Die Diagnose Demenz stellt Betroffene und ihre Familien vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, frühzeitig Informationen und Unterstützung zu finden. Dieser Artikel bietet einen Überblick über verschiedene Anlaufstellen und Beratungsangebote für Angehörige von Demenzkranken in Deutschland, insbesondere im Raum Stuttgart.
Erste Anlaufstellen und Beratungsangebote
GerBera Dienste Stuttgart
Die GerBera Dienste in Stuttgart sind eine zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema Demenz. Diese Stellen sind im Stadtgebiet verteilt und werden vom Caritasverband, der Evangelischen Gesellschaft und der Stadt Stuttgart bzw. dem Klinikum Stuttgart getragen. Sie sind an die Gemeindepsychiatrischen Zentren angeschlossen. Das Beratungsangebot ist kostenlos und umfasst bei Bedarf auch Hausbesuche.
Psychiatrischer Krisen- und Notfalldienst
In akuten Krisensituationen steht der Psychiatrische Krisen- und Notfalldienst unter der Rufnummer 0711 6 46 51 20 zur Verfügung. Die Mitarbeiter sind von Montag bis Freitag von 16 bis 24 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen von 12 bis 24 Uhr erreichbar. Ab 17.30 Uhr (an Wochenenden und Feiertagen ab 13 Uhr) sind die Mitarbeiter auch persönlich in der Furtbachstr. 6 anzutreffen (Nebeneingang Furtbachklinik).
Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V.
Die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. bietet eine kostenlose telefonische Beratung für Angehörige von Demenzkranken an. Die Beraterinnen sind landesweit gut über Hilfsangebote informiert und mit der Situation von Angehörigen vertraut. Auf der Internetseite der Gesellschaft finden sich zudem zahlreiche Informationsschriften und Adresslisten.
Pflegestützpunkt Stuttgart
Der Pflegestützpunkt Stuttgart ist eine zentrale Anlauf- und Beratungsstelle für alle Fragen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit. Die Mitarbeiterinnen sind mit den verschiedenen Beratungs- und Unterstützungsangeboten in Stuttgart vertraut und können an geeignete Stellen weitervermitteln. Das Beratungsangebot ist an sieben Standorten im Stadtgebiet verteilt und bietet verbraucherorientierte, träger- und anbieterübergreifende Unterstützung.
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Fachberatung Demenz / Helferkreise, Evangelische Gesellschaft
Neben der Fachberatung zu Demenzerkrankungen ist diese Stelle vor allem in Zusammenhang mit unterschiedlichen Betreuungsangeboten ansprechbar, wie z.B. stundenweise Betreuungshilfe zu Hause, Betreuungsgruppen und Aktivitäten wie Ausflüge in Gruppen. Darüber hinaus können spezielle fachliche Informationen erfragt und informative Schriften angefordert werden.
Beratung 63 Plus vom Bürgerservice Leben im Alter
Die über 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratung 63 Plus vom Bürgerservice Leben im Alter sind in vielen Stadtteilen Stuttgarts in Beratungsbüros, meist bei den Bezirksämtern, anzutreffen und beraten zu allen Themen rund ums Älterwerden. Das Angebot umfasst telefonische und persönliche Beratungsgespräche, Hausbesuche und die Vermittlung von Leistungen rund um Haushalt, Wohnen und Pflege. Die Mitarbeiterinnen dieser Stelle treten bei Beschwerden oder Schwierigkeiten gegenüber Einrichtungen, Behörden und Diensten fachkundig für die Interessen von pflegebedürftigen und älteren Menschen ein.
Weitere wichtige Anlaufstellen
Memory Clinic
Die Memory Clinic ist eine Spezialambulanz zur Erkennung bzw. Diagnostik und Erstbehandlung von Demenzerkrankungen. Zudem erfolgt eine Erstberatung zu möglichen Hilfen und Angeboten, die in Anspruch genommen werden können. Besonders, wenn es unklar erscheint, ob eine Demenzerkrankung vorliegt oder um welche Form oder Ursache einer Demenzerkrankung es sich handelt, kann die Untersuchung in der Memory Clinic sinnvoll sein. Ansonsten sind auch niedergelassene Fachärzte für Neurologie dazu ausgebildet, eine Demenzerkrankung zu diagnostizieren.
Ambulante Hospizdienste
Ehrenamtlich Tätige der ambulanten Hospizdienste bieten Gespräche und Begleitung für Menschen in der letzten Lebensphase und ihre Angehörigen an. Der Einsatz ist kostenfrei. Hospizdienste unterstützen Menschen zu Hause und sind teilweise auch in Pflegeheimen und Krankenhäusern tätig. Bei den Hospizdiensten sind auch Palliativpflegefachkräfte mit speziellen Fachkenntnissen in der Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen und deren Angehörigen zur Beratung tätig.
