In unserer zunehmend digitalisierten Welt sind Kopfschmerzen, die durch die Nutzung von Handys und Bildschirmen verursacht werden, ein weit verbreitetes Problem. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Bildschirm-bedingten Kopfschmerzen und Migräne, entkräftet gängige Mythen und gibt praktische Tipps zur Vorbeugung und Linderung.
Einführung
Die intensive Nutzung digitaler Geräte wie Computer, Tablets und Smartphones ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch diese ständige Bildschirmarbeit kann negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben, insbesondere in Bezug auf Kopfschmerzen und Migräne. Es ist wichtig, die Zusammenhänge zu verstehen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Belastung zu reduzieren.
Ursachen von Bildschirm-bedingten Kopfschmerzen und Migräne
Computer Vision Syndrom (CVS)
Längere Zeiten vor dem PC können das Computer Vision Syndrom (CVS) auslösen, zu dessen Leitsymptomen Kopfschmerzen und Augenbrennen zählen. Studien weisen darauf hin, dass jeder Zweite, der Computer und Smartphones intensiv nutzt, unter CVS leidet. Das CVS entsteht durch eine Überanstrengung der Augen, die vor allem durch lange Bildschirmzeiten verursacht wird. Sitzen wir längere Zeit vor einem Bildschirm und fixieren den Blick, verlangsamt sich unbewusst die Lidschlagfrequenz. Die Augen werden weniger gut mit Tränenflüssigkeit befeuchtet und der Tränenfilm wird instabil. In der Folge kommt es zu Augenbrennen und teils auch zu Kopfschmerzen.
Blaulicht
Bildschirme strahlen blaues Licht aus, das das Gehirn stimuliert und den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen kann. Dies kann zu Schlafstörungen führen, die wiederum Migräneanfälle auslösen können. Studien zeigen, dass blaues Licht die Migränebeschwerden im Vergleich zu grünem oder weißem Licht verstärken kann.
Bildschirmflimmern
Einige Bildschirme flimmern mit einer Frequenz, die für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar ist, aber dennoch das Gehirn belasten kann. Dies kann zu visuellen Überlastungen führen, die Migräneanfälle auslösen können.
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Stress und Anspannung
Die intensive Nutzung von digitalen Geräten kann zu Stress und Anspannung führen, insbesondere wenn sie mit beruflichen oder schulischen Anforderungen verbunden ist. Stress ist ein bekannter Auslöser für Migräneanfälle.
Fehlhaltungen
Die ständige Vorneigung des Kopfes beim Blick auf Smartphones kann Muskelverspannungen im Nacken-Schulter-Bereich verursachen, die Spannungskopfschmerzen auslösen können. Eine Gleitsichtbrille mit Nahteil kann ebenfalls Kopfweh triggern, da man wie eingefroren sitzt und den Kopf und die Wirbelsäule nicht mehr bewegt, um mit der Gleitsichtbrille die beste Schärfe auf dem Bildschirm festzuhalten. Das führt zu Fehlhaltungen, die Kopfschmerzen begünstigen.
Fehlsichtigkeiten
Nicht erkannte oder korrigierte Kurz- oder Weitsichtigkeit überanstrengen die Augen und können abends Kopfschmerzen verursachen. Das gilt auch für den Fall, dass Brille oder Kontaktlinsen nicht die richtige Stärke besitzen oder ein „verstecktes“ Schielen vorliegt, das durch verstärkte Augenmuskelarbeit kompensiert wird.
Handynacken
Die geneigte Kopfhaltung beim Blick aufs Smartphone führt zu einer Überlastung der Halswirbelsäule, die Nacken- und Kopfschmerzen verursachen kann. Die durchschnittliche Beugung beim Blick aufs Smartphone liegt bei etwa 45 Grad - das entspricht einer Belastung von bis zu 20 Kilogramm! Die Halswirbelsäule muss dieser Belastung standhalten, wodurch sich die Muskeln verhärten können.
Mythen rund um Kopfschmerzen und Migräne
Es gibt viele Mythen rund um Kopfschmerzen und Migräne. Hier sind einige der häufigsten:
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- Mythos 1: Alkohol mischen macht einen Schädel. Stimmt nicht. Wer zu viel trinkt, riskiert einen Kater - in welcher Reihenfolge man Bier und Wein trinkt, spielt dabei keine Rolle.
