Wenn kinderlose Freunde nerven: Gründe und Lösungsansätze

Die Freundschaften zwischen Eltern und Kinderlosen können durch unterschiedliche Lebensrealitäten auf die Probe gestellt werden. Während Eltern ihren Alltag oft um Windeln, Schlafmangel und die Bedürfnisse ihrer Kinder gestalten, haben Kinderlose mehr Flexibilität und Zeit für andere Interessen. Diese Unterschiede können zu Missverständnissen und Irritationen führen.

Intime Einblicke und ungewollte Details

Ein häufiger Kritikpunkt kinderloser Freunde ist, dass Eltern ungefragt intime Details über ihre Kinder preisgeben. Ein Kollege berichtete, wie er beim Essen mit einem befreundeten Paar mit detaillierten Schilderungen über den Durchfall und die Farbe des Stuhls der sechs Monate alten Tochter konfrontiert wurde. Solche Einblicke in die Körpersekrete von Babys können für Kinderlose verstörend wirken.

Ein ähnliches Beispiel liefert die Geschichte einer Bekannten, die einen Schokokuchen backen wollte. Als sie mit Frischkäse die Schokoglasur anrührte, assoziierte ihre Freundin die Farbe des Frischkäses mit dem Stuhlgang ihres Kindes. Die Bekannte verlor daraufhin kurzzeitig die Lust auf den Kuchen.

Die "Du weißt gar nicht, was Stress ist"-Unterstellung

Kinderlose fühlen sich oft angegriffen, wenn Eltern über ihren windellastigen Alltag philosophieren. Es entsteht der Eindruck, dass Eltern den Kinderlosen unterstellen, sie wüssten nicht, was Stress ist. Dabei haben auch Menschen ohne Kinder Probleme, sei es in Beziehungen, im Beruf oder mit der Miete. Sie müssen zwar keine Kinderkörperflüssigkeiten wegwischen, aber ihre Probleme sind nicht weniger wichtig.

Ein Kumpel vermutet, dass manche Eltern mit ihren detaillierten Schilderungen über den Verdauungstrakt ihrer Kinder nach Komplimenten fischen oder den Kinderlosen verdeutlichen wollen, wie schwer sie es als Eltern haben.

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Das Feindbild des selbstbezogenen Hedonisten

Merkwürdigerweise gehen Leute mit Kindern immer noch mehrheitlich davon aus, dass Kinderlose "egoistisch" sind und auf Fernreisen, ein schickes Auto und einen rasanten Karriereaufstieg nicht verzichten wollen. Bei den Klagen über Kinderlose klingt oft Neid an, und nicht selten meinen die Klagenden eigentlich gar nicht die Kinderlosen in ihrem Bekanntenkreis, sondern sprechen über ihre eigene Jugend, von der sie sich immer weiter entfernen.

Dass sehr viele Kinderlose gern Kinder gehabt hätten und oft einen Leidensweg hinter sich haben, wird manchmal auch ausgeblendet, um das kommod gewordene Feindbild der selbstbezogenen Hedonisten nicht aufgeben zu müssen.

Unüberseh- und Unüberhörbarkeit von Kindern

Kinderlose stören sich oft an der Unüberseh- und Unüberhörbarkeit von Kindern. Jede Bahnfahrt mit einem Zweijährigen liefert zahllose Beweise hierfür: Wenn die lieben Kleinen dem Gespräch der Erwachsenen nicht mit angelegten Ohren lauschen oder stundenlang still ein Buch lesen, gelten die Eltern sofort als Erziehungsversager. Verteidigen sich diese dann legitim mit: "Na, waren Sie denn als Kind immer nur ruhig und still?", wird darauf verwiesen, wie anders die Erziehung doch früher war, wie viel ruhiger und friedfertiger man angeblich selbst als Kind gewesen sei, weil man sich ja früher nicht halb so viel herausnehmen durfte und so weiter. Dabei bemerken die Kinderlosen (die sich ja oft als besonders unkonventionell empfinden) gar nicht, wie sie plötzlich "die guten alten Zeiten" verteidigen und wie ihre eigene Oma klingen.

Seelisch-hormoneller Ausnahmezustand und Erwartungshaltungen

Während sich Eltern oft mehr Nachsicht gegenüber dem normalen, altersspezifischen Verhalten von (kleinen) Kindern wie Bewegungsdrang, Ungeduld, und dem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit wünschen und nicht unbedingt Lust haben, sich von Leuten belehren zu lassen, denen die ureigene Erfahrung fehlt, Kinder zu erziehen, sind Kinderlose oft genervt von langatmigen Erzählungen über diese oder jene Heldentat (oder Tragödie) im Leben des geliebten Nachwuchses. Hier scheint tatsächlich bei vielen, vor allem "jungen" Eltern ein seelisch-hormoneller Ausnahmezustand aufgrund von akuter Verliebtheit vorzuliegen.