Wohnberatungsstelle
Die Mitarbeiter der Wohnberatungsstelle helfen und beraten etwa beim rollstuhlgerechten Umbau einer Wohnung, dem Einbau eines Treppenlifts oder der Auswahl von kranken- und behindertengerechten Hilfsmitteln, die den Alltag erleichtern. Es werden Lösungen vor Ort aufgezeigt, Konzepte entwickelt und Finanzierungsmöglichkeiten erörtert.
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Betreuungsbehörde und Betreuungsvereine
Bei einer beginnenden Demenzerkrankung können noch wichtige rechtliche Verfügungen getroffen werden. Damit werden eigene Wünsche für die Zeit festgelegt, wenn eigene Entscheidungen nicht mehr in vollem Umfang getroffen werden können oder bei komplexen Sachverhalten. Die Mitarbeiter der Betreuungsbehörde in Stuttgart und der Betreuungsvereine beraten ehrenamtliche gesetzliche Betreuer, Bevollmächtigte, Menschen, die eine solche Aufgabe übernehmen wollen oder die anderen eine Vollmacht übertragen haben. Sie informieren auch zu Patientenverfügungen.
Pflegekassen
Die Pflegekassen, die über die Krankenkasse des Versicherten erreichbar sind, sind gesetzlich verpflichtet, kostenlos eine umfassende Pflegeberatung auf Wunsch auch in Form eines Hausbesuches für ihre Versicherten anzubieten. Hierdurch sollen detaillierte Informationen über Hilfeangebote vor Ort und deren Finanzierung gegeben werden und ein Plan für die im Einzelfall erforderlichen Unterstützungsmaßnahmen zusammengestellt werden.
Compass Pflegeberatung
Die privaten Versicherungsunternehmen haben bundesweit eine gemeinsame Einrichtung zur Pflegeberatung für privat Versicherte mit Namen „Compass“ gegründet. Neben einer zentralen telefonischen Beratung bietet ein regionales Mitarbeiterteam im Raum Stuttgart zugehende Beratung durch Hausbesuche an.
Bundesweite Unterstützung
Wegweiser Demenz
Mit einem Wissens- und Hilfenetzwerk für Menschen mit Demenz und deren Angehörige begleitet und informiert das Bundesseniorenministerium zu den Besonderheiten der Demenz, beantwortet Fragen und gibt Orientierung. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Abbau von Berührungsängsten, der Enttabuisierung des Themas Demenz und der Möglichkeit, sich mit anderen Personen auszutauschen. Das zentrale Online-Portal "Wegweiser Demenz" bietet verständlich aufbereitete Informationen und Ratschläge an und fördert über verschiedene Internetforen und einen Weblog Beratung, Vernetzung und Austausch.
Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz
Auf Grundlage des Bundesprogramms "Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz" wurden vom Bundesseniorenministerium in ganz Deutschland bereits über 500 Lokale Allianzen gefördert, welche den Aufbau zu regionalen Hilfenetzwerke unterstützen. Ziel ist es, bundesweite Netzwerke zu etablieren, damit Menschen mit Demenz so lange wie möglich in ihrem sozialen Umfeld leben können.
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Alzheimer-Telefon
Das Alzheimer-Telefon für Betroffene und Angehörige ist ein bundesweites Beratungsangebot der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, gefördert durch das Bundesseniorenministerium. Geschulte Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die Erfahrung mit Menschen mit Demenz und mit der Alzheimer-Krankheit haben, stehen Ratsuchenden Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr sowie freitags von 9 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 030 25937 9514 zur Verfügung.
Herausforderungen im Alltag und Lösungsansätze
Umgang mit Veränderungen und schwierigen Situationen
Die Diagnose Demenz verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen grundlegend. Es ist wichtig, sich auf die veränderte Kommunikationsfähigkeit und das möglicherweise "herausfordernde Verhalten" einzustellen. "Herausforderndes" Verhalten kann motorische oder verbale Verhaltensweisen umfassen, aber auch Rückzug. Es ist wichtig zu verstehen, dass dieses Verhalten oft eine Form der Kommunikation ist und auf unerfüllte Bedürfnisse hinweisen kann.
Lösungsansätze sind, das Verhalten möglichst präzise zu beschreiben, um mögliche Ursachen zu erkennen und gezielte Maßnahmen einzuleiten. In akuten Situationen ist es ratsam, die Situation kurzzeitig zu verlassen und sich Hilfe zu holen, beispielsweise bei ambulanten Diensten oder in der Tagespflege.
