Kein Nerv mehr für die Arbeit: Ursachen und Lösungsansätze

Die Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Während frühere Generationen oft ein Leben lang in einem Beruf verblieben, sind heutige Lebensläufe von Brüchen, Umbrüchen und dem Ausprobieren neuer Wege geprägt. Das Konzept, nur zu arbeiten, um zu leben, verliert an Bedeutung. Ständige Erreichbarkeit, Überstunden und die Vermischung von Beruf und Privatleben werden von vielen Arbeitnehmern nicht mehr akzeptiert. Der Wert eines Menschen wird nicht mehr primär über seine Produktivität definiert.

Quiet Quitting: Dienst nach Vorschrift als Reaktion auf Überlastung

Ein Phänomen, das in diesem Zusammenhang an Bedeutung gewonnen hat, ist das "Quiet Quitting". Dieser Begriff beschreibt eine Haltung, bei der Angestellte sich weigern, sich über das vereinbarte Maß hinaus für das Unternehmen zu engagieren, und stattdessen ihren persönlichen Freiraum schützen. Es geht darum, Nein zu sagen zu Ausbeutung, Sonderaufgaben und Überstunden, ohne dabei die vereinbarte Leistung zu verweigern. Feierabend ist Feierabend, und das schlechte Gewissen, wenn man krank zu Hause bleibt oder nicht das Arbeitspensum von zwei Wochen in eine Woche packt, gehört der Vergangenheit an.

Ursachen für Quiet Quitting

Die Ursachen für Quiet Quitting sind vielfältig. Ein wichtiger Faktor ist die zunehmende Mehrarbeit, die oft selbstverständlich vorausgesetzt und selten vergütet wird. Studien zeigen, dass ein erheblicher Anteil der Überstunden in Deutschland nicht bezahlt wird. Viele Arbeitnehmer befürchten zudem ein Burn-out, wenn sie nichts an ihrem Arbeitsalltag ändern. Quiet Quitting wird somit als eine Möglichkeit gesehen, die eigene psychische und physische Gesundheit zu schützen und mehr Zeit für Familie, Freunde und Hobbys zu gewinnen.

Quiet Quitting vs. Innere Kündigung

Es ist wichtig, Quiet Quitting von der "inneren Kündigung" zu unterscheiden. Bei der inneren Kündigung haben Arbeitnehmer innerlich bereits mit ihrem Job abgeschlossen, was sich in einer geringeren Arbeitsleistung äußert. Quiet Quitting hingegen bedeutet nicht zwangsläufig Unzufriedenheit mit dem Job, sondern vielmehr das Setzen von Grenzen, um eine Überlastung zu vermeiden.

Kritik am Begriff Quiet Quitting

Einige Arbeitsexperten kritisieren den Begriff "Quiet Quitting", da er suggeriert, dass Arbeitnehmer, die einfach ihren Job machen, bereits innerlich gekündigt haben. Dies erweckt den Eindruck, dass sie die "Bösen" sind, wenn sie nur Dienst nach Vorschrift machen. Es wird argumentiert, dass jeder Mensch Grenzen ziehen muss, um eine Überlastung zu vermeiden, und dass dies eigentlich selbstverständlich sein sollte.

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Unzufriedenheit im Job: Ursachen und Folgen

Unzufriedenheit im Job kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören:

  • Miese Kollegen: Ein schlechtes Arbeitsklima, Mobbing oder Konkurrenzdenken können die Motivation und das Wohlbefinden der Mitarbeiter stark beeinträchtigen.
  • Viel zu viel Arbeit: Ein zu hohes Arbeitspensum und ständiger Druck können zu Überforderung und Stress führen.
  • Schlechtes Gehalt: Eine mangelnde Entlohnung für die geleistete Arbeit kann zu Frustration und Unzufriedenheit führen.
  • Fehlende Anerkennung und Wertschätzung: Das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden, kann die Motivation und das Engagement der Mitarbeiter stark beeinträchtigen.
  • Sinnlosigkeit: Wenn die Arbeit als sinnlos empfunden wird, kann dies zu Demotivation und innerer Leere führen.
  • Mangelnde Aufstiegschancen: Fehlende Perspektiven für die berufliche Weiterentwicklung können zu Frustration und Unzufriedenheit führen.
  • Schlechtes Arbeitsklima: Ein negatives Arbeitsklima, geprägt von Streitigkeiten und mangelnder Kommunikation, kann das Wohlbefinden der Mitarbeiter stark beeinträchtigen.
  • Monotonie der Arbeit: Ständig dieselbe Arbeit zu verrichten, kann auf Dauer eintönig und demotivierend sein.
  • Keine Selbstverwirklichung möglich: Wenn die Arbeit keine Möglichkeit bietet, sich selbst zu verwirklichen und die eigenen Fähigkeiten einzubringen, kann dies zu Unzufriedenheit führen.
  • Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nicht gegeben: Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren, können zu Stress und Unzufriedenheit führen.
  • Der/Die Vorgesetzte: Vorgesetzte, die schlecht gelaunt sind oder einen autoritären Führungsstil haben, können bei der Belegschaft Unzufriedenheit auslösen.

Die Folgen von Unzufriedenheit im Job können vielfältig sein. Sie reichen von geringerer Arbeitsleistung und Fehlzeiten bis hin zu gesundheitlichen Problemen wie Burn-out und Depressionen. Unternehmen erleiden durch unzufriedene Mitarbeiter einen großen wirtschaftlichen Schaden.

Was tun gegen Unzufriedenheit im Job?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um mit Unzufriedenheit im Job umzugehen und die Situation zu verbessern.

