Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson genannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die hauptsächlich ältere Menschen betrifft. Obwohl die meisten Fälle sporadisch auftreten, spielen genetische Faktoren eine bedeutende Rolle, insbesondere bei der erblichen Form der Krankheit. Dieser Artikel beleuchtet die genetischen Aspekte der Parkinson-Krankheit, die Rolle von Risikofaktoren und die Auswirkungen auf Kinder und Enkel der Betroffenen.
Einblick in die Genetik der Parkinson-Krankheit
Genetische Varianten und ihr Einfluss
Rund 13 Prozent der Parkinson-Patienten weisen Genmutationen auf, die die Krankheit verursachen können. Diese Erkenntnis stammt aus einer umfassenden nordamerikanischen Studie, die im Fachblatt „Brain“ veröffentlicht wurde. Die Studie, bekannt als „PD GENEration“, testet auf klinisch relevante, mit Parkinson zusammenhängende Gene und wird seit 2019 von der amerikanischen Parkinson-Stiftung durchgeführt. Die Auswertung von Daten von 8301 Parkinson-Patienten ergab, dass in 12,9 Prozent der Fälle (1070) Veränderungen in sieben untersuchten Genen nachgewiesen werden konnten, die Parkinson verursachen können.
Es ist bekannt, dass solche Genvarianten häufiger bei Personen vorkommen, die bestimmte Vorfahren haben oder bei denen ein Verwandter an Parkinson erkrankt ist. Bei 18 Prozent der Personen mit solchen Risikofaktoren wurden genetische Veränderungen nachgewiesen, vor allem in den Genen GBA1, PRKN und LRRK2. Bemerkenswert ist, dass Genmutationen auch bei gut neun Prozent jener Personen beobachtet wurden, die keine der zuvor genannten Risikofaktoren aufwiesen.
Bedeutung der spezifischen Mutationen
Das Wissen um eine spezifische Mutation hat derzeit Folgen für die Beratung der Patienten hinsichtlich des zu erwartenden Krankheitsverlaufs und des Risikos von Verwandten, insbesondere Kindern, ebenfalls an einem Parkinson-Syndrom zu erkranken. Die GBA1-Mutationen stellen in heterozygotem Zustand lediglich einen Risikofaktor für die Parkinson-Erkrankung dar, gleichzeitig ist der Verlauf der Erkrankung eher schneller mit früher auftretenden kognitiven Defiziten, was die Beratung von Verwandten erschwert. Umgekehrt führen LRRK2- und PRKN-Mutationen eher zu einem milderen Krankheitsverlauf. Die PRKN-Mutation ist darüber hinaus autosomal-rezessiv vererbt, sodass Kinder von betroffenen Patienten zwar Überträger der Erkrankung sind, in aller Regel aber nicht selbst erkranken.
Herausforderungen bei der genetischen Testung
In Deutschland werden die Kosten für humangenetische Beratungen und Diagnostik von den gesetzlichen und in der Regel auch den privaten Krankenkassen getragen, daher ist der Zugang grundsätzlich recht niedrigschwellig möglich. Dennoch erfordert die Vielzahl der verschiedenen Mutationen, ihre unterschiedlichen Vererbungsmodi, die zu erwartenden Krankheitsverläufe und die bisher fehlende therapeutische Konsequenz eine sorgfältige und zeitaufwendige Beratung der Patienten und ihrer Angehörigen, sodass genetische Diagnostik noch nicht breit zur Anwendung kommt. Die vorliegende, sehr systematische Studie erleichtert die Beratung hinsichtlich des persönlichen Risikos eines Patienten, an einem genetischen Parkinson-Syndrom zu leiden.
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Genetische Beratung und Familienplanung
Der Nachweis einer genetischen krankheitsrelevanten Mutation hat auch Konsequenzen für die genetische Beratung der Familie der Patienten. Bei einigen dieser Veränderungen haben die Kinder ein 50-prozentiges Risiko, diese zu erben und damit ebenfalls an Parkinson zu erkranken. Dies kann für die Familienplanung eine hohe Relevanz haben.
Risikofaktoren und Entstehung der Parkinson-Krankheit
Zusammenspiel verschiedener Faktoren
Die Entstehung der Parkinson-Krankheit ist komplex und wird durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren beeinflusst. Dazu gehören oxidativer Stress, eine eingeschränkte Entgiftungsfähigkeit der Zellen, Veränderungen in den Energiezentren der Nervenzellen (Mitochondrien), Umweltfaktoren und genetische Faktoren.
