Traumatische Erlebnisse in der Kindheit können tiefgreifende Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns und die psychische Gesundheit haben. Das Gehirn von Kindern ist besonders anfällig für die Auswirkungen von Traumata, da es sich noch in der Entwicklung befindet. Die Folgen können vielfältig sein und sich bis ins Erwachsenenalter ziehen. Dieser Artikel beleuchtet, was im Gehirn bei einem Trauma passiert, welche langfristigen Auswirkungen Kindheitstraumata haben können und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Was ist ein Trauma?
Ein Trauma ist eine seelische Verletzung, die durch ein belastendes Ereignis oder eine anhaltend schwierige Situation hervorgerufen wird. Dabei sind sowohl objektive als auch subjektive Bedingungen zu berücksichtigen. Eine Situation ist objektiv traumatisch, wenn das Ereignis für die meisten Menschen eine extreme Belastung darstellen würde, wie beispielsweise ein bewaffneter Überfall. Subjektiv traumatisch ist eine Situation, wenn sie mit extremer Angst, Hilflosigkeit oder Ohnmacht erlebt wird.
Die aktuelle Definition einer Traumatisierung nach DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 4. Ausgabe) berücksichtigt sowohl objektive (A1) als auch subjektive Kriterien (A2):
- Kriterium A1: Die Person war selbst oder als Zeuge mit einem Ereignis konfrontiert, das den Tod, Todesbedrohung oder eine ernsthafte Bedrohung der physischen Integrität von sich selbst oder anderen Menschen zum Inhalt hatte.
- Kriterium A2: Die betroffene Person reagierte mit starker Angst, Hilflosigkeit oder Entsetzen.
Besonders wichtig ist, dass auch das Zeuge-Werden einer ernsthaften Bedrohung als objektiv traumatisierend anerkannt wird. Dies ist besonders relevant für Kindheitstraumata, die oft wiederholte Missbrauchssituationen über lange Zeiträume umfassen.
Normale Verarbeitungsprozesse im Gehirn
Um die Auswirkungen von Traumata auf das Gehirn zu verstehen, ist es wichtig, die normalen Verarbeitungsprozesse zu kennen. Informationen aus der Umwelt werden über die Sinnesorgane aufgenommen und durchlaufen folgende Stationen:
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- Thalamus: Der Thalamus fungiert als Filter und entscheidet, welche Informationen wichtig sind und weitergeleitet werden. Unwichtige Informationen werden herausgefiltert.
- Amygdala: Die Amygdala (Mandelkern) ist das "Angstzentrum" des Gehirns und spielt eine wichtige Rolle bei der Konditionierung von Angst. Hier werden Ereignisse mit Emotionen verknüpft und gespeichert. Die Amygdala kreiert Gefühle, ohne diese zu bewerten.
- Hippocampus: Der Hippocampus (Seepferdchen) ist die zentrale Schaltstelle des limbischen Systems und hat eine ordnende Funktion. Ereignisse werden zeitlich und geografisch zugeordnet und die Reize bewertet.
- Großhirnrinde: Die Großhirnrinde ist der Langzeitspeicher unseres Gehirns. Hier werden die Informationen mit unserem gesamten Wissen über die Welt und uns selbst, mit unseren früheren Erfahrungen und Problemlösungen verbunden. Aus dieser Verarbeitung entstehen bewusste gedankliche Vorstellungen von der inneren und äußeren Welt, die als Erinnerungen abgespeichert werden.
Wenn die Amygdala durch beängstigende Informationen erregt wird, kann der präfrontale Kortex Zusammenhänge erkennen und rationale Bewältigungsstrategien entwickeln, wodurch die Amygdala wieder "heruntergefahren" wird. Es entstehen strukturierte Einträge ins Gedächtnis, die die Erfahrung festhalten.
Was passiert im Gehirn bei einem Trauma?
Bei traumatischen Erlebnissen wird das Gehirn mit Stresshormonen überflutet. Dies wirkt sich ungünstig auf die Nervenzellen im Gehirn aus, insbesondere auf den Hippocampus. Die Zusammenarbeit zwischen der Amygdala und dem Hippocampus ist gestört. Gefühlszustände, Bilder und körperliche Reaktionen werden in der Amygdala gespeichert, aber die vollständige Zuordnung des Erlebten im Zusammenhang mit der äußeren Realität kann im Hippocampus nicht stattfinden. Es entsteht eine "hippocampale Amnesie".