Die Suche nach einem Pflegeheimplatz
Die Suche nach einem geeigneten Pflegeheimplatz kann eine große Herausforderung darstellen. Es gibt keine zentrale Auskunftsstelle für freie Plätze in Stuttgart, daher ist es ratsam, sich direkt bei den Einrichtungen zu informieren und sich gleichzeitig bei mehreren Einrichtungen anzumelden, um die Chancen auf einen freiwerdenden Platz zu erhöhen. Beratungsstellen wie die Pflegestützpunkte in Stuttgart können Tipps zur Anmeldung geben und manchmal bei der Platzsuche helfen.
Bei der Auswahl eines Pflegeheims sollten Angehörige auf Qualitätskriterien wie ein Demenzkonzept, kleinere Wohngruppen, ein Bezugspflegesystem und gerontopsychiatrisch geschulte Pflegekräfte achten. Es ist auch wichtig, dass die persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse des Demenzkranken berücksichtigt werden und die Einrichtung ein Konzept für die Sterbebegleitung hat.
Technische Hilfsmittel und rechtliche Vorsorge
Technische Hilfsmittel wie GPS-Ortungsgeräte können Menschen mit Demenz helfen, selbstständig ihre gewohnten Wege zu laufen, und den Angehörigen Sicherheit geben. Bei einer beginnenden Demenzerkrankung sollten wichtige rechtliche Verfügungen getroffen werden, wie z.B. eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung.
Finanzielle Unterstützung und Entlastungsangebote
Pflegegrad und Leistungen der Pflegeversicherung
Um finanzielle Hilfen in Anspruch nehmen zu können, ist es wichtig, dass der Demenzerkrankte einen Pflegegrad erhält. Der Antrag wird bei der Pflegekasse gestellt und die Zuordnung zu einem Pflegegrad erfolgt durch den Medizinischen Dienst (MD) oder eine vergleichbare Institution. Mit einem Pflegegrad haben Pflegebedürftige Anspruch auf eine Vielzahl von Pflegeleistungen, wie z.B. die Finanzierung eines ambulanten Pflegedienstes, Tages- oder Nachtpflege sowie Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds.
Entlastungsbetrag und Haushaltshilfe
Ab Pflegegrad 1 haben Versicherte Anspruch auf den monatlichen Entlastungsbetrag in Höhe von 131 Euro, der beispielsweise für eine Haushaltshilfe verwendet werden kann.
Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege
Wenn pflegende Angehörige Urlaub machen oder krank werden, kann die Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. Die Kurzzeitpflege bietet eine vorübergehende vollstationäre Versorgung, beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt.
Kuren für pflegende Angehörige
Kuren können sowohl für Demenzerkrankte als auch für ihre pflegenden Angehörigen eine wichtige Unterstützung sein. Es besteht die Möglichkeit, eine gemeinsame Kur mit dem Demenzerkrankten oder eine Kur alleine zu machen.
Selbsthilfe und Austausch
Demenz-Selbsthilfegruppen
Demenz-Selbsthilfegruppen können für Angehörige von Demenzerkrankten sehr sinnvoll sein. In solchen Gruppen treffen sich Menschen, die ähnliche Erfahrungen teilen und sich in einer ähnlichen Situation befinden. Der Austausch mit anderen Menschen in ähnlicher Lage kann unterstützend, entlastend und ermutigend sein. Adressen von Angehörigengruppen können über die örtlichen Pflegestützpunkte oder in der Kommune erfahren werden. Inzwischen gibt es auch virtuelle Selbsthilfegruppen.
Demenz-Beratungsstellen und Hotlines
Demenz-Beratungsstellen sind spezialisierte Einrichtungen, die Unterstützung und Beratung für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und andere Betroffene anbieten. Demenz-Hotlines für Angehörige sind telefonische Beratungsstellen, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen ausgerichtet sind, die einen Demenzkranken betreuen oder unterstützen.
Tipps für den Umgang mit Demenz im Alltag
- Information und Wissen: Informieren Sie sich umfassend über Demenz und ihre Auswirkungen.
- Kommunikation: Achten Sie auf eine einfache und verständliche Kommunikation.
- Anpassung der Umgebung: Gestalten Sie die Umgebung sicher und orientierungsfreundlich.
- Unterstützung: Nehmen Sie Hilfsangebote in Anspruch und bauen Sie ein Unterstützungsnetzwerk auf.
- Selbstpflege: Achten Sie auf Ihre eigene Gesundheit und nehmen Sie sich regelmäßig Auszeiten.
- Geduld und Verständnis: Zeigen Sie Geduld und Verständnis für die Veränderungen und Herausforderungen, die mit der Demenz einhergehen.
- Humor: Verlieren Sie nicht den Humor und lachen Sie auch immer wieder miteinander.
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