit
  • Rabattmarken-Sammeln: Verfehlungen sammeln und immer wieder vorwerfen

Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

Oft wissen wir nicht, wie wir auf andere wirken. Unsere Selbstwahrnehmung ist verzerrt, und wir schätzen uns oft zu positiv ein. Außerdem sind viele Dinge unbewusst in unserem mentalen System abgespeichert, an die wir bewusst gar nicht rankommen.

Vermeidung: Strategien und Überwindung

Vermeidung ist ein Verhalten, das wir alle mehr oder weniger praktizieren. Es bedeutet, belastenden Gedanken, Gefühlen oder Situationen aus dem Weg zu gehen.

Vermeidungsstrategien

Typische Vermeidungsstrategien sind:

  • Vermeiden der angstauslösenden Situation oder des Ereignisses
  • Ablenkung (Serien schauen, im Internet surfen, Verabredungen treffen)
  • Emotionales Essen und Trinken
  • Drogenkonsum

Folgen von Vermeidungsverhalten

Kurzfristig fühlen wir uns besser, wenn wir etwas vermeiden. Langfristig jedoch verschwindet das Problem nicht, sondern wird oft größer. Vermeidungsverhalten kann Ängste, Depressionen und Burnout aufrechterhalten oder sogar verschlimmern.

Überwindung von Vermeidungsverhalten

Der erste Schritt zur Überwindung von Vermeidungsverhalten ist das Erkennen. Sobald wir wissen, warum und wie wir vermeiden, können wir uns unseren Ängsten stellen und neue Erfahrungen machen. Eine Psychotherapie oder Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) können dabei unterstützen.

Veränderungen meistern: Routinen aufbrechen und neue Wege gehen

Veränderungen fallen uns oft schwer, weil unser Gehirn Routinen liebt und das Neue und Unbekannte Unsicherheit auslöst.

Warum Veränderungen schwerfallen

  • Das Gehirn liebt Routinen
  • Vertraute Pfade befriedigen das Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle
  • Das Neue und Unbekannte trägt etwas Unkalkulierbares in sich
  • Emotionale Abwehr, wenn der IST-Zustand als schlecht bewertet wird

Veränderungen erfolgreich gestalten

Um Veränderungen erfolgreich zu gestalten, ist es wichtig, sich der eigenen Ängste und Widerstände bewusst zu werden und neue Wege zu gehen.

Angeberei: Warum wir angeben und wann es nervt

Menschen geben an, um ihren sozialen Status zu demonstrieren und sich besser zu fühlen. Für den kurzen Kick bezahlen dreiste Angeber jedoch einen hohen sozialen Preis.

Wann Angeberei nervt

Wer zu viel angibt, nervt. Es ist wichtig, die Wirkung der eigenen Worte richtig einzuschätzen und nicht notorisch anzugeben.

Wut: Entstehung und Umgang

Wut ist eine Emotion, die in einem evolutionär alten Bereich unseres Gehirns entsteht, dem limbischen System. Sie kann durch verschiedene Auslöser wie Ungerechtigkeit, Respektlosigkeit oder Überforderung entstehen.

Umgang mit Wut

Es ist wichtig, Wut zu kontrollieren und nicht in Aggression münden zu lassen.

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