Ist das Trauma nicht verarbeitet, überwiegt das emotionale Gedächtnis der Amygdala ("hot system") im Vergleich zum autobiografischen Gedächtnis des Hippocampus ("cold system"). Es besteht ein Nebeneinander von intensiven Erinnerungen einerseits und Erinnerungslücken bezüglich der konkreten Geschehnisse andererseits. Die unvollständigen, weil noch nicht zuordenbaren Erinnerungen, entwickeln ein Eigenleben, welches sich weitestgehend dem Bewusstsein entzieht.
Bei extremer Angst wird der normale Informations- und Integrationsprozess blockiert. Die extreme Übererregung der Amygdala kappt die Verbindung zum Hippocampus. Die mit der traumatischen Situation verbundenen Reize, die Bilder, Geräusche, Gerüche oder Körpergefühle bleiben dann unverbunden auf der primitiven Ebene der Amygdala "eingefroren". Dies ist eine Art Überspannungsschutz der höheren Informationsverarbeitung im Gehirn. Auch Ohnmacht, Hilflosigkeit, Entsetzen, Ekel oder starke Schmerzen können diese Blockade der Informationsverarbeitung im Gehirn verursachen.
Kindheitstrauma-Reaktionen
Die gestörte Verarbeitung von Reizen und Informationen hat unmittelbare Reaktionen zur Folge, darunter die sogenannte Dissoziation. Psychische Funktionen, die normalerweise zusammenhängen, fallen auseinander. Wahrnehmung, Bewusstsein, Denken, Handeln und Fühlen werden, teilweise oder vollständig, voneinander getrennt. Dies sabotiert das gedankliche Zusammenfügen der situativen Reize zu einem verständlichen Bild der bedrohlichen Situation. Die Umgangssprache nennt diesen Zustand einen "Schock".
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Weitere Kindheitstrauma-Reaktionen sind:
- Depersonalisation: Die Selbstwahrnehmung verschiebt sich, und Betroffene fühlen sich fremd im eigenen Körper, als ob sie sich von außen betrachten.
- Derealisation: Es setzt ein Gefühl der Unwirklichkeit ein. Die Umwelt erscheint eigenartig fremd oder irgendwie verändert, weniger real und eher wie in einem Film.
Mit der Reizverarbeitung im entwicklungsgeschichtlich sehr alten Limbischen System, fallen auch die Kindheitstrauma-Reaktionen im Verhalten entsprechend urtümlich aus: Angriff, Flucht, Totstellen und Unterwerfung (die Vier F: Fawn, Fight, Flight, Freeze).
Vor diesem Hintergrund können ähnliche, eigentlich selbst nicht bedrohliche, Alltagsreize später die Amygdala aktivieren und starke Angstreaktionen und andere Gefühle auslösen - ohne die Einsicht, dass die Bedrohung "Dort und Damals" hingehört, und im "Hier und Jetzt" gar keine akute Gefahr besteht. Es sind die Trauma-Netzwerke, die in diesen Trigger-Situationen (Flashback) erneut aktiv werden.
Albträume, Flashbacks, Intrusionen
"Natürliche" Blockaden des Informationsverarbeitungssystems führen zu typischen posttraumatischen Stress-Symptomen. Viele Menschen, die schon einmal eine traumatische oder beängstigende Situation erlebt haben, kennen einige dieser Reaktionen: unvermittelt auftretende Ängste, Bilder oder Körpergefühle - ausgelöst durch irgendeinen inneren oder äußeren Reiz (Trigger). Den Betroffenen ist dabei der Zusammenhang mit der ursprünglichen Situation oft nicht bewusst, da die Reaktionen auf der "primitiven" Ebene der Amygdala ablaufen.
