Das menschliche Gehirn, äußerlich aus zwei fast spiegelgleichen Hälften bestehend, ist asymmetrisch organisiert. Diese Spezialisierung des Gehirns mit einer bevorzugten Hand konnte ansatzweise auch bei Primaten festgestellt werden. Die Händigkeit, also welche Hand bevorzugt benutzt wird, ist angeboren und vermutlich vererbt. In der Regel benutzen Kinder beim Greifen zunächst beide Hände etwa gleich häufig. Etwa nach dem achten Lebensmonat bevorzugen die meisten Kinder eine Hand beim Greifen, und im dritten Lebensjahr ist die Händigkeit meist deutlich und stabil ausgeprägt.
Die Grundlagen der Händigkeit
Links- und Rechtshändigkeit werden vererbt, wahrscheinlich multifaktoriell, wobei es über die Art der Vererbung verschiedene Theorien und Meinungen gibt. Die Händigkeit wird durch die Hirnhemisphärenlateralisation bestimmt. Sie ist Ausdruck der motorischen Dominanz der kontralateralen Gehirnhälfte. Unsere Nervenbahnen (mehr als 95%) kreuzen beim Eintritt ins Gehirn: Die rechte Körperseite wird von der linken Gehirnhälfte gefühlt und gesteuert, und die rechte Hemisphäre ist mit der linken Körperseite verbunden. Bei 95% der Rechtshänder befindet sich das Sprachzentrum in der linken Gehirnhälfte. Bei Linkshändern ist es aber nicht genau umgekehrt - rund 70% haben das Sprachzentrum auf der linken Seite, die restlichen 30% haben ihr Sprachzentrum auf beiden Seiten. Bei Linkshändern scheinen die Funktionen nicht so eindeutig auf eine Gehirnhälfte beschränkt zu sein.
Bedeutung der Händigkeitsentwicklung
Die Bestimmung der Händigkeit ist bei Kindern mit ungeklärter Händigkeit von zentraler Bedeutung für die weitere Entwicklung. für das Schreiben lernen in der ersten Klasse sehr wichtig ist. Wenn beim Kindergartenkind mit 4-5 Jahren immer noch ein häufiger Wechsel im Handgebrauch auffällt, sollte das Kind von spezialisierten Fachleuten untersucht werden.
Die Rolle der Gehirnhälften
Das menschliche Gehirn besteht aus einer rechten und einer linken Gehirnhälfte. Diese arbeiten über einen Balken voller Nervenstränge (Balken) zusammen und sorgen dafür, dass Körper, Verstand und Gefühl sich optimal entwickeln. Die meisten Steuerungen des Gehirns erfolgen über Kreuz. Deshalb ist die rechte Gehirnhälfte für die Bewegung der linken Körperseite verantwortlich und die linke Gehirnhälfte für die rechte Körperseite. Bei paarig angelegten Organen ist eines der Organe oft stärker entwickelt und überlegen (dominant). So auch im Gehirn. Eine Hälfte wird bevorzugt genutzt, ist leistungsfähiger und stärker ausgeprägt. Bei Rechtshändern ist die linke Gehirnhälfte dominant, bei Linkshändern die rechte - die Über-Kreuz-Steuerung macht's möglich.
Angeborene Dominanz
Die Dominanz bedeutet, dass eine Überlegenheit einer Hirnhemisphäre in Bezug auf bestimmte Funktionen besteht. Für das Thema der Händigkeit heißt dies, dass [der Mensch] mit seiner dominanten Hand geschickter ist. Jedoch stellten Hirnforscher fest, dass die Dominanz angeboren ist und nicht erst beim Heranwachsen beziehungsweise im Verlauf des Lebens ausgeprägt wird. Durch diese festgelegte Dominanz, kann schlussfolgernd die Beidhändigkeit ausgeschlossen werden. Bei dieser Personengruppe ist die „[…] Händigkeitsausprägung noch nicht abgeschlossen oder gestört.“ Es gibt aber auch beispielsweise Menschen, die durch eine Operation am Corpus callosum ein „Split Brain“ besitzen, deswegen können sie mit beiden Händen gleichermaßen hantieren. Da die Händigkeit angeboren ist, kann diese in biologischer Sicht auch nicht geändert werden.
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Die natürliche Händigkeit
Bei den meisten Kindern zeigt sich die natürliche Händigkeit recht früh und eindeutig, bei manchen erst später. Mit zunehmendem Alter des Kindes entwickeln sich die Gehirnhälften und differenzieren sich aus. Sie bleiben dabei intensiv in Kontakt und kooperieren über den Balken. Werden beide Seiten des Gehirns gefördert, vernetzen sie sich zugleich miteinander. Dies geschieht bei Kindern vor allem dann, wenn sie sich viel bewegen und mit allen Sinnen (vorwiegend beim Spielen) lernen.
