Kieferübungen zur Linderung von Parkinson-Symptomen

Parkinson-Patienten leiden häufig unter einer Reihe von Symptomen, die ihren Alltag erheblich beeinträchtigen können. Dazu gehören Gangunsicherheiten, das sogenannte Freezing, Sprech- und Schluckbeschwerden sowie Schwierigkeiten mit der Feinmotorik. Ein oft übersehener Aspekt sind jedoch die Auswirkungen von Parkinson auf die Kiefermuskulatur und die damit verbundenen Funktionen wie Kauen, Schlucken und Sprechen. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von Kieferübungen bei Parkinson und wie sie zur Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen beitragen können.

Auswirkungen von Parkinson auf die Mund- und Kieferregion

Parkinson führt zu einem Dopaminmangel, der muskuläre Probleme verursacht und unter anderem das Sprechvermögen beeinträchtigt. Die Gesichtsmuskeln sind häufig steif und angespannt, was sich negativ auf Stimme und Sprache auswirkt. Die Stimme wird heiser und leiser, das Sprechen verlangsamt sich, und die Aussprache wird undeutlicher. Auch die Schluckbeschwerden bei Parkinson beruhen auf geschwächter Muskulatur und können zu lebensgefährlichem Verschlucken führen.

Darüber hinaus kann Parkinson zu Zähneknirschen (Bruxismus) führen, sowohl tagsüber als auch nachts. Neurologische Veränderungen im Gehirn können die Kontrolle über die Muskeln im Kiefer- und Gesichtsbereich beeinträchtigen.

Bedeutung von Kieferübungen

Kieferübungen sind ein wichtiger Bestandteil der logopädischen Behandlung bei Parkinson. Sie tragen dazu bei, die Muskulatur im Kiefer- und Gesichtsbereich zu stärken und die Koordination beim Kauen und Schlucken zu verbessern. Durch regelmäßiges Training können Patienten ihre Ausdrucksfähigkeit erhalten oder wieder verbessern.

Die Therapie mit Stimmübungen und Training der Lippen- oder Zungenmuskulatur kann dazu beitragen, die Lebensqualität der Patienten zu erhalten, sie vor dem sozialen Rückzug zu bewahren und ihnen den Alltag zu erleichtern.

Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen

Beispiele für Kieferübungen

Es gibt verschiedene Kieferübungen, die speziell für Menschen mit Parkinson entwickelt wurden. Diese Übungen sollten idealerweise unter Anleitung eines Logopäden oder Physiotherapeuten durchgeführt werden, der auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten spezialisiert ist.

Einige Beispiele für Kieferübungen sind:

  • Mundöffnungsübungen: Öffnen Sie den Mund so weit wie möglich und halten Sie die Position für einige Sekunden.
  • Kiefermuskeldehnung: Neigen Sie Ihren Kopf leicht nach hinten und öffnen Sie dabei den Mund, um eine Dehnung der Kiefermuskulatur zu erreichen.
  • Kauübungen: Kauen Sie auf weichen Nahrungsmitteln, um die Kaumuskulatur zu trainieren.
  • Lippen- und Wangenübungen: Pusten Sie Luft in die Wangen und halten Sie die Position für einige Sekunden.

Zusätzlich zu diesen spezifischen Übungen können auch allgemeine Übungen zur Stärkung der Gesichtsmuskulatur hilfreich sein:

  • Oberlippe bzw. Finger weit auseinanderspreizen.
  • Lippen spitzen ("Kussmund") / Sprechen Sie ein "u".
  • Lippen breit ziehen ("übertriebenes Lächeln") / Sprechen Sie ein übertriebenes "i".
  • Heben Sie beide Augenbrauen, dann runzeln Sie die Stirn ("erstaunt schauen").
  • Ziehen Sie die Augenbrauen zusammen ("verärgert"), dann rümpfen Sie die Nase ("angeekelt").

Diese Übungen sollten mehrmals täglich wiederholt werden, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Weitere unterstützende Maßnahmen

Neben den Kieferübungen gibt es noch weitere Maßnahmen, die Menschen mit Parkinson helfen können, ihre Mundgesundheit und Lebensqualität zu verbessern:

Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt

  • Medikamentöse Anpassungen: In einigen Fällen können Anpassungen der Parkinson-Medikation dazu beitragen, die Symptome zu lindern, einschließlich solcher, die mit Kieferproblemen verbunden sind.
  • Zahnärztliche Versorgung: Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sind wichtig, um Mundgesundheit und Hygiene aufrechtzuerhalten. Menschen mit Parkinson benötigen spezielle zahnärztliche Betreuung, um ihre Mundgesundheit zu erhalten und mögliche Probleme im Zusammenhang mit der neurologischen Erkrankung zu bewältigen.
  • Mundhygieneanleitung: Menschen mit Parkinson können aufgrund von Bewegungseinschränkungen oder Koordinationsproblemen Schwierigkeiten bei der Mundhygiene haben. Die Betreuung sollte individuell angepasst werden, um die besonderen Bedürfnisse und Herausforderungen jedes Patienten zu berücksichtigen.
  • Angepasste Ernährung: Weiche oder flüssige Nahrungsmittel können die Herausforderungen beim Kauen und Schlucken minimieren.
  • Psychosoziale Unterstützung: Parkinson kann psychische Belastungen mit sich bringen. Psychotherapie (z. B. eine Gesprächstherapie) kann helfen, mögliche Traumata aufzuarbeiten. Eine starke Ausprägung der Parkinson-Symptome kann zu sozialem Rückzug führen, was sich auf die Stimmung der Betroffenen auswirken kann.
  • Stimmtraining mit Schlauch und Wasserflasche: Dies kann zu einer gesünderen, stärkeren und freieren Stimmgebung führen.

Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit

Der Umgang mit Kieferbeschwerden bei Parkinson erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der medizinische, zahnärztliche und therapeutische Interventionen umfasst. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten, Neurologen, Logopäden, Physiotherapeuten und anderen Fachleuten ist entscheidend, um die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen jedes Patienten zu bewerten und angemessene Maßnahmen zu ergreifen.

Bewegungstherapie als wichtiger Bestandteil der Parkinson-Behandlung

Regelmäßige Bewegung ist ein entscheidender Teil der Parkinson-Therapie und kann den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Sie verbessert nicht nur die Beweglichkeit, sondern wirkt sich auch positiv auf Stimmung, Konzentration und Selbstvertrauen aus.

Es gibt verschiedene Übungsvideos und Programme, die speziell für Parkinson-Patienten entwickelt wurden. Diese Übungen können bequem zu Hause durchgeführt werden und helfen, die Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Sprechmotorik zu verbessern.

Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson

tags: #kieferubungen #bei #parkinson