Die Folge sind Intrusionen und Albträume. Darin tauchen traumatische Situationen mit dem dazugehörigen, unverbundenen Körperzustand im Gedächtnis auf, werden aber als "traumartig" erlebt. Der Flashback ist dagegen ein hyperreales Wiedererleben traumatischer Situationen. Eine Besonderheit der komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (cPTBS) sind emotionale Flashbacks - sie wecken die emotionalen Anteile solcher Situationen: Hilflosigkeit, Panik, Wut, Traurigkeit.
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Anhaltend gesteigerte physiologische Erregung (Hyperarousal)
Eine permanente Angst, verlassen zu werden, kann zu einer dauerhaft gesteigerten Erregung im Körper führen, die später zu Schlafstörungen, erhöhter Schreckhaftigkeit oder Konzentrationsstörungen führen kann. In solchen Situationen wird die Verlassenheitsangst reaktiviert und infolgedessen die Amygdala extrem übererregt. Der präfrontale Kortex ist "ausgeschaltet", besonders auch dessen linke, eher rationale Regionen, einschließlich des Sprachzentrums. Dementsprechend werden Fakten weder vollständig aufgenommen, noch angemessen verknüpft.
Vermeidungsverhalten
Um nicht ständig von belastenden Emotionen "überfallen" zu werden, können Betroffene versuchen, Trigger zu vermeiden. Selbstschädigend wird die Vermeidung, wenn es zur Verdrängung bestimmter Themen (z.B. Sorgen), und zum Meiden bestimmter Orte (z.B. Schulgebäude) oder auch von Gegenständen (Spiegel) und Situationen (Fotoaufnahmen) kommt.
Traumaidentität
Aus der fragmentierten und de-kontextualisierten Informationsverarbeitung entsteht ein Trauma-State (mit dem Trauma assoziierter Ich-Zustand). Er beruht auf neuronalen Netzen, die in der Situation aktiviert wurden, die Trauma-Netzwerke, die ein körperlich-leibliches Reizmuster abbilden. Der Ich-Zustand wird in der Amygdala "eingefroren" statt verarbeitet zu werden.
Die Blockade der Sprachareale der Hirnrinde verhindert die sprachliche und erzählende Sinngebung und Einbettung des furchtbaren Geschehens, die Mentalisierung. Kinder haben oft keine Möglichkeit, den Missbrauch durch Eltern, Geschwister, andere nahe Verwandte oder Autoritätspersonen gedanklich einzuordnen und zu verstehen. Sie fühlen sich selbst schuldig am Geschehen und entwickeln ein negatives Selbstbild - die sogenannte Traumaidentität. Sie ist durch eine Reihe von Merkmalen gekennzeichnet, die aus einer Wurzel stammen - der Angst vor dem Verlassenwerden.
Überlebende von Kindheitstraumata befinden sich oft ständig im Alarmzustand, ihr Denken ist oft in katastrophisierenden Erwartungen und Schwarz-Weiß-Mustern gefangen. Ihr Perfektionismus und hartes Leistungsstreben stehen ausgeprägte Versagensängste und Minderwertigkeitsgefühle gegenüber. Außerdem ist die Traumaidentität geprägt von einem fehlenden Urvertrauen darauf, dass die Welt schön, das Leben lebenswert und das Kind liebenswert und einzigartig ist. Die Folge sind toxische Schuld und toxische Scham, die das Wesen des Kindes und späteren Erwachsenen selbst infrage stellen und seine Bindungs- und Beziehungsfähigkeit tiefgreifend schädigen können.
Neurobiologische Veränderungen durch Kindheitstraumata
Kindheitstraumata induzieren Veränderungen in neurobiologischen Systemen, die wiederum die Vulnerabilität für Erkrankungen erhöhen (biologische Einbettungshypothese). Die meisten neurobiologischen Systeme sind zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht ausgereift.
HPA-Achse
Zahlreiche Studien beobachteten bei misshandelten Kindern und Erwachsenen, die retrospektiv von Misshandlung in der Kindheit berichten, eine Fehlregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse). Allerdings deuten die Ergebnisse dieser Studien nicht immer in die gleiche Richtung, und Kindheitstraumata wurden sowohl mit einer Hyper- als auch Hypoaktivität der HPA-Achse in Verbindung gebracht.
