Ein Taubheitsgefühl im Fuß, das ins Bein zieht, kann viele Ursachen haben. Es kann von harmlosen Auslösern wie langem Sitzen in einer ungünstigen Position bis hin zu ernsthaften Erkrankungen wie Diabetes oder einem Bandscheibenvorfall reichen. Um die richtige Behandlung zu finden, ist es wichtig, die Ursache des Taubheitsgefühls zu erkennen.
Was ist ein Taubheitsgefühl?
Ein Taubheitsgefühl in den Zehen und im Fuß beschreibt das Gefühl eines eingeschränkten oder verlorenen Tastempfindens. Dies kann von leichtem Kribbeln bis hin zu einem vollständigen Verlust des Gefühls reichen. Betroffene beschreiben es oft als "Einschlafen" des Fußes, Ameisenlaufen (Parästhesien) oder ein Gefühl, auf Watte zu gehen.
Ursachen für Taubheitsgefühl im Fuß und Bein
Ein Taubheitsgefühl im Fuß kann auf eine Vielzahl von Krankheiten und gesundheitlichen Problemen hinweisen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:
Nervenkompression und -schädigung
- Tarsaltunnelsyndrom: Ähnlich dem Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk handelt es sich um eine Nerveneinklemmung des Nervus tibialis (Schienbeinnerv) im Tarsaltunnel hinter dem Innenknöchel. Ursächlich sind meist Fußfehlstellungen wie der Knick-Senkfuß oder Verletzungen.
- Polyneuropathie: Eine Schädigung der peripheren Nerven, oft durch Diabetes mellitus (diabetische Neuropathie), Alkoholkonsum, Vitamin-B12-Mangel, Infektionen oder Gifte verursacht. Typisch ist eine beidseitige Ausbreitung der Missempfindungen in strumpf- oder handschuhartiger Verteilung.
- Bandscheibenvorfall: Die Kompression von Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks kann neurologische Symptome wie Taubheit, Kribbeln oder Muskelschwäche hervorrufen. Solche Gefühlsstörungen treten typischerweise einseitig auf - abhängig davon, welcher Bereich der Wirbelsäule betroffen ist. Häufig äußern sie sich im Bein, Fuß, Arm oder in der Hand und gehen mit Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen einher.
- Kamerad-Schnürschuh-Syndrom: Ein Engpasssyndrom, bei dem Druck auf die peripheren Nerven ausgeübt wird, oft durch zu enge Schuhe.
- Einengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose): Kann die gleichen Beschwerden wie ein Bandscheibenvorfall hervorrufen, also beispielsweise Kribbeln und/oder Taubheitsgefühl um den After oder im Bein, Muskelschwäche oder Lähmungen in einem Arm oder Bein.
Durchblutungsstörungen
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Eine Verengung der Arterien in den Beinen, die zu einer unzureichenden Blutzufuhr führt.
- Raynaud-Syndrom: Gefäßkrämpfe, die durch Kälte oder Stress ausgelöst werden und zu Durchblutungsstörungen in den Händen und Füßen führen.
Andere Ursachen
- Diabetes mellitus: Menschen mit Diabetes mellitus sind besonders anfällig für Nervenschäden, die zu Taubheitsgefühl führen können.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, insbesondere Vitamin B12, kann zu Nervenschäden und Taubheitsgefühlen führen.
- Multiple Sklerose (MS): Gefühlsstörungen, Sensibilitätsstörungen und Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheit oder neuropathische Schmerzen zählen zu den frühesten und häufigsten Symptomen einer Multiplen Sklerose (MS).
- Parkinson: Bei Parkinson handelt es sich um eine neurodegenerative Erkrankung, bei der bestimmte Nervenzellen im Gehirn allmählich absterben. Neben den typischen Symptomen wie Muskelsteifigkeit, Bewegungsverlangsamung und dem charakteristischen Zittern können auch Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein diffuses Missempfinden auftreten.
- Migräne: Insbesondere bei einer Migräne mit Aura können Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle frühe Anzeichen einer beginnenden Attacke sein.
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): Die Betroffenen verspüren ein tiefsitzendes Kribbeln, Zuckungen und einen heftigen Bewegungsdrang in den Beinen (manchmal auch in den Armen). In Ruhe - vor allem abends und nachts - verschlimmern sich die Beschwerden des Restless-Legs-Syndroms, beispielsweise nimmt das Kribbeln im Bein zu.
- Psychische Störungen: Gefühlsstörungen können auch Ausdruck psychischer Belastungen sein. Besonders bei Angstzuständen, Panikattacken oder chronischem Stress kann das vegetative Nervensystem überreagieren und körperliche Symptome hervorrufen.
- Medikamente und Umweltgifte: Vergiftungen, zum Beispiel mit Schwermetallen, haben mitunter chronische Schäden an den Nerven zur Folge, die zu Missempfindungen führen. Kribbeln und Taubheitsgefühle treten bisweilen auch als unerwünschte, aber meist vorübergehende Nebenwirkung einiger Medikamente auf.
