KG ZNS Kinder: Dauer und Behandlungsmethoden im Überblick

Die Behandlung von Kindern mit neurologischen Erkrankungen erfordert spezielle Therapieansätze. Ein wichtiger Bestandteil ist die Krankengymnastik bei Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (KG ZNS), die darauf abzielt, Bewegungsfähigkeit zu verbessern, Entwicklungsverzögerungen zu behandeln und die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der KG ZNS bei Kindern, einschließlich der Behandlungsdauer, der angewandten Methoden und der Rahmenbedingungen für die Therapie.

Einführung in die KG ZNS für Kinder

KG ZNS ist eine spezielle Form der Physiotherapie, die sich auf die Behandlung von Kindern mit neurologischen Erkrankungen oder Schädigungen konzentriert. Diese können angeboren oder frühkindlich erworben sein. Das Ziel ist es, gestörte Bewegungsmuster neu zu erlernen, die Koordination und das Gleichgewicht zu verbessern und die Selbstständigkeit im Alltag zurückzugewinnen.

Grundlagen der Physiotherapie und KG ZNS

Physiotherapie zielt darauf ab, die Bewegungsfähigkeit zu verbessern und kann Operationen oder Medikamente ergänzen oder ersetzen. Sie hilft bei akuten Erkrankungen und Verletzungen und kann auch vorbeugend sinnvoll sein. Physiotherapie umfasst viele aktive und passive Behandlungsverfahren und wird in der Rehabilitation, Therapie und Prävention eingesetzt.

KG ZNS unterscheidet sich von der klassischen Krankengymnastik dadurch, dass sie speziell auf die Bedürfnisse von Patienten mit neurologischen Erkrankungen zugeschnitten ist. Im Vordergrund stehen individuelle und alltagsbezogene Aktivitäten, die den Patienten in seinem Tagesablauf herausfordern und begleiten. Es ist ein 24-Stunden-Konzept, das stetig neu befundet und auf das aktuelle motorische und kognitive Vermögen angepasst wird.

Ziele der KG ZNS bei Kindern

Bei der Therapie von Kindern mit KG ZNS geht es darum, Entwicklungsverzögerungen, Wahrnehmungsstörungen, Koordinations- oder Bewegungsstörungen durch gezielte Bewegungsreize zu behandeln. Je nach Alter werden dabei verschiedene Methoden eingesetzt, um das motorische Lernen anzuregen. Diese Methoden werden auch bei schwerst- oder mehrfachbehinderten Säuglingen und Kindern angewendet, um natürliche Bewegungen und Bewegungsübergänge zu üben.

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Die Hauptziele der KG ZNS bei Kindern sind:

  • Verbesserung der Sensomotorik
  • Gleichgewichts- und Koordinationsschulung
  • Verbesserung des pathologischen Muskeltonus
  • Vermeidung oder Verminderung sekundärer Schäden
  • Verbesserung der psycho-motorischen Entwicklung, einschließlich der Sprachanbahnung

Behandlungsmethoden der KG ZNS

Für die physiotherapeutische Behandlung von neurologischen Erkrankungen gibt es verschiedene Therapiekonzepte: die Bobath-Therapie, die Vojta-Therapie und die PNF-Therapie. Jede dieser Behandlungsformen hat unterschiedliche Schwerpunkte und Therapieansätze. Allen gemeinsam ist eine eingehende Befundung zu Beginn der Behandlung sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Therapeut und Patient.

Bobath-Therapie

Die Bobath-Therapie ist ein bewegungstherapeutisches Behandlungskonzept ohne vorgeschriebene Techniken oder Übungen. Im Mittelpunkt steht das handlungsorientierte Training körperlicher, geistiger, emotionaler und sozialer Fähigkeiten. Die Bobath-Therapie wird vor allem bei Patienten angewendet, deren Motorik, Wahrnehmung oder Gleichgewicht aufgrund neurologischer Funktionsstörungen beeinträchtigt sind. Vorrangiges Behandlungsziel ist es, die Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit im Alltag durch Eigenaktivität so gut wie möglich wiederherzustellen.