Viele Faktoren kommen als Erklärung für die inkonsistenten Ergebnisse infrage. Je nach Art und Dauer des Traumas, Alter zum Zeitpunkt der Traumatisierung, Vorliegen von psychischen Störungen und zusätzlichen Traumata können sich andere Zusammenhänge zwischen Kindheitstrauma und HPA-Achsen-Aktivität ergeben. Einen wichtigen Faktor stellt auch die Zeit dar, die seit dem Trauma vergangen ist, und damit verbundene physiologische Habituationsprozesse.
Eine sichere Bindung an zumindest einen Elternteil könnte die schädigenden Auswirkungen von Kindheitstraumata abfedern und ebenfalls erklären, warum ein Kindheitstrauma unterschiedliche Auswirkungen auf das Stresshormonsystem hat.
Oxytocin
Während einige Studien eine inverse Beziehung zwischen Kindheitstrauma und dem Bindungshormon Oxytocin berichteten, fanden andere Studien erhöhte Oxytocinkonzentrationen bei in der Kindheit missbrauchten Personen. Warum Kindesmisshandlung in manchen Fällen mit erhöhten und in anderen mit niedrigeren Oxytocinkonzentrationen einhergeht, ist unklar. Man vermutet, dass die Art und Weise, wie der Betroffene mit dem Trauma umgeht, eine Rolle spielt.
Entzündungsreaktionen
Erwachsene und Jugendliche, die in ihrer Kindheit misshandelt wurden, wiesen in verschiedenen Studien erhöhte Werte des C‑reaktiven Proteins (CRP), höhere Fibrinogenspiegel und proinflammatorische Zytokine auf.
Eine traumabedingte Fehlregulation der HPA-Achse wirkt sich höchstwahrscheinlich auch auf verschiedene andere neurobiologische Systeme aus (z. B. Immunsystem, serotonerge und dopaminerge Systeme), und umgekehrt beeinflussen Fehlregulationen in diesen Systemen wiederum die HPA-Achse.
Veränderungen im Gehirn
Ausgehend von der Hypothese, dass hohe Cortisolkonzentrationen während sensibler Entwicklungsphasen das Gehirn schädigen können, v. a. in Regionen, die eine hohe Glukokortikoidrezeptor (GR)-Dichte aufweisen, untersuchten mehrere Bildgebungsstudien Unterschiede in Gehirnstrukturen und der neuronalen Antwort auf vorgegebene Stimuli zwischen Personen mit und ohne Kindesmisshandlung. Kindesmisshandlung geht mit strukturellen Veränderungen im Corpus callosum, im anterioren zingulären, dorsolateralen präfrontalen und orbitofrontalen Kortex sowie im Hippocampus einher.
Die Ergebnisse funktioneller Bildgebungsstudien ergaben, dass in der Kindheit misshandelte Personen mit einer starken Aktivierung der Amygdala auf negative Stimuli reagieren.
Anpassungsprozesse
Ging man früher davon aus, dass die vielfach beobachteten Veränderungen in neurobiologischen Systemen bei in der Kindheit traumatisierten Personen unspezifische Folgen hoher Stresshormonspiegel darstellen, nimmt man heute an, dass es sich hierbei um erfahrungsabhängige Adaptationsprozesse an die jeweilige soziale Umwelt handelt. Das stärkere Ansprechen auf Bedrohungs- als auf Belohnungsreize lässt z. B. Gefahren schneller erkennen und stellt in einer potenziell gefährlichen Umwelt eine sinnvolle Reaktion dar.
Genetische Faktoren
Nicht immer haben Traumata negative Auswirkungen auf den Organismus. Ob jemand nach dem Erleben eines Kindheitstraumas eine psychische Störung entwickelt, scheint u. a. von der genetischen Prädisposition, d. h. von Variationen einzelner Basenpaare im DNA-Strang, abhängig zu sein. Genvarianten können den Zusammenhang zwischen Kindheitstrauma und psychischen Störungen moderieren.