- Entzündliche Erkrankungen: Arthritis, Rheuma und rheumatoide Arthritis führen ebenfalls zu Schwellungen und Beschwerden im Bereich des Tarsaltunnels.
Symptome von Taubheitsgefühl im Fuß und Bein
Ein Taubheitsgefühl im Fuß kann sich auf unterschiedliche Weise äußern und verschiedene Symptome hervorrufen:
- Verlust der Empfindlichkeit: Berührungen oder Druck werden nur noch vermindert wahrgenommen.
- Kribbeln oder Brennen: Oft als "Ameisenlaufen" beschrieben.
- Schwäche in den Füßen: Erschwert das Gehen oder Stehen.
- Schmerzen: Insbesondere neuropathische Schmerzen können trotz des Taubheitsgefühls vorhanden sein.
- Nachtschmerzen: Fußschmerzen treten als Nachtschmerzen mit Ausstrahlung in Ferse und Unterschenkel auf.
- Zunahme der Schmerzen bei Belastung: Insbesondere bei einem Trainingsstart nach langer Ruhephase.
- Kalte Füße: Viele Patienten klagen über kalte Füße.
- Gangunsicherheit: Das Lageempfinden wird zunehmend gestört, so dass die akkurate Aufrechterhaltung des Standes leidet. Dies führt zu Schwanken, Schwindel und Gangstörungen.
Diagnose von Taubheitsgefühl im Fuß und Bein
Um die Ursache des Taubheitsgefühls in den Zehen zu bestimmen, muss eine gründliche Diagnose gestellt werden:
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- Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten ausführlich nach seinen Beschwerden, Vorerkrankungen und eingenommenen Medikamenten.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Fußreflexe, die Empfindlichkeit sowie die Muskelkraft. Durch Druck mit dem Daumen untersucht der Fußspezialist die im Tarsaltunnel verlaufenden Beugesehnen. Sowohl die Beugesehnen der Zehen als auch der Großzehen sind hier tastbar. Auch die Tibialis-posterior-Sehne (Sehne des vorderen Schienbeinmuskels) kann hier untersucht werden. Zudem verlaufen im Tarsaltunnel Blutgefäße und der Schienbeinnerv (Nervus tibialis). Druckschmerzen an einer typischen Stelle über dem Nervenverlauf des Nervus tibialis bestätigen den Verdacht während der klinischen Untersuchung durch den Fußspezialisten.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft die Nervenfunktion, z.B. mit dem Tinel-Zeichen (Beklopfen des Nerven löst ein elektrisierendes Gefühl aus) oder dem Dorsalflexions-Eversions-Test (Bewegung des Fußes nach oben und außen).
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und Elektromyographie (EMG) zur Beurteilung der Nervenfunktion.
- Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss von Diabetes, Vitaminmangel, Entzündungen oder anderen Grunderkrankungen.
- Bildgebende Verfahren: Röntgen, MRT oder CT-Scans zur Darstellung von Knochen, Nerven und Weichteilen, um z.B. einen Bandscheibenvorfall oder eine Spinalkanalstenose zu erkennen.
- Quantitative Sensorische Testung (QST): Durch verschiedene Gefühlstests an der Haut werden Werte ermittelt, um zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist.
- Hautbiopsie: Untersuchung einer Gewebeprobe aus der Haut unter dem Mikroskop, um Small-Fiber-Neuropathien zu diagnostizieren.
Behandlung von Taubheitsgefühl im Fuß und Bein
Die Behandlung von Taubheitsgefühl in den Zehen hängt stark von der zugrundeliegenden Ursache ab.
Konservative Behandlung
- Schmerzmittel: In Fällen von Nervenschäden können Schmerzmittel oder Antikonvulsiva (z.B. Gabapentin oder Pregabalin) zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Entzündungshemmende Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können bei Entzündungen als Auslöser des Taubheitsgefühls helfen. Bei schweren Entzündungen und Schwellung des Nerven ist zudem eine Kortisoninjektion möglich.
- Physiotherapie: Spezielle Übungen kräftigen die Muskulatur in Fuß und Schienbein. Auch Gleichgewichtstraining kann bei Gangunsicherheit helfen.
- Schuheinlagen und Orthesen: Bei Fußfehlstellungen wie dem Knick-Senkfuß können Schuheinlagen helfen, den Fuß zu stabilisieren und den Druck auf den Nerv zu reduzieren. Auch Schienen eignen sich zur konservativen Behandlung des Tarsaltunnelsyndroms.
- Lokale Betäubungsmittel: Der Arzt therapiert die schmerzhafte Nervenveränderung am Tarsaltunnel primär durch Einspritzungen von lokalen Betäubungsmitteln.
- Neural-Akupunktur: Missempfindungen und Schmerzen können überdies mit einer Neural-Akupunktur behandelt werden.