Bei Kindern wird die Bobath-Therapie häufig bei Entwicklungs- und Bewegungsstörungen angewandt. Altersgerechte Bewegungsanreize und -erfahrungen regen motorisches Lernen an, sodass Kindern mit Bewegungs-, Koordinations- und Wahrnehmungsstörungen zu einer bestmöglichen Entwicklung verholfen wird. Durch gezielte Behandlungstechniken werden Bewegungsfolgen und -übergänge aufgebaut sowie Gleichgewichtsreaktionen und die Körperwahrnehmung verbessert.

Die zentrale Technik im Bobath-Konzept ist das Handling oder die Fazilitation durch den Einsatz der Hände oder des Körpers des Therapeuten. Fazilitation dient der Unterstützung bewegungsbezogener Aktivitäten in alltags- und handlungsrelevanten Situationen. Handling wird zur Unterstützung bei einer Haltungskontrolle in verschiedenen Positionen, bei Positionswechseln und Fortbewegungen eingesetzt.

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Vojta-Therapie

In der Vojta-Therapie werden keine aktiven Bewegungsmuster oder Bewegungsfunktionen geübt. Über gezieltes Stimulieren (Triggern) bestimmter Auslösezonen (Triggerpunkte) an bestimmten Stellen des Körpers oder der Extremitäten werden motorische Basismuster bzw. Reflexe ausgelöst. Ziel ist es, Bewegungsmuster und angeborene Funktionen zu aktivieren und zu verbessern.

Grundprinzip der von Prof. Dr. Václav Vojta entwickelten Therapie ist die Aktivierung von automatischen Bewegungsmustern, die von Geburt an im zentralen Nervensystem angelegt sind. Durch wiederholtes Auslösen dieser Muster werden Blockaden innerhalb der nervlichen Netzwerke zwischen Gehirn und Rückenmark gelöst oder neue nervliche Verbindungen gebahnt. Auslöser ist stets ein gezielter Druck des Therapeuten auf eine spezifische Körperzone.

PNF-Therapie

Bei der PNF-Therapie werden Propriozeptoren gezielt angeregt. Diese Rezeptoren befinden sich in Muskeln, Gelenken und Sehnen und leiten Informationen über die Haltung und Bewegung des Körpers an das zentrale Nervensystem weiter. Durch gezielte Stimulation der betroffenen Körperabschnitte werden natürliche Bewegungsmuster, die im zentralen Nervensystem abgespeichert sind, angeregt.

Ziel ist es, über die Reizung der Bewegungsfühler das Zusammenspiel von Nerv und Muskel zu erleichtern. Hierfür wurden definierte Bewegungsmuster für den ganzen Körper entwickelt, die den Alltagsbewegungen und -funktionen entsprechen. PNF nutzt dazu vorhandene Fähigkeiten des Patienten und setzt sie gezielt zur Verbesserung der Bewegungs- und Haltungskontrolle ein. Ange­wendet wird die Therapie vor allem bei Bewegungs­stör­ungen aufgrund Multipler Sklerose, Morbus Parkinson, eines Schädel-Hirn-Traumas oder Schlag­anfalls, ebenso nach Sport­unfällen und Gelenk­opera­tionen.

Behandlungsdauer und -frequenz

Die Dauer einer KG-ZNS-Behandlung hängt von der Verordnung des Arztes und dem individuellen Therapieplan ab. In der Regel umfasst eine Einheit 25-45 Minuten (Einzelbehandlung). Die Gesamtzahl der Einheiten wird vom Arzt oder der Ärztin festgelegt und orientiert sich an der Schwere der Erkrankung und der individuellen Situation. Typisch sind zunächst 10 Einheiten pro Rezept. Bei chronischen Krankheitsverläufen kann der Arzt kontinuierlich bis zu 24 Einheiten pro Rezept ausstellen.

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Richtwerte für die Behandlungsdauer

  • Bobath (Kinder): Richtwert: 30 bis 45 Minuten
  • KG ZNS: Eine Therapieeinheit dauert ca. 25 Minuten; bei doppelter KG-ZNS sind es ca. 50 Minuten.

Frequenz der Behandlung

Die Frequenz variiert hierbei, je nach Therapieziel. Ganz individuell gibt es die Möglichkeit, dass 1 Termin pro Woche durchaus ausreicht. Thera­peut­isch sinn­voll sind dabei 1 bis 3 Behand­lungen pro Woche. Genaueres legt der behan­delnde Arzt fest.