Genetische Veranlagung
Es ist wichtig zu verstehen, dass genetisch nicht unbedingt „vererbbar“ bedeutet. Mutationen, die im Laufe des Lebens auftreten, können ebenfalls zu Veränderungen der Aminosäuren der Gene führen und die charakteristischen Stoffwechselstörungen verursachen, die zur Zelldegeneration in der Schwarzen Substanz und anderen Strukturen führen.
Idiopathisches Parkinson-Syndrom
Beim idiopathischen Parkinson-Syndrom, bei dem die Ursache unbekannt ist, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Eine gestörte Entgiftung, die genetisch determiniert sein kann, könnte eine Veranlagung für die Krankheit bedeuten. Es müssen jedoch noch weitere Faktoren zusammenwirken, damit die Krankheit tatsächlich entsteht.
Familiäre Häufung
Ein wichtiges diagnostisches Kriterium des idiopathischen Parkinson-Syndroms ist, dass höchstens ein weiteres Familienmitglied an dieser Krankheit erkrankt ist. Eine weitere familiäre Häufung weckt den Verdacht auf die sehr seltene erbliche Form der Parkinson-Syndrome.
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Auswirkungen auf Kinder und Enkel
Beratung und Risikoeinschätzung
Das Wissen um eine spezifische Mutation hat Folgen für die Beratung der Patienten hinsichtlich des zu erwartenden Krankheitsverlaufs und des Risikos von Verwandten, insbesondere Kindern, ebenfalls an einem Parkinson-Syndrom zu erkranken. Es ist wichtig, dass Betroffene und ihre Familien eine umfassende genetische Beratung erhalten, um die Risiken besser einschätzen und fundierte Entscheidungen treffen zu können.
Frühzeitige Diagnose und Prävention
Obwohl es derzeit keine Möglichkeit gibt, die Parkinson-Krankheit zu heilen, gibt es vielversprechende Ansätze zur Entwicklung verlaufsmodifizierender Therapien. Für Parkinson-Syndrome, die auf spezifischen Mutationen beruhen, könnte es leichter sein, eine Therapie zu finden, die den Verlauf der Erkrankung verlangsamt oder sogar stoppt.
REM-Schlaf-Verhaltensstörung als Frühmarker
Nach den neuesten Untersuchungen treten die ersten Veränderungen nicht in der Schwarzen Substanz, sondern in anderen Teilen des Gehirns auf. Viele Parkinson-Patienten entwickeln dementsprechend auch vor dem Auftreten der körperlichen Symptome andere Erscheinungen wie z.B. Geruchssinnsstörung und die nächtliche sogenannte REM-Schlaf-assoziierte Verhaltensstörung. Diese Störungen könnten also auf eine zukünftige Parkinson-Krankheit hinweisen.
Unterstützung und Aufklärung
Es ist wichtig, dass Familien offen über die Erkrankung sprechen und sich über die verschiedenen Aspekte der Parkinson-Krankheit informieren. Dies kann dazu beitragen, Ängste abzubauen und eine unterstützende Umgebung für Betroffene und ihre Angehörigen zu schaffen.
Aktuelle Forschung und therapeutische Ansätze
Hoffnung auf verlaufsmodifizierende Therapien
Besondere Bedeutung haben spezifische Mutationen bei der Entwicklung verlaufsmodifizierender Therapien. Bisher ist die Behandlung der Parkinson-Erkrankung eine rein symptomatische, das heißt, der Verlauf wird durch die Therapie nicht beeinflusst. Die Hoffnung ist, dass für Parkinson-Syndrome auf dem Boden spezifischer Mutationen, bei denen ein klar definierter Angriffspunkt besteht, leichter eine Therapie zu finden ist, die den Verlauf der Erkrankung verlangsamt oder gar stoppt. Derzeit laufen vielversprechende Phase-2-Studien mit entsprechenden Substanzen bei Patienten mit GBA- und mit LRRK2-Mutationen.
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Suche nach Biomarkern
Ein weiteres wichtiges Forschungsziel ist die Suche nach so genannten Biomarkern: das sind messbare biologische Merkmale (z. B. im Blut oder Nervenwasser), die eine Früherkennung von Parkinson erlauben und helfen, das Fortschreiten der Erkrankung besser im Auge zu behalten.