- Elektrotherapie: Die Nerven werden durch Impulse aus einem speziellen Gerät so stimuliert, dass Erkrankte statt Schmerzen ein leichtes Kribbeln spüren. Von außen lässt sich dieses durch ein TENS-Gerät erreichen. Die Therapien müssen dauerhaft durchgeführt werden.
Operative Behandlung
- Tarsaltunnelspaltung: Bei Versagen der konservativen Therapie kann eine Operation durchgeführt werden, um den Schienbeinnerv im Tarsaltunnel zu entlasten. Dabei wird das Retinakulum (Halteband) über dem Nerv eröffnet.
- Bandscheibenoperation: Bei einem Bandscheibenvorfall kann eine Operation notwendig sein, um den Druck auf die Nervenwurzel zu beseitigen.
Weitere Maßnahmen
- Diabetes-Management: Bei diabetischer Neuropathie ist eine gute Blutzuckereinstellung entscheidend, um die Nervenschädigung zu stoppen.
- Vitamin-B12-Substitution: Bei Vitaminmangel sollte das fehlende Vitamin ersetzt werden.
- Alkoholabstinenz: Bei alkoholbedingter Polyneuropathie ist ein vollständiger Verzicht auf Alkohol notwendig.
- Anpassung der Medikation: Medikamente, die eine Polyneuropathie verursachen, müssen abgesetzt oder ausgetauscht werden, insofern sie nicht aus anderem Grund unabdingbar notwendig sind.
Übungen zur Verbesserung der Körperwahrnehmung und Mobilisation
Folgende Übungen dienen einer schmerzfreien sanften Mobilisation des Sprunggelenks und verbessern die Körperwahrnehmung:
- Belastungsverteilung der Fußsohle:
- nach hinten gebeugt
- nach vorne gebeugt
- nach links gebeugt
- nach rechts gebeugt
- Vergleichen Sie die Änderungen der Druckverteilung zwischen rechtem und linkem Vorfuß und Rückfuß, Außen- und Innenseite. Erspüren Sie die Hauptbelastungszonen, Auflageflächen, Hohlräume und den Spannungszustand der Zehen. Nehmen Sie wahr, in welcher Position Sie eine Entlastung der Symptome verspüren.
- Durchblutungsförderung mit Igelball:
- Ausgangsstellung: Sitz. Das betroffene Bein ist leicht auf dem Ball abgestellt.
- Ausführung: Rollen Sie mit dem Ball die verschiedenen Bereiche der Fußsohle aus. Achten Sie dabei auf einen sanften Druck.
- Sanfte Massage der Fußsohle.
- Bewusste Regulierung der Fersenstellung:
- Ausführung: Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf beide Fersenbeine. Führen Sie abwechselnd eine rhythmische Gewichtsverlagerung des Rückfußes (Ferse) auf die Außenkante der Ferse und wieder in die Ausgangsposition durch. Werden Sie langsam mit den Pendelbewegungen kleiner, bis die Achillessehne gerade/senkrecht eingestellt ist. Spüren Sie nach, ob sich die Symptome unter dieser Position verbessern.
Wichtig: Diese Übungen ergänzen lediglich die oben beschriebenen Maßnahmen. Sollten Sie bei der Durchführung der Übungen eine Verstärkung der Symptome bemerken, brechen Sie die Übungen ab und konsultieren Sie einen Arzt oder Physiotherapeuten.
Ein gesunder Lebensstil für gesunde Füße
Ein gesunder Lebensstil ist entscheidend für die langfristige Gesundheit Ihrer Füße, da er helfen kann, das Risiko für Taubheitsgefühle zu reduzieren und bestehende Beschwerden zu lindern:
- Ausgewogene Ernährung: Versorgt Ihren Körper mit den notwendigen Nährstoffen und kann helfen, Entzündungen zu reduzieren.
- Regelmäßige Bewegung: Fördert die Durchblutung und stärkt die Muskeln, was wiederum Fußproblemen vorbeugt.
- Verzicht auf Alkohol und Nikotin: Trägt ebenfalls positiv zur allgemeinen Gesundheit und speziell zur Fußgesundheit bei, da diese Substanzen die Durchblutung beeinträchtigen können.
- Sorgfältige Überwachung und Management des Blutzuckers: Für Menschen mit Diabetes sind die sorgfältige Überwachung und das Management des Blutzuckers von größter Bedeutung.
- Passende Schuhe: Schuhe, die gut passen und genügend Halt bieten, verhindern Druckstellen und unterstützen eine gesunde Fußhaltung.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Suchen Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf, wenn das Kribbeln anhält, sich verschlimmert oder Beschwerden wie Lähmungserscheinungen hinzukommen. Auch bei plötzlich auftretenden Taubheitsgefühlen, insbesondere in Verbindung mit anderen Symptomen wie Sprachstörungen oder Lähmungen, sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden, da dies auf einen Schlaganfall hindeuten kann.
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