Blankoverordnung

Seit dem 1.11.2024 können Ärzte eine Blankoverordnung für Physiotherapie ausstellen. Das bedeutet, dass Ärzte Physiotherapie verschreiben, aber keine genauen Anweisungen zu Art, Menge und Häufigkeit der Behandlungen geben. Diese Entscheidungen treffen die Physiotherapeuten eigenständig. Eine Blankoverordnung ist für maximal 16 Wochen gültig. Vor Beginn der Therapie muss der Physiotherapeut einmalig eine umfassende Untersuchung durchführen. Während der Therapie müssen die Therapieziele überprüft und ggf. angepasst werden.

Rahmenbedingungen für die KG ZNS

Ärztliche Verordnung

Physiotherapie muss ärztlich verordnet werden. Soweit eine medi­zin­ische Not­wendig­keit beim Patienten besteht, können alle nieder­gelas­senen Ärzte aller Fach­rich­tungen ein Rezept zur Physio­the­rapie als soge­nanntes Heil­mittel aus­stellen. Dazu zählen z.B. Haus­ärzte, Ortho­päden, Durch­gangs­ärzte, Neuro­logen, Zahn­ärzte, aber auch Derma­tologen und Lympho­logen. Die meisten Ver­ord­nungen für Physio­therapie stellen jedoch Haus­ärzte und Ortho­päden aus.

Kostenübernahme

Bei ärztlicher Verordnung übernimmt die Krankenkasse die Kosten, meist mit Zuzahlungen. In der Regel müssen Versicherte ab dem 18. Lebensjahr Zuzahlungen leisten. Die Kosten sind im Heil­mittel­katalog fest­ge­legt und richten sich nach der ver­ordneten Maß­nahme. In der Regel beträgt die Zu­zahl­ung für Patienten 10 % der Behand­lungs­kosten zuzüglich 10 Euro pro Rezept. Bei Patienten, die eine Beschein­igung über eine Befrei­ung von der Zu­zahlung von ihrer Kran­ken­kasse haben, über­nimmt die Kranken­kasse 100 % der Kosten. Bei Arbeits­un­fällen über­nimmt die Berufs­genossen­schaft die gesamten Kosten für die ver­ord­neten The­rapien.

Heilmittelkatalog

Die Maßnahmen der Physiotherapie werden im Heilmittelkatalog näher definiert. Es sind nur solche Heilmittel verordnungsfähig, deren therapeutischer Nutzen nachgewiesen ist und die nicht ausschließlich der persönlichen Lebensführung dienen (z.B. Ganzkörpermassagen ohne konkreten therapeutischen Nutzen). Bei der Heilmittelverordnung wird in vorrangige und ergänzende Heilmittel unterschieden. Auch eine Kombination der Heilmittel ist möglich (siehe Standardisierte Heilmittelkombinationen). Die Dauer der Verordnung ist abhängig von der Erkrankung und der Leitsymptomatik und ist im Heilmittelkatalog vorgegeben.

Therapeuten und Qualifikation

KG-ZNS darf ausschließlich von speziell ausgebildeten Physiotherapeut:innen durchgeführt werden. Diese haben eine Zusatzqualifikation in neurologischer Krankengymnastik und sind in den oben genannten Therapiekonzepten (Bobath, Vojta, PNF) geschult. Ein optimales Behandlungsergebnis setzt eine spezielle Fortbildung voraus. Der Kurs schließt mit einem Zertifikat ab.

Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit

Die Behandlung von Kindern mit KG ZNS erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Therapeuten, Eltern und anderen Bezugspersonen. Nur so kann ein individueller Therapieplan erstellt und optimal umgesetzt werden. Die Einbeziehung der Eltern ist besonders wichtig, da sie den förderlichen Umgang mit dem Kind im Alltag erlernen und die Therapie zu Hause unterstützen können.

Fazit

Die KG ZNS ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Kindern mit neurologischen Erkrankungen. Die Wahl der geeigneten Therapieform, die Behandlungsdauer und -frequenz sowie die Qualifikation des Therapeuten sind entscheidend für den Erfolg der Therapie. Durch eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten kann die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Kinder nachhaltig verbessert werden.

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