- Mythos 3: Wasser trinken kann helfen. Stimmt - aber ein Glas Wasser allein reicht nicht aus. Sieben Gläser Wasser am Tag können Kopfschmerzen und Migräne lindern.
- Mythos 4: Schmerztabletten besser vermeiden. Stimmt nicht. Bei nur gelegentlich auftretenden Kopfschmerzen kann es sinnvoll sein, frühzeitig ein rezeptfreies Schmerzmittel einzunehmen.
- Mythos 5: Musik und Beats helfen gegen Kopfweh. Nicht belegt. Ob binaurale Beats tatsächlich wirken, lässt sich noch nicht sicher sagen, da entsprechende wissenschaftliche Belege fehlen.
- Mythos 6: Kaffee lindert Kopfweh. Stimmt. Kaffee kann bei leichten Kopfschmerzen helfen, da das enthaltene Koffein verhindert, dass der Körper Prostaglandine ausstößt.
- Mythos 7: Schokolade löst Migräne aus. Stimmt nicht. Vielmehr stellt der Heißhunger selbst bereits ein Symptom der Migräne dar.
- Mythos 8: Gewitter im Kopf? Das Wetter ist schuld. Nicht ausreichend belegt. Studien konnten bislang keinen ursächlichen Zusammenhang belegen.
Vorbeugung und Linderung von Bildschirm-bedingten Kopfschmerzen und Migräne
Allgemeine Maßnahmen
- Begrenze die Bildschirmzeit: Setze dir feste Zeiten für die Nutzung von Computern, TV-Bildschirmen, Smartphones und Tablets und halte dich daran. Versuche, Pausen einzulegen und deine Augen regelmäßig zu entlasten, um die Belastung zu reduzieren.
- Ergonomie beachten: Achte darauf, dass du deine digitalen Geräte ergonomisch korrekt einrichtest, um körperliche Belastungen zu minimieren. Stelle sicher, dass der Bildschirm auf Augenhöhe positioniert ist und dass du eine geeignete Sitzhaltung einnimmst. Die natürliche Blickrichtung ist leicht nach unten geneigt.
- Regelmäßige PC-Pausen: Lege regelmäßige PC-Pausen ein, schaue in die Ferne und blinzle bewusst oder schließe die Augen für einige Sekunden.
- Entspannungstechniken nutzen: Integriere Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Meditation in deinen Alltag, um Stress abzubauen und die Wahrscheinlichkeit von Migräneanfällen zu reduzieren.
- Sport, Schlaf, Ernährung: Achte auf ausreichenden Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten, Flüssigkeitszufuhr und Bewegung an der frischen Luft.
- Kopfschmerzkalender: Führe einen Kopfschmerzkalender, um Auslöser zu erkennen und aktiv Einfluss zu nehmen.
- Stressbewältigung: Praktiziere gesunde Lebensgewohnheiten zur Stressbewältigung und zur Einhaltung regelmäßiger Routinen in Bezug auf Schlaf, Ernährung, Bewegung und Flüssigkeitszufuhr.
Maßnahmen zur Reduzierung der Bildschirmbelastung
- Nutze Bildschirmfilter: Verwende Bildschirmfilter oder Blaulichtfilter-Apps, um das blaue Licht von Bildschirmen zu reduzieren und die Belastung für deine Augen zu minimieren.
- Passe die Helligkeit an: Reduziere die Helligkeit von Bildschirmen, insbesondere abends oder nachts, um die Belastung für deine Augen zu verringern und den Schlaf nicht zu beeinträchtigen.
- Blaulichtfilterbrille: Trage eine Brille mit Blaulichtfilter, um einige Wellenlängen des Lichts herauszufiltern, die zur Überanstrengung der Augen beitragen.
- Nachtmodus aktivieren: Aktiviere den Nachtmodus auf deinen Geräten, um die Farbtemperatur zu verändern und den Blaulichtanteil zu reduzieren.
- Angemessene Distanz: Halte Ihr Handy oder Ihren Bildschirm nicht zu nah an Ihre Augen. Versuchen Sie, eine angemessene Distanz zu wahren, indem Sie Ihr Gerät auf Augenhöhe und nicht zu dicht positionieren.