Förderung der dominanten Gehirnhälfte
Es ist wichtig, Kinder in ihrer Händigkeit zu bestärken und zu unterstützen. So ist das Erlernen einer optimalen Stifthaltung, Schreibhaltung und richtigen Blattlage, um mit links unverkrampft und ohne zu verwischen das Schreiben zu lernen, grundlegend für einen guten Start in der Schule. Die Bestimmung der Händigkeit ist bei Kindern mit ungeklärter Händigkeit von zentraler Bedeutung für die weitere Entwicklung, deshalb bieten viele Praxen Händigkeitstestungen an.
Unterstützung der Linkshändigkeit
Um Ihrem linkshändigen Kind eine ungestörte Entwicklung zu ermöglichen, sollten Sie es in seiner Händigkeit unterstützen und fördern: Ihr Kind sollte über bestimmte Gebrauchsgegenstände für Linkshänder verfügen. Hierzu gehören zum Beispiel Schere, Spitzer, dreieckige Wachsmalkreiden und Stifte, Schreib- und Malauflagen, die das Erlernen einer lockeren Mal- und Stifthaltung erleichtern. Am Familientisch, in der Kindertagesstätte oder in der Schule sollte Ihr Kind neben einem Linkshänder oder immer links von einem Rechtshänder sitzen, damit sich die Kinder nicht gegenseitig behindern. Bestimmte Tätigkeiten wie Schneiden oder Schleifebinden, das Spitzen von Stiften, die Haltung beim Malen und Schreiben und Ähnliches laufen beim linkshändigen anders als beim rechtshändigen Kind ab.
Schreib- und Feinmotoriktraining
Mitunter haben linkshändige Kinder besondere Schwierigkeiten beim Malen oder beim Erlernen des Schreibens. Im Rahmen eines Schreib- und Feinmotorik-Trainings können folgende Behandlungsschwerpunkte gesetzt werden: Training einer physiologischen Stifthaltung und individuelle Beratung zur Auswahl geeigneter Schreibgeräte, Beratung zur Blattlage und ergonomischen Fragestellungen, Förderung der Fingerbeweglichkeit und Optimierung der Fingermuskelspannung, Hilfestellung bei ungünstiger oder schmerzender Handgelenksstellung beim Schreiben oder Malen. Weiterhin beraten wir gern Kinder, Eltern und Angehörige zu lebenspraktischen Fragen beim Thema Linkshändigkeit, beispielsweise: Umgang mit Spiegelschrift, Beratung zur Anschaffung geeigneter Schulutensilien und Alltagsgegenstände für Linkshänder, Beantwortung individueller Fragen bei grundlegenden Tätigkeiten mit der linken Hand.
Selbstständigkeit fördern - Selbstbewusstsein schaffen!
Händigkeit ist angeboren und davon abhängig, welche Gehirnhälfte die dominante ist. Bei einem Linkshänder übernimmt die rechte und bei einem Rechtshänder die linke Gehirnhälfte die Führung. Die Händigkeit eines Kindes zeigt sich oft schon mit 2-3 Jahren bei vielen Tätigkeiten, wie z.B. Greifen, Essen, Malen und Schneiden. Wenn beim Kindergartenkind mit 4-5 Jahren immer noch ein häufiger Wechsel im Handgebrauch auffällt, sollte das Kind von spezialisierten Fachleuten untersucht werden.
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Mögliche Folgen einer Umschulung
Was kann passieren, wenn linkshändige Kinder dazu angehalten werden, mit rechts zu schreiben, zu malen oder zu essen? Oder sie es sich selbst beibringen? Motorische Abläufe könnte ein Kind schon mit der anderen Hand lernen - nur spielt das Gehirn nicht mit. Und das kann schwerwiegende Folgen haben. Gehirnhälften ändern ihre Dominanz nicht. Wird der anlagegemäße Gebrauch der Hände gestört, arbeiten auch die beiden Gehirnhälften nicht mehr einwandfrei zusammen. Dies kann zu "Wackelkontakten" führen. Die dominante Gehirnhälfte wird nicht genügend gefordert und kann sich nicht weiterentwickeln.
Folgen von ungeklärter Händigkeit / Umschulung:
- Konzentrationsstörungen
- Gedächtnisstörungen
- Feinmotorische Störungen
- Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
- Rechts-Links-Unsicherheit
- Sprachstörungen
- Minderwertigkeitskomplexen
- Unsicherheit
- Zurückgezogenheit
- Verhaltensauffälligkeiten
- Bettnässen
- Nägelkauen
Primär- und Sekundärfolgen einer Umschulung:
- Feinmotorische Störungen (die sich z.B.
- Trotzhaltung, Widerspruchsgeist, Imponier- und Provokationsgehabe (z.B.
