Neurologische Ursachen für Kopfschmerzen bei Kindern in der Nacht

Kopfschmerzen sind ein häufiges Problem bei Kindern und Jugendlichen. Die Ursachen für diese Kopfschmerzen können vielfältig sein und es ist wichtig, sie richtig zu diagnostizieren und zu behandeln. Dieser Artikel befasst sich mit den neurologischen Ursachen von Kopfschmerzen bei Kindern, insbesondere solchen, die nachts auftreten.

Ursachen von Kopfschmerzen bei Kindern

Die beiden häufigsten Formen von Kopfschmerzen bei Kindern sind Spannungskopfschmerzen und Migräne. Die genauen Ursachen dieser Erkrankungen sind noch nicht vollständig geklärt.

Spannungskopfschmerzen

Experten vermuten, dass sowohl innere als auch äußere Faktoren zu Spannungskopfschmerzen beitragen. Äußere Faktoren sind vor allem muskuläre Verspannungen, die beispielsweise durch Stress, Ängste und emotionale Probleme ausgelöst werden. Die heutige Lebensweise trägt ebenfalls dazu bei, da Kinder sich weniger bewegen, mehr fernsehen, viel am Computer spielen und oft unter schulischem Druck stehen. Innere Faktoren umfassen wahrscheinlich eine Störung des Schmerzverarbeitungssystems des Gehirns, wodurch die Schmerzempfindlichkeit der betroffenen Kinder erhöht ist.

Migräne

Es wird angenommen, dass eine Migräneneigung vererbt werden kann. Wenn also Mutter oder Vater unter der Kopfschmerzkrankheit leiden, besteht auch für Kinder ein erhöhtes Risiko für Migräne. Für das Auftreten von Schmerzattacken gibt es verschiedene Migräne-Auslöser, die sogenannten Trigger. Diese sind von Kind zu Kind unterschiedlich und müssen individuell herausgefunden werden. Häufige Trigger für Migräne bei Kindern und Jugendlichen sind: Stress, ein unregelmäßiger Tagesablauf, bestimmte Nahrungsmittel, Wetter, physikalische und chemische Reize.

Symptome von Kopfschmerzen bei Kindern

Die Symptome von Kopfschmerzen bei Kindern können je nach Art des Kopfschmerzes variieren.

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Spannungskopfschmerzen

Kinder mit Spannungskopfschmerzen spüren oft einen drückenden oder ziehenden Schmerz vorne an der Stirn. Manche Kinder beschreiben ihn auch als Ring, der den Kopf zusammendrückt. Die Symptome dauern zwischen 30 Minuten und mehreren Tagen an. Kleinkinder zeigen bei Schmerzen oft auf den Bauch, obwohl der Kopf weh tut, da sie noch nicht in der Lage sind, den Schmerz zu lokalisieren. Die meisten Kinder, die unter Kopfweh leiden, wollen nicht mehr spielen, haben großen Hunger und Durst, sind müde und blass.

Migräne

Bei Kindern mit Migräne kann der Kopf an beiden Seiten schmerzen, manchmal auch im Schläfenbereich. Kinder beschreiben ihn meist als drückend oder pochend. Es kann außerdem zu neurologischen Beschwerden kommen, wie Lichtblitze vor den Augen, Gefühls-, Bewegungs-, Sprach- und Schluckstörungen. Manchmal treten halluzinatorische Sehstörungen auf, die Experten als Alice-im-Wunderland-Syndrom bezeichnen. Betroffene meiden Licht und laute Geräusche. Weitere typische Symptome einer Migräne bei Kindern sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Schwindelattacken.

Bauchmigräne

Als Bauchmigräne, auch abdominelle Migräne genannt, bezeichnen Ärzte Bauchschmerzen, die in regelmäßigen Abständen und anfallsartig auftreten. Eine solche Migräne-Attacke kann sich von einer Stunde bis zu drei Tagen erstrecken. Zwischen den Attacken herrscht eine völlige Beschwerdefreiheit. Etwa ein bis vier Prozent der Kinder und Jugendlichen sind von einer Bauchmigräne betroffen - wobei sie meist im Grundschulalter sind. Häufig klingt die Bauchmigräne mit der Pubertät ab und geht in eine Kopfmigräne über. Eine abdominelle Migräne geht typischerweise mit plötzlich auftretenden Bauchschmerzen einher. Doch auch weitere Symptome begleiten eine Bauchmigräne, zum Beispiel: Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blässe (manchmal auch Gesichtsröte), dunkle Augenringe, Lichtscheue.

Diagnose von Kopfschmerzen bei Kindern

Wenn die Kopfschmerzen bei Ihrem Kind häufiger auftreten, länger als zwei Stunden anhalten oder so stark sind, dass Ihr Kind deshalb schon einmal einen Schultag vorzeitig abbrechen musste, sollten Sie unbedingt eine Kinderarztpraxis aufsuchen. Um die richtige Diagnose zu stellen, ist der Arzt oder die Ärztin auf Ihre Mithilfe und die des Kindes angewiesen. Eine möglichst konkrete Beschreibung hilft, das Leiden richtig einzuordnen. Außerdem führt der Mediziner beziehungsweise die Medizinerin eine körperliche und neurologische Untersuchung durch. Eine apparative Diagnostik ist nur in Ausnahmefällen nötig, da es sich bei Kindern meistens um eine primäre Kopfschmerzerkrankung wie Spannungskopfschmerz oder Migräne handelt. Nur bei bestimmten Symptomen müssen mögliche andere Ursachen durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden. Dazu gehört dann meist eine Magnetresonanztomographie. Lebensbedrohliche Ursachen wie eine Hirnhautentzündung, Tumore oder Hirnblutungen sind bei Kindern sehr selten.