Langfristige Folgen von Kindheitstraumata
Kindheitstraumata gelten mittlerweile als einer der gesichertsten Risikofaktoren für die Entwicklung psychischer Störungen im späteren Leben. Fast 30 % aller psychischen Störungen sind den Schätzungen zufolge auf Kindheitstrauma und andere widrige Kindheitsumstände zurückzuführen. Kindheitstraumata gehen aber auch mit einem erhöhten Risiko für physische Erkrankungen wie z. B. Herz- und Autoimmunerkrankungen einher.
Erwiesen ist, dass sich stressreiche und hochbelastende Kindheitserfahrungen mitunter negativ auf die Gesundheit im Erwachsenenalter auswirken. Betroffene erkranken häufiger und leiden etwa unter Depression, Angststörungen, Herzkreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen.
Eine Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin zeigte, dass schwerwiegende Kindheitserfahrungen zu messbaren Anzeichen für eine beschleunigte Hirnalterung führen und neurodegenerative Prozesse im Alter verstärken. Frauen, die in ihrer Kindheit in hohem Maße Stress oder Trauma erlebten, wiesen im Blut vermehrt Biomarker für Entzündungen und Neurodegeneration auf, hatten ein geringeres Hirnvolumen und mehr kognitive Probleme.
Psychische Erkrankungen
Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, die mit Kindheitstraumata in Verbindung stehen, gehören:
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Wiedererleben des Traumas, Vermeidungsverhalten, negative Kognitionen und Stimmungsveränderungen, erhöhte Erregbarkeit.
- Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (cPTBS): Zusätzlich zu den Symptomen der PTBS treten Schwierigkeiten in der Emotionsregulation, Beziehungsgestaltung und Selbstwahrnehmung auf.
- Depressionen: Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Schlafstörungen, Appetitveränderungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Suizidgedanken.
- Angststörungen: Panikattacken, soziale Angst, generalisierte Angststörung.
- Persönlichkeitsstörungen: Borderline-Persönlichkeitsstörung, dissoziative Identitätsstörung.
- Abhängigkeitserkrankungen: Substanzmissbrauch als Bewältigungsstrategie.
- Essstörungen: Anorexie, Bulimie, Binge-Eating-Störung.
- Burnout: Erschöpfung, Zynismus, verminderte Leistungsfähigkeit.
Körperliche Erkrankungen
Kindheitstraumata können auch das Risiko für körperliche Erkrankungen erhöhen, darunter:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall.
- Autoimmunerkrankungen: Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, Lupus.
- Chronische Schmerzzustände: Fibromyalgie, chronische Rückenschmerzen.
- Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus Typ 2, Adipositas.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Demenz, Alzheimer-Krankheit.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Aufarbeitung von Kindheitstraumata ist ein wichtiger Schritt zur Heilung. Betroffene sollten sich professionelle Unterstützung suchen. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die bei der Verarbeitung von Traumata helfen können:
- Traumatherapie: Spezielle Therapieformen wie EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), narrative Expositionstherapie (NET) oder imaginative Verfahren helfen, das Trauma zu verarbeiten und die damit verbundenen negativen Emotionen zu reduzieren.
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Hilft, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern.
- Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): Vermittelt Fertigkeiten zur Emotionsregulation, Stresstoleranz und zwischenmenschlichen Interaktion.
- Körperorientierte Therapie: Durch Bewegung und Atemtechniken kann gespeicherte Traumaenergie gelöst werden.
- Kreativtherapie: Künstlerische Ausdrucksformen helfen, Emotionen zu verarbeiten.
- Psychotherapie: Sowohl in Einzel- als auch Gruppentherapien können alte Muster erkannt und durchbrochen werden.
In den Heiligenfeld Kliniken werden spezialisierte Therapieprogramme angeboten, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit Traumafolgestörungen zugeschnitten sind.
Resilienz fördern
Nicht jede oder jeder Betroffene wird nach kindlichem Trauma eine psychische Erkrankung entwickeln. Viele Menschen besitzen ein hohes Maß an Resilienz, also Widerstandskraft, mit der sie schwere Lebenskrisen überstehen, ohne größeren Schaden zu nehmen. Wie Resilienz nach frühen belastenden Erfahrungen in der Kindheit gezielt gefördert werden kann, ist eine wichtige Frage für weiterführende Studien.
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