Es ist wichtig zu beachten, dass alle unter Primär- und Sekundärfolgen aufgeführten Schwierigkeiten selbstverständlich auch ohne eine Umschulung der Händigkeit auftreten können und zwar genauso bei Links- wie bei Rechtshändern. Die Intelligenz selbst wird nicht vermindert, jedoch ihre Manifestation gestört.
Was Eltern tun können
"Machs mit links!", ist der wichtigste Rat. Lassen Sie Ihr Kind selbstbestimmt Hantieren, egal womit (Malen und Schreiben sind die wichtigsten Tätigkeiten). Bei Bedarf stellen Sie Arbeitsgeräte wie Linkshänderschere, Linkshänderfüller, Sparschäler usw. Berücksichtigen Sie beim Tischdecken die Linkshändigkeit des Kindes (z.B. Suchen Sie das Gespräch mit allen, die an der Erziehung beteiligt sind (z.B. Großeltern, Kindergarten), um an einem Strang zu ziehen und umschulenden Einfluss zu mindern bzw. Als Eltern kennen Sie Ihr Kind: Sie können diese Anregungen individuell auf Ihr Kind und Ihre Lebenssituation zuschneiden.
Übungen und Aktivitäten zur Förderung beider Gehirnhälften
Für das Lesen und Schreiben macht es deshalb Sinn, nicht eine Seite zu überlasten, sondern Übungen einzubauen, welche einmal die rechte und dann wieder die linke Hemisphäre fordern: Kinder suchen aus vorgegebenen Wörtern alle heraus, welche denselben Buchstaben wie z.B. "a" oder "e" enthalten (Linkshirnaktivität). Anschließend schreiben sie die Wörter ab und wählen für das "A" eine rote und für das "E" eine grüne Schreibfarbe, während die anderen Buchstaben einheitlich blau oder schwarz geschrieben werden. Eine gute räumliche Übung ist es, die Wörter danach zu sortieren, ob die besonderen Buchstaben eher in der vorderen bzw. hinteren Hälfte des Wortes zu finden sind. Ergänzen von gleichseitigen Bildern (z.B.
Kreatives Spiel und Bewegung
Im kreativen, phantasievollen und bewegten Spiel werden die Ganzheitlichkeit und die rechte Hemisphäre angesprochen. Mit positiven Gefühlen unterlegtes Lernen im Kindergarten führt nicht zu einer Spaß- und Fungesellschaft mit Null Bock auf die Schule, sondern unterstützt Kinder, selbst aktiv Herausforderungen zu suchen und zu bewältigen. Aktivitäten wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
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Spiegel-Erfahrungen
Durch die Bewegung der bevorzugten Hand wird die schwächere mit trainiert, und umgekehrt stärkt das Training der schwächeren Hand auch die dominante (eine Übung, welche z.B. Tennisspieler für sich nutzen). Kinder mit umfangreichen "Spiegelerfahrungen" entwickeln ein besseres Körperschema, sie kennen ihren Körper genau und erleben ihn bewusst. Neben der kognitiven Förderung stärken sie ihr Selbstbewusstsein.
Die Rolle der Fachkräfte
Immer häufiger werden Fachleute wie Ergotherapeuten, Heilpädagogen, Motopädagogen, aber auch Kinder- und Hausärzte von Eltern linkshändiger Kinder und von umgeschulten Linkshändern jeden Alters um Rat und Hilfe bei Fragen der Händigkeit angegangen. Händigkeitstestungen sollten Ergotherapeuten, Heilpädagogen und Mototherapeuten durchführen, die auch für die Diagnostik diffiziler Auffälligkeiten in der Motorik ausgebildet sind. Auch vom zeitlich erforderlichen Rahmen würde eine Händigkeitstestung eher die Möglichkeiten der meisten Kinder- und Hausärzte übersteigen.
Händigkeitstestung nach Dr. Sattler
Mit der Methodik Dr. Sattler geholfen werden, die dominante Seite herauszufinden. mit einer Hand, oder mit beiden Händen ausführt. Videoaufzeichnungen. Beobachtungen entsteht so ein zuverlässiges Bild der dominanten Hand.
Aktuelle Forschungsergebnisse
Eine Studie aus dem Jahr 2023 untersuchte die Kinematik der Handschrift bei konvertierten Linkshändern, die das Schreiben mit ihrer dominanten linken Hand erlernten. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Schreibfähigkeiten der Trainingsteilnehmer mit der linken Hand bei komplexen Aufgaben signifikant verbesserten, aber sie erreichten innerhalb von 2 Jahren nicht die Handschriftkompetenz der angeborenen Linkshänder.
Die Bedeutung der frühen Förderung
Die Studie unterstreicht die Bedeutung der frühen Förderung der natürlichen Händigkeit, um Kindern ein optimales Entwicklungspotenzial zu ermöglichen.
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