Die Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns, stellt eine ernsthafte neurologische Erkrankung dar, die durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann. Viren sind die häufigsten Erreger, aber auch Bakterien, Pilze, Parasiten oder Autoimmunreaktionen können eine Enzephalitis verursachen. Die Behandlung der Enzephalitis richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Kortison, auch bekannt als Kortikosteroide oder Glukokortikoide, spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung bestimmter Formen der Enzephalitis, insbesondere bei Autoimmunenzephalitis.
Was ist Enzephalitis?
Enzephalitis ist eine Entzündung des Gehirns, die oft durch eine Infektion verursacht wird. Die Blut-Hirn-Schranke, ein Schutzmechanismus des Körpers, verhindert normalerweise, dass schädliche Substanzen wie Bakterien und Viren in das Gehirn gelangen. Einige Erreger können diese Barriere jedoch überwinden und eine Entzündung im Gehirngewebe verursachen. Diese Entzündung kann zu einer Schwellung des Gehirns, dem Absterben von Nervenzellen und in schweren Fällen zu Hirnblutungen führen.
Eine Enzephalitis kann allein oder in Kombination mit einer Meningitis auftreten, einer Entzündung der Hirnhäute. In diesem Fall spricht man von einer Meningoenzephalitis.
Ursachen und Risikofaktoren der Enzephalitis
Verschiedene Erreger können eine Enzephalitis auslösen. Einige der häufigsten Ursachen sind:
- Viren: Herpesviren, Zytomegalieviren, Epstein-Barr-Viren sowie Viren, die Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln, Kinderlähmung und Windpocken verursachen, können eine Enzephalitis auslösen. Das FSME-Virus, das durch Zecken übertragen wird, ist in Europa ebenfalls eine relevante Ursache. In anderen Teilen der Welt können Mücken Viren wie das Japanische Enzephalitis-Virus oder das St. Louis Enzephalitis-Virus übertragen. Bei immungeschwächten Personen kann eine Reaktivierung des JC-Virus (progressive multifokale Leukenzephalopathie, PML) auftreten.
- Bakterien: Borrelien (durch Zecken übertragen), Tuberkulose- und Syphilis-Bakterien können ebenfalls eine Enzephalitis verursachen. Bakterielle Entzündungen können sich auch als Hirnabszess manifestieren, oft verursacht durch Streptokokken.
- Parasiten und Pilze: Bei immungeschwächten Personen können Parasiten wie Rundwürmer oder Pilze wie die Erreger der Toxoplasmose eine Enzephalitis verursachen.
- Autoimmunreaktionen: In manchen Fällen greift das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Gehirn an und verursacht eine Autoimmunenzephalitis. Dies kann durch einen Infekt, eine Fehlaktivierung des Immunsystems oder einen Tumor ausgelöst werden.
Kinder und junge Erwachsene sowie Personen mit einem geschwächten Immunsystem haben ein höheres Risiko, an einer Enzephalitis zu erkranken.
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Symptome der Enzephalitis
Die Symptome einer Enzephalitis können je nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung variieren. Leitsymptome einer akuten Enzephalitis sind:
- Fieber
- Bewusstseinstrübung
- Neurologische Ausfallserscheinungen wie Sprachstörungen, Lähmungen, Koordinationsstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen oder Halluzinationen
- Epileptische Anfälle
- Kopfschmerzen
- Verwirrtheit
- Wesensveränderungen (Reizbarkeit, Apathie, Ängstlichkeit)
- Lichtempfindlichkeit
- Übelkeit
- Steifer Nacken und Rücken (insbesondere bei Meningoenzephalitis)
Bei Babys und Kleinkindern können folgende Anzeichen auf eine Enzephalitis hindeuten: Steifheit, vermehrtes Schreien, Trinkschwäche, Erbrechen und eine vorgewölbte Fontanelle.
Chronische Formen der Enzephalitis, wie die Autoimmunenzephalitis, können sich schleichend entwickeln und sich zunächst durch Konzentrations- und Gedächtnisstörungen äußern.
Eine akute, schwere Gehirnentzündung ist lebensbedrohlich und erfordert eine sofortige Behandlung.
Diagnose der Enzephalitis
Die Diagnose einer Enzephalitis basiert auf der Anamnese (Krankengeschichte), der körperlichen Untersuchung und verschiedenen diagnostischen Tests. Der Arzt wird nach den Symptomen fragen und eine neurologische Untersuchung durchführen, um Bewusstseinsstörungen, Lähmungen, Sprachstörungen oder andere neurologische Auffälligkeiten festzustellen. Ein steifer Nacken kann auf eine zusätzliche Meningitis hindeuten.
