Es ist ein häufiges Anliegen von Eltern, wenn ihr Baby oder Kleinkind unruhig ist, obwohl es den Anschein hat, dass es ihm an nichts fehlt. Dieses Verhalten kann viele Ursachen haben, von normalen Entwicklungsstadien bis hin zu äußeren Einflüssen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Gründe für Unruhe bei Babys und Kleinkindern und bietet praktische Ratschläge, wie Eltern damit umgehen können.
Einführung
Viele Eltern kennen das Gefühl: Ihr Baby ist eigentlich brav, aber trotzdem unruhig. Es schläft schlecht, ist quengelig oder lässt sich kaum beruhigen. Dieses Verhalten kann sehr belastend sein, besonders wenn es über einen längeren Zeitraum anhält. Es ist wichtig zu verstehen, dass Unruhe bei Babys und Kleinkindern viele Ursachen haben kann und oft ein normales Phänomen ist.
Mögliche Ursachen für Unruhe
Alter und Entwicklungsphasen
Ein zweieinhalbjähriger Sohn, der seit anderthalb Jahren eine Tagesmutter besucht, kann in Bezug auf andere Kinder ungehalten reagieren. Dies ist oft altersgerecht. Kinder in diesem Alter lernen gerade, mit ihren Emotionen umzugehen und soziale Interaktionen zu meistern. Ungeduld und Schwierigkeiten beim Warten und Teilen sind ebenfalls typisch für dieses Alter.
Die sogenannte "Trotzphase" ist eine weitere Entwicklungsphase, in der Kinder unruhiger sein können. Diese Phase tritt typischerweise zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr auf und ist durch den Wunsch nach Autonomie und Selbstständigkeit gekennzeichnet. Kinder in dieser Phase können frustriert sein, wenn ihre Wünsche nicht erfüllt werden, und dies durch Weinen, Trotzen oder Aggression zeigen.
Temperament
Jedes Kind bringt sein angeborenes Temperament mit. Einige Babys sind von Natur aus pflegeleichter und ausgeglichener, während andere mehr Fürsorge und Unterstützung benötigen. Ungefähr jedes zehnte Baby braucht von seinen Eltern besonders viel Fürsorge und Unterstützung. Diese Kinder sind häufig lebendiger oder unruhiger als andere. Sie können schwerer in den Schlaf finden, unregelmäßig essen und trinken und empfindlicher auf Veränderungen reagieren.
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Das Temperament eines Babys lässt sich danach unterscheiden, wie ausgeglichen der Schlaf-Wach-Rhythmus ist, wie ein Baby auf neue Reize reagiert, wie aktiv es ist, wie gut es sich bei Veränderungen anpassen oder selbst beruhigen kann und wie gut gelaunt es meistens ist.
Schlafverhalten und -umgebung
Unruhiger Schlaf kann ebenfalls ein Grund für Unruhe sein. Ein 18 Monate altes Kind, das nachts unruhig schläft, schreit, schimpft oder ständig "nein, nein, nein" ruft, kann unter Schlafstörungen leiden. Auch ein zweieinhalbjähriger, dessen Schlafverhalten sich geändert hat und der abends lange zum Einschlafen braucht oder mittags nicht schlafen will, kann tagsüber unruhig sein.
Die Schlafumgebung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Eine zu warme oder zu kalte Raumtemperatur, eine ungeeignete Matratze oder mangelnde Abdunkelung können den Schlaf beeinträchtigen. Experten empfehlen eine optimale Schlaftemperatur von 18-20°C. Luftdurchlässige Matratzenbezüge und Matratzenkerne sorgen für ein angenehmes Schlafklima.
Reizüberflutung
Babys und Kleinkinder können leicht von zu vielen Reizen überfordert sein. Ein aufregender Tag mit vielen neuen Eindrücken kann dazu führen, dass sie in der Nacht unruhig schlafen. Auch tagsüber kann Reizüberflutung zu Unruhe, Weinen und Wutanfällen führen.
Es ist wichtig, die Anzeichen von Reizüberflutung zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Diese können Weinen, Wutanfälle, Aggressivität oder die Weigerung, zuzuhören, sein.
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Trennungsangst
Ein vierjähriger Sohn, der Panik bekommt, sobald die Eltern das Zimmer verlassen wollen, leidet möglicherweise unter Trennungsangst. Diese Angst ist in bestimmten Entwicklungsphasen normal, kann aber auch zu Unruhe und Schlafstörungen führen.
Körperliche Ursachen
Auch körperliche Beschwerden können Unruhe verursachen. Wachstumsschübe, das Zahnen oder auch Koliken können dazu führen, dass Babys und Kleinkinder unruhiger sind als sonst.
