Wenn Kinder sich langweilen, kann das für Eltern schnell nervig werden. Ständige Animation und Bespaßung sind jedoch nicht immer die Lösung. Vielmehr geht es darum, eine Balance zu finden zwischen gemeinsamen Aktivitäten, freier Zeit für die Kinder und den Bedürfnissen der Eltern. Dieser Artikel gibt Anregungen, wie man das Wochenende mit Kindern entspannter gestalten kann, ohne in Freizeitstress zu verfallen.
Die Tücken der Wochenendplanung
Oftmals entsteht der Druck, das Wochenende mit aufregenden Aktivitäten füllen zu müssen. Eltern suchen nach Urlaubsorten, wo man die Kinder "gut abschieben" kann, oder planen Wellnesshotels mit Kinderanimation. Doch gerade diese Versuche, die Kinder zu beschäftigen, können kontraproduktiv sein.
Vom Ausflug zum "Sweet Nothing"
Ein Beispiel: Ein Wochenende an der Schlei in Norddeutschland, in einem malerischen Gasthof. Zunächst wurde ein Ausflug geplant, doch die Kinder protestierten. Nach der Anfahrt hatten sie keine Lust, schon wieder im Auto zu sitzen. So kam es, dass die Familie einfach "nix" tat. Sie legten sich ans Ufer, die Kinder warfen Steine ins Wasser, und es entstand eine entspannte, schöne Atmosphäre.
Gemeinsame Aufgaben statt Animation
Ein anderes Wochenende, die Eltern wollten nur zu Hause sein. Nach anfänglicher Harmonie begannen die Kinder sich zu streiten. Die Lösung: Eine gemeinsame Aufgabe. Holunderblütensirup sollte gemacht werden, also fuhren alle zusammen Rad, suchten Holunderbüsche und pflückten die Blüten. Das Ergebnis: Eine knappe Stunde gemeinsame Aktivität an der frischen Luft und ein entspannter Nachmittag für alle.
Die richtige Prise Zuwendung
Einfach "nix tun" ist gut, aber genauso wichtig ist die richtige Prise Zuwendung. Es geht nicht darum, die Kinder ständig zu animieren, sondern ihnen zu vermitteln: "Du bist mir willkommen, ich bin gern mit Dir zusammen." Je mehr Kinder sich willkommen fühlen, desto weniger müssen sie dauernd nach Aufmerksamkeit schreien. Dinge zusammen unternehmen ist schön, die Welt gemeinsam entdecken auch, aber eigentlich reicht auch das Rinnsal neben der Siedlung, um Spaß zu haben, solange diese Botschaft gelebt wird.
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Gelassenheit lernen: Tipps für entspannte Eltern
Oftmals bringen uns unsere Kinder an unsere Grenzen. Emotionale Verbundenheit, Verantwortung und Erwartungsdruck führen dazu, dass wir schnell die Geduld verlieren. Doch Gelassenheit kann man lernen.
Warum schaffe ich es nicht, ruhig zu bleiben?
Es gibt mehrere Ursachen, warum uns unsere Kinder so oft zum Ausrasten bringen:
- Emotionale Verbundenheit: Wir fühlen uns mit unseren Kindern viel verbundener als mit anderen Menschen.
- Die Verantwortung: Wir sind für das Überleben und die Erziehung unserer Kinder verantwortlich.
- Erwartungsdruck: Es gibt Erwartungen des Umfelds und der Gesellschaft.
- Eigene Erziehung: Oftmals waren unsere Eltern selbst nicht sehr geduldig und gelassen.
- Stress und Hektik: Unser eigenes Leben ist oftmals stressig und hektisch.
Die Vorteile von Gelassenheit
Gelassenheit hat viele Vorteile:
- Gesundheit: Ein entspannter Lebensstil reduziert das Risiko von stressbedingten Krankheiten.
- Familienklima: Gelassenheit schafft ein positives Familienklima.
- Emotionale Bindung: Du baust eine tiefere emotionale Bindung zu deinen Kindern auf.
- Vorbild: Kinder lernen viel durch Beobachtung.
16 praktische Tipps für mehr Gelassenheit
- Wunschstein & Co.: Triff die klare Entscheidung: Ja, ich will gelassener werden!