Maßnahmen bei bestehenden Beschwerden
- Wärme: Bei akuten Nacken- und Kopfschmerzen kann Wärme hilfreich sein. Legen Sie eine Wärmflasche auf den schmerzenden Bereich und gönnen Sie sich Ruhe.
- Massage: Sie können die Muskeln auch sanft massieren (lassen).
- Schmerzmittel: Schnelle Hilfe bringen Schmerzmittel, die Sie rezeptfrei in der Apotheke bekommen. Sie enthalten z.B. Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen. Besonders hilfreich ist eine Kombination aus Ibuprofen und Koffein.
- Augenübungen: Um Ihren Augen im Alltag Erleichterung zu verschaffen, sollten Sie regelmäßige Augenübungen in Ihre Routine aufnehmen. Blinzeln Sie häufig, um die Augen zu befeuchten, und machen Sie Augenübungen, um die Anspannung zu lösen. Ein einfaches Beispiel ist das abwechselnde Fokussieren auf einen Punkt in der Ferne und dann auf einen Punkt in Ihrer Nähe. Wiederholen Sie diese Übung am besten mehrfach bewusst alle halbe Stunde. Sie können sich auch eine Uhr vor Ihren Augen vorstellen und diese mit dem Blick abfahren, um Ihre Augenmuskulatur zu lockern.
- Physiotherapie: Physiotherapie ist ebenfalls eine Möglichkeit, den „Handynacken“ zu behandeln. Auch Akupunktur, Akupressur oder eine Triggerpunktbehandlung können die Schmerzen lindern.
- Medikamente: Bei Migräne empfiehlt sich die Einnahme von Notfallmedikamenten, damit die Migräne so schnell wie möglich gestoppt werden kann. Für manche Menschen sind rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Kombinationspräparate, die auch Koffein enthalten, hilfreich, wenn sie zu Beginn der Symptome eingenommen werden. Wenn diese Mittel jedoch nicht wirken, empfiehlt dein Arzt möglicherweise ein Medikament aus der Gruppe der sogenannten Triptane, die verschreibungspflichtig sind.
Spezielle Maßnahmen bei Augenproblemen
- Sehtest: Ein Sehtest beim Augenarzt oder Optiker bringt Klarheit über mögliche Fehlsichtigkeiten.
- Computerbrille: Eine speziell angefertigte Computerbrille, die auf einen Bildschirmabstand von rund 80 cm optimiert ist, kann bei Bildschirmarbeit helfen.
- Augenarzt: Bei chronischen Kopfschmerzen ist es ratsam, auch die Augenärztin oder den Augenarzt aufzusuchen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wenn Sie plötzliche, heftige Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule spüren, die in Schultern und Arme ausstrahlen, dann sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen. Das gilt auch, wenn Sie Taubheitsgefühle in Teilen der Arme bemerken. Auch bei anhaltenden oder häufigen Kopfschmerzen sollte ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Ein augenmedizinischer Notfall liegt vor, wenn ein akuter Glaukom-Anfall oder eine Riesenzellarteriitis die Ursache starker Kopfschmerzen ist. In dem Fall droht eine Erblindung.
Digitalisierung und Kopfschmerzen
Die Digitalisierung hat zu einer Zunahme von Kopfschmerzen geführt, insbesondere bei jungen Erwachsenen. Die intensive Nutzung digitaler Medien und klimatische Veränderungen werden als mitbestimmende Faktoren genannt. Insbesondere der hohe Medienkonsum junger Erwachsener zeigt deutliche Auswirkungen. Die Kopfschmerzwahrscheinlichkeit in einer Schüler- und Studentengruppe, die während der Corona-Pandemie digital unterrichtet wurde, nahm mit der Zeitdauer des Online-Unterrichts kontinuierlich zu.
Persönliche Erfahrungen
Lancei Keita, der in Malaga lebt, entwickelte eine Migräne, ausgelöst durch Licht. Er hat gelernt, Licht-Trigger abzumildern und erste Anzeichen einer Migräne zu erkennen. Er trägt immer eine Sonnenbrille und verwendet eine Folie mit einem Blaufilter auf seinem Handy-Display. Am Laptop und vor dem Fernseher trägt er immer eine Brille mit Blaufilter.
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