Wann ist eine sofortige Abklärung erforderlich?

Wacht ein Kind nachts durch die Kopfschmerzen auf und erbricht es, ist eine unverzügliche Abklärung erforderlich. Leidet es morgens unter Kopfschmerzen und muss es sich deshalb übergeben, nehmen die Kopfschmerzen in ihrer Häufigkeit, Dauer und Heftigkeit zu, sind das alle Gründe für einen sofortigen Besuch beim Kinder- und Jugendarzt. Auch wenn die Kopfschmerzen regelmäßig auftreten, sollten Eltern einen Kinder- und Jugendarzt zurate ziehen, um zu vermeiden, dass die Schmerzen chronisch zu werden.

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Therapie von Kopfschmerzen bei Kindern

Ohne ärztliche Kontrolle sollten Sie Ihrem Kind auf keinen Fall wiederholt Schmerzmittel geben. Die bei Erwachsenen beliebte Acetylsalicylsäure hat bei Kindern oft Nebenwirkungen. Kinderärzte empfehlen bei Spannungskopfschmerzen die Wirkstoffe Ibuprofen oder Paracetamol. Oft reicht aber schon die Ablenkung vom Kopfschmerz durch eine angenehme Aktivität. Leidet das Kind unter Migräne, kommt meistens Ibuprofen zum Einsatz. Ab dem 12. Lebensjahr dürfen Kindern auch Triptane als Nasenspray einnehmen. Bei starken Migräneattacken verschreiben Ärztinnen und Ärzte Wirkstoffe wie Propranolol oder Flunarizin, die Kopfschmerzattacken vorbeugen können.

Medikamentöse Prophylaxe

Eine medikamentöse Prophylaxe ist in Ausnahmefällen indiziert bei:

  • mehr als 3 Attacken pro Monat
  • bei unzureichendem Ansprechen auf die Attackenbehandlung
  • bei extremer Intensität oder Dauer > 48 Stunden

Mittel der ersten Wahl ist FLUNARIZIN 5mg pro Tag. Ein Mittel der zweiten Wahl mit positiver Studienlage stellt TOPIRAMAT 25mg pro Tag dar. Als nebenwirkungsarme Alternativen können Pestwurz, Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin) oder Coenzym Q10 eingesetzt werden.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Maßnahmen, die helfen können, Kopfschmerzen bei Kindern zu lindern. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft
  • Regelmäßige Schlaf- und Essenszeiten
  • Meiden bekannter Auslöser für Kopfschmerzen
  • Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Fantasiereisen
  • Ablenkung vom Schmerz durch angenehme Aktivitäten

Vorbeugung von Kopfschmerzen bei Kindern

Zahlreiche prophylaktische Maßnahmen können helfen, dass Kopfschmerzen bei Kindern gar nicht erst auftreten. Vor allem regelmäßige Bewegung an der frischen Luft sowie regelmäßige Schlaf- und Essenszeiten sind sehr hilfreich. Darüber hinaus ist es wichtig, bekannte Auslöser für Kopfschmerzen zu meiden. Bei Migräne können das manche Nahrungsmittel sein. Auch psychische Belastungen gilt es zu meiden oder zu reduzieren. Dazu gehören schulische Probleme, Spannungen in der Familie sowie Leistungs- und Termindruck.

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Seltene, aber wichtige Ursachen für nächtliche Kopfschmerzen

Obwohl die meisten Kopfschmerzen bei Kindern harmlos sind, gibt es seltene, aber wichtige Ursachen, die abgeklärt werden müssen, insbesondere wenn die Kopfschmerzen nachts auftreten.

Hirntumore

Plötzliche Kopfschmerzen, die insbesondere nachts und in den frühen Morgenstunden auftreten, im Liegen zunehmen, sich am Tage spontan bessern und mit der Zeit heftiger werden und sich durch herkömmliche Schmerzmittel kaum unterdrücken lassen, sind häufig das erste Symptom einer Geschwulst des Gehirns. Auch eine schlechtere Auffassungsgabe sowie Sprach- und Geruchsstörungen, verschwommenes Sehen und Ausfälle im Sichtfeld gehören zu den möglichen Warnzeichen. Oftmals macht sich ein Gehirntumor auch durch epileptische Anfälle bemerkbar.

Andere neurologische Ursachen

Weitere mögliche neurologische Ursachen für Kopfschmerzen, die nachts auftreten können, sind:

  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Erhöhter Hirndruck (gutartig oder bösartig)
  • Enzephalitis (Hirnentzündung)
  • Multiple Sklerose
  • Systemkrankheiten
  • Infektionen
  • Abszesse
  • Gefäßveränderungen

Kopfschmerzen und Schmerzgedächtnis

Schmerz wird gelernt und das Schmerzgedächtnis kann Kopfschmerz beliebig oft und zuletzt dauernd bereitstellen. Diese erlernte Schmerzwahrnehmung können wir durch intensive Ablenkung verlassen, denn unser Bewusstsein kann gleichzeitig nur einen Gedanken fassen. Wir tricksen den erlernten Kopfschmerz aus, indem wir Dinge tun, die Aufmerksamkeit und Denken völlig gefangen nehmen: Ballspiele, Tischtennis, Klettern, Tanzen, Musik machen, Holz hacken, schnelles Radfahren.

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