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Weitere diagnostische Maßnahmen umfassen:
- Blutuntersuchungen: Zum Nachweis von Entzündungszeichen oder Erregern.
- Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion): Entnahme und Analyse des Nervenwassers, um Erreger zu identifizieren und Entzündungszeichen festzustellen.
- Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels: Zur Darstellung von Veränderungen im Gehirn oder einer Gewebeschwellung.
- Computertomographie (CT) des Schädels: Kann anstelle einer MRT zur Beurteilung einer akuten Hirnschwellung eingesetzt werden.
- Elektroenzephalographie (EEG): Zur Beurteilung der Gehirnfunktion und zum Nachweis von epileptischen Aktivitäten.
Rolle von Kortison in der Behandlung der Enzephalitis
Kortison, ein synthetisches Glukokortikoid, wirkt entzündungshemmend und immunsuppressiv. Es wird bei verschiedenen Formen der Enzephalitis eingesetzt, insbesondere bei:
- Autoimmunenzephalitis: Kortison ist ein Eckpfeiler der Behandlung von Autoimmunenzephalitiden. Es unterdrückt die fehlgeleitete Immunreaktion, die das Gehirn angreift, und reduziert die Entzündung. In der Akutphase wird Kortison in hoher Dosis intravenös verabreicht, gefolgt von einer oralen Erhaltungstherapie. Zusätzlich können intravenöse Immunglobuline oder eine Plasmapherese (Blutwäsche) eingesetzt werden, um die Autoantikörper zu entfernen.
- Pneumokokken-Meningitis: Bei einer Meningitis, die durch Pneumokokken verursacht wird, wird die Standardbehandlung mit Antibiotika häufig durch die Gabe von Dexamethason, einem Kortison-Präparat, ergänzt. Dexamethason reguliert die Immunreaktion und kann dazu beitragen, neurologische Folgeschäden zu reduzieren. Studien haben gezeigt, dass die Kombination von Antibiotika mit Substanzen, die die Mustererkennungsrezeptoren TLR2 und TLR13 (in Mäusen) bzw. TLR2 und TLR8 (in menschlichen Immunzellen) hemmen, eine stärkere Wirkung hat als Dexamethason allein. Dies deutet darauf hin, dass die Blockade dieser Rezeptoren die Immunantwort regulieren könnte.
- Herpesenzephalitis: Obwohl Aciclovir, ein antivirales Medikament, die Standardtherapie für Herpesenzephalitis ist, wird in einigen Fällen Kortison zusätzlich eingesetzt, um die Entzündung im Gehirn zu reduzieren. Die Wirksamkeit von Dexamethason auf Folgeschäden bei Patienten mit Herpesenzephalitis wird derzeit in einer multizentrischen Studie untersucht.
Weitere Behandlungsansätze bei Enzephalitis
Neben Kortison können weitere Medikamente und Therapien zur Behandlung der Enzephalitis eingesetzt werden, abhängig von der Ursache und den Symptomen:
- Antivirale Medikamente: Bei Enzephalitis, die durch Viren wie Herpes simplex verursacht wird, werden Virustatika wie Aciclovir eingesetzt, um die Virusvermehrung zu hemmen.
- Antibiotika: Bei bakterieller Enzephalitis werden Antibiotika eingesetzt, um die Bakterien zu bekämpfen.
- Antimykotika: Bei Pilzinfektionen werden Antimykotika eingesetzt.
- Medikamente gegen epileptische Anfälle: Bei Auftreten von Krampfanfällen werden Antikonvulsiva eingesetzt.
- Beruhigungsmittel: Zur Linderung von Unruhe und Angstzuständen.
- Intensivmedizinische Betreuung: In schweren Fällen kann eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich sein, um die Vitalfunktionen aufrechtzuerhalten.
Prognose und Vorbeugung
Die Prognose einer Enzephalitis hängt von der Ursache, dem Schweregrad und dem Zeitpunkt der Behandlung ab. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend für eine gute Prognose. Einige Patienten erholen sich vollständig, während andere bleibende neurologische Schäden davontragen können. In schweren Fällen kann die Enzephalitis tödlich verlaufen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einer Enzephalitis vorzubeugen:
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- Impfungen: Gegen viele Viren, die eine Enzephalitis auslösen können, gibt es wirksame Schutzimpfungen, z. B. gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Kinderlähmung, FSME und Influenza.
- Zeckenschutz: In FSME-Risikogebieten sollten Maßnahmen zum Schutz vor Zeckenstichen ergriffen werden, z. B. das Tragen von schützender Kleidung und die Verwendung von Zeckenabwehrmitteln.
- Reiseimpfungen: Vor Reisen in Regionen mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Enzephalitis-Erreger sollten entsprechende Impfungen in Betracht gezogen werden, z. B. gegen Japanische Enzephalitis.
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