Eigeninitiative des Arbeitnehmers

  • Ursachenforschung: Man sollte sich fragen, woran oder an wem es liegt, dass man unzufrieden ist. Liegt es am Vorgesetzten, an der eigenen Über- oder Unterforderung oder an mangelnder Organisation?
  • Problem realistisch betrachten: Oft ist die Situation nicht so schlimm, wie man im ersten Moment glaubt.
  • Positive Aspekte sehen: Auch wenn man unzufrieden ist, sollte man die positiven Aspekte des Jobs wertschätzen, wie z.B. einen sicheren Arbeitsplatz, eine angemessene Bezahlung oder nette Kollegen.
  • Gründe für Arbeit reflektieren: Man sollte sich bewusst machen, dass man nicht arbeitet, um maximal Spaß zu haben, sondern um für eine sinnvolle Arbeit angemessen bezahlt zu werden.
  • Probleme ansprechen: Wenn man sich mit den Kollegen nicht gut versteht, sollte man das Problem zunächst bei den Kollegen ansprechen, bevor man zum Chef geht.
  • Hilfe suchen: Wenn man auf der Arbeit Probleme hat, sollte man sich an eine Vertrauensperson im Betrieb wenden, z.B. den Betriebsrat.
  • Wertschätzung nicht nur bei der Arbeit holen: Arbeit sollte nicht der einzige Grund für Glück und Zufriedenheit im Leben sein. Man sollte sich auch auf soziale Beziehungen und Hobbies konzentrieren.
  • Stress reduzieren: Autogenes Training und Entspannungstechniken können helfen, gelassener mit Stress umzugehen.
  • Gefahren erkennen: Es ist wichtig, die Anzeichen für ein Burn-out zu erkennen und rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen.

Maßnahmen des Arbeitgebers

  • Klare Erwartungen kommunizieren: In Stellenbeschreibungen sollten die Anforderungen an eine Rolle klar definiert werden.
  • Druck rausnehmen: Druck und Zwang sollten vermieden werden, da dies das Quiet Quitting nur noch verstärken kann.
  • Wertschätzung zeigen: Arbeitgeber sollten ihren Mitarbeitern Wertschätzung zeigen, z.B. durch Benefits, eine gute Pausenkultur und eine lebendige Feedbackkultur.
  • Kompromisse anbieten: Arbeitgeber sollten bereit sein, Kompromisse einzugehen, um die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter bestmöglich zu erfüllen.
  • Gesundheitsmanagement: Unternehmen sollten ein umfassendes Gesundheitsmanagement anbieten, das Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Stressbewältigung umfasst.

Burn-out: Wenn die Arbeit zur Belastung wird

Ein Burn-out ist ein Zustand andauernder und tiefer körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung aufgrund beruflicher oder anderweitiger Überlastung. Typische Symptome sind Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche und das Gefühl, ausgebrannt zu sein.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für ein Burn-out sind vielfältig. Häufige Auslöser sind ständiger Stress, Terminzwang, immer erreichbar sein, private Überlastung und Optimierungsdruck im Alltag. Risikofaktoren für die Entwicklung eines Burn-outs sind Eigenschaften wie großer Ehrgeiz, hohes Verantwortungsbewusstsein und Perfektionismus.

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Symptome

Typische Symptome eines Burn-outs sind:

  • Erschöpfung
  • Niedergeschlagenheit
  • Verringerte Leistungsfähigkeit
  • Gefühl der Leere
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Innere Unruhe
  • Reizbarkeit
  • Rückzug von anderen
  • Vernachlässigung von Hobbys

Diagnose und Therapie

Wer den Verdacht hat, an Burn-out zu leiden, sollte sich an den Hausarzt oder die Hausärztin wenden. Zur Diagnose werden standardisierte Test-Fragebögen verwendet. Die Therapie kann ambulant oder in einer psychosomatischen, psychiatrischen beziehungsweise psychotherapeutischen Klinik erfolgen. Ziel der Therapie ist es, Verhaltensmuster zu erkennen, die in die chronische Erschöpfung geführt haben, und diese zu verändern.

Prävention

Für die Prävention eines Burn-outs gelten die gleichen Strategien wie für die Behandlung:

  • Eigene Belastungsgrenze kennen und respektieren
  • Regelmäßige Entspannung und Erholung einplanen
  • Anerkennung und Wertschätzung gegenüber sich selbst erlernen

Innere Unruhe: Ein Warnsignal des Körpers

Innere Unruhe ist eine Stressreaktion, die sich durch Anspannung, Nervosität und ein Gefühl des Unbehagens äußert. Sie kann körperliche und psychische Symptome verursachen und auf eine vorliegende Erkrankung hindeuten.

Ursachen

Innere Unruhe kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter:

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  • Stress im Alltag
  • Koffeinkonsum
  • Drogenkonsum
  • Erkrankungen der Schilddrüse
  • Unterzuckerung
  • Niedriger Blutdruck
  • Wechseljahre
  • Hormonelle Umstellungen
  • Psychische Erkrankungen

Symptome

Typische Symptome innerer Unruhe sind:

  • Anspannung und Nervosität
  • Angespannte Muskeln
  • Migräne
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Herz- und Kreislaufbeschwerden
  • Inneres Kribbeln oder Vibrieren
  • Rasende Gedanken
  • Grübelzwang
  • Angstgefühle
  • Schlaf- oder Konzentrationsstörungen
  • Bewegungsdrang

Umgang mit innerer Unruhe

Bei häufiger oder dauerhafter innerer Unruhe sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um mit innerer Unruhe umzugehen:

  • Stress reduzieren
  • Koffeinkonsum einschränken
  • Entspannungstechniken anwenden
  • Achtsamkeit üben
  • Medikamente einnehmen (in Absprache mit dem Arzt)

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