- Gelassenheit einatmen: Atme! Schließe vielleicht sogar kurz die Augen und konzentriere dich voll und ganz auf deine Atmung.
- Zehn, neun, acht, sieben,…: Verzögere deine Reaktion. Zähle rückwärts oder sage dir innerlich ein Mantra.
- Flucht ist keine Schande: Verlasse die Situation, wenn du merkst, dass dir gleich die Sicherungen durchbrennen.
- Das Gemüse Massaker & Co.: Leite die Energie um. Bewege dich, putze oder "zerhacke" etwas Gemüse.
- Raus aus dem Tunnel: Unterbrich den Tunnelblick und richte deinen Fokus auf etwas anderes.
- Entspannt vorbeugen: Plane mehr Zeit ein, bereite gewisse Dinge vor oder organisiere dich anders.
- "Nein" sagen: Kinder brauchen auch mal ein "Nein".
- Gemeinsame Zeit: Plane Zeit für gemeinsame Aktivitäten ein.
- Unterstützung suchen: Hole dir Hilfe von Familie, Freunden oder professionellen Beratern.
- Akzeptanz: Akzeptiere, dass es nicht immer perfekt sein muss.
- Humor: Nimm die Dinge mit Humor.
- Dankbarkeit: Konzentriere dich auf die positiven Dinge.
- Selbstfürsorge: Nimm dir Zeit für dich selbst.
- Vorbild sein: Sei ein Vorbild für deine Kinder.
- Professionelle Hilfe: Scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Stressabbau für Kinder
Auch Kinder können gestresst sein. Es gibt verschiedene Ansatzpunkte, die deinem Nachwuchs beim Stressabbau helfen können. Viele davon haben mit Achtsamkeit zu tun, wie beispielsweise das richtige Atmen.
Tipps für gestresste Kinder und Eltern
- Sprecht miteinander: Sprich mit deinem Nachwuchs über seine Gefühle und Sorgen.
- Sorge für Struktur und Routine: Sorge für einen geregelten Tagesablauf.
- Schaffe Zeit für Entspannung: Stelle sicher, dass dein Kind genügend Zeit für Freizeitaktivitäten und Entspannung hat.
- Sport machen: Sport kann dabei helfen, Stress abzubauen und die mentale Gesundheit zu steigern.
- Unterstützung in der Schule: Kinder verspüren Druck in der Schule.
- Grenzen setzen: Kinder brauchen auch mal ein "Nein".
- Geht raus in die Natur: Alles in der Natur lädt dazu ein, von Kindern entdeckt zu werden.
- Interpretiert Wolkenbilder: Ist das ein Pferd oder ein Einhorn, was in den Wolken davongaloppiert?
- Kleine Ameise ganz groß: Achtsamkeit für die Natur beginnt schon beim kleinsten Lebewesen.
- Stärke dein Kind durch Yoga und Körperwahrnehmung: Yoga und Spiele zur Körperwahrnehmung helfen Kindern, abzuschalten und gleichzeitig ein Gefühl für ihren Körper zu entwickeln.
- Spielt „Schildkröte“: Kinder schlüpfen mental in den Körper einer Schildkröte und bewegen sich, wie eine Schildkröte, bewusst langsam und ruhig durch den Raum.
- Macht Bodypainting: Wann dürfen Kinder schon mal ihren Körper anmalen oder mit Farbe besprühen?
- Betreibt Meditation: Meditieren, oder das bewusste Nachdenken über etwas, funktioniert mit jedem Gegenstand - einem Schal, einem Schlüssel oder einem Apfel.
- Extratipp: Apfelmeditation: Die Apfelmeditation beginnt mit einer kurzen Geschichte, wie der Apfel vom Baum in die Hand deines Kindes kommt.
- Muskelan- und entspannung: Entspannungsübungen für Kinder, wie die Progressive Muskelrelaxation, bei der etwa 10 Sekunden bestimmte Muskeln angespannt und gleich wieder entspannt werden, sind besonders geeignet.
- Entspannungsgeschichten: Stell dir vor, du… So oder ähnlich können Geschichten für Kinder anfangen.
- Legt euch Familienrituale zu: Das regelmäßige Sonntagsfrühstück mit der ganzen Familie, der Gute-Nacht-Kuss von Mama und Papa oder das jährliche Geburtstagsfest sind Rituale, die dem Kind Stabilität und Geborgenheit in der Familie geben.
- Alles, was die Sinne anregt: Malen, Singen, Musizieren: Ganz gleich, wie stark die musisch-künstlerischen Fähigkeiten deines Kindes ausgeprägt sind: Dass Malen, Singen und Musizieren Stress abbaut und entspannt, ist bewiesen.
- Extratipp: Die „4 Jahreszeiten“ auf Papier: Vivaldis „4 Jahreszeiten“ einmal anders: auf einem bunten Blatt Papier.
- Professionelle Hilfe: Hält der Stress bei deinem Kind an oder verschlimmert sich die Situation, zögere nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Familien-Wochenende: Raus aus dem Freizeitstress
Oftmals entsteht der Eindruck, dass das Wochenende mit einem vollen Programm gefüllt sein muss. Doch das muss nicht sein. Es ist wichtig, den Druck rauszunehmen und sich Zeit für sich selbst zu nehmen.
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Die eigenen Bedürfnisse nicht vergessen
In einer Familie zählt nicht nur, was die Kinder wollen oder brauchen. Auch die Bedürfnisse der Mamas und Papas sind wichtig. Es ist wichtig, sich zu fragen, was die eigene Familie braucht, damit alle zufrieden sind.
Tipps für entspannte Nachmittage mit Kindern
- Zusammen lesen
- Etwas basteln
- Gemeinsam malen
- Stifte anspitzen und nach Farben sortieren
- Eine Lernapp spielen
- Einen Familienfilm anschauen
- Einen neuen Spielplatz entdecken
- Zutaten für ein leckeres Abendessen einkaufen
- Zusammen kochen
- Papa von der Arbeit abholen
- Fahrradfahren üben
- Straße mit Kreide verschönern
- Kuchen backen und naschen
- Einen Brief an Oma und Opa schreiben
- Dein Kind fragen, worauf es Lust hat!
Entspannt in den Tag starten
Gerade mit kleinen Kindern kann der Morgen stressig sein. Vorbereitung ist alles.
Tipps für einen stressfreien Morgen
- Vorbereitung ist alles: Was du am Vorabend schaffst, musst du nicht am nächsten Morgen tun.
- Richte ein Frühstücks- und Meal Prep-Fach im Kühlschrank ein: Stelle eine Box in den Kühlschrank, in die du alles Material fürs Frühstück bereitlegst.
- Frühstück für Frühstücksmuffel: Gib ihnen einen gesunden, sättigenden Smoothie in die Hand.
- Kleider-Logik: Lass dein Kind noch im Pyjama frühstücken und zieh es erst danach um.
- Extra Garderobenplätze: Gestalte an der Garderobe für jedes Kind einen eigenen Platz, an dem alles, was es am Morgen beim Rausgehen benötigt, griffbereit liegt.
- Vergiss-Nicht-Zettel: Schreibe dringende Sachen auf einen Zettel und hänge ihn innen direkt an die Haus- oder Wohnungstür.
- Gewöhne dein Kind an die Morgen-Routine: Wenn jeder Morgen ähnlich verläuft, wird er nicht nur für dich, sondern auch für dein Kind zur Gewohnheit.
- Plane ruhige Minuten für dich selbst ein: Nimm dir vor, 15 Minuten früher aufzustehen, damit du Zeit hast, in Ruhe einen Kaffee zu trinken.
Entspanntes Einkaufen mit Kind
Auch der Einkauf mit Kind kann entspannt ablaufen.
Tipps für entspanntes Einkaufen
- Planung: Erstelle eine Einkaufsliste und plane den Einkauf so, dass er nicht in Stress ausartet.
- Zeitpunkt: Wähle einen Zeitpunkt, an dem dein Kind ausgeruht und satt ist.
- Belohnung: Versprich deinem Kind eine kleine Belohnung, wenn es sich gut benimmt.
- Aufgaben: Gib deinem Kind kleine Aufgaben, wie z.B. das Suchen von Produkten.
- Pausen: Lege Pausen ein, wenn dein Kind unruhig wird.
- Alternativen: Biete deinem Kind Alternativen an, wenn es etwas haben möchte, was du nicht kaufen möchtest.
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