Überdies stört Kinderlose, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, oft die Erwartungshaltung von Freunden mit Kindern, dass man grundsätzlich für jede extrem kurzfristige Absage oder jedes Terminchaos Verständnis haben muss. So als hätte man selbst, bloß weil man kein Kind hat, nicht auch dringende Verpflichtungen und zeitliche Engpässe. Kinderkrankheiten werden oft als Totschlagargumente"eingesetzt", sicher auch erfundene. Kinderlose wiederum schlagen gern mal Profit aus ihrer größeren zeitlichen Freiheit: Genüsslich breiten sie am nächsten Tag aus, wie viel länger sie noch auf einer gemeinsam besuchten Party bleiben konnten - mit der unterschwelligen Botschaft, was man schon wieder alles furchtbar Wichtiges verpasst hat.

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Unzuverlässigkeit und veränderte Prioritäten

Eine Mutter berichtete, wie sie sich auf ein Treffen mit kinderlosen Freundinnen freute und alles vorbereitete, um pünktlich zu sein. Als die Freundinnen zu spät kamen und das Treffen länger dauerte als geplant, war sie enttäuscht und musste anschließend die Wohnung aufräumen. Sie fragte sich, ob es normal sei, dass sich die Prioritäten nach der Geburt eines Kindes so stark verschieben.

Eine andere Mutter erzählte, dass sie es nicht verstand, warum ihre kinderlose Freundin die Wohnung nicht sehen durfte, weil das Baby schlief. Sie hatte die Freundin zuvor nur ohne Kind kennengelernt, wo das kein Problem gewesen wäre.

Was Eltern von ihren kinderlosen Freunden wollen

Eltern aus der BuzzFeed-Community äußerten folgende Wünsche an ihre kinderlosen Freunde:

  • Weniger Verurteilung von Entscheidungen als Elternteil.
  • Verständnis für die Einschränkungen durch Kinder, aber dennoch Einladung zu Unternehmungen.
  • Einfühlungsvermögen für die Erschöpfung von Eltern, sowohl körperlich als auch seelisch.
  • Akzeptanz, dass Kinder ein wichtiger Teil ihres Lebens sind und dass sie gerne Zeit mit ihnen verbringen.
  • Flexibilität bei Treffen und Verständnis für kurzfristige Absagen.
  • Unterstützung und Wertschätzung in dieser neuen Lebensphase.

Freundschaft im Wandel: Die Geschichte von Sarah und Julia

Die Geschichte von Sarah und Julia zeigt, wie sich eine Freundschaft durch die unterschiedlichen Lebensrealitäten verändern kann. Sarah wurde Mutter und hatte immer weniger Zeit für Julia, die weiterhin ihr unbeschwertes Studentenleben genoss. Julia zeigte wenig Verständnis für Sarahs Situation und war enttäuscht, wenn Treffen nicht zustande kamen oder Sarah Felix mitbringen musste.

Sarah schrieb Julia einen Brief, in dem sie ihre Gefühle und Gedanken zum Ausdruck brachte. Sie erinnerte sich an ihre gemeinsame Vergangenheit und erklärte, wie sich ihr Leben durch die Mutterschaft verändert hat. Sie bat Julia um Verständnis und Rücksichtnahme und betonte, dass sie trotz allem für sie da sein möchte.

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Obwohl Sarah den Brief nie abschickte, half er ihr, ihre Gedanken zu sortieren und mit Julia ins Gespräch zu kommen. Ihre Freundschaft hat sich verändert, ist aber bestehen geblieben.

Tipps für kinderlose Freunde

  • Zeigen Sie Interesse am Leben der Eltern: Fragen Sie nach dem Kind, aber vermeiden Sie aufdringliche Fragen oder ungefragte Ratschläge.
  • Seien Sie verständnisvoll und flexibel: Akzeptieren Sie, dass Eltern weniger Zeit und Energie haben und dass Treffen möglicherweise kurzfristig abgesagt werden müssen.
  • Vermeiden Sie Vergleiche: Ein Haustier zu haben ist nicht dasselbe wie ein Kind zu haben.
  • Bieten Sie Hilfe an: Wenn Sie Zeit haben, bieten Sie an, auf das Kind aufzupassen oder andere Aufgaben zu übernehmen.
  • Bleiben Sie in Kontakt: Auch wenn Sie sich nicht mehr so oft sehen, halten Sie den Kontakt per Telefon, E-Mail oder Social Media.

Tipps für Eltern

  • Respektieren Sie die Lebensweise Ihrer kinderlosen Freunde: Erwarten Sie nicht, dass sie sich Ihrem Leben anpassen oder Ihre Prioritäten teilen.
  • Vermeiden Sie ungefragte Ratschläge: Nicht jeder möchte wissen, wie man ein Kind erzieht.
  • Reden Sie nicht nur über Ihr Kind: Sprechen Sie auch über andere Themen, die Ihre Freunde interessieren.
  • Seien Sie ehrlich über Ihre Gefühle: Wenn Sie erschöpft oder überfordert sind, sagen Sie es.
  • Bedanken Sie sich für die Unterstützung: Zeigen Sie Ihren Freunden, dass Sie ihre Hilfe und ihr Verständnis wertschätzen.

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