Veränderungen im Umfeld
Veränderungen im Umfeld, wie beispielsweise die Trennung der Eltern, können ebenfalls zu Unruhe führen. Ein zweieinhalbjähriger Sohn, dessen Eltern seit einem Monat getrennt leben, kann mit der neuen Situation überfordert sein und dies durch verändertes Schlafverhalten und Unruhe zeigen.
Bedürfnis nach Nähe
Ein sieben Wochen alter Sohn, der viel Nähe braucht und ein "absolutes Tragekind" ist, kann unruhig werden, wenn er nicht ausreichend Körperkontakt bekommt. Babys haben ein natürliches Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit, und es ist wichtig, dieses Bedürfnis zu erfüllen.
Umgang mit Unruhe
Geduld und Verständnis
Es ist wichtig, geduldig und verständnisvoll zu sein. Ihr Kind macht gerade eine schwierige Phase durch und braucht Ihre Unterstützung. Versuchen Sie, die Ursache für die Unruhe zu erkennen und entsprechend zu reagieren.
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Struktur und Rituale
Feste Tagesabläufe und Rituale können Ihrem Kind helfen, sich sicherer und geborgener zu fühlen. Regelmäßige Zeiten für das Stillen/Füttern, Spielen und Schlafen geben Ihrem Kind Orientierung. Auch Abendrituale, wie ein warmes Bad, eine Geschichte oder ein Schlaflied, können helfen, das Kind auf das Zubettgehen einzustimmen.
Ruhe und Entspannung
Sorgen Sie für eine ruhige und entspannte Umgebung. Reduzieren Sie Lärmpegel, Lichtquellen und Spielsachen im Kinderzimmer. Nehmen Sie sich am Tag nicht zu viele Termine vor und sorgen Sie für ausreichend Pausen.
Körperkontakt und Nähe
Geben Sie Ihrem Kind ausreichend Körperkontakt und Nähe. Tragen Sie Ihr Baby, kuscheln Sie mit ihm und nehmen Sie es in den Arm, wenn es unruhig ist.
Ablenkung und liebevolle Begleitung
Lenken Sie Ihr Kind im Sitzkreis ab und begleiten Sie es liebevoll an den Geräten. Erklären Sie ihm Woche für Woche, dass es sich anstellen muss, und setzen Sie sich mit ihm für einen kurzen Moment an die Seite, wenn es haut. Hat es sich beruhigt, darf es es erneut versuchen.
Professionelle Hilfe
Wenn die Unruhe anhält oder Sie sich Sorgen machen, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ein Kinderarzt, eine Hebamme oder ein Psychologe können Ihnen helfen, die Ursache für die Unruhe zu finden und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.
Was man vermeiden sollte
Vergleiche mit anderen Kindern
Vergleichen Sie Ihr Kind nicht mit anderen Kindern. Jedes Kind ist einzigartig und entwickelt sich in seinem eigenen Tempo.
Druck und Zwang
Vermeiden Sie Druck und Zwang. Zwingen Sie Ihr Kind nicht, etwas zu tun, was es nicht möchte.
Schuldzuweisungen
Geben Sie sich nicht selbst die Schuld für die Unruhe Ihres Kindes. Es ist wichtig zu verstehen, dass Unruhe bei Babys und Kleinkindern viele Ursachen haben kann und oft ein normales Phänomen ist.
Ignorieren der Bedürfnisse
Ignorieren Sie die Bedürfnisse Ihres Kindes nicht. Hören Sie auf seine Signale und reagieren Sie entsprechend.
Umgang mit unerwünschten Ratschlägen
Eltern, die sich mit einem unruhigen Baby auseinandersetzen müssen, erhalten oft unerwünschte Ratschläge von Familie, Freunden oder sogar Fremden. Es ist wichtig, sich von diesen Ratschlägen nicht verunsichern zu lassen und auf das eigene Bauchgefühl zu hören.
Einige Beispiele für unerwünschte Ratschläge sind:
- "Lass dein Baby schreien, das stärkt die Lungen."
- "Du verwöhnst dein Baby zu sehr."
- "Gib deinem Baby Tee oder Wasser, wenn es so oft Durst hat."
- "Du solltest dein Baby abstillen und auf Pre-Nahrung umsteigen."
- "Leg dein Baby einfach ins Bett, Tür zu und geh."
Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass diese Ratschläge oft aus veralteten Vorstellungen stammen und nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen. Es ist in Ordnung, diese Ratschläge zu ignorieren